Bibel in einem Jahr · Tag 252 von 365

Sir 6–8 · Kol 2

Aus der Allioli-Arndt-Bibel (Vulgata-Übersetzung, 1914).

Altes Testament

Das Buch Jesus Sirach 6

1Werde deinem Nächsten nicht aus einem Freunde ein Feind; denn Schimpf und Schande wird einem bösen Menschen zuteil, gleichwie jedem neidischen und doppelzüngigen Sünder. 2Überhebe dich nicht wie ein Stier in den Gedanken deines Herzens, damit deine Stärke nicht durch Torheit vernichtet werde 3und diese deine Blätter verzehre, deine Früchte verderbe und du zuletzt zurückbleibest wie ein dürrer Baum in der Wüste. 4Eine böse Seele nämlich richtet den zugrunde, der sie hat, macht ihn zum Spott seiner Feinde und stürzt ihn in das Schicksal des Gottlosen. 5Ein sanftes Wort erwirbt viele Freunde und besänftigt die Feinde und anmutsvolle Sprache eines guten Menschen schafft viel Gutes. 6Viele seien es, mit denen du in Frieden lebst, aber dein Vertrauter sei nur einer aus tausend. 7Willst du einen Freund erwerben, so erwirb ihn in der Prüfung und schenke ihm dein Vertrauen nicht zu schnell. 8Denn mancher ist nur so lange Freund, so lange ihm die Zeit günstig scheint; aber am Tage der Drangsal bleibt er es nicht. 9Mancher Freund verwandelt sich auch in einen Feind und mancher Freund macht Hass, Gezänk und Beschimpfungen offenkundig. 10Mancher Freund ist nur ein Tischgenosse, aber am Tage der Not harrt er nicht aus. 11Wenn ein Freund standhaft bleibt, so sei er dir wie du selbst und gehe mit deinen Hausgenossen vertraulich um. 12Wenn er sich vor dir demütigt und sich vor deinem Angesichte verbirgt, so wird deine Freundschaft mit ihm einmütig und gut bleiben. 13Halte dich von deinen Feinden fern und auch gegen deine Freunde sei auf deiner Hut. 14Ein treuer Freund ist ein starker Schutz; wer einen solchen gefunden, hat einen Schatz gefunden. 15Mit einem treuen Freunde ist nichts zu vergleichen und wertlos ist gegen die Vortrefflichkeit seiner Treue Gold und Silber. 16Ein treuer Freund ist ein Heilmittel für Leben und Unsterblichkeit und die den Herrn fürchten, finden einen solchen. 17Wer Gott fürchtet, wird auch gute Freundschaft haben denn wie er selbst ist, wird auch sein Freund sein. 18Sohn! Nimm Zucht von Jugend auf an, so wirst du bis ins Alter Weisheit finden. 19Nahe dich ihr wie einer, der pflügt und sät, und harre auf ihre guten Früchte. 20Denn mit ihrer Bearbeitung wirst du wenig Mühe haben und bald wirst du von ihren Erzeugnissen genießen. 21Wie überaus rauh erscheint die Weisheit den zuchtlosen Menschen und der Unverständige beharrt nicht bei ihr. 22Wie ein schwerer Probierstein lastet sie auf ihnen und es währt nicht lange, so werfen sie dieselbe von sich. 23Denn die Weisheit der Lehre ist, wie ihr Name besagt, und offenbart sich nicht vielen; wem sie aber bekannt ist, bei dem wird sie bleiben bis zur Anschauung Gottes. 24Sohn, höre! Nimm einen Rat der Klugheit an und verschmähe meinen Rat nicht. 25Ergib deinen Fuß in ihren Fesseln und deinen Hals in ihre Bande. 26Beuge deine Schultern darunter und trage sie und sträube dich nicht gegen ihre Bande. 27Von ganzem Herzen nahe dich ihr und halte ihre Wege mit aller Kraft ein. 28Forsche ihr nach, so wird sie dir kund werden, und hast du sie errungen, so lass sie nicht von dir. 29Denn zuletzt wirst du an ihr Erquickung finden und sie wird sich dir in Freude wandeln. 30Ihre Fesseln werden dir zum starken Schutze und zu einem festen Grunde werden und ihre Bande zum Ehrenkleid. 31Denn Zierde des Lebens ist bei ihr und ihre Fesseln sind Bande des Heils. 32Wie ein Ehrenkleid wirst du sie anlegen und sie wie eine Freudenkrone auf dein Haupt setzen. 33Sohn! Wenn du auf mich acht haben willst, so wirst du lernen, und wenn du es zu Herzen nimmst, wirst du weise werden. 34Wenn du ihr dein Ohr zuneigst, wirst du die Lehre fassen, und wenn du sie gern hörst, wirst du weise werden. 35Weile in der Versammlung der klugen Greise und halte dich von Herzen zu ihrer Weisheit, damit du alles hören mögest, was von Gott geredet wird, und die Sprache der Lobpreisung dir nicht entgehe. 36Siehst du einen Einsichtsvollen, so gehe ihm eifrig nach und dein Fuß betrete oft die Säulen seiner Tür. 37Betrachte allezeit die Gebote des Herrn und beschäftige dich eifrig mit seinen Vorschriften, so wird er dich gelehrig machen und dein Verlangen nach Weisheit wird dir gewährt werden.

