Bibel in einem Jahr · Tag 63 von 365

Dtn 30–32 · Lk 1

Aus der Allioli-Arndt-Bibel (Vulgata-Übersetzung, 1914).

Altes Testament

Deuteronomium 30

1Wenn nun alle diese Aussprüche über dich kommen werden, der Segen oder der Fluch, den ich dir vor Augen gestellt habe; und du in der Reue deines Herzens unter allen Völkern, unter welche dich der Herr, dein Gott, zerstreut hat, 2zu ihm zurückkehrst und seinen Befehlen gehorchest, wie ich dir heute gebiete, du und deine Söhne, aus ganzem Herzen, und aus ganzer Seele: 3so wird der Herr, dein Gott, deine Gefangenschaft wenden, und sich deiner erbarmen, und dich wieder aus allen Völkern sammeln, unter die er dich zuvor zerstreut hat. 4Wenn du bis an die Enden des Himmels zerstreut wärest, so wird der Herr, dein Gott, dich von dort zurückholen, 5und dich sammeln, und in das Land bringen, welches deine Väter besaßen, und du wirst es inne haben; und er wird dich segnen und dich zahlreicher machen, als deine Väter waren. 6Der Herr, dein Gott, wird dein Herz und das Herz deiner Nachkommen beschneiden, auf dass du den Herrn, deinen Gott, aus deinem ganzen Herzen und aus deiner ganzen Seele liebest, dass du leben könnest. 7Alle diese Verfluchungen aber wird er auf deine Feinde und auf die kehren, welche dich hassen und verfolgen. 8Du aber wirst zurückkehren, und der Stimme des Herrn, deines Gottes, gehorchen, und alle Gebote tun, die ich dir heute gebe; 9und der Herr, dein Gott wird dir Überfluss geben in allem, was deine Hände tun, an Frucht deines Leibes, an Frucht von deinem Vieh, an Fruchtbarkeit deines Landes, und an Ergiebigkeit aller Dinge; denn der Herr wird wiederum an dir Freude haben über alles Gute, wie er an deinen Vätern Freude gehabt hat; 10jedoch nur, wenn du der Stimme des Herrn, deines Gottes, gehorsam bist und seine Gebote und Vorschriften hältst, die in diesem Gesetze geschrieben sind, und zu dem Herrn, deinem Gott, aus ganzem Herzen und aus ganzer Seele zurückkehrst. 11Dieses Gebot, das ich dir heute gebe, ist nicht hoch über dir, oder fern von dir, 12oder im Himmel befindlich, dass du sagen könntest: Wer von uns vermag zum Himmel aufzusteigen, um es zu uns herabzubringen, dass wir es hören und in der Tat erfüllen? 13Auch ist es nicht jenseits des Meeres niedergelegt, dass du vorwenden und sagen könntest: Wer von uns wird über das Meer fahren können und es zu uns herüberholen; dass wir hören und tun können, was es gebietet? 14sondern das Wort ist ganz nahe bei dir, in deinem Munde und in deinem Herzen, dass du es tuest. 15Bedenke, dass ich dir heute Leben und Glück, und anderseits Tod und Unglück vor Augen gestellt habe, 16dass du den Herrn, deinen Gott, liebest, und in seinen Wegen wandelst, und seine Gebote und Vorschriften und Rechte beobachtest, und lebest, und er dich mehre und dich segne in dem Lande, in das du ziehest, es in Besitz zu nehmen. 17Wenn sich aber dein Herz abwendet, und du nicht gehorchen willst, und dich verführen lässest, fremde Götter anzubeten und ihnen zu dienen, 18so tue ich dir heute kund, dass du zu Grunde gehen und nicht lange im Lande wohnen wirst, in das du über den Jordan hinüberziehst, es in Besitz zu nehmen. 19Himmel und Erde rufe ich heute zu Zeugen an, dass ich euch Leben und Tod, Segen und Fluch, vorgelegt habe. So wähle denn das Leben, damit du lebest, und auch deine Nachkommen; 20und du den Herrn, deinen Gott, liebest, und seiner Stimme gehorchest, und ihm anhangest (denn er ist dein Leben und die Länge deiner Tage,) dass du in dem Lande wohnest, welches der Herr deinen Vätern, Abraham, Isaak und Jakob geschworen hat.

