Bibel in einem Jahr · Tag 346 von 365

Nah 2–3; Hab 1

Aus der Allioli-Arndt-Bibel (Vulgata-Übersetzung, 1914).

Altes Testament

Das Buch Nahum 2

1Es zieht herauf vor dir der Zerstörer, der Wache halt und dich einschließt; spähe aus auf den Weg, gürte die Lenden, strenge deine ganze Kraft an. 2Denn der Herr stellt Jakobs Hoheit her, gleich der Hoheit Israels, weil die Verwüster sie verweht und ihre Zweige vernichtet haben. 3Die Schilde seiner Tapferen sind flammend, in Scharlach prunken die Krieger; feurig blitzen des Wagens Zügel am Tage, da er sie aufstellt, die Wagenlenker taumeln. 4Auf den Straßen verwirren sich die Wagen, sie stoßen aneinander auf den Plätzen, ihr Aussehen ist Feuerflammen gleich, zuckenden Blitzen. 5Da gedenkt er seiner Tapferen, sie stürzen hin auf ihren Wegen, schnell eilen sie auf seine Mauern, da wird ein Schirmdach aufgerichtet. 6Die Pforten der Ströme werden gesprengt und der Tempelpalast zerstört bis auf den Grund. 7Das Heer wird gefangen fortgeführt, ihre Mägde weggeschleppt, seufzend wie die Tauben, wehklagend in ihren Herzen. 8Ninive, seine Wasser waren wie die eines Wasserteiches, aber sie sind geflohen; stehet, stehet! doch niemand wendet sich um. 9Erbeutet Silber, erbeutet Gold; der Schätze aller Art kostbaren Gefäßen ist kein Ende. 10Sie ist zerrissen, zerfetzt, zerfleischt, das Herz verzagt, es schlottern die Kniee, alle Lenden werden kraftlos und aller Antlitz ist entstellt wie ein geschwärzter Topf. 11Wo ist nun die Wohnung der Löwen, die Weide der jungen Löwen, wohin der Löwe, der junge Löwe ging, sie zu durchschreiten, ohne dass jemand ihn wegscheuchte? 12Der Löwe raubte, bis seine Jungen genug hatten, und zerriss für seine Löwinnen, er füllte seine Höhlen mit Beute und sein Lager mit Geraubtem. 13Siehe, ich will an dich, spricht der Herr der Heerscharen, ich will deine Streitwagen in Rauch aufgehen lassen, deine jungen Löwen soll das Schwert fressen und deinen Raub will ich von der Erde vertilgen und der Ruf deiner Boten soll fortan nicht mehr vernommen werden.

Das Buch Nahum 3

1Wehe der Stadt der Blutschuld, ganz angefüllt von Trug und Gewalttat, nicht hört in dir das Rauben auf. 2Horch! Peitschenknall und Rädergerassel, der Rosse Wiehern, der Wagen Rollen, anstürmende Reiter, 3blinkende Schwerter, Blitzen der Speere, viele Erschlagene und schwere Niederlagen; zahllos sind die Leichen, so dass sie über ihre Leiber dahinstürzen. 4Wegen der vielen Buhlereien der schönen, holden, zauberkundigen Buhlerin, welche die Völker durch ihre Buhlkünste verhandelte, die Geschlechter durch ihre Zauberkünste; 5siehe, ich will an dich, spricht der Herr der Heerscharen; ich will deine Blöße vor deinem Angesichte aufdecken und den Völkern deine Nacktheit zeigen und den Königreichen deine Schande. 6Ich will Greuel auf dich werfen, dir Schmach antun und dich zum Schauspiele machen. 7Und es wird geschehen, jeder, der dich erblickt, wird zurückbeben vor dir und sprechen: Zerstört ist Ninive! Wer wird über dich das Haupt schütteln? Wo soll ich einen Tröster für dich suchen? 8Bist du etwa besser als Alexandria, die volkreiche, die an Strömen liegt, um die ringsum Wasser, deren Reichtum das Meer, deren Mauern Wasser? 9Äthiopien und Ägypten waren ihre Stärke endlos hin, Afrika und Libyen waren deine Hilfe. 10Doch auch sie ist in die Verbannung, in die Gefangenschaft weggeführt, ihre Kinder wurden zerschmettert an allen Straßenecken, über ihren Edlen warf man das Los und alle ihre Großen sind in Fesseln geschlagen. 11So sollst auch du trunken und verachtet sein, sollst auch du Hilfe suchen vor dem Feinde. 12Alle deine Burgen werden wie Feigenbäume sein mit Frühfrüchten; wenn sie geschüttelt werden, fallen diese dem, der essen will, in den Mund. 13Siehe, dein Volk, Weiber sind sie in deiner Mitte, weit stehen die Tore deines Landes deinen Feinden offen, Feuer verzehrt deine Riegel. 14Schöpfe dir Wasser für die Belagerung, baue dir Bollwerke, tritt Lehm und stampfe ihn tretend und handhabe den Ziegelstein! 15Dort wird dich das Feuer fressen, das Schwert dich vertilgen, es wird dich verzehren wie die Heuschrecken; magst du auch in Haufen sein wie Käfer, zahlreich wie Heuschrecken. 16Deiner Handelschaften waren mehr als die Sterne des Himmels, doch die Käfer entwickeln sich und fliegen davon. 17Deine Hüter gleichen Heuschrecken und deine Geringen den Heuschreckenschwärmen, welche sich zur Zeit des Trostes auf die Hecken niederlassen; geht die Sonne auf, so fliegen sie davon und man erkennt den Ort nicht mehr, wo sie gewesen sind. 18Es schlummern deine Hirten, König von Assur! Begraben sind deine Fürsten, dein Volk hält sich in den Bergen versteckt und niemand sammelt es. 19Nicht ist deine Wunde zugedeckt, überaus schlimm dein Schaden; alle, die von dir vernehmen, schlagen die Hände über dich zusammen, den über wen erging deine Bosheit nicht allezeit?

