Bibel in einem Jahr · Tag 251 von 365

Sir 3–5 · Kol 1

Aus der Allioli-Arndt-Bibel (Vulgata-Übersetzung, 1914).

Altes Testament

Das Buch Jesus Sirach 3

1Söhne der Weisheit sind die Gemeinde der Gerechten und ihr Geschlecht ist Gehorsam und Liebe. 2Kinder, höret auf den Ausspruch eures Vaters und handelt so, dass es euch wohl gehe. 3Denn Gott hat dem Vater bei den Kindern Ehre verliehen und das Recht der Mutter bestimmt und für die Kinder festgesetzt. 4Wer Gott liebt, wird seine Sünden sühnen und sich von denselben enthalten und wird in seinem täglichen Gebete erhört werden. 5Und gleich einem, der Schätze sammelt, so ist der, der seine Mutter ehrt. 6Wer seinen Vater ehrt, wird Freude an seinen Kindern haben und zur Zeit, da er betet, Erhörung finden. 7Wer seinen Vater ehrt, wird lange leben, und wer seinem Vater gehorsam ist, wird seiner Mutter Trost gewähren. 8Wer den Herrn fürchtet, ehrt die Eltern und dient denen, die ihn erzeugt haben, wie Gebietern. 9Mit Wort und Tat und in aller Geduld ehre deinen Vater, 10damit sein Segen über dich komme und sein Segen bis ans Ende währe. 11Des Vaters Segen festigt die Häuser der Kinder, der Fluch der Mutter aber zerstört sie von Grund aus. 12Erfreue dich nicht über die Schmach deines Vaters, denn seine Schande bringt dir keine Ehre, 13weil eines Menschen Ruhm auf der Ehre seines Vaters beruht und ein ehrloser Vater dem Sohne eine Schande ist. 14Sohn, nimm dich deines Vaters im Alter an und betrübe ihn nicht, so lange er lebt; 15und wenn es ihm an Einsicht fehlt, so halte es ihm zugute und verachte ihn nicht in deiner Kraftfülle; denn eine Wohltat, die du deinem Vater erzeigst, wird nimmermehr in Vergessenheit geraten. 16Das Böse, das du von der Mutter leidest, wird dir mit Gutem vergolten werden 17und Gerechtigkeit wird dir Grundstein deines Gebäudes sein; am Tage der Drangsal wird deiner gedacht werden und wie das Eis bei Sonnenschein, so werden deine Sünden vergehen. 18Welch bösen Namen macht sich der, welcher seinen Vater im Stiche lässt, und verflucht ist von Gott, wer seine Mutter erzürnt. 19Sohn! Vollbringe deine Geschäfte mit Sanftmut, so wirst du nicht nur von den Menschen geehrt, sondern noch mehr geliebt werden. 20Je größer du bist, desto mehr demütige dich in allem, so wirst du bei Gott Gnade finden; 21denn Gottes Macht ist allein groß und verherrlicht von den Demütigen. 22Trachte nicht nach dem, was zu hoch für dich ist, und suche nicht zu ergründen, was über deine Kräfte geht; sondern was dir Gott geboten, darauf sei allezeit bedacht und bei seinen vielfältigen Werken sei nicht vorwitzig. 23Denn du hast nicht nötig, mit deinen Augen zu schauen, was verborgen ist. 24Über unnütze Dinge forsche nicht viel nach und sei nicht vorwitzig über seine vielfältigen Werke. 25Denn sehr vieles ist dir kundgetan worden, was des Menschen Einsicht übersteigt. 26Viele schon hat ihr Dünkel zu Falle gebracht und in Eitelkeit ihren Sinn gefangen gehalten. 27Einem harten Herzen wird es zuletzt übel ergehen, und wer Gefahr liebt, wird in ihr umkommen. 28Einem Herzen, das auf zweierlei Wegen wandelt, wird nichts gelingen, und wessen Herz verkehrt ist, der wird darauf zu Falle kommen. 29Ein verderbtes Herz wird mit Schmerzen überhäuft und der Sünder fügt Sünde zu Sünde. 30Die Gemeinschaft der Hochmütigen ist unheilbar, denn der Keim der Sünde hat Wurzel in ihnen geschlagen, ohne dass sie es erkennen. 31Des Weisen Herz erkennt man an der Weisheit und ein gutwilliges Ohr hört die Weisheit mit aller Begierde. 32Ein weises und verständiges Herz wird sich von Sünden fernhalten und in den Werken der Gerechtigkeit Fortschritte machen. 33Die Glut des Feuers löscht das Wasser und das Almosen steht den Sünden entgegen 34und Gott ist der Beschützer dessen, der Barmherzigkeit übt, er gedenkt seiner in Zukunft und zur Zeit eines Unfalls findet er eine feste Stütze.