Deuteronomium 31

1Und Moses ging hin, und redete alle diese Worte zu ganz Israel. 2und sprach zu ihnen: Ich bin heute hundert und zwanzig Jahre alt und kann nicht mehr aus und eingehen, besonders da auch der Herr zu mir gesagt hat: Du wirst den Jordan da nicht überschreiten. 3So wird nun der Herr, dein Gott, vor dir hinüberziehen; er wird alle diese Völker vor dir vertilgen, und du wirst ihren Besitz erlangen; und Josue wird vor dir hinüberziehen, wie der Herr gesprochen hat. 4Und der Herr wird ihnen tun, wie er Sehon und Og, den Königen der Amorrhiter, und ihrem Lande getan hat, und wird sie vertilgen, 5Wenn er euch nun auch diese preisgeben wird, so tuet ihnen, wie ich euch geboten habe. 6Seid mannhaft und tapfer! Fürchtet euch nicht, und erschrecket nicht bei ihrem Anblicke, denn der Herr, dein Gott, ist selbst dein Führer, er wird dich nicht preisgeben und dich nicht verlassen. 7Hierauf berief Moses den Josue und sprach zu ihm vor ganz Israel: Sei mannhaft und tapfer! Denn du sollst dieses Volk in das Land führen, das zu geben der Herr ihren Vätern geschworen hat, und du sollst es durch das Los verteilen. 8Und der Herr, der euer Führer ist, er wird mit dir sein; er wird dich nicht preisgeben und dich nicht verlassen; fürchte dich nicht und zage nicht! 9Moses also schrieb dieses Gesetz und übergab es den Priestern, den Söhnen Levis, welche die Lade des Bundes des Herrn trugen, und allen Ältesten Israels. 10Und er gebot ihnen und sprach: Nach je sieben Jahren, im Erlassjahre, am Laubhüttenfeste, 11wenn alle aus Israel zusammen kommen, um vor dem Herrn, deinem Gott, an dem Orte zu erscheinen, den der Herr erwählen wird, sollst du die Worte dieses Gesetzes vor ganz Israel lesen, dass sie es hören, 12und vor dem ganzen versammelten Volke, sowohl Männern wie Weibern, Kindern wie Fremdlingen, die innerhalb deiner Tore sind; damit sie es hören und lernen, und den Herrn, euern Gott fürchten, und alle Worte dieses Gesetzes beobachten und erfüllen; 13auch ihre Söhne, die es jetzt noch nicht kennen, dass auch diese es hören können und den Herrn, ihren Gott, fürchten die ganze Zeit, die sie in dem Lande wohnen, in das ihr über den Jordan zieht, es in Besitz zu nehmen. 14Und der Herr sprach zu Moses: Siehe, die Zeit deines Todes ist nahe; rufe Josue, und gehet in das Zelt des Zeugnisses, dass ich ihm meine Weisungen gebe. Moses und Josue gingen also hin und traten in das Zelt des Zeugnisses, 15und der Herr erschien daselbst in der Wolkensäule, welche am Eingange des Zeltes stand. 16Da sprach der Herr zu Moses: Siehe, du wirst zu deinen Vätern entschlafen, alsdann wird dies Volk sich erheben und fremden Göttern nachbuhlen, in dem Lande, in das es zieht, darin Wohnung zu nehmen; es wird mich daselbst verlassen und den Bund, den ich mit ihm geschlossen, brechen. 17Alsdann wird mein Grimm wider dasselbe entbrennen; und ich werde das Volk verlassen und mein Angesicht vor ihm verbergen, und es soll dem Verderben anheimfallen, und alle Art Übel und Trübsale werden es treffen, so dass es zu jener Zeit sagen wird: Wahrlich, weil Gott nicht mit mir ist, haben mich diese Übel betroffen! 18Ich aber werde zu jener Zeit mein Angesicht verbergen und verhüllen, um all des Bösen willen, das es getan hat, weil es sich fremden Göttern zugewendet hat. 19So schreibet euch nun dieses Lied auf und lehret es die Söhne Israels, dass sie es im Gedächtnis behalten und mit dem Munde singen, und dies Lied diene mir als Zeugnis unter den Söhnen Israels. 