Das Buch Habakuk 1

1Last, welche der Prophet Habakuk schaute. 2Wie lange, Herr! soll ich rufen und du hörst nicht? Soll ich vor dir über Gewalt klagen, die ich leide, und du hilfst nicht? 3Warum lässest du mich Unrecht und Mühsal schauen, Raub und Ungerechtigkeit vor meinen Augen geschehen? Streit hat sich erhoben und Widerspruch gar mächtig. 4Darum wird gebrochen das Gesetz und das Recht kommt nimmer mehr zum Vorschein, denn der Gottlose überwältigt den Gerechten, darum ergeht verkehrtes Gericht. 5Schauet umher unter den Völkern und sehet, staunet und entsetzet euch! Denn ein Werk geschieht in euern Tagen, das niemand glaubt, wenn es erzählt wird. 6Denn sehet, ich reize die Chaldäer auf, ein heftiges und ungestümes Volk, das über der Erde Weite dahinzieht, Wohnsitze einzunehmen, die nicht sein sind. 7Schrecklich und furchtbar ist es, sein Recht und seine Wucht geht von ihm aus. 8Leichter als Panther sind seine Rosse, flinker als Wölfe am Abend, weithin ziehen seine Reiter; denn seine Reiter kommen aus der Ferne, fliegen daher wie der Adler, der sich auf den Fraß stürzt. 9Alle gehen auf Raub aus, ihr Angesicht ist wie Glutwind, wie Sand rafft es Gefangene zusammen. 10Über Könige feiert es Triumph, Fürsten sind ihm zum Gespött, jeder Feste lacht es, es schüttet einen Wall auf und erobert sie. 11Dann aber erneuert sich seine Kühnheit, es zieht hin und kommt zu Falle und dies ist seine Stärke, die es von seinem Gott hat. 12Bist du nicht, o Herr, von Anfang mein Gott gewesen, mein Heiliger? Und werden wir nicht sterben? Herr! zu richten hast du ihn gesetzt, verordnet den Starken, ihn bestellt zu strafen. 13Deine Augen sind zu rein, um Böses zu sehen und auf Ungerechtigkeit zu schauen vermagst du nicht. Warum siehst du den Übeltätern zu und schweigst, wenn der Gottlose den, der gegen ihn im Recht ist, verschlingt? 14Du machtest die Menschen den Fischen des Meeres gleich und wie das Gewürme, das keinen Herrn hat. 15Alles zieht er mit der Angel empor, zieht es in seinem Garne fort und sammelt es in sein Netz, darüber freut er sich und frohlockt. 16Darum bringt er seinem Garn Schlachtopfer dar und opfert seinem Netze, denn durch sie ward sein Anteil fett und seine Speise köstlich. 17Darum also breitet er sein Netz aus und würgt immerfort Völker ohne Schonung.