Bibel in einem Jahr · Tag 254 von 365

Sir 11–13 · Kol 3

Aus der Allioli-Arndt-Bibel (Vulgata-Übersetzung, 1914).

Altes Testament

Das Buch Jesus Sirach 11

1Die Weisheit hebt das Haupt des Demütigen empor und bereitet ihm einen Sitz mitten unter den Fürsten. 2Lobe keinen Menschen seiner Schönheit wegen und verachte Niemanden wegen seiner Gestalt. 3Die Biene ist zwar das kleinste unter den geflügelten Tieren, doch ihr Erzeugnis hat den Vorzug unter den Süßigkeiten. 4Sei nie stolz auf deine Kleidung und am Tage, wo du geehrt wirst, überhebe dich nicht; denn die Werke des Allerhöchsten sind wunderbar, ja herrlich und verborgen, und unerforschlich sind seine Werke. 5Viele Gewaltherrscher saßen auf ihrem Throne, aber einer, von dem man es nicht vermutete, trug die Krone davon. 6Viele Gewaltige wurden gar sehr niedergebeugt und Angesehene wurden in anderer Hände überliefert. 7Ehe du untersucht hast, tadle niemanden, und hast du untersucht, so strafe gerecht. 8Ehe du gehört hast, antworte kein Wort und unterbrich niemanden inmitten seiner Rede. 9Um etwas, was dich nichts angeht, streite nicht und sitze nicht zu Gerichte mit Sündern. 10Sohn! Sei nicht vielgeschäftig; wenn du dich mit vielem abgibst, wirst du nicht von Schuld frei bleiben; denn wenn du jenen Dingen auch nachstrebst, wirst du sie doch nicht erlangen, und wenn du fliehst, doch nicht entrinnen. 11Mancher Gottlose arbeitet, ist unermüdlich und lässt sich´s sauer werden; aber wird nur umso weniger reich. 12Ein anderer ist schwach, der Hilfe bedürftig, arm an Vermögen und reich an Armut; 13doch das Auge Gottes schaut gütig auf ihn herab und er richtet ihn auf aus seiner Niedrigkeit und erhöht sein Haupt, so dass viele über ihn staunen und Gott preisen. 14Glück und Unglück, Leben und Tod, Armut und Reichtum kommen von Gott. 15Weisheit, Zucht und Kenntnis des Gesetzes stehen bei Gott, Liebe und Weg der Guten stehen bei ihm. 16Irrtum und Finsternis sind mit den Sündern erschaffen und wer am Bösen seine Lust hat, wird darin alt. 17Was Gott gibt, bleibt den Gerechten, und was von ihm ausgeht, hat Fortgang in Ewigkeit. 18Mancher wird durch Sparen reich und dies wird ihm als Lohn zuteil, 19dass er sagt: Nun habe ich Ruhe gefunden und nun will ich allein meine Güter genießen. 20Und er weiß nicht, dass die Zeit vergeht, der Tod herankommt und er alles anderen zurücklassen und sterben muss. 21Stehe fest in deinem Bunde, bleibe dabei und werde alt bei dem Tun dessen, was dir auferlegt ist. 22Halte dich nicht an die Werke der Sünder, sondern vertraue auf Gott und bleibe an deiner Stelle. 23Denn es ist leicht in den Augen Gottes, einen Armen plötzlich reich zu machen. 24Gottes Segen kommt schnell herbei, den Gerechten zu belohnen, und sein Erscheinen bringt in kurzer Zeit Frucht. 25Sprich nicht: Was habe ich nötig? und welches Glück wird mir von nun an noch zuteil werden? 26Sprich nicht: Ich bin mir selbst genug und was kann mir fortan noch Übles widerfahren? 27Zur Zeit des Glückes vergiss des Unglückes nicht und zur Zeit des Unglückes vergiss des Glückes nicht, 28denn Gott ist es ein Leichtes, einem jeden am Tage des Todes nach seinem Wandel zu vergelten. 29Das Unglück einer Stunde lässt reichliches Wohlleben vergessen und beim Ende des Menschen werden seine Taten offenbar. 30Vor dem Tode lobe keinen Menschen, denn aus seinen Söhnen wird ein Mann erkannt. 31Führe nicht jedermann in dein Haus ein, denn vielfältig sind die Ränke des Betrügers. 32Wie aus einem kranken Magen widriger Geruch kommt und das Rebhuhn in den Käfig und die Gemse in die Schlinge gelockt wird, so ist auch das Herz des Stolzen und wie ein Auflaurer, der auf den Sturz seines Nächsten schaut. 33Denn das Gute trachtet er hinterlistig in Böses zu verkehren und selbst dem Vortrefflichsten hängt er einen Flecken an. 34Aus einem einzigen Funken entsteht ein großes Feuer; so wird durch einen Arglistigen großes Blutvergießen angerichtet, denn ein sündhafter Mensch lauert auf Blut. 35Hüte dich vor einem Bösewichte, denn er schmiedet Böses, dass er nicht etwa auf ewig Schimpf über dich bringe. 36Nimmst du einen Fremden in dein Haus auf, so wird er dich in Unruhe stürzen und dich um dein Eigentum bringen.

