Bibel in einem Jahr · Tag 255 von 365

Sir 14–16 · Kol 4

Aus der Allioli-Arndt-Bibel (Vulgata-Übersetzung, 1914).

Altes Testament

Das Buch Jesus Sirach 14

1Glückselig der Mann, der sich in keinem Worte aus seinem Munde verfehlt und der nicht von Reue über eine Sünde gequält wird. 2Wohl dem, dem sein Herz keine traurigen Vorwürfe macht und der die Hoffnung nicht sinken lässt. 3Einem geldgierigen und kargen Manne nützt Reichtum nichts, und wozu soll dem Missgünstigen Gold dienen? 4Wer sich selbst Unrecht tut und abdarbt, sammelt für andere, und ein Fremder wird seine Güter verprassen. 5Wer gegen sich selbst böse ist, gegen wen wird ein solcher gut sein? Er wird seines Besitzes nimmer froh werden. 6Keiner ist schlimmer als wer sich selbst nichts gönnt, und das ist der Lohn für seine Bosheit. 7Tut er auch etwas Gutes, so tut er es ohne Absicht und nicht mit Willen und zuletzt macht er seine Schlechtigkeit offenbar. 8Das Auge des Neidischen ist boshaft, er wendet sein Angesicht ab und missachtet seine eigene Seele. 9Das Auge des Habsüchtigen gibt sich nie zufrieden mit einem Teile des Unrechts; er wird nicht satt, bis er seine Seele austrocknet und verzehrt. 10Ein böses Auge sieht nur auf Böses, es wird nicht vom Brote satt, sondern darbt und sitzt trauernd am eigenen Tische. 11Mein Sohn! Wenn du es hast, tue dir Gutes und bringe Gott nach Gebühr Opfer dar. 12Gedenke, dass der Tod nicht säumt und dass dir der Ratschluss der Unterwelt offenbart ist, denn das Gesetz dieser Welt ist: Man muss sterben. 13Vor dem Tode tue deinem Freunde wohl und nach deinem Vermögen reiche dar und gib dem Armen. 14Entziehe dir keinen guten Tag und lass dir keinen Teil guter Gabe entgehen. 15Wirst du nicht den Ertrag deiner Mühen und Arbeiten anderen zurücklassen zur Verteilung durch das Los? 16Gib und nimm und tue recht für deine Seele. 17Vor deinem Tode übe Gerechtigkeit, denn im Grabe gibt es keine Speise. 18Alles Fleisch veraltet wie Gras und wie ein frischsprossendes Blatt an einem grünem Baume. 19Die einen kommen hervor, die anderen fallen ab, so ist das Geschlecht von Fleisch und Blut: das eine stirbt, das andere wird geboren. 20Alle vergänglichen Werke vergehen endlich und wer solche betreibt, geht mit ihnen dahin. 21Alle auserlesenen Werke aber werden gerechtfertigt und wer sie verrichtet, findet durch dieselben Ehre. 22Glückselig der Mann, der in der Weisheit beharrt und der seine Gerechtigkeit erwägt und in seinem Herzen über Gottes Vorsehung nachsinnt; 23der ihre Wege in seinem Herzen bedenkt, ihre Geheimnisse erforscht, ihr nachgeht wie ein Späher und auf ihren Wegen bleibt; 24der durch ihre Fenster hineinblickt und an ihren Türen lauscht; 25der nahe bei ihrem Hause wohnt und den Zeltpfahl bei ihren Wänden einschlägt, um seine Wohnung an ihrer Seite aufzurichten. Auf ewig wird in seinem Hause das Glück wohnen. 26Er stellt seine Kinder unter ihren Schutz und lagert unter ihren Zweigen. 27Unter ihrem Schirme ist er geschützt vor Hitze und findet Ruhe in ihrer Herrlichkeit.