Das Buch Jesus Sirach 4

1Sohn, entziehe den Armen nicht das Almosen und wende dein Auge nicht von dem Dürftigen ab. 2Verachte den Hungernden nicht und kränke den Armen nicht in seiner Armut. 3Betrübe das Herz des Dürftigen nicht und halte dem Hilfsbedürftigen die Gabe nicht zurück. 4Die Bitte des Bedrängten weise nicht ab und wende dein Angesicht nicht von dem Armen weg. 5Wende deine Augen von dem Dürftigen nicht hinweg ob des Zornes und gib den Bittenden keine Veranlassung, dir Böses nachzuwünschen; 6denn wenn er dir mit erbittertem Herzen flucht, so wird sein Wünschen erhört; der ihn erschaffen, wird ihn hören. 7Sei freundlich gegen die Menge der Armen, verdemütige dich vor dem Greise und neige dein Haupt vor dem Großen. 8Neige dein Ohr vor dem Armen ohne Unlust und gib, was du schuldig bist, und antworte ihm friedlich und mit Sanftmut. 9Befreie den, der Unrecht leidet, aus der Hand des Unterdrückers und trage nicht Bitterkeit in deiner Seele. 10Wenn du Recht sprichst, sei gegen die Waisen barmherzig wie ein Vater und gegen die Mutter derselben wie ihr Gatte, 11so wirst du wie ein gehorsamer Sohn des Allerhöchsten sein und er wird sich deiner mehr erbarmen als eine Mutter. 12Die Weisheit haucht ihren Söhnen Leben ein und nimmt sich derer an, welche sie suchen, und geht ihnen auf dem Wege der Gerechtigkeit voran. 13Wer sie lieb hat, liebt das Leben, und die eifrig nach ihr trachten, erwerben ihr Wohlgefallen. 14Wer sie besitzt, wird das Leben erben; und wo er immer wandelt, wird Gott seinen Segen spenden. 15Die ihr dienen, folgen dem Heiligen; und die, welche sie lieben, liebt Gott. 16Wer auf sie hört, wird über Völker richten; und wer auf sie sieht, wird sicher bleiben. 17Wenn jemand ihr vertraut, wird er sie ererben und seine Nachkommen werden in ihrem Besitze bleiben. 18Denn in der Versuchung wandelt sie mit ihm und vorerst erwählt sie ihn. 19Furcht und Schrecken und Prüfung bringt sie über ihn und verfährt hart gegen ihn in der Strenge ihrer Zucht, bis sie ihn in seinen Gesinnungen erprobt hat und ihn vertrauen kann. 20Alsdann stärkt sie ihn und leitet ihn auf geradem Wege und erfreut ihn 21und gibt ihm ihre Geheimnisse kund und bereichert ihn mit Wissenschaft und Erkenntnis der Gerechtigkeit. 22Wenn er sich aber auf Irrwege abwendet, so verlässt sie ihn und gibt ihn den Händen seines Feindes preis. 23Sohn! Beachte die Zeit und hüte dich vor dem Bösen. 24Um deiner Seele willen schäme dich nicht, die Wahrheit zu sagen. 25Denn es gibt eine Scham, die zur Sünde führt, und es gibt eine Scham, die Ehre und Gnade mit sich bringt. 26Nimm auf niemanden Rücksicht dir zum Nachteil und lüge nicht zu deinem eigenen Schaden. 27Scheue dich nicht vor deinem Nächsten bei seinem Falle. 28Halte das Wort