Bibel in einem Jahr · Tag 82 von 365

1 Sam 3–5

Aus der Allioli-Arndt-Bibel (Vulgata-Übersetzung, 1914).

Altes Testament

Das 1. Buch Samuel 3

1Der Knabe Samuel aber diente dem Herrn vor Heli, und ein Ausspruch des Herrn war kostbar in jenen Tagen, und kein Gesicht ward offenbart. 2Da geschah es an einem Tage, während Heli an seinem Platze ruhte, (seine Augen waren schon dunkel geworden und er konnte nicht sehen), 3dass Samuel, ehe die Lampe des Herrn ausgelöscht wurde, im Tempel des Herrn schlief, da, wo die Lade Gottes war. 4Und der Herr rief Samuel. Er antwortete und sprach: Hier bin ich! 5Dann eilte er zu Heli und sprach: Hier bin ich! denn du hast mich gerufen. Dieser antwortete: Ich habe nicht gerufen. Kehre wieder zurück und schlafe! Da ging er hin und schlief. 6Der Herr aber rief Samuel abermals. Da stand Samuel auf, ging zu Heli und sprach: Hier bin ich! denn du hast mich gerufen. Er antwortete: Ich habe dich nicht gerufen, mein Sohn, kehre wieder zurück und schlafe! 7Samuel kannte nämlich den Herrn noch nicht, und ein Ausspruch des Herrn war ihm noch nicht offenbart worden. 8Da rief der Herr Samuel wieder zum dritten Male. Dieser stand auf, ging zu Heli 9und sprach: Hier bin ich! denn du hast mich gerufen. Da erkannte Heli, dass der Herr den Knaben rief, und sprach zu Samuel: Gehe hin und schlafe; und wenn er dich von neuem ruft, so sprich: Rede, Herr! denn dein Diener hört. Und Samuel ging hin und schlief an seinem Platze. 10Da kam der Herr und blieb stehen und rief, wie er zweimal gerufen hatte: Samuel, Samuel! Samuel sprach: Rede, Herr, denn dein Diener hört. 11Da sprach der Herr zu Samuel: Siehe, ich vollbringe ein Werk in Israel, dass jedem, der es hört, beide Ohren gellen werden. 12An jenem Tage werde ich alles wider Heli eintreten lassen, was ich über sein Haus geredet habe; ich werde es anfangen und vollenden. 13Denn ich habe es ihm vorhergesagt, dass ich an seinem Hause auf immer um seines Frevels willen Gericht üben werde, weil er wusste, dass seine Söhne Schändliches taten, und er sie nicht strafte. 14Darum habe ich dem Hause Heli geschworen, dass der Frevel seines Hauses in Ewigkeit nicht gesühnt werden soll durch Opfer und Gaben. 15Hierauf schlief Samuel bis zum Morgen, alsdann öffnete er die Türen des Hauses des Herrn. Doch fürchtete sich Samuel, Heli die gehabte Offenbarung anzuzeigen. 16Da rief Heli Samuel und sprach: Samuel, mein Sohn! Er antwortete und sprach: Hier bin ich! 17Er fragte ihn: Was ist es, was der Herr zu dir geredet hat? Ich bitte dich, verhehle es mir nicht. Gott tue dir dies und das, wenn du mir ein Wort von all dem verhehlst, was dir gesagt worden ist. 18So teilte ihm denn Samuel alles mit und verbarg nichts vor ihm. Da antwortete jener: Es ist der Herr; er möge tun, was in seinen Augen gut ist! 19Samuel aber wuchs heran, und der Herr war mit ihm, und keines von allen seinen Worten fiel auf die Erde. 20Und ganz Israel von Dan bis Bersabee ward inne, dass Samuel ein wahrhafter Prophet des Herrn sei. 21Auch erschien der Herr weiterhin in Silo; denn der Herr hatte sich Samuel in Silo offenbart nach dem Ausspruche des Herrn. Das Wort Samuels aber ging aus an ganz Israel.