Das Buch Jesus Sirach 7

1Tue nichts Böses, so widerfährt dir nichts Böses. 2Halte dich fern vom Unrechten, so wird das Böse von dir lassen. 3Sohn! Säe nichts Böses in die Furchen der Ungerechtigkeit, so wirst du es auch nicht siebenfältig ernten. 4Begehre nicht vom Herrn Herrschaft noch von dem Könige einen Ehrenstuhl. 5Stelle dich nicht als gerecht hin vor Gott, denn er ist der Herzenskenner; und vor dem Könige wolle nicht weise scheinen. 6Trachte nicht darnach, Richter zu werden, wenn du nicht vermagst, dem Unrecht mit Kraft zu steuern; du möchtest etwa des Mächtigen Angesicht scheuen und deine Rechtschaffenheit in Gefahr bringen. 7Verfehle dich nicht gegen die Bürger der Stadt und mische dich nicht unter den Pöbel. 8Verstricke dich nicht in doppelte Sünden, denn schon die eine wird dir nicht ungestraft hingehen. 9Sei nicht kleinmütig in deinem Herzen. 10Versäume nicht zu beten und Almosen zu geben. 11Sprich nicht: Gott wird auf die Menge meiner Gaben schauen, und wenn ich Gott, dem Allerhöchsten, meine Gaben darbringe, wird er sie annehmen. 12Spotte des Menschen nicht, dessen Seele bekümmert ist; denn Gott, der erniedrigt und erhöht, sieht alles. 13Streue nicht Lügen wider deinen Bruder aus und tue gleicherweise nicht wider deinen Freund. 14Wolle nie eine Lüge sagen, denn die Gewöhnung daran ist nicht gut. 15Sei nicht geschwätzig in der Versammlung der Greise und mache nicht viele Worte in deinem Gebete. 16Hasse nicht beschwerliche Arbeit noch den Landbau, den der Allerhöchste geschaffen. 17Halte dich nicht zu der Menge der Zuchtlosen. 18Gedenke, dass der Zorn nicht zögern wird. 19Demütige deinen Geist sehr, denn die Strafe für den Leib des Gottlosen ist Feuer und Wurm. 20Handle nicht unrecht gegen deinen Freund, wenn er mit dem Gelde zögert, und verachte einen lieben Bruder nicht um Goldes willen. 21Scheide dich nicht von einer verständigen und guten Frau, die du in der Furcht Gottes erlangt hast; denn die Anmut ihrer Sittsamkeit ist mehr wert als Gold. 22Halte den Knecht nicht übel, der treu arbeitet, noch den Taglöhner, der seine Lebenskraft einsetzt. 23Ein verständiger Knecht sei dir so lieb wie deine Seele, enthalte ihm die Freilassung nicht vor und lass ihn nicht arm von dir gehen. 24Hast du Vieh, so warte sein, und bringt es dir Nutzen, so behalte es. 25Hast du Söhne? So ziehe sie und beuge sie von Jugend auf. 26Hast du Töchter? So hüte ihren Leib und zeige kein zu heiteres Angesicht vor ihnen. 27Verheirate deine Tochter, und du hast ein großes Werk vollbracht, nur gib sie einem verständigen Manne. 28Hast du eine Frau nach deinem Herzen, so verstoße sie nicht; und einer Gehässigen traue dich nicht an. 29Von ganzem Herzen ehre deinen Vater und vergiss der Schmerzen deiner Mutter nicht. 30Gedenke, dass du ohne sie nicht geboren wärest, und erweise ihnen Gutes, wie auch sie dir erwiesen haben. 31Mit ganzer Seele fürchte den Herrn und seinen Priestern erweise Ehrerbietung. 32Aus allen Kräften liebe den, der dich erschaffen, und verlass seine Diener nicht. 33Ehre Gott aus ganzer Seele und ehre die Priester und entsündige dich durch Schulterstücke. 34Gib ihnen, wie es dir befohlen ist, ihren Anteil von den Erstlingen und von den Reinigungsopfern und entsündige dich von deiner Versäumnis durch kleine Gaben. 35Bringe dem Herrn die Gaben deiner Schulterstücke dar, das Opfer der Heiligung, sowie die Erstlinge des Geheiligten. 36Reiche auch dem Armen deine Hand, damit deine Sühne und dein Segen vollkommen werden. 37Wohltätigkeit beweise allem, was lebt, und auch dem Toten enthalte deine Huld nicht vor. 38Lass die Weinenden nicht ohne Trost und wandle mit den Trauernden. 39Lass es dich nicht verdrießen, einen Kranken zu besuchen; denn dadurch wirst du in der Liebe feststehen. 40Bei allem, was du tust, gedenke an dein Ende, so wirst du in Ewigkeit nicht sündigen.

