Bibel in einem Jahr · Tag 253 von 365

Sir 9–10

Aus der Allioli-Arndt-Bibel (Vulgata-Übersetzung, 1914).

Altes Testament

Das Buch Jesus Sirach 9

1Sei nicht eifersüchtig auf das Weib an deinem Busen, damit sie die böse Lehre, die du ihr gibst, nicht gegen dich übe. 2Gib deinem Weibe nicht Gewalt über deine Seele, dass sie sich nicht gegen deine Gewalt erhebe und du zuschanden werdest. 3Schaue nicht auf ein buhlerisches Weib, damit du nicht in ihre Schlingen fallest. 4Mit einer Tänzerin pflege keinen Umgang und gib ihr kein Gehör, dass du nicht durch ihre Künste ins Verderben gestürzt werdest. 5Hefte deine Augen auf keine Jungfrau, dass ihre Schönheit dir nicht zum Falle werde. 6Gib deine Seele auf keine Weise Buhlerinnen hin, damit du dich nicht selbst samt deinem Erbe zugrunde richtest. 7Gaffe nicht auf den Gassen der Stadt umher und schweife nicht auf ihren Straßen herum. 8Wende dein Angesicht ab von einem geputzten Weibe und blicke nicht nach der Schönheit einer Fremden. 9Durch die Schönheit der Frauen sind schon viele zugrunde gegangen und durch dieselbe entzündet sich die Begierde wie Feuer. 10Jedes Weib, das eine Buhlerin ist, wird wie Gassenkot zertreten werden. 11Viele bewunderten die Schönheit eines fremden Weibes und wurden verwerflich, denn ihr Gespräch entzündet wie Feuer. 12Bei einem fremden Weibe sitze ja nicht und lege dich nicht mit ihr auf den Arm bei Tische. 13Schwätze nicht mit ihr beim Weine, dass dein Herz sich nicht zu ihr wende und du durch dein Blut ins Verderben geratest. 14Einen alten Freund verlass nicht, denn ein neuer wird ihm nicht gleichkommen. 15Ein neuer Freund ist neuer Wein; lass ihn alt werden so wirst du ihn mit Lust trinken. 16Beneide den Sünder nicht um Ruhm und Reichtümer; denn du weißt nicht, welches Verderben über ihn kommen wird. 17Habe nicht Wohlgefallen am Frevel der Ungerechten; gedenke, dass der Gottlose nicht bis zum Grabe Gefallen finden wird. 18Halte dich fern von einem Manne, der die Macht hat zu töten, so wirst du von der Todesfurcht frei sein. 19Kommst du aber vor ihn, so verfehle dich in nichts, dass er dir nicht das Leben nehme. 20Denke an die Nähe des Todes, denn du wandelst mitten unter Schlingen und gehst über den Waffen der Betrübten einher. 21Sei vorsichtig gegen deinen Nächsten, so viel du kannst, und berate dich mit Weisen und Klugen. 22Rechtschaffene Menschen seien deine Tischgenossen und die Furcht Gottes sei dein Ruhm. 23Richte deine Gedanken auf Gott und alle deine Gespräche seien über die Gebote des Allerhöchsten. 24Durch des Künstlers Hand empfängt das Werk sein Lob und der Fürst des Volkes wegen der Weisheit seiner Rede, wegen der Einsicht aber der Ausspruch der Greise. 25Ein Schwätzer ist in seiner Stadt ein Schrecken und wer in seinen Worten voreilig ist, macht sich verhasst.