20Denn ich werde sie in das Land führen, das ich ihren Vätern zugeschworen habe, das von Milch und Honig fließt. Und wenn sie gegessen haben und satt und fett geworden sind, so werden sie sich fremden Göttern zuwenden und diesen dienen; und werden mich lästern und meinen Bund brechen. 21Wenn dann diese Übel und Trübsale sie treffen, so soll dieses Lied, das keine Vergessenheit aus dem Munde ihrer Nachkommen austilgen soll, Zeugnis gegen sie geben. Denn ehe ich sie in das Land führe, das ich ihnen verheißen habe, kenne ich ihre Gedanken, was sie bald tun werden. 22Moses also schrieb dieses Lied auf und lehrte es die Söhne Israels. 23Und der Herr gebot Josue, dem Sohne Nuns, und sprach: Sei mannhaft und stark! Denn du sollst die Söhne Israels in das Land führen, das ich ihnen verheißen habe, und ich werde mit dir sein. 24Nachdem nun Moses die Worte dieses Gesetzes in ein Buch geschrieben und es vollendet hatte, 25gebot er den Leviten, welche die Lade des Bundes des Herrn trugen, und sprach: 26Nehmet dieses Buch, und leget es an der Seite der Lade des Bundes des Herrn, eures Gottes, nieder, damit es dort wider dich Zeugnis gebe. 27Denn ich kenne deine Widerspenstigkeit und deinen störrigen Nacken. Jetzt, da ich noch am Leben war und bei euch weilte, seid ihr immer widerspenstig gegen den Herrn gewesen; wie viel mehr, wenn ich gestorben sein werde? 28Versammelt alle Ältesten eurer Stämme und eure Lehrer zu mir, dass ich vor ihnen diese Worte verkünde und gegen sie Himmel und Erde anrufe. 29Denn ich weiß, dass ihr nach meinem Tode übel handeln und schnell von dem Wege abweichen werdet, den ich euch gewiesen habe; und es wird euch in der letzten Zeit Unglück treffen, wenn ihr vor den Augen des Herrn übel tuet, indem ihr ihn durch die Werke eurer Hände zum Zorne reizt. 30So sprach Moses vor den Ohren der ganzen Gemeinde Israel die Worte dieses Liedes, bis zum Ende.

Deuteronomium 32

1Höret, ihr Himmel, was ich rede; es höre die Erde die Worte meines Mundes! 2Meine Lehre ströme zusammen wie Regen, wie Tau fließe meine Rede, wie milder Regenguss auf das Grün, wie Regentropfen auf die Gräser. 3Denn den Namen des Herrn will ich preisen. Gebet unserm Gott die Ehre! 4Gottes Werke sind vollkommen, und alle seine Wege sind gerecht; getreu ist Gott, und ohne allen Trug, gerecht und gerade. 5Sie sündigten gegen ihn in Schmach, sie, nicht mehr seine Söhne; ein verderbtes und verkehrtes Geschlecht! 6Vergiltst du so dem Herrn, du törichtes und unverständiges Volk? Ist er denn nicht dein Vater, der dich erworben, der dich gemacht und erschaffen hat? 7Gedenke der weit zurückliegenden Tage, betrachte alle Geschlechter; frage deinen Vater, er wird es dir kundtun; deine Vorfahren, sie werden es dir sagen. 8Als der Höchste die Völker schied, als er die Söhne Adams sonderte, bestimmte er die Grenzen der Völker nach der Zahl der Söhne Israels. 9Des Herrn Anteil aber ist sein Volk, Jakob das ihm zugemessene Erbe. 10Er fand es im wüsten Lande, am Orte des Grauens, der weiten Einöde; er führte es, und lehrte es, und hütete es wie seinen Augapfel. 11Gleichwie der Adler seine Jungen zum Fluge lockt und über ihnen schwebt, so breitete er seine Flügel aus, und nahm es und trug es auf seinen Schultern. 12Der Herr allein war sein Führer, und kein fremder Gott war mit ihm. 13Er setzte es auf ein hohes Land, dass es die Früchte des Feldes esse, dass es Honig aus dem Felsen sauge, und Öl aus dem harten Gesteine, 14Butter esse von den Kühen und Milch von den Schafen, samt dem Fette der Lämmer und Widder der Söhne Basans, und Böcke, samt dem Marke des Weizens; dass es trinke das Blut der Trauben, den lautersten Wein. 15Aber der Liebling ward fett und schlug aus; er ward feist und breit, da verließ er Gott, seinen Schöpfer, und wich von Gott, seinem Heile. 