Das Buch Jesus Sirach 8

1Streite nicht mit einem mächtigen Manne, dass du nicht in seine Hände fallest. 2Hadere nicht mit einem reichen Manne, dass er nicht etwa Streit mit dir beginne; 3denn viele schon hat Gold und Silber ins Verderben gestürzt und ist bis zu der Könige Herz gedrungen und hat sie verführt. 4Streite nicht mit einem zungenfertigen Menschen und lege nicht Holz in sein Feuer. 5Habe keine Gemeinschaft mit einem zuchtlosen Menschen, damit er nicht von deinen Voreltern übel rede. 6Verachte einen Menschen nicht, welcher sich von der Sünde abwendet, und mache ihm keine Vorwürfe; gedenke, dass wir alle strafbar sind. 7Verachte keinen Menschen in seinem Alter, denn auch aus uns werden einige alt. 8Freue dich nicht über den Tod deines Feindes; bedenke, dass wir alle sterben müssen und nicht wünschen, dass man sich über uns freue. 9Achte die Erzählung weiser Greise nicht gering und richte dich nach ihren Sprüchen; 10denn aus ihnen wirst du Weisheit und kluge Lehre entnehmen, und wie man Mächtigen dienen soll. 11Lass die die Belehrung der Greise nicht entgehen, denn sie haben von ihren Vätern gelernt. 12Von ihnen kannst du ja Einsicht lernen und wie man Antwort gibt zur Zeit der Bedrängnis. 13Bringe nicht die Kohlen der Sünder in Brand, indem du sie tadelst, und lass dich nicht von der Feuerflamme ihrer Sünden ergreifen. 14Widersetze dich nicht heftig einem Schmähsüchtigen, dass er sich nicht gleichsam gegen deinen Mund den Hinterhalt lege. 15Leihe keinem Menschen, der mächtiger ist als du; hast du ihm aber geliehen, so achte es als verloren. 16Verbürge dich nicht über dein Vermögen hinaus; hast du aber Bürgschaft geleistet, so denke darauf zu bezahlen. 17Rechte nicht gegen einen Richter, denn er richtet nach dem, was recht ist. 18Mit einem Tollkühnen begib dich nicht auf den Weg, damit er dir nicht sein Unglück aufbürde; denn er wandelt nach seiner Willkür dahin und du wirst zugleich mit seiner Torheit zugrunde gehen. 19Mit einem Jähzornigen lass dich in keinen Streit ein und mit einem Verwegenen ziehe nicht in die Wüste; denn wie nichts ist Blut vor seinen Augen und da, wo nirgends Hilfe ist, wird er dich niederschlagen. 20Berate dich nicht mit Toren; denn sie können nichts lieben, außer was ihnen gefällt. 21Mit einem Fremden halte nicht Rat; denn du weißt nicht, was er beginnen wird. 22Nicht jedem Menschen öffne dein Herz, damit er dir nicht etwa schlechten Dank wisse und über dich schmähe.