Das 1. Buch Samuel 4

1Da begab es sich in jenen Tagen, dass die Philister sich zum Kampfe sammelten; und Israel zog den Philistern zum Streite entgegen und lagerte sich bei dem Steine der Hilfe. Die Philister nun kamen nach Aphek 2und stellten sich in Schlachtordnung gegen Israel auf. Als aber der Kampf begann, floh Israel vor den Philistern, und es wurden in dieser Schlacht über das weite Feld hin zerstreut bei viertausend Mann erschlagen. 3Da nun das Volk in das Lager zurückkam, sprachen die Ältesten von Israel: Warum hat uns heute der Herr vor den Philistern geschlagen? Lasset uns die Lade des Bundes des Herrn von Silo hierher bringen, damit sie in unsere Mitte komme und uns aus der Hand unserer Feinde errette! 4Das Volk also sandte nach Silo, und sie holten von da die Bundeslade des Herrn der Heerscharen, der über dem Cherubim thront; und die beiden Söhne Helis, Ophni und Phinees, waren bei der Lade des Bundes des Herrn. 5Als die Lade des Bundes des Herrn in das Lager kam, erhob ganz Israel ein Jubelgeschrei, dass die Erde davon erdröhnte. 6Da die Philister den Schall des Jauchzens hörten, sprachen sie: Was bedeutet dieser Schall großen Jubelgeschreies im Lager der Hebräer? Und als sie erfuhren, dass die Lade des Herrn in das Lager gekommen sei, 7fürchteten sich die Philister und sprachen: Gott ist in das Lager gekommen! Und aufseufzend, sprachen sie: 8Wehe uns! denn solches Frohlocken war weder gestern noch zuvor. Wehe uns! wer wird uns aus der Hand dieser erhabenen Götter retten? Das sind die Götter, welche Ägypten mit allerlei Plagen in die Wüste geschlagen haben. 9Fasset Mut und zeiget euch als Männer, ihr Philister! dass ihr den Hebräern nicht dienstbar werdet, wie sie euch dienstbar waren, fasset Mut und kämpfet! 10Die Philister zogen also in den Kampf, und Israel ward geschlagen, und ein jeder floh in sein Zelt; und die Niederlage war sehr groß; es fielen von Israel dreißigtausend Mann Fußvolk. 11Auch ward die Lade Gottes weggenommen, und die beiden Söhne Helis, Ophni und Phinees, kamen um. 12Ein Mann aus Benjamin aber lief aus der Schlacht weg und kam an demselben Tage nach Silo, mit zerrissenem Kleide, und das Haupt mit Staub bestreut. 13Als dieser ankam, saß Heli auf dem Sitze, nach der Straße ausschauend; denn sein Herz bangte um die Lade Gottes. Nachdem aber der Mann in die Stadt gekommen war, verkündete er daselbst, und die ganze Stadt wehklagte. 14Als Heli das laute Geschrei hörte, sprach er: Was ist das für ein lautes Getümmel? Da kam der Mann eilends herzu und verkündete es Heli. 15Heli aber war achtundneunzig Jahre alt, und seine Augen waren dunkel geworden, und er konnte nicht sehen. 16Als jener nun zu Heli sprach: Ich bin der, welcher aus dem Kampfe gekommen ist, und ich bin es, der heute aus der Schlacht geflohen ist, sprach er zu ihm: Was hat sich begeben, mein Sohn? 17Da antwortete der, welcher Nachricht brachte, und sprach: Israel ist von den Philistern geflohen und eine große Niederlage ist unter dem Volke angerichtet, überdies sind auch deine beiden Söhne Ophni und Phinees tot; und die Lade Gottes ist weggenommen. 18Als jener die Lade Gottes nannte, fiel Heli rücklings vom Sitze neben dem Eingange und brach den Hals und starb. Denn er war ein alter Mann und hochbetagt; und er hatte Israel vierzig Jahre gerichtet. 19Seine Schwiegertochter aber, das Weib des Phinees, war schwanger und nahe am Gebären. Als diese die Kunde vernahm, dass die Lade Gottes weggenommen und ihr Schwiegervater und ihr Mann tot seien, sank sie nieder und gebar; denn die Wehen überfielen sie plötzlich. 20Da sie nun im Sterben lag, sprachen die Frauen, die um sie standen, zu ihr: Fürchte dich nicht; den du hast einen Sohn geboren! Sie aber antwortete nicht und merkte nicht darauf. 21Und sie nannte den Knaben Ichabod, indem sie sprach: Hinweggenommen ist die Herrlichkeit von Israel! Weil die Lade Gottes weggenommen war, und wegen ihres Schwiegervaters und ihres Mannes; 22und sie sprach: Hinweggenommen ist die Herrlichkeit von Israel! Weil die Lade Gottes genommen war.

