Bibel in einem Jahr · Tag 345 von 365

Mi 6–7; Nah 1 · Offb 8

Aus der Allioli-Arndt-Bibel (Vulgata-Übersetzung, 1914).

Altes Testament

Das Buch Micha 6

1Vernehmet, was der Herr spricht: Auf und übe Gericht gegen die Berge hin und die Hügel mögen deine Stimme hören! 2Die Berge mögen das Gericht des Herrn hören und die starken Grundfesten der Erde, denn der Herr geht ins Gericht mit seinem Volke und mit Israel rechtet er. 3Mein Volk! was habe ich dir getan oder womit bin ich dir lästig gefallen? Antworte mir! 4Ich habe dich ja aus dem Lande Ägypten geführt und dich aus dem Hause der Dienstbarkeit befreit, ich habe Moses, Aaron und Maria vor dir hergesandt. 5Mein Volk! gedenke doch, was Balach, der König von Moab, im Sinne hatte und was ihm Balaam, der Sohn Beors, erwiderte, von Setim bis nach Galgala, auf dass du die gerechten Wege des Herrn erkennest. 6Was soll ich dem Herrn darbringen, das seiner würdig wäre? Soll ich das Knie beugen vor Gott, dem Höchsten? Soll ich ihm etwa Brandopfer darbringen und einjährige Rinder? 7Sollte wohl der Herr versöhnt werden können durch Tausende von Widdern oder durch viele Tausende von fetten Böcken? Soll ich ihm etwa meinen Erstgebornen als Opfer für meine Missetat hingeben, meines Leibes Frucht als Schuldopfer für meine Seele? 8Ich will dir kundtun, o Mensch! Was gut ist und was der Herr von dir fordert, nämlich: Recht zu üben und Barmherzigkeit zu lieben und mit Sorgfalt vor deinem Gotte zu wandeln. 9Die Stimme des Herrn ruft der Stadt zu und Heil wird denen, die deinen Namen fürchten: Höret, ihr Stämme! Aber wer wird es gutheißen? 10Noch ist Feuer im Hause es Gottlosen, Schätze der Ungerechtigkeit, und zu geringes Maß erfüllt mit Zorn. 11Sollte ich ungerechte Waage gutheißen und trügerisches Gewicht im Beutel? 12Hierdurch sind ihre Reichen mit Unrecht erfüllt, ihre Bewohner reden Lüge und trügerisch ist die Zunge in ihrem Munde. 13So fange auch ich denn an, dich deshalb mit Verderben zu schlagen um deiner Sünden willen. 14Wenn du issest, sollst du nicht satt werden und deine Demütigung wird in deiner Mitte sein; wenn du nach etwas greifst, wirst du es nicht erfassen, und die du rettest, werde ich dem Schwerte preisgeben. 15Wenn du säest, wirst du nicht ernten; wenn du Oliven kelterst, wirst du dich nicht mit Öl salben; wenn du Most kelterst, wirst du keinen Wein trinken. 16Hast du doch die Satzungen Amris beobachtet und alles Tun des Hauses Achab und bist nach all seinen Gelüsten gewandelt, damit ich dich dem Verderben hingebe und die Bewohner derselben dem Gespött; ja, die Schmach meines Volkes sollt ihr tragen.

