Auf einen Blick
Die Legende vom Gnadenbild
Der Überlieferung nach ist Mariabrunn die älteste Wallfahrtsstätte in der Umgebung Wiens. Im Jahr 1042 spazierte Königin Gisela, die Witwe des heiligen Stephan von Ungarn, krank durch die Auwälder des Wienerwaldes. Als sie Durst bekam, schöpften ihre Diener Wasser aus einem Brunnen — und entdeckten dabei eine Marienstatue. Nach dem Trinken wurde Gisela sofort gesund.
Sie ließ eine kleine hölzerne Kapelle errichten, die später durch den Wienfluss zerstört wurde. 1467 warfen Soldaten des Matthias Corvinus die Statue in den Brunnen zurück. Später soll man „engelsgleiche Musik“ aus dem Brunnen gehört haben. Soldaten Maximilians I. hoben die Statue um 1490 erneut ans Licht — der spätere Kaiser ließ eine steinerne Kapelle errichten.
Die erste organisierte Wallfahrt wurde von den Benediktinern des Schottenstifts initiiert. Heute steht eine Kopie der Gnadenstatue auf dem historischen Brunnen am Kirchenplatz.








Architektur
Die Kirche wurde vom italienischen Architekten Filiberto Lucchese als siebenjochige Wandpfeilerkirche im Barockstil entworfen. Der Bau besteht aus einem dreijochigen Saal mit Tonnengewölbe und Stichkappen zwischen doppelten Gurtbögen, seitlichen Kapellen zwischen Wandpfeilern sowie einem schmalen Presbyterium mit Kreuzgratgewölbe.
Die Westfront zeigt verkröpftes Gebälk, getragen von hohen, schlanken Pilastern. Der charakteristische Campanile — hoch und schlank — ist mit einer zweischichtigen Putzhaut mit eingelassenen Feldern und armierten Ecken gestaltet, ein typisches Merkmal von Luccheses Fassadensprache.
Kloster und Kirche stehen in einem stumpfen Winkel zueinander. 1729 wurde die Vorhalle mit einer spätbarocken Kreuzigungsgruppe und Steinfiguren ergänzt.
Ausstattung
Hochaltar
Geschaffen 1768 vom Ordensbruder Cajetanus. Die spätgotische Marienstatue (Lindenholz, 1. Hälfte 16. Jh.) wird bekrönt von Gottvater mit Weltkugel, dem Heiligen Geist und den Erzengeln Gabriel, Raphael und Michael mit Sternenkranz. Darunter lebensgroße Figuren des hl. Augustinus und seiner Mutter Monika in Ordensgewändern sowie Zacharias und Elisabeth. Der gesamte Altar ist aus Holz, wirkt aber wie Marmor.
Seitenaltäre
Sechs barocke Seitenaltäre (1. Hälfte 18. Jh.) mit prächtigem Stuck. Die vorderen zeigen frühbarocke Deckenfresken aus der Bauzeit. Der Kreuzaltar besitzt ein Lindenholzkreuz von 1613, das älter als die Kirche ist. Ein Jagdpatron-Altar (Eustachius, Hubertus, Ägidius) wurde von den kaiserlichen Jägern gestiftet. Das Annenaltarbild schuf Johann Georg Schmidt 1723.
Kreuzaltar-Fresken
Die Fresken zeigen Szenen der Leidensgeschichte von der Verurteilung durch Pilatus bis zur Grablegung. Die farbige Stuckfassung in Grün und Gold mit dekorativer floraler Sekkotechnik-Bemalung ist einmalig in Mitteleuropa. Freigelegt durch das Bundesdenkmalamt.
Barockkanzel
Prächtige Barockkanzel mit dem heiligen Augustinus am Schalldeckel. Dazu geschnitzte Kirchenbänke aus dem späten 17. Jahrhundert und ein Marmorepitaph für Lukas von Hildebrandz (1745).
Orgel
Erbaut 1734 von Gottfried Sonnholz, der dies in Erfüllung eines Gelübdes ohne Bezahlung tat und auch die prächtige Orgelbrüstung spendete. 19 Register auf zwei Manualen und Pedal. 2018 durch Wolfgang Karner restauriert und am 24. November von Weihbischof Franz Scharl geweiht.
Wieskapelle
1723 an die Kirche angebaut. Sie beherbergt seit ca. 1760 einen Geißelchristus (Wiesheiland), an eine Säule gefesselt mit Stricken und Metallschelle. Die ursprüngliche Fassung mit blutigen Wunden wurde 1983 bei der Restaurierung freigelegt.
Helenakapelle
Hinter dem Hochaltar. Das Altarbild des venezianischen Malers Francesco Fontebasso zeigt die Kreuzauffindung durch die hl. Helena. Flankiert von Holzfiguren der Heiligen Petrus und Andreas.
Unterkirche
Birgt eine lebensgroße Pietà-Sandsteinfigurengruppe von 1658: Maria mit dem toten Christus, umgeben von trauernden Engeln.
Sakristei
Geräumig mit Stuckdecke und liturgischen Motiven. Rokokoschränke von 1763 zeigen Darstellungen des freudenreichen Rosenkranzes und der theologischen Tugenden.