16Sie erzürnten ihn durch fremde Götter, sie reizten ihn durch Greuel zum Zorne. 17Sie brachten den bösen Geistern Opfer dar, und nicht Gott, Göttern, die sie nicht kannten, neuen, die jüngst aufgekommen waren, die ihre Väter nicht verehrten. 18Den Gott, der dich gezeugt, hast du verlassen, und des Herrn, deines Schöpfers, hast du vergessen. 19Der Herr sah es und ward zum Zorne erregt, den seine Söhne und Töchter reizten ihn. 20Und er sprach: Ich will mein Angesicht vor ihnen verbergen und schauen, welches ihr Ende sein wird; denn sie sind ein verkehrtes Geschlecht, und Kinder ohne Treue. 21Sie haben mich durch das, was nicht Gott war, gereizt, und mit ihren Eitelkeiten erbittert; so will auch ich sie reizen mit dem, was kein Volk ist, und sie durch ein törichtes Volk erbittern. 22Das Feuer meines Zornes ist entflammt, und wird brennen bis in die tiefste Tiefe der Hölle, und wird die Erde mit ihrem Gewächs verzehren, und die Grundfesten der Berge verbrennen. 23Ich will des Unglücks Fülle über sie häufen und alle meine Pfeile gegen sie schleudern. 24Sie werden vom Hunger aufgezehrt werden, und Raubvögel werden sie mit bitterm Bisse verschlingen; den Zahn wilder Tiere werde ich über sie senden, die Wut der am Boden dahinschleichenden Schlangen. 25Von außen wird sie das Schwert dahinraffen, von innen der Schrecken, den Jüngling wie die Jungfrau, den Säugling wie den Greis. 26Ich sprach: Wo sind sie? Vernichten werde ich ihr Andenken unter den Menschen. 27Doch wegen des Grimmes der Widersacher habe ich verzogen, dass ihre Feinde nicht etwa im Übermute sagen möchten: Unsere mächtige Hand und nicht der Herr hat dies alles getan. 28Es ist ein Volk ohne Rat und ohne Einsicht. 29O wären sie weise, und hätten sie Einsicht und bedächten, welches ihr Ende sein wird! 30Wie könnte ein einziger tausend verfolgen, und zwei zehntausend in die Flucht jagen? Nicht darum, weil ihr Gott sie verkauft und der Herr sie preisgegeben hat? 31Denn unser Gott ist nicht wie ihre Götter, und des sind unsere Feinde selbst Richter. 32Vom Weinstocke Sodoms stammt ihr Weinstock, und von den Gefilden Gomorrhas; ihre Trauben sind Trauben von Galle, und ihre Beeren bitter. 33Drachengalle ist ihr Wein, und unheilbares Natterngift. 34Ist dies nicht bei mir verborgen, und versiegelt in meinen Schätzen? 35Mein ist die Rache, und ich will vergelten zu seiner Zeit, auf dass ihr Fuß wanke; schon nahet der Tag des Verderbens, und die Zeiten eilen schnell heran. 36Der Herr wird sein Volk richten, und sich über seine Diener erbarmen; wenn er sieht, dass ihr Land entkräftet ist, dass die Eingeschlossenen schwach und die übriggebliebenen aufgerieben sind. 37Dann wird er sprechen: Wo sind ihre Götter, auf welche sie ihr Vertrauen setzten? 38von deren Schlachtopfer sie das Fett aßen, von deren Trankopfern sie den Wein tranken? Sie mögen sich erheben, und euch Hilfe bringen, und euch in der Not beschirmen. 39Erkennet denn, dass ich der einzige bin, und dass kein anderer Gott ist außer mir; ich tote, und ich mache lebendig; ich schlage, und ich heile, und niemand kann aus meiner Hand erretten. 40Ich erhebe meine Hand zum Himmel und spreche: So wahr ich lebe in Ewigkeit! 41Wenn ich mein Schwert wie ein Blitz schärfe, und meine Hand das Gericht ergreifet, so werde ich Rache an meinen Feinden nehmen, und denen vergelten, die mich hassen. 