Das Buch Jesus Sirach 12

1Willst du Wohltaten erzeigen, so siehe zu, wem du sie erweisest; dann wirst du für deine Wohltaten vielen Dank ernten. 2Tue dem Gerechten wohl, so wirst du reiche Vergeltung finden; wenn nicht von ihm selbst, so doch von dem Herrn. 3Demjenigen ist nicht wohl zu tun, der im Bösen beharrlich ist, noch dem, der kein Almosen gibt; denn auch der Allerhöchste hasst die Sünder und erbarmt sich der Bußfertigen. 4Gib dem Barmherzigen und nimm dich des Sünders nicht an. Gott wird ebenso den Gottlosen wie den Sündern mit Strafe vergelten, indem er sie für den Tag der Strafe aufbewahrt. 5Gib dem Guten und nimm dich des Sünders nicht an. 6Tue dem Elenden Gutes und gib dem Gottlosen nichts; lass ihm kein Brot geben, damit er nicht hierdurch Übermacht über dich erlange. 7Denn zweifaches Böses wirst du für alles Gute erfahren, das du ihm erwiesen, hasst ja auch der Allerhöchste die Sünder und wird den Gottlosen mit Strafe vergelten. 8Nicht im Glücke wird ein Freund erkannt und im Unglücke bleibt der Feind nicht verborgen. 9Geht es einem Manne wohl, so sind seine Feinde in Trauer; aber geht es ihm übel, so wird der Freund erkannt. 10Traue deinem Feinde nimmermehr; denn wie das Erz rostet, so ist auch seine Bosheit; 11auch wenn er sich demütigt und gebeugt einhergeht, sei vorsichtig und hüte dich vor ihm. 12Lass ihn nicht neben dir stehen noch zu deiner Rechten sitzen, damit er sich nicht etwa nach deinem Platze wende und nach deinem Sitze trachte und du zuletzt, wenn du meine Warnung nicht erfunden, dich mit Schmerz an meine Worte erinnerst. 13Wer wird mit einem Beschwörer Mitleid haben, wenn die Schlange ihn beißt, oder mit jenen allen, die sich wilden Tieren nahen? So auch niemand mit dem, der mit einem schlechten Menschen Umgang hat und in dessen Sünden verstrickt ist. 14Eine kleine Weile wird er zwar bei dir bleiben; aber wenn du zu Falle kommst, harrt er nicht aus. 15Hat auch der Feind süße Worte auf seinen Lippen, so sinnt er doch in seinem Herzen darauf, dich in die Grube zu stürzen. 16Mit seinen Augen weint der Feind Tränen, aber wenn er den rechten Zeitpunkt gefunden, kann er nicht satt werden an Blut; 17und wenn dich Unglück trifft, so wirst du ihn zuerst um dich finden. 18Tränen hat der Feind in seinen Augen und, als ob er dir helfen wollte, stellt er dir ein Bein. 19Dann schüttelt er sein Haupt und klatscht in die Hände und flüstert allerlei und verändert sein Gesicht.

