
Pfarr- und Wallfahrtskirche Mariabrunn
Ein barocker Gnadenort im Wienerwald. Hier lesen Sie über Geschichte, Ausstattung und Wallfahrt.
Auf einen Blick
Die Legende vom Gnadenbild
Der Legende nach spazierte im Jahr 1042 Königin Gisela, die Witwe des heiligen Stephan von Ungarn, krank durch die Auwälder an der Wien. Als sie Durst bekam, schöpften ihre Diener Wasser aus einem Brunnen und entdeckten dabei eine Marienstatue. Nach dem Trinken wurde Gisela sofort gesund.
Sie ließ eine kleine hölzerne Kapelle errichten, die später durch den Wienfluss zerstört wurde. 1467 warfen Soldaten des Matthias Corvinus die Statue in den Brunnen zurück. Später soll man „engelsgleiche Musik“ aus dem Brunnen gehört haben. Soldaten Maximilians I. hoben die Statue um 1490 erneut ans Licht. Der spätere Kaiser ließ eine steinerne Kapelle errichten.
Die heutige Gnadenstatue stammt aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Urkundlich belegt ist die Wallfahrt seit 1610, als Wiener Bürger von St. Ulrich, einer Kirche des Schottenstifts, nach Mariabrunn zogen; 1615 bestätigte Bischof Melchior Khlesl die jährliche Prozession. Eine Nachbildung der Gnadenstatue steht auf dem historischen Brunnen am Kirchenplatz.








Architektur
Die Kirche wurde vom italienischen Architekten Filiberto Lucchese als barocke Wandpfeilerkirche entworfen; die ältere Forschung hatte sie Domenico Carlone zugeschrieben. Der Bau besteht aus einem dreijochigen Saal mit Tonnengewölbe und Stichkappen zwischen doppelten Gurtbögen, seitlichen Kapellen zwischen Wandpfeilern sowie einem schmalen Presbyterium mit Kreuzgratgewölbe.
Die Westfront zeigt verkröpftes Gebälk, getragen von hohen, schlanken Pilastern. Der schlanke Campanile ist mit einer zweischichtigen Putzhaut mit eingelassenen Feldern und armierten Ecken gestaltet, ein typisches Merkmal von Luccheses Fassadensprache.
Kloster und Kirche stehen in einem stumpfen Winkel zueinander. 1729 wurde die Vorhalle mit einer spätbarocken Kreuzigungsgruppe und Steinfiguren ergänzt.
Ausstattung
Hochaltar
Geschaffen 1768 vom Ordensbruder Cajetanus. Die spätgotische Marienstatue (Lindenholz, 1. Hälfte 16. Jh.) wird bekrönt von Gottvater mit Weltkugel, dem Heiligen Geist und den Erzengeln Gabriel, Raphael und Michael mit Sternenkranz. Darunter lebensgroße Figuren des hl. Augustinus und seiner Mutter Monika in Ordensgewändern sowie Zacharias und Elisabeth. Der gesamte Altar ist aus Holz, wirkt aber wie Marmor.
Seitenaltäre
Sechs barocke Seitenaltäre (1. Hälfte 18. Jh.) mit prächtigem Stuck. Die vorderen zeigen frühbarocke Deckenfresken aus der Bauzeit. Der Kreuzaltar besitzt ein Lindenholzkreuz von 1613, das älter als die Kirche ist und bei einer der ersten Wallfahrten in Prozession nach Mariabrunn getragen wurde. Ein Jagdpatron-Altar (Eustachius, Hubertus, Ägidius) wurde von den kaiserlichen Jägern gestiftet. Das Annenaltarbild schuf Johann Georg Schmidt 1723.
Kreuzaltar-Fresken
Die Fresken zeigen Szenen der Leidensgeschichte von der Verurteilung durch Pilatus bis zur Grablegung. Die Bilder sind in Freskotechnik ausgeführt, die farbige Fassung des Stucks in Grün und Gold und die florale Bemalung in Seccotechnik. Nach Angaben der Pfarre ist diese Bemalung des Stucks in Mitteleuropa einzigartig. Freigelegt durch das Bundesdenkmalamt.