Das 1. Buch Samuel 5

1Die Philister aber nahmen die Lade Gottes und brachten sie vom Steine der Hilfe nach Azot. 2Und die Philister nahmen die Lade Gottes und brachten sie in den Tempel Dagons und stellten sie neben Dagon auf. 3Als nun die Azoter des anderen Tages am Morgen aufstanden, siehe, da lag Dagon vor der Lade des Herrn, mit dem Gesichte auf der Erde; und sie nahmen Dagon und stellten ihn wieder an seinem Platz. 4Als sie des anderen Tages am Morgen wieder aufstanden, fanden sie Dagon auf seinem Angesichte vor der Lade des Herrn auf der Erde liegen; das Haupt Dagons aber und seine beiden Hände lagen abgeschlagen auf der Schwelle; 5nur der Rumpf Dagons war an seinem Platze geblieben. Daher treten die Priester Dagons und alle, die in seinen Tempel gehen, bis auf den heutigen Tag nicht auf die Schwelle Dagons in Azot. 6Die Hand des Herrn aber lastete schwer auf den Azotern, und er richtete Verheerung unter ihnen an und schlug Azot und sein Gebiet an den verborgenen Teilen des Gefäßes. (Und es entstand in Dorf und Fels in der ganzen Landschaft ein großes Gewimmel, es kamen Mäuse hervor und es fiel der Schrecken eines großen Sterbens auf die Stadt.) 7Als aber die Leute von Azot diese Plage sahen, sprachen sie: Die Lade des Gottes Israels soll nicht bei uns bleiben; denn seine Hand lastet schwer auf uns und auf Dagon, unserem Gotte. 8Und sie sandten hin und versammelten alle Statthalter der Philister und sprachen: Was sollen wir mit der Lade des Gottes Israels tun? Die Gethiter antworteten: Man lasse die Lade des Gottes Israels herumführen! Da führten sie die Lade des Gottes Israels herum. 9Als sie dieselbe aber herumführten, starben durch die Hand des Herrn sehr viele Menschen in jeder Stadt; und er schlug die Männer jeder Stadt, klein und groß, dass Beulen hervorbrachen und faulten. Und die Gethiter gingen zu Rate und machten sich Sitze von Häuten. 10Sie sandten also die Lade Gottes nach Akkaron. Als die Lade Gottes nach Akkaron kam, riefen die Akkaroniter und sprachen: Sie haben die Lade des Gottes Israels zu uns gebracht, dass er uns und unser Volk töte. 11Sie sandten also hin und versammelten alle Statthalter der Philister, welche sprachen: Lasset die Lade des Gottes Israels an ihren Ort zurückkehren, dass er uns nicht mitsamt unserem Volke töte. 12Denn Todesschrecken kam über alle Städte, und gar schwer lag die Hand des Herrn auf ihnen. Auch die Männer, welche nicht gestorben waren, wurden an dem verborgenen Teile des Gefäßes geschlagen; und das Weheklagen einer jeden Stadt stieg zum Himmel empor.