Das Buch Jesus Sirach 13

1Wer Pech anrührt, besudelt sich damit und wer mit einem Hochmütigen Umgang hat, wird auch hochmütig werden. 2Eine Last bürdet sich auf, wer mit einem Angeseheneren als er ist Gemeinschaft macht, auch geselle dich nicht zu einem Reicheren als du bist. 3Wie passt der Topf zum Kessel? Denn stoßen sie aneinander, so wird jener zerbrechen. 4Ein Reicher tut Unrecht und trotzt, ein Armer leidet Unrecht und muss schweigen. 5Machst du jenem Geschenke, so gebraucht er dich; hast du nichts, so lässt er dich im Stiche. 6Wenn du etwas hast, wird er mit dir leben und dich aussaugen, ohne Mitleid mit dir. 7Bedarf er deiner, so wird er listig dir nahen. Zulächelnd wird er dir Hoffnung machen und sagen: Was hast du nötig? 8Er wird dich durch seine Gastgelage beschämen, bis er dich zwei- oder dreimal ausgeleert hat, und zuletzt wird er deiner spotten. Wenn er dich darnach sieht, wird er dich stehen lassen und den Kopf über dich schütteln. 9Demütige dich vor Gott und hoffe auf seine hilfreiche Hand. 10Hüte dich, dass du nicht zur Torheit verführt und gedemütigt werdest. 11Sei bei deiner Weisheit nicht kleinmütig, damit du nicht niedergebeugt und zur Torheit verleitet werdest. 12Ruft dich ein Mächtiger, so halte dich fern, denn um so dringender wird er dich rufen. 13Dränge dich nicht auf, dass du nicht zurückgewiesen werdest; stehe aber auch nicht allzu fern von ihm, dass du nicht in Vergessenheit kommest. 14Trachte nicht darnach, mit ihm wie mit deinesgleichen zu reden und baue nicht auf seine vielen Worte; denn durch vieles Reden wird er dich auf die Probe stellen und dir zulächelnd deine Geheimnisse herauslocken. 15Sein hartes Herz wird deine Worte bewahren und weder Übeltat noch Bande gegen dich scheuen. 16Hüte dich und habe genau acht auf das, was du hörst, denn du wandelst am Rande deines Verderbens. 17Was du aber hörst, siehe wie einen Traum an und sei auf deiner Hut. 18Dein ganzes Leben hindurch liebe Gott und rufe ihn für dein Heil an. 19Jedes Tier liebt seinesgleichen, so auch jeder Mensch seinen Nächsten. 20Jedes Geschöpf hält sich zu seinesgleichen, auch jeder Mensch gesellt sich zu seinesgleichen. 21Wie der Wolf nicht mit dem Lamme Gemeinschaft hat, so auch der Sünder nicht mit dem Gerechten. 22Welche Gemeinschaft besteht zwischen einem Heiligen und einem Hunde und welchen Teil nimmt der Reiche an dem Armen? 23Des Löwen Raub ist der wilde Esel in der Wüste, so dienen auch die Armen den Reichen zur Weide. 24Wie die Demut dem Stolzen ein Greuel ist, so ist der Arme dem Reichen ein Abscheu. 25Wenn der Reiche wankt, wird er von seinen Freunden gestützt; fällt aber der Arme, so wird er auch von seinen Bekannten verstoßen. 26Verfehlt sich der Reiche, so findet er viele Verteidiger; spricht er frevelhaft, so rechtfertigen sie ihn. 27Wird der Arme hintergangen, so wird er dazu noch gescholten; redet er auch verständig, so gibt man ihm doch nicht Gehör. 28Spricht ein Reicher, so schweigen alle und erheben seine Reden bis zu den Wolken. 29Redet ein Armer, so heißt es: Wer ist der? und stößt er an, so bringt man ihn vollends zu Falle. 30Gut ist der Reichtum, wenn keine Sünde dabei das Gewissen belastet; Armut aber ist etwas sehr Schlimmes im Munde des Gottlosen. 31Das Herz verändert das Angesicht des Menschen, sei es zum Guten oder zum Bösen. 32Das Anzeichen eines guten Herzens, ein heiteres Angesicht, wirst du schwer und mit Mühe finden.