42Ich will meine Pfeile trunken machen vom Blut, und mein Schwert soll Fleisch fressen von dem Blute der Erschlagenen, und von den Gefangenen, das Fleisch der Feinde, deren Haupt entblößt ist. 43Preiset ihr Völker sein Volk! Denn er rächt das Blut seiner Knechte, und nimmt Rache an ihren Feinden, und ist gnädig dem Lande seines Volkes. 44Moses also kam und sprach alle Worte dieses Liedes vor den Ohren des Volkes, er und Josue, der Sohn Nuns. 45Und als er alle diese Reden, zu ganz Israel sprechend, vollendet hatte, 46sagte er zu ihnen: Nehmet alle die Worte, die ich euch heute bezeuge, zu Herzen, damit ihr sie euren Söhnen einschärfet, dass sie dieselben halten und tun, und alles erfüllen, was in diesem Gesetze geschrieben ist; 47denn nicht ohne Grund sind sie euch geboten, sondern dass alle darin leben; und dass ihr, wenn ihr sie tut, lange in dem Lande bleibet, in das ihr über den Jordan ziehet, es in Besitz zu nehmen. 48An eben diesem Tage redete der Herr zu Moses und sprach: 49Steige auf das Gebirge Abarim dort, das ist der Übergänge, auf den Berg Nebo, welcher im Lande Moab, Jericho gegenüber, liegt; und schaue das Land Chanaan, das ich den Söhnen Israels zum Besitze geben werde, und stirb auf dem Berge. 50Wenn du ihn bestiegen hast, wirst du zu deinem Volke gesammelt werden, so wie Aaron, dein Bruder, auf dem Berge Hor gestorben ist und zu seinem Volke gesammelt ward; 51weil ihr inmitten der Söhne Israels, bei dem Wasser des Widerspruches zu Kades in der Wüste Sin, wider mich gesündigt und mich nicht unter den Söhnen Israels verherrlicht habt. 52gegenüber wirst du das Land sehen, aber du sollst nicht in das Land hineinkommen, welches ich den Söhnen Israels geben werde.

Neues Testament

Lukasevangelium 1

1Weil viele schon es unternommen haben, eine Erzählung der Tatsachen, die unter uns vollendet worden sind, zu verfassen, 2wie sie uns diejenigen überliefert haben, welche von Anfang an Augenzeugen und Diener des Wortes gewesen sind; 3So habe auch ich für gut befunden, nachdem ich über alles vom Anfange an genaue Kunde eingeholet, es dir der Ordnung nach aufzuschreiben, bester Theophilus! 4damit du die Zuverlässigkeit der Worte genau einsehest, in denen du unterrichtet worden bist. 5Es war in den Tagen Herodes, des Königs von Judäa, ein Priester, mit Namen Zacharias, aus der Reihe Abias; sein Weib war von den Töchtern Aarons, und hieß Elisabeth. 6Beide waren gerecht vor Gott, und wandelten in allen Geboten und Satzungen des Herrn tadellos, 7und sie hatten kein Kind, denn Elisabeth war unfruchtbar, und beide waren vorgerückt an Tagen. 8Es begab sich aber, als er nach der Ordnung seiner Reihe vor Gott den Priesterdienst verrichtete, 9kam er nach der Sitte des Priestertums durch das Los daran, in den Tempel des Herrn hineinzugehen und zu räuchern. 10Die ganze Volksmenge aber stand betend draußen zur Stunde des Rauchwerkes. 11Da erschien ihm ein Engel des Herrn, zur Rechten des Rauchaltars stehend. 12Und Zacharias erschrak, als er ihn sah, und Furcht überfiel ihn. 13Der Engel aber sprach zu ihm: Fürchte dich nicht, Zacharias! Denn dein Gebet ist erhöret worden; und dein Weib, Elisabeth, wird dir einen Sohn gebären, den sollst du Johannes heißen. 14Du wirst Freude und Wonne haben, und viele werden sich über seine Geburt freuen; 15denn er wird groß sein vor dem Herrn; Wein und starkes Getränk wird er nicht trinken, und wird mit dem heiligen Geiste erfüllet werden schon vom Mutterleibe an, 16und viele von den Kindern Israels wird er zu dem Herrn, ihrem Gott, bekehren. 