Kulissenbühne
Eine barocke Kulissenbühne aus dem 18. Jahrhundert zeigt Szenen aus dem Leben Jesu. Vier ursprüngliche Szenen sind erhalten: die Fastenkrippe mit Letztem Abendmahl, Jesus am Ölberg und Judaskuss.
Historische Gemälde
Sieben große Leinwandbilder von 1736 zeigen die Legende der Entstehung des Wallfahrtsortes. Ein Votivbild stellt die Wallfahrt der Paulaner aus dem Jahr 1770 dar.
Brunnen
Barockbrunnen auf dem Kirchenplatz an der legendären Fundstelle der Marienstatue, mit prunkvoller Nachbildung des Gnadenbildes. Inschrift: „In diesen Brunnen ist das Gnaden-Bild unser Lieben Frauen erfunden worden von der Koenigin Gisela 1042“.
Geschichte
Der Legende nach entdeckt Königin Gisela, Witwe des heiligen Stephan von Ungarn, bei einem Spaziergang durch die Auwälder des Wienerwaldes eine Marienstatue in einem Brunnen. Nach dem Trinken des Wassers wird sie von ihrer Krankheit geheilt. Sie lässt eine kleine hölzerne Kapelle errichten.
Soldaten des Matthias Corvinus werfen die Marienstatue in den Brunnen zurück.
Soldaten des späteren Kaisers Maximilian I. heben die Statue erneut aus dem Brunnen. Maximilian lässt eine steinerne Kapelle errichten.
Wiener Bischof Melchior Khlesl reaktiviert die Wallfahrt im Zuge der Gegenreformation.
Kaiser Ferdinand II. spendet 800 Gulden für den Bau einer Sakristei und tritt das Grundstück ab.
Die Augustiner-Barfüßer (Discalceaten) werden nach Wien geholt und erhalten den Vorgängerbau samt Grundstück.
Kaiser Ferdinand III. legt am 1. April persönlich den Grundstein zum Kirchenneubau. Seine Initialen finden sich am Triumphbogen des Presbyteriums.
Bau der Kirche wird fertiggestellt und von Erzherzog Leopold Wilhelm (als Bischof von Passau) geweiht.
Abraham a Sancta Clara tritt in den Augustinerorden ein und beginnt sein Noviziat in Mariabrunn. Er wird später Prior (1692–1695).
Schwere Beschädigungen durch die Zweite Wiener Türkenbelagerung.
Wiederherstellung nach dem Brand.
Errichtung der sechs Seitenaltäre mit prächtigem Stuck. Der Jagdpatron-Altar wird von den kaiserlichen Jägern gestiftet.
Schmiedeeisernes Gitter unter dem Orgelchor eingebaut (Jahreszahl eingearbeitet).
Anbau der Wieskapelle mit dem Geißelchristus (Wiesheiland).
Erweiterung um die Vorhalle mit spätbarocker Kreuzigungsgruppe und Steinfiguren.
Orgelbauer Gottfried Sonnholz baut die Orgel in Erfüllung eines Gelübdes — ohne Bezahlung. Er spendet auch die prächtige Orgelbrüstung.
Sieben große Leinwandbilder entstehen, die die Legende der Entstehung des Wallfahrtsortes zeigen.
Der Augustiner-Ordensbruder Cajetanus schafft den heutigen Hochaltar. Im Zentrum: die gotische Marienstatue aus dem 15./16. Jahrhundert — das legendäre Gnadenbild.
Am 22. April verabschiedet Kaiser Joseph II. Papst Pius VI. in Mariabrunn — der erste Papstbesuch in Wien überhaupt. Zwei Marmortafeln auf dem Portikus dokumentieren das Ereignis.
Die Wallfahrtskirche wird auch zur Pfarrkirche erhoben.
Das Kloster wird aufgelöst. Die Gebäude werden fortan von der kaiserlichen Forstakademie genutzt — Josef Ressel studierte hier.
Das ehemalige Klostergebäude wird zum Bundesforschungszentrum für Forstwirtschaft und Naturgefahren.
Einbau des Jugendstil-Glasfensters mit der heiligen Cäcilia, Patronin der Kirchenmusik.
Restaurierung der Sonnholz-Orgel durch Wolfgang Karner. Neuweihe am 24. November durch Weihbischof Franz Scharl.
„Am 22. April 1782 verabschiedete Kaiser Joseph II. Papst Pius VI. in Mariabrunn — der erste Papstbesuch in Wien überhaupt.“
Zwei Marmortafeln auf dem Portikus der Kirche dokumentieren dieses historische Ereignis bis heute.
Die Sonnholz-Orgel (1734)
Die Orgel wurde 1734 von Gottfried Sonnholz erbaut und ist ein Schleifladen-Instrument mit 19 Registern auf zwei Manualwerken und Pedal. 2018 wurde sie durch Wolfgang Karner auf den mechanischen Originalzustand rückgebaut.
I Hauptwerk
Principal 8′, Waldflöte 8′, Viola di Gamba 8′, Oktav 4′, Traversflöte 4′, Quinte 2⅔′, Oktav 2′, Mixtur 2⅔′
II Positiv
Koppel 8′, Salicional 8′, Principal 4′, Flöte 4′, Dulciana 4′, Oktav 2′, Rauschquinte 1⅓′
Pedalwerk
Subbass 16′, Principal 8′, Quintasexta 5⅓′, Oktav 4′