Barockkanzel
Barockkanzel mit dem heiligen Augustinus am Schalldeckel. Dazu geschnitzte Kirchenbänke aus dem späten 17. Jahrhundert und ein Marmorepitaph für Lukas von Hildebrandz (1745).
Orgel
Erbaut 1734 von Gottfried Sonnholz, der dies in Erfüllung eines Gelübdes ohne Bezahlung tat und auch die prächtige Orgelbrüstung spendete. 19 Register auf zwei Manualen und Pedal. 2018 durch Wolfgang Karner restauriert und am 24. November von Weihbischof Franz Scharl geweiht.
Wieskapelle
1723 an die Kirche angebaut. Sie beherbergt seit ca. 1760 einen Geißelchristus (Wiesheiland), an eine Säule gefesselt mit Stricken und Metallschelle. Die ursprüngliche Fassung mit blutigen Wunden wurde 1983 bei der Restaurierung freigelegt.
Helenakapelle
Hinter dem Hochaltar. Das Altarbild des venezianischen Malers Francesco Fontebasso zeigt die Kreuzauffindung durch die hl. Helena. Flankiert von Holzfiguren der Heiligen Petrus und Andreas.
Unterkirche
Birgt eine lebensgroße Pietà-Sandsteinfigurengruppe von 1658: Maria mit dem toten Christus, umgeben von trauernden Engeln.
Sakristei
Geräumig mit Stuckdecke und liturgischen Motiven. Rokokoschränke von 1763 zeigen Darstellungen des freudenreichen Rosenkranzes und der theologischen Tugenden.
Kulissenbühne
Eine barocke Kulissenbühne aus der Mitte des 18. Jahrhunderts zeigt Szenen aus dem Leben Jesu. Vier Szenen sind original erhalten: die dreiteilige Fastenkrippe mit Letztem Abendmahl, Jesus am Ölberg und Judaskuss sowie das Heilige Grab mit den schlafenden Wächtern.
Historische Gemälde
Sieben große Leinwandbilder von 1736 zeigen die Legende der Entstehung des Wallfahrtsortes. Ein Votivbild stellt die Wallfahrt der Paulaner aus dem Jahr 1770 dar.
Brunnen
Barockbrunnen auf dem Kirchenplatz an der Stelle, an der der Überlieferung nach die Marienstatue gefunden wurde, mit einer Nachbildung des Gnadenbildes. Inschrift: „In diesen Brunn ist das Gnaden Bild unser Lieben Frauen, so in dem Hoch Altar Verehret wirdt, erfunden worden von der Koenigin Gisela 1042 von dem Ertz Hertzog v. Oesterreich Maximiliano 1490“.
Geschichte
Der Legende nach entdeckt Königin Gisela, Witwe des heiligen Stephan von Ungarn, bei einem Spaziergang durch die Auwälder des Wienerwaldes eine Marienstatue in einem Brunnen. Nach dem Trinken des Wassers wird sie von ihrer Krankheit geheilt. Sie lässt eine kleine hölzerne Kapelle errichten.
Der Legende nach werfen Soldaten des Matthias Corvinus die Marienstatue in den Brunnen zurück.
Der Legende nach heben Soldaten des späteren Kaisers Maximilian I. die Statue erneut aus dem Brunnen. Maximilian lässt eine steinerne Kapelle errichten.
An der Stelle besteht eine kleine Marienkapelle. Aus dieser Zeit (1. Hälfte 16. Jh.) stammt auch die heutige Gnadenstatue.
Erste urkundlich belegte Wallfahrt: Am 2. Juli ziehen Wiener Bürger von St. Ulrich, einer Kirche des Schottenstifts, nach Mariabrunn.
Auf Anordnung von Bischof Melchior Khlesl wird ein großes Kruzifix in Prozession von St. Stephan nach Mariabrunn getragen. Es befindet sich heute am Kreuzaltar.
Bischof Melchior Khlesl bestätigt am 11. Juni die jährliche Wallfahrt zum Fest Mariä Heimsuchung. Ab 1614 zieht sie von der Schottenkirche aus.