Neues Testament

Kolosserbrief 2

1Denn ihr sollt wissen, welch große Sorge ich um euch und die in Laodicea, und um alle habe, die mein Angesicht im Fleische nicht gesehen haben, 2dass ihren Herzen Zuspruch zu Teil werde, indem sie in Liebe unterwiesen werden, und zu allem Reichtume der Fülle der Einsicht gelangen, zur Erkenntnis des Geheimnisses Gottes, des Vaters, und Christi Jesu, 3in welchem alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis verborgen sind. 4Dies aber sage ich, damit euch niemand täusche mit hochfahrender Rede. 5Denn wenn ich auch dem Leibe nach abwesend bin, so bin ich doch im Geiste bei euch, mich freuend, indem ich eure Ordnung und die Festigkeit eures Glaubens an Christus sehe. 6So wie ihr also Jesus Christus, den Herrn, angenommen habt, so wandelt in ihm, 7festgewurzelt und auferbaut in ihm, und fest im Glauben, so wie ihr gelehrt seid, zunehmend in ihm mit Danksagung. 8Sehet zu, dass euch niemand verführe durch die Weltweisheit und eitlen Trug nach der Überlieferung der Menschen, nach den Anfangsgründen der Welt, und nicht nach Christus, 9denn in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig, 10und in ihm seid ihr erfüllt, der das Haupt aller Gewalten und Mächte ist; 11in dem ihr auch beschnitten seid, nicht durch eine Beschneidung, welch mit der Hand geschehen, durch Hinwegnahme des Fleisches am Leibe, sondern durch die Beschneidung Christi, 12indem ihr mit ihm in der Taufe begraben wurdet, und in ihm durch den Glauben an die Macht Gottes, der ihn von den Toten auferweckt hat, auch auferstanden seid. 13Auch euch, die ihr tot waret in den Vergehungen und in der Vorhaut eures Fleisches, hat er lebendig gemacht mit ihm, indem er euch alle Vergehungen vergab, 14da er den wider uns lautenden Schuldbrief der Satzungen auslöschte und ihn an das Kreuz heftend wegnahm; 15und da er die Mächte und die Gewalten entwaffnet, stellte er sie kühnlich zur Schau, indem er sie im Triumphe ausführte in sich. 16So soll euch denn Niemand richten wegen Speise oder wegen Trank, oder betreffs eines Festtages oder eines Neumondes oder Sabbats, 17denn diese sind ein Schatten dessen, was zukünftig war; der Körper aber ist Christi. 18Lasset euch von niemand verführen, der an Demut und Dienst der Engel Gefallen findet, indem er sich zu Dingen, die er nicht gesehen hat, versteigt, ohne Grund aufgeblasen von dem Sinne seines Fleisches, 19aber nicht festhaltend an dem Haupte, von welchem aus der ganze Leib, durch Gelenke und Bänder verbunden und zusammengehalten, heranwächst zum Wachstum in Gott. 20Wenn ihr also mit Christus den Anfangsgründen dieser Welt abgestorben seid, was stellt ihr noch Satzungen auf, als lebtet ihr in der Welt? 21„Fasset nicht an, kostet nicht, berühret nicht!“ 22Dinge, welche doch alle durch den Gebrauch der Vernichtung geweiht sind, nach den Satzungen und Lehren der Menschen. 23Denn haben diese auch den Schein von Weisheit durch selbstgewählten Gottesdienst und Demut und Schonungslosigkeit gegen den Leib, so dienen sie doch nicht in irgendetwas, was ehrenhaft ist, zur Sättigung des Fleisches.