Das Buch Micha 7

1Wehe mir! denn es ist mir ergangen wie einem, der im Herbste nach der lese Trauben sammelt; keine Traube ist mehr da zum Essen, nach Frühfeigen verlangt meine Seele. 2Verschwunden sind die Frommen aus dem Lande und Rechtschaffene sind nicht mehr unter den Menschen; alle lauern auf Blut, ein jeder stellt seinem Nächsten nach ihn zu morden. 3Das Böse ihrer Hände nennen sie gut, der Fürst verlangt und der Richter richtet um Entgelt, der Große redet nach den Gelüsten seiner Seele, so verwirren sie Jerusalem. 4Der Beste unter ihnen gleicht dem Dornstrauch und der Rechtschaffene dem Stachel einer Hecke, der Tag, der dir vorgesehen ward, deine Heimsuchung naht; jetzt wird Vernichtung über sie hereinbrechen. 5Trauet dem Freunde nicht, setzet kein Vertrauen auf den Fürsten; vor dem Weibe, das an deinem Busen ruht, wahre die Pforte deines Mundes! 6Denn der Sohn bereitet dem Vater Schmach, die Tochter lehnt sich auf wider ihre Mutter, die Schwiegertochter wider ihre Schwiegermutter, und des Mannes Feinde sind seine Hausgenossen. 7Ich aber will ausschauen nach dem Herrn, harren auf Gott, meinen Heiland, erhören wird mich mein Gott. 8Freue dich nicht über mich, meine Feindin! Dass ich gefallen bin, ich werde wieder aufstehen; wenn ich auch in Finsternis sitze, ist doch der Herr mein Licht. 9Den Grimm des Herrn will ich tragen, denn ich habe mich wider ihn versündigt, bis er meine Streitsache schlichtet und mir recht schafft. Er wird mich zum Lichte führen und ich werde seine Gerechtigkeit schauen. 10Das soll meine Feindin sehen und mit Scham bedeckt werden, sie, die zu mir spricht: Wo ist der Herr, dein Gott? Meine Augen werden sich an ihr weiden, bald wird sie zertreten werden wie Gassenkot. 11Es kommt der Tag, da deine Mauern wieder gebaut werden, an jenem Tage wird weit die Satzung entfernt. 12An jenem Tage werden sie auch bis zu dir kommen von Assur bis zu den festen Städten und von den festen Städten bis zum Strome und von Meer zu Meer, von Gebirg zu Gebirg. 13Das Land aber wird wegen ihrer Bewohner, ob der Frucht ihrer Anschläge, zur Wüste werden. 14Weide dein Volk mit deinem Stabe, die Herde deines Erbes, die einsam Wohnenden, im Waldgebirge auf des Karmels Mitte; lass sie weiden in Basan und Galaad, wie in den Tagen der Vorzeit! 15Wie in den Tagen, als du aus dem Lande Ägypten auszogst, will ich es Wunder schauen lassen. 16Die Völker werden es sehen und zuschanden werden mit all ihrer Macht; sie werden die Hand auf den Mund legen, ihre Ohren werden taub. 17Sie werden Staub lecken wie die Schlangen, wie das Gewürm der Erde aufgescheucht werden in ihren Häusern; vor dem Herrn, unserem Gott, werden sie beben, ja Dich fürchten. 18Wer ist ein Gott, dir gleich, der du die Schuld wegnimmst und dem Überreste deines Erbes die Sünden nachsiehst? Er wird nicht ferner seinen Zorn auslassen, denn an Barmherzigkeit hat er Wohlgefallen. 19Er wird sich wiederum unser erbarmen, er wird unsere Verschuldungen vernichten und alle unsere Sünden in die Tiefe des Meeres versenken. 20Du wirst Jakob Wahrheit geben, Abraham Gnade, wie du unsern Vätern von alters her zugeschworen.