Kaiser Ferdinand II. spendet 800 Gulden für den Bau einer Sakristei. 1623 tritt er dem Gnadenort ein Grundstück ab.
Die Augustiner-Barfüßer (Discalceaten) werden nach Wien geholt und erhalten den Vorgängerbau samt Grundstück.
Kaiser Ferdinand III. legt am 1. April persönlich den Grundstein zum Kirchenneubau. Seine Initialen finden sich am Triumphbogen des Presbyteriums.
Bau der Kirche wird fertiggestellt und von Erzherzog Leopold Wilhelm (als Bischof von Passau) geweiht.
Abraham a Sancta Clara tritt in den Augustinerorden ein und beginnt sein Noviziat in Mariabrunn. Er wird später Prior (1692–1695).
Bei der Zweiten Wiener Türkenbelagerung brennt der Dachstuhl, Kirche und Kloster werden schwer beschädigt.
Kirche und Kloster werden wiederhergestellt. Die Fresken und der Stuck der Decke werden nicht erneuert.
Errichtung der sechs Seitenaltäre mit Stuck. Der Jagdpatron-Altar wird von den kaiserlichen Jägern gestiftet.
Schmiedeeisernes Gitter unter dem Orgelchor eingebaut (Jahreszahl eingearbeitet).
Anbau der Wieskapelle mit dem Geißelchristus (Wiesheiland).
Erweiterung um die Vorhalle mit spätbarocker Kreuzigungsgruppe und Steinfiguren.
Orgelbauer Gottfried Sonnholz baut die Orgel in Erfüllung eines Gelübdes, ohne Bezahlung. Er spendet auch die Orgelbrüstung.
Sieben große Leinwandbilder entstehen, die die Legende der Entstehung des Wallfahrtsortes zeigen.
Der Augustiner-Ordensbruder Cajetanus schafft den heutigen Hochaltar. Im Zentrum steht die spätgotische Marienstatue aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, das Gnadenbild der Legende.
Im April verabschiedet Kaiser Joseph II. Papst Pius VI. in Mariabrunn. Es ist der erste Papstbesuch in Wien überhaupt. Zwei Marmortafeln auf dem Portikus dokumentieren das Ereignis.
Die Wallfahrtskirche wird auch zur Pfarrkirche erhoben.
Die k. k. Forstlehranstalt zieht in das Kloster ein. Zu ihren Schülern gehört Josef Ressel, später ein Pionier der Schiffsschraube (Abschluss 1817).
Das Kloster wird aufgehoben. Die Pfarre wird von Weltpriestern übernommen, die Forstlehranstalt (ab 1867 Forstakademie) nutzt die Gebäude weiter.
Die Forstakademie wird in die Hochschule für Bodenkultur eingegliedert. Im Klostergebäude wird seither forstliche Forschung betrieben, heute durch das Bundesforschungszentrum für Wald (BFW).
Einbau des Jugendstil-Glasfensters mit der heiligen Cäcilia, Patronin der Kirchenmusik.
Restaurierung der Sonnholz-Orgel durch Wolfgang Karner. Neuweihe am 24. November durch Weihbischof Franz Scharl.
1782 verabschiedete Kaiser Joseph II. Papst Pius VI. in Mariabrunn. Es war der erste Besuch eines Papstes in Wien.
Zwei Marmortafeln auf dem Portikus der Kirche erinnern bis heute daran.
Die Sonnholz-Orgel (1734)
Die Orgel wurde 1734 von Gottfried Sonnholz erbaut und ist ein Schleifladen-Instrument mit 19 Registern auf zwei Manualwerken und Pedal. 2018 wurde sie durch Wolfgang Karner auf den mechanischen Originalzustand rückgebaut.
I Hauptwerk
Principal 8′, Waldflöte 8′, Viola di Gamba 8′, Oktav 4′, Traversflöte 4′, Quinte 2⅔′, Oktav 2′, Mixtur 2⅔′
II Positiv
Koppel 8′, Salicional 8′, Principal 4′, Flöte 4′, Dulciana 4′, Oktav 2′, Rauschquinte 1⅓′
Pedalwerk
Subbass 16′, Principal 8′, Quintasexta 5⅓′, Oktav 4′