Bibel in einem Jahr · Tag 44 von 365

Num 11–12

Aus der Allioli-Arndt-Bibel (Vulgata-Übersetzung, 1914).

Altes Testament

Numeri 11

1Inzwischen erhob sich ein Murren des Volkes wider den Herrn, das sich über seine Beschwerden beklagte. Als dies der Herr hörte, ward er erzürnt; und das Feuer des Herrn ging wider sie aus und verzehre den äußersten Teil des Lagers. 2Da das Volk zu Moses rief, betete Moses zu dem Herrn, und das Feuer erlosch. 3Da nannte er den Namen dieses Ortes Feuersbrunst, weil des Herrn Feuer wider sie aufgelodert war. 4Die zugelaufene Menge nämlich, welche mit ihnen heraufgezogen war, entbrannte von Gelüsten, und saß, und weinte, und nachdem sich auch die Söhne Israels zu ihnen gesellt hatten, sprachen sie: Wer wird uns Fleisch zu essen geben? 5Wir gedenken der Fische, welche wir in Ägypten umsonst aßen, und die Kürbisse, Melonen, Lauche, Zwiebeln, und der Knoblauch kommen uns in den Sinn. 6Unsere Seele ist verschmachtet, unsere Augen sehen nichts als das Man. 7Das Man war wie eine Koriandersame und hatte eine Farbe wie Bdellium. 8Und das Volk ging umher, und sammelte es, und mahlte es mit Mühlen, oder zerstieß es in Mörsern, und kochte es in Töpfen, und machte Kuchen daraus, die wie Ölkuchen schmeckten. 9Und wenn der Tau des Nachts auf das Lager herabfiel, so fiel auch zugleich das Man mit herab. 10Moses hörte also Familie um Familie am Eingange ihrer Zelte weinen. Und es entbrannte der Zorn des Herrn sehr; und auch Moses schien es unerträglich, 11und er sprach zu dem Herrn: Warum hast du deinem Knechte dies zu Leibe getan? Warum finde ich nicht Gnade vor dir, und warum hast du die Last dieses ganzen Volkes auf mich gelegt? 12Habe ich denn all dies Volk empfangen, oder ich es geboren, dass du zu mir sagst: Trage sie an deinem Busen, wie eine Amme ein kleines Kind zu tragen pflegt, und trage sie hin in das Land, das du ihren Vätern zugeschworen hast? 13Woher soll ich Fleisch nehmen, um es einer so großen Menge zu geben? Sie weinen wider mich und sagen: Gib uns Fleisch zu essen! 14Ich allein vermag dieses ganze Volk nicht zu tragen; denn es ist zu schwer für mich. 15Wenn es dir aber anders gut scheint, so bitte ich dich, töte mich und lass mich Gnade in deinen Augen finden, dass ich kein so großes Übel erleiden muss. 16Da sprach der Herr zu Moses: Rufe mir siebzig Männer von den Ältesten Israels zusammen, von denen du weißt, dass sie die Vornehmsten des Volkes und seine Führer sind, und führe sie an den Eingang des Zeltes des Bundes, und lasse sie daselbst bei dir stehen, 17dann will ich herabkommen und mit dir reden; und ich will etwas von deinem Geiste nehmen und ihnen geben, dass sie die Last des Volkes mit dir tragen und du nicht allein damit beschwert seiest. 18Auch dem Volke sage: Heiliget euch! morgen werdet ihr Fleisch essen. Denn ich habe euch sagen hören: Wer wird uns Fleisch zu essen geben? Es ging uns wohl in Ägypten. So wird euch nun der Herr Fleisch zu essen geben; 19nicht nur einen Tag, oder zwei, oder fünf oder zehn, oder zwanzig, 20sondern einen ganzen Monat lang, bis ihr es nicht mehr riechen könnt und es euch zum Ekel wird, deshalb weil ihr den Herrn verworfen habt, der in eurer Mitte ist, und vor ihm geweint und gesagt habt: Warum sind wir aus Ägypten gezogen? 21Und Moses sprach: Sechshunderttausend Fußgänger zählt dieses Volk, und du sagst: Ich werde ihnen einen ganzen Monat lang Fleisch zu essen geben? 22Sollen etwa so viele Schafe und Rinder geschlachtet werden, dass es für sie zur Speise hinreichen kann? Oder sollen alle Fische des Meeres zusammengebracht werden, damit sie ihnen Sättigung gewähren? 23Der Herr aber antwortete ihm: Ist denn die Hand des Herrn ohnmächtig? Jetzt sollst du sehen, ob mein Wort durch die Tat Erfüllung findet. 24Da kam Moses zu dem Volke und berichtete ihm die Worte des Herrn. Alsdann versammelte er siebzig Männer von den Vornehmsten Israels und ließ sie sich um das Zelt herum aufstellen. 25Und der Herr kam in der Wolke herab, und sprach zu ihm, und nahm etwas von dem Geiste, der Moses erfüllte, und gab ihn den siebzig Männern. Als nun der Geist sich auf sie niedergelassen hatte, weissagten sie und hörten nicht mehr auf. 26Es waren aber zwei Männer im Lager zurückgeblieben, der eine hieß Eldad, der andere Medad; auch auf sie ließ sich der Geist nieder, denn auch sie waren aufgeschrieben, aber nicht zu dem Zelte hinausgegangen. 27Und als sie im Lager weissagten, lief ein Knabe hin, und berichtete es Moses, und sprach: Eldad und Medad weissagen im Lager. 28Da sprach Josue, der Sohn Nuns, der Diener Moses, der Auserwählte unter sehr vielen sogleich: Moses, mein Gebieter, wehre ihnen! 29Er aber sprach: Was eiferst du für mich? Möchte doch das ganze Volk weissagen und der Herr ihnen seinen Geist geben! 30Und Moses und die Ältesten Israels kehrten in das Lager zurück. 31Da erhob sich ein Wind, vom Herrn gesandt, und hob Wachteln jenseits des Meeres auf, und brachte sie in das Lager, eine Tagreise ringsum auf allen Seiten des Lagers, und sie flogen in der Luft zwei Ellen hoch über der Erde. 32Da machte sich das Volk jenen ganzen Tag, und die Nacht, und den andern Tag hindurch daran, und sammelte Wachteln ein; wer wenig sammelte, hatte zehn Kor; und sie dörrten sie rings um das Lager. 33Noch war das Fleisch zwischen ihren Zähnen, und noch war diese Speise nicht aufgezehrt; siehe da entbrannte der Zorn des Herrn über das Volk, und er schlug es mit einer sehr schweren Strafe. 34Und man nannte diesen Ort Gräber der Lüsternheit; denn allda begruben sie das Volk, welches lüstern gewesen war. Von den Gräbern der Lüsternheit brachen sie auf, und kamen nach Haseroth, und blieben daselbst.