Das Buch Jesus Sirach 10

1Ein weiser Richter spricht seinem Volke Recht und die Herrschaft des Verständigen hat Bestand. 2Wie der Richter des Volkes, so sind auch seine Diener; und wie der Vorsteher einer Stadt, so sind auch ihre Bewohner. 3Ein unweiser König richtet sein Volk zugrunde, aber durch die Weisheit der Herrscher werden die Städte volkreich. 4In der Hand Gottes liegt die Herrschaft über die Erde und er bestellt ihr zur rechten Zeit einen tauglichen Herrscher. 5In der Hand Gottes steht des Menschen Wohlergehen und des Beamten Angesicht verleiht er seine Würde. 6Keiner Unbill, die dir dein Nächster angetan, gedenke und begehe bei dem, was du tust, kein Unrecht. 7Der Hochmut ist bei Gott und den Menschen verhasst und alle Ungerechtigkeit der Völker ist ein Greuel. 8Die Herrschaft geht von einem Volke auf ein anderes über wegen Ungerechtigkeit, Gewalttaten, Schmähungen und allerlei Arglist. 9Nichts ist lasterhafter als ein Geiziger. Was überhebt sich Erde und Staub? 10Nichts ist frevelhafter als das Geld zu lieben; denn wer dies tut, dem ist selbst seine Seele feil; während er noch lebt, schüttet er seine Eingeweide aus. 11Aller Gewaltherrschaft Leben ist kurz. Eine langwierige Krankheit fällt dem Arzte beschwerlich. 12Eine kurze Krankheit schneidet der Arzt weg, so ist auch einer heute König und morgen wird er sterben. 13Und wenn der Mensch tot ist, sind Schlangen, wilde Tiere und Würmer sein Erbteil. 14Der Anfang der Hoffart des Menschen ist der Abfall von Gott. 15Denn von seinem Schöpfer hat sich sein Herz abgewendet, weil die Hoffart der Anfang aller Sünde ist; wer darin verharrt, wird mit Fluch überhäuft und sie wird ihn zuletzt zugrunde richten. 16Darum beraubt der Herr die Zusammenrottungen der Bösen der Ehre und vernichtet sie gänzlich. 17Die Throne stolzer Fürsten stürzt Gott und setzt Sanftmütige an ihre Stelle. 18Stolze Völker lässt Gott bis auf die Wurzel verdorren und pflanzt statt ihrer Demütige von denselben Völkern. 19Die Länder der Völker verheert der Herr und zerstört sie bis auf den Grund. 20Einige von ihnen lässt er verdorren und vernichtet sie und vertilgt ihr Andenken von der Erde. 21Gott vertilgt das Andenken der Stolzen und lässt das Andenken der demütig Gesinnten bestehen. 22Nicht ist dem Menschen die Hoffart anerschaffen noch der Zorn dem von Weibern Geborenen. 23Ein Geschlecht von Menschen, das Gott fürchtet, steht in Ehren, aber ein Geschlecht, welches des Herrn Gebote übertritt, geht der Ehre verlustig. 24Ein Oberhaupt ist geehrt unter seinen Brüdern; so sind, die den Herrn fürchten, es in seinen Augen. 25Der Ruhm der Reichen, der Angesehenen und der Armen ist die Furcht Gottes. 26Verachte einen Gerechten nicht, weil er arm ist, und ehre einen Sünder nicht, weil er reich ist. 27Der Große und der Richter und der Machthaber sind hochgehalten; aber keiner ist größer als wer den Herrn fürchtet. 28Einem einsichtsvollem Knechte müssen auch die Freien dienen; und ein kluger und wohlgesitteter Mann murrt nicht, wenn er zurechtgewiesen wird. Ein Unwissender wird nicht geehrt. 29Überhebe dich nicht bei deinem Tun und säume nicht zur Zeit der Bedrängnis. 30Besser ist, wer arbeitet und an allem Überfluss hat, als wer sich rühmt und an Brot Mangel leidet. 31Sohn! Erhalte deine Seele in Sanftmut und erweise ihr Ehren nach ihrem Verdienste. 32Wer wird den für schuldlos halten, der wider seine eigene Seele sündigt? Und wer wird den ehren, der seine eigene Seele verunehrt? 33Der Arme steht wegen seiner Einsicht und Furcht in Ehren und manche werden wegen ihres Reichtums geehrt. 34Wer aber schon in seiner Armut geehrt wird, wie viel mehr im Reichtume? Und wer seinen Ruhm in Reichtum setzt, möge die Armut fürchten.