Neues Testament

Kolosserbrief 3

1Wenn ihr nun mit Christus mit auferstanden seid, so suchet, was droben ist, wo Christus zur Rechten Gottes sitzt. 2Auf das, was oben ist, lasset euren Sinn gerichtet sein, nicht auf das, was auf Erden ist. 3Denn ihr seid gestorben und euer Leben ist verborgen mit Christus in Gott. 4Wenn Christus, euer Leben, erscheinen wird, alsdann werdet auch ihr mit ihm erscheinen in Herrlichkeit. 5So ertötet denn eure Glieder, welche irdisch sind, Unzucht, Unlauterkeit, Geilheit, böse Begierde, und die Habsucht, welche ja Götzendienst ist, 6um deretwillen der Zorn Gottes über die Kinder des Unglaubens kommt, 7in welchen auch ihr einst wandeltet, als ihr unter ihnen lebtet. 8Jetzt aber leget auch ihr dies alles ab: Zorn, Erbitterung, Bosheit, Lästerung, unehrbare Reden aus eurem Munde. 9Belüget einander nicht, ziehet aus den alten Menschen mit seinen Taten, 10und ziehet den neuen an, der da erneuert wird zur Erkenntnis nach dem Ebenbilde dessen, der ihn erschaffen hat, 11wo nicht Heide, noch Jude ist, nicht Beschneidung noch Vorhaut, nicht Barbar und Scythe, nicht Knecht und Freier, sondern alles und in allen Christus. 12Ziehet also an als Auserwählte Gottes, Heilige und Geliebte, herzliches Erbarmen, Güte, Demut, Sanftmut, Langmut; 13indem ihr einander ertraget und einander verzeihet, wenn jemand wider den andern eine Klage hat; so wie der Herr euch vergeben hat, also auch ihr! 14Über alles dies aber habet die Liebe, welche das Band der Vollkommenheit ist. 15Und der Friede Christi herrsche in euren Herzen, zu welchem ihr ja auch berufen seid in einem Leibe; und beweiset euch dankbar! 16Das Wort Christi wohne reichlich unter euch, so dass ihr euch einander mit aller Weisheit belehret und ermuntert durch Psalmen und Lobgesänge und geistliche Lieder, so dass ihr Gott in der Gnade lobsinget in euren Herzen. 17Alles, was ihr immer tun möget in Wort und in Werk, das tuet alles im Namen des Herrn Jesus Christus, indem ihr Gott und den Vater durch ihn danksagt! 18Ihr Frauen! seid euren Männern untergeben, wie es sich ziemt im Herrn. 19Ihr Männer! liebet eure Frauen und lasset euch nicht gegen sie erbittern. 20Ihr Kinder! gehorchet euren Eltern in allem; denn das ist wohlgefällig im Herrn. 21Ihr Väter! reizet eure Kinder nicht zum Zorne, damit sie nicht mutlos werden. 22Ihr Knechte! gehorchet in allem den leiblichen Herren, nicht in Augendienerei, als solche, die Menschen gefallen wollen, sondern in Einfalt des Herzens, als solche, die Gott fürchten. 23Was ihr immer tun möget, das tuet von Herzen, als für den Herrn und nicht für die Menschen; 24da ihr wisset, dass ihr vom Herrn die Vergeltung des Erbes erhalten werdet. Christus, dem Herrn, dienet! 25Denn der, welcher Unrecht tut, wird die Vergeltung empfangen für das, was er Unrecht getan hat; und kein Ansehen der Person gilt bei Gott.