Das Buch Nahum 1

1Last über Ninive: Buch des Gesichtes Nahums, des Elkesiten. 2Ein eifernder Gott und Rächer ist der Herr, ein Rächer ist der Herr und voller Grimm, ein Rächer ist der Herr an seinen Feinden und zürnt seinen Widersachern. 3Der Herr ist langmütig und groß an Macht, aber er lässt den Schuldigen nicht rein ausgehen und straflos. Im Sturm und Wetter wandelt der Herr einher und Gewölk ist der Staub unter seinen Füßen. 4Er bedräut das Meer und legt es trocken und last die Ströme allzumal bis zum Grunde austrocknen. Basan und Karmel verschmachten und die Blüte des Libanon verwelkt. 5Die Berge erbeben vor ihm und die Hügel werden wüste, die Erde erzittert vor seinem Antlitze, der Weltkreis und alle seine Bewohner. 6Wer wird vor seinem Unwillen standhalten? Und wer widerstehen vor der Glut seines Zornes? Sein Grimm ergießt sich wie Feuer und die Felsen spalten sich vor ihm. 7Gütig ist der Herr und kräftigt am Tage der Drangsal, er kennt, die auf ihn vertrauen. 8Doch mit überströmender Flut macht er ihrer Stätte ein Ende und Finsternis verfolgt seine Feinde. 9Was sinnt ihr wider den Herrn? Er wird ein Ende schaffen, nicht zum zweitenmal wir Drangsal hereinbrechen. 10Denn wie Dornen sich ineinander verschlingen, so ist das Gelage der Zechgenossen; sie werden verzehrt wie Stoppeln, die völlig verdorrt sind. 11Aus dir ging hervor, der Böses sinnt wider den Herrn, der sein Herz auf Frevel richtet. 12So spricht der Herr: Mögen sie auch voll der Kraft und ihrer noch so viele sein, so sollen sie doch hinweggemäht werden und vergehen; und habe ich dich gezüchtigt, so will ich dich nicht mehr züchtigen! 13Denn jetzt will ich seine Rute von deinem Rücken nehmen und zerbrechen und deine Fesseln werde ich zerreißen. 14Wider dich aber wird des Herrn Machtspruch ergehen, nicht ferner mehr wird Zeugung denen Namen fortpflanzen; aus deines Gottes Hause will ich Schnitz- und Gußbilder austilgen, will dir ein Grab bereiten, den du bist der Ehre bar. 15Siehe auf den Bergen die Füße des Freudenboten, des Friedensverkünders; feiere, Juda! Deine Feste und bringe deine Gelübde dar; denn nicht mehr soll Belial durch dich hinziehen, gänzlich ist er vernichtet.

Neues Testament

Offenbarung des Johannes 8

1Und als es das siebente Siegel geöffnet hatte, war eine Stille im Himmel, etwa eine halbe Stunde lang. 2Und ich sah die sieben Engel, welche vor Gott standen, und es wurden ihnen sieben Posaunen gegeben. 3Und ein anderer Engel kam und trat vor dem Altar, ein goldenes Rauchfass haltend, und es wurde ihm viel Räucherwerk gegeben, damit er von den Gebeten aller Heiligen auf den goldenen Altar vor dem Throne Gottes legte. 4Und es stieg auf der Rauch des Räucherwerkes von den Gebeten der Heiligen aus der Hand des Engels vor Gott. 5Und der Engel nahm das Weihrauchfass, und füllte es mit Feuer vom Altare, und warf es auf die Erde; da entstanden Donner und Stimmen, und Blitze und großes Erdbeben. 6Und die sieben Engel, welche die sieben Posaunen hatten, machten sich bereit in dieselben zu stoßen. 7Der erste Engel stieß in die Posaune; da entstand Hagel und Feuer mit Blut gemischt, und es ward auf die Erde geworfen, und der dritte Teil der Erde ward verbrannt, der dritte Teil der Bäume ward durch Feuer vernichtet, und alles grüne Gras ward versengt. 8Und der zweite Engel stieß in die Posaune; da wurde etwas wie ein großer im Feuer brennender Berg in das Meer geworfen, und der dritte Teil des Meeres ward zu Blut, 9und es starb der dritte Teil der Geschöpfe, die im Meere leben, und der dritte Teil der Schiffe ging zu Grunde. 10Und der dritte Engel stieß in die Posaune. Da fiel ein großer Stern vom Himmel, brennend wie eine Fackel, und fiel auf den dritten Teil der Flüsse und auf die Wasserquellen. 11Und der Name des Sternes heißt Wermut. Und der dritte Teil der Gewässer ward zu Wermut; und viele Menschen starben von den Wassern, weil sie bitter geworden waren. 12Und der vierte Engel stieß in die Posaune; da ward der dritte Teil der Sonne getroffen, und der dritte Teil des Mondes, und der dritte Teil der Sterne, so dass der dritte Teil derselben verfinstert ward, und der Tag zu einem Drittel nicht mehr hell war, und die Nacht gleicherweise. 13Und ich schaute, und hörte die Stimme eines Adlers, der mitten durch den Himmel flog und mit lauter Stimme rief: Wehe, wehe, wehe den Bewohnern der Erde wegen des übrigen Schalles der drei Engel, die noch in die Posaune stoßen sollen.