Numeri 12

1Und Maria und Aaron redeten gegen Moses, seines äthiopischen Weibes wegen, 2und sprachen: hat der Herr denn nur durch Moses geredet, hat er nicht auch zu uns in gleicher Weise geredet? Da der Herr dies vernahm, 3(Moses aber war ein überaus sanftmütiger Mann, mehr als alle Menschen, die auf Erden lebten,) 4sprach er alsbald zu ihm und zu Aaron und Maria: Begebet ihr drei euch allein zum Zelte des Bundes hinaus! Und da sie hinausgegangen waren, 5kam der Herr in der Wolkensäule herab, und stand am Eingange des Zeltes, und rief Aaron und Maria. Als diese nun kamen, 6sprach er zu ihnen: Höret meine Worte! Ist jemand unter euch ein Prophet des Herrn, so werde ich ihm im Gesichte erscheinen, oder durch Träume zu ihm reden; 7doch nicht also mein Diener Moses, der in meinem ganzen Hause der treueste ist; 8denn mit ihm rede ich von Mund zu Mund; und offenbar und nicht in Rätseln und Bildern schaut er den Herrn. Warum also habt ihr euch nicht gescheut, meinen Diener Moses herabzusetzen? 9Und er zürnte über sie und ging hinweg; 10zugleich verschwand auch die Wolke, die über dem Zelte war. Und siehe, Maria erschien aussätzig weiß wie Schnee. Und da Aaron sie anschaute und sie von Aussatz bedeckt sah, 11sprach er zu Moses: ich bitte dich, mein Gebieter, lass diese Sünde nicht auf uns bleiben, die wir töricht begangen haben, 12damit diese nicht einer Toten gleich werde, und wie eine Fehlgeburt, die kaum aus dem Leibe ihrer Mutter hervorgegangen, weggeworfen wird; siehe schon ist die Hälfte ihres Fleisches vom Aussatze zerfressen. 13Da rief Moses zum Herrn und sprach: O Gott, ich bitte dich, heile sie! 14Der Herr antwortete ihm: Wenn ihr Vater ihr in´s Angesicht gespieen hätte, müsste sie dann nicht wenigstens sieben Tage schamrot bleiben? Sieben Tage bleibe sie außerhalb des Lagers abgesondert, und dann werde ich sie wieder zurückgerufen. 15Maria ward also sieben Tage vom Lager ausgeschlossen; und das Volk zog von diesem Orte nicht fort, bis Maria zurückgerufen war.