Das Buch Jesus Sirach 15

1Wer Gott fürchtet, tut Gutes und wer sich an die Gerechtigkeit hält, wird ihrer teilhaftig werden. 2Sie wird ihm entgegenkommen wie eine ehrwürdige Mutter und wie eine jugendliche Gattin ihn aufnehmen. 3Sie wird ihn speisen mit dem Brote des Lebens und der Einsicht und ihn tränken mit dem Wasser der Weisheit des Heiles und sie wird seine Stütze sein, dass er nicht wankt. 4Sie wird ihn halten und nicht zuschanden werden lassen und wird ihn erhöhen bei seinen Nächsten. 5und inmitten der Gemeinde wird sie seinen Mund eröffnen, ihn erfüllen mit dem Geiste der Weisheit und Erkenntnis und ihn mit dem Kleide der Herrlichkeit bekleiden. 6Mit Wonne und Freude wird sie ihn überhäufen und ihm ewigen Ruhm zum Erbe geben. 7Unverständige Menschen werden ihrer nicht teilhaftig, verständige Menschen aber begegnen ihr; unverständige Menschen schauen sie nicht, denn sie ist fern von Übermut und Trug. 8Lügenhafte Menschen wissen nichts von ihr, aber wahrhafte Männer findet man bei ihr und diese werden fortschreiten bis zum gnädigen Anschauen Gottes. 9Nicht findet sich liebliches Lob im Munde des Sünders. 10Geht doch die Weisheit von Gott aus; da zur Seite der Weisheit Gottes Lob steht, und in dem Munde des Getreuen ist sie in Fülle, der Herr verleiht sie ihm. 11Sage nicht: Es komm von Gott, dass sie nicht bei mir ist; tue nur nicht, was er hasst. 12Sprich nicht: Er selbst hat mich irre geführt; denn er bedarf gottloser Menschen nicht. 13Allen Abscheu des Irrtums hasst der Herr und die ihn fürchten, lieben jenen nicht. 14Gott hat den Menschen von Anfang geschaffen und ihn im Besitze freier Willensentscheidung gelassen. 15Dazu gab er ihm seine Gesetze und Gebote. 16Willst du seine Gebote halten und auf immer ihm zum Wohlgefallen Treue üben, so werden sie dich erhalten. 17Feuer und Wasser hat er dir vorgelegt; wonach du willst, strecke deine Hand aus. 18Der Mensch hat vor sich Leben und Tod, Gutes und Böses; was er will, wird ihm gegeben. 19Denn groß ist Gottes Weisheit und gewaltig seine Macht und er schaut auf alles ohne Unterlass. 20Die Augen des Herrn sehen auf die, welche ihn fürchten, und er kennt jegliches Tun des Menschen. 21Er gebietet niemanden, gottlos zu handeln, und gibt niemanden Erlaubnis zu sündigen, 22denn er verlangt nicht nach vielen Kindern, wenn diese untreu und unnütz sind.

Das Buch Jesus Sirach 16

1Freue dich nicht über gottlose Kinder, mögen ihrer auch viele sein; freue dich nicht über sie, wenn nicht die Furcht Gottes sie erfüllt. 2Traue nicht auf ihr Leben und verlass dich nicht auf ihre Arbeit; 3denn ein Kind, das Gott fürchtet, ist besser als tausend gottlose 4und besser ist es, kinderlos zu sterben, als gottlose Kinder zu hinterlassen. 5Durch einen Einsichtsvollen kann das Vaterland bevölkert werden, aber der Stamm der Gottlosen stirbt aus. 6Von vielem derart war ich Augenzeuge und noch Gewaltigeres hat mein Ohr vernommen. 7Gegen die Schar der Sünder entbrennt Feuer und gegen ein ungläubiges Volk entflammt Zorn. 8Die Riesen der Vorzeit baten Gott nicht um Verzeihung für ihre Sünden, sondern vertrauten auf ihre Kraft und wurden ausgerottet. 9Auch den Ort verschonte er nicht, an dem Lot als Fremdling weilte, und verabscheute die Einwohner wegen ihrer übermütigen Reden. 10Er hatte kein Erbarmen mit ihnen, sondern vertilgte das ganze Volk, das sich in seinen Sünden überhob. 11So verfuhr er auch mit den sechshunderttausend Wanderern, die sich in der Verhärtung ihres Herzens zusammenrotteten. Und wäre auch nur einer halsstarrig gewesen, so wäre es zu verwundern, wenn er ohne Strafe geblieben wäre. 12Denn bei ihm ist wohl Erbarmen, aber auch Zorngericht. Er lässt sich zwar erbitten, gießt aber auch seinen Zorn aus. 13So groß sein Erbarmen ist, so groß ist seine Züchtigung: er richtet den Menschen nach dessen Werken. 14Nicht wird der Sünder mit seinem Raube entrinnen und des Barmherzigen stille Hoffnung wird nicht zuschanden werden. 15Jedes Werk der Barmherzigkeit wird einem jeden nach seinem Verdienste hinterlegt und je nachdem sein Wandel weise war, wird ihm vergolten. 16Sage nicht: Ich werde mich vor Gott verbergen, wer wird aus der Höhe meiner gedenken? 17Unter der großen Menge werde ich nicht bemerkt werden, denn was bin ich in der so unermesslichen Schöpfung? 18Siehe, der Himmel, ja die Himmel der Himmel, des Meeres Abgrund, die ganze Erde und was darin ist, bebt vor seinem Anblicke. 19Die Berge allzumal, die Hügel und die Grundfesten der Erden werden erschüttert und zittern, wenn Gott auf sie schaut. 20Aber auf alles dies achtet das Herz nicht, doch wird jedes Herz von ihm erkannt. 21Und wer kennt seine Wege, wie den Sturmwind, den des Menschen Auge nicht sieht? 22Denn die meisten seiner Werke sind verborgen. Wer kann die Werke seiner Gerechtigkeit verkündigen? oder wer sie ertragen? Fern ist freilich sein Bund von manchen, aber am Ende werden alle erforscht. 23Wer wenig Einsicht hat, denkt nur an eitle Dinge und der Unkluge und Irrende denkt auf Torheiten. 24Höre auf mich, Sohn! Nimm die Lehre an, die dir Erkenntnis gibt, und richte dein Herz auf meine Worte. 25Ich will dir die rechte Unterweisung geben und dir die Weisheit mitzuteilen suchen. Gib acht in deinem Herzen auf meine Worte, so will ich mit aufrichtigem Geiste die Kräfte kundgeben, welche Gott von Anfang an in seine Werke gelegt, und getreue Einsicht mitteilen. 26Nach Gottes Ratschluss bestehen seine Werke von Anbeginn an und von ihrer Erschaffung an sonderte er sie nach ihren Teilen und ihre Vornehmsten Teile nah ihren Gattungen. 27Er ordnete auf ewig ihre Tätigkeit, sie leiden keinen Mangel, sie ermüden nicht und lassen von ihren Verrichtungen nicht ab. 28Eines hindert das andere in Ewigkeit nicht. 29Sei nicht ungläubig gegen sein Wort. 30Hiernach schaute Gott auf die Erde und erfüllte sie mit seinen Gütern. 31Alle lebenden Wesen verkünden dies auf der Oberfläche derselben und zu ihr kehren sie wieder zurück.