17Und er wird vor ihm hergehen im Geiste und in der Kraft des Elias, um die Gesinnungen der Väter auf die Kinder, die Ungläubigen zur Weisheit der Gerechten zu bringen, und dem Herrn ein vollkommenes Volk zu bereiten. 18Da sprach Zacharias zu dem Engel: Woran soll ich das erkennen? Denn ich bin alt, und mein Weib ist vorgerückt an Tagen. 19Und der Engel antwortete, und sprach zu ihm: Ich bin Gabriel, der vor Gott steht, und bin gesandt worden zu dir zu reden, und dir diese frohe Botschaft zu bringen. 20Und siehe, du wirst stumm sein, und nicht reden können bis auf den Tag, da dies geschehen wird; darum weil du meinen Worten nicht geglaubt hast, die in Erfüllung gehen werden zu ihrer Zeit. 21Das Volk aber wartete auf Zacharias, und sie verwunderten sich, dass er solange im Tempel verweilte. 22Als er nun herauskam, konnte er nicht zu ihnen reden. Da erkannten sie, dass er eine Erscheinung im Tempel gehabt hatte. Und er winkte ihnen und blieb stumm. 23Und es geschah, als die Tage seines Dienstes vollbracht waren, ging er hinweg in sein Haus. 24Nach diesen Tagen aber empfing Elisabeth, sein Weib, und sie verbarg sich fünf Monate lang, indem sie sprach: 25Also hat mir der Herr getan in diesen Tagen, da er mich angesehen, um meine Schmach vor den Menschen von mir zu nehmen! 26Im sechsten Monate aber ward der Engel Gabriel von Gott gesandt in eine Stadt in Galiläa, mit Namen Nazareth, 27zu einer Jungfrau, die verlobt war mit einem Manne, mit Namen Joseph, vom Hause Davids, und der Name der Jungfrau war Maria. 28Und der Engel trat zu ihr hinein, und sprach: Gegrüßt seist du, voll der Gnaden, der Herr ist mit dir, du bist gebenedeiet unter den Weibern! 29Da sie dies hörte, erschrak sie über seine Rede, und bedachte bei sich, was dies für ein Gruß sei. 30Und der Engel sprach zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria, denn du hast Gnade gefunden bei Gott. 31Siehe, du wirst empfangen im Schoße, und einen Sohn gebären, und du sollst seinen Namen Jesus heißen. 32Dieser wird groß sein, und der Sohn des Allerhöchsten genannt werden; Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben, und er wird herrschen über das Haus Jakob in Ewigkeit, 33und seines Reiches wird kein Ende sein. 34Maria aber sprach zu dem Engel: Wie wird dies geschehen, da ich einen Mann nicht erkenne? 35Der Engel antwortete, und sprach zu ihr: Der Heilige Geist wird auf dich herabkommen, und die Kraft des Allerhöchsten wird dich überschatten; darum wird auch das Heilige, welches aus dir geboren werden soll, Sohn Gottes genannt werden. 36Und siehe, Elisabeth, deine Verwandte, auch sie hat einen Sohn empfangen in ihrem Alter, und dies ist der sechste Monat für sie, die unfruchtbar heißt, 37denn bei Gott ist kein Ding unmöglich. 38Maria aber sprach: Siehe, ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe, nach deinem Worte! Und der Engel schied von ihr. 39Maria aber machte sich in jenen Tagen auf, und ging eilends auf das Gebirge nach einer Stadt des Stammes Juda. 40Und sie kam in das Haus des Zacharias, und grüßte Elisabeth. 41Und es begab sich, sobald Elisabeth den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind freudig in ihrem Leibe auf, und Elisabeth ward erfüllet von dem heiligen Geiste. 42Und sie rief mit lauter Stimme, und sprach: Gebenedeit bist du unter den Weibern, und gebenedeiet ist die Frucht deines Leibes! 43Und woher geschieht mir dies, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? 