Neues Testament

Kolosserbrief 4

1Ihr Herren! Was gerecht und billig ist, gewähret den Knechten, da ihr wisset, dass auch ihr einen Herrn im Himmel habt. 2Seid beharrlich im Gebete, und seid wachsam darin mit Danksagung. 3Betet auch zugleich für uns, dass Gott uns eine Türe des Wortes auftuen möge, das Geheimnis Christi zu verkündigen (um dessen willen ich auch in Banden bin), 4damit ich es kund tun möge, so wie ich es verkünden soll. 5In Weisheit verhaltet euch gegen die, welche draußen sind, indem ihr die Zeit wohl benützet. 6Eure Rede sei allezeit wohlgefällig, mit Salz gewürzt, so dass ihr wisset, wie ihr einem jeden antworten müsset! 7Das, was mich betrifft, wird euch Tychikus alles kund tun, der geliebte Bruder und treue Diener und Mitknecht im Herrn, 8den ich eben darum zu euch gesandt habe, damit er erfahre, wie es um euch steht, und eure Herzen tröste, 9zugleich mit Onesimus, dem geliebten und treuen Bruder, welcher aus eurer Stadt ist. Alles, was hier vorgeht, werden sie euch kund tun. 10Es grüßt euch Aristarchus, mein Mitgefangener, und Markus, der Geschwistersohn des Barnabas, wegen dessen ihr Weisungen erhalten habt; wenn er zu euch kommt, nehmet euch seiner an; 11und Jesus, genannt Justus. Von denen, welche aus dem Judentume sind, sind diese meine einzigen Mitarbeiter für das Reich Gottes, die mir zum Troste gewesen sind. 12Es grüßt euch Epaphras, der aus eurer Stadt ist, ein Diener Christi Jesu, allezeit besorgt für euch im Gebete, dass ihr vollkommen feststehen möget und vollendet in allem, was Gottes Wille ist. 13Denn ich bezeuge ihm, dass er viel Mühsal hat um euch und um die, welche in Laodicea und in Hierapolis sind. 14Es grüßt euch Lukas, der Arzt, der teure, und Demas. 15Grüßet die Brüder in Laodicea, und den Nymphas, und die in seinem Hause befindliche Gemeinde. 16Und wenn dieser Brief bei euch vorgelesen ist, so sorget, dass er auch in der Gemeinde von Laodicea vorgelesen werde; und dass ihr auch den von Laodicea leset. 17Und saget dem Archippus: Habe Acht auf das Amt, welches du empfangen hast im Herrn, dass du es vollkommen verwaltest. 18Gruß mit meiner, des Paulus, Hand. Seid eingedenk meiner Bande. Die Gnade sei mit euch! Amen.