44Denn siehe, sobald die Stimme deines Grußes an mein Ohr gelangte, hüpfte das Kind freudig in meinem Schoße. 45Und selig, die du geglaubt hast, dass in Erfüllung gehen wird, was dir von dem Herrn gesagt ward. 46Maria sprach: Hoch preiset meine Seele den Herrn, 47und mein Geist frohlocket in Gott, meinem Heilande! 48Weil er die Niedrigkeit seiner Magd angesehen hat; denn siehe, von nun an werden mich selig preisen alle Geschlechter. 49Denn Großes hat an mir getan, der mächtig, und dessen Name heilig ist! 50Und seine Barmherzigkeit währet von Geschlecht zu Geschlecht bei denen, die ihn fürchten. 51Er hat Macht geübt mit seinem Arme, zerstreuet, die da hoffärtig sind in ihres Herzens Sinne. 52Er hat Gewaltige vom Throne gestürzt, und Niedrige hat er erhöhet. 53Hungrige hat er mit Gütern erfüllt, und die Reichen leer ausgehen lassen. 54Er hat sich Israels, seines Knechtes, angenommen, eingedenk seiner Barmherzigkeit; 55wie er zu unsern Vätern gesprochen hat, zu Abraham und seinen Nachkommen in Ewigkeit. 56Und Maria blieb bei ihr ungefähr drei Monate, und kehrte dann zurück in ihr Haus. 57Es kam aber die Zeit, da Elisabeth gebären sollte, und sie gebar einen Sohn. 58Und ihre Nachbarn und Verwandten hörten es, dass der Herr große Barmherzigkeit an ihr getan habe, und sie freuten sich mit ihr. 59Und es geschah am achten Tage, da kamen sie den Knaben zu beschneiden, und sie nannten ihn nach seines Vaters Namen Zacharias. 60Seine Mutter aber nahm das Wort, und sprach: Nein, sondern er soll Johannes heißen! 61Sie sprachen zu ihr: Es ist doch niemand in deiner Verwandtschaft, der diesen Namen hat. 62Da winkten sie seinem Vater, wie er ihn wollte nennen lassen. 63Er forderte ein Schreibtäfelchen, und schrieb die Worte: Johannes ist sein Name! Und sie verwunderten sich alle. (V. 13) 64Und sogleich ward sein Mund aufgetan, und seine Zunge ward gelöst, und er redete, und lobte Gott. 65Da überfiel alle Nachbarn derselben Furcht, und im ganzen Gebirge von Judäa bereitete sich der Ruf aus von all diesen Dingen. 66Und alle, die davon hörten, nahmen es zu Herzen, und sprachen: Was wird wohl aus diesem Kinde werden? Denn die Hand des Herrn war mit ihm. 67Und Zacharias, sein Vater, ward erfüllt mit dem heiligen Geiste; und er weissagte und sprach: 68Gepriesen sei der Herr, der Gott Israels, denn er hat sein Volk heimgesucht, und ihm Erlösung gewirkt! 69Ein Horn des Heiles hat er uns aufgerichtet in dem Hause Davids, seines Knechtes; 70wie er es verheissen hat durch den Mund seiner heiligen Propheten, die von Alters her gewesen; 71uns zu erlösen von unsern Feinden, und aus der Hand aller, die uns hassen; 72Barmherzigkeit zu üben an unsern Vätern, und eingedenk zu sein seines heiligen Bundes, 73des Eides, den er unserm Vater Abraham geschworen hat, uns zu verleihen, 74dass wir von der Furcht aus der Hand unserer Feinde befreit, ihm dienen, 75in Heiligkeit und Gerechtigkeit vor ihm alle Tage unseres Lebens. 76Und du, Knabe, wirst ein Prophet des Höchsten genannt werden; denn du wirst vor dem Angesichte der Herrn hergehen, ihm seine Wege zu bereiten; 77um sein Volk zur Erkenntnis des Heiles zu führen, zur Vergebung seiner Sünden, (V. 17) 78durch die innigste Barmherzigkeit unseres Gottes, in welcher uns heimgesucht hat der Aufgang aus der Höhe; 79um Licht zu bringen denen, die in Finsternis und im Todesschatten sitzen, und unsere Füße auf den Weg des Friedens zu leiten. 80Der Knabe aber wuchs, und ward stark im Geiste, und war in der Wüste bis zu dem Tage, da er sich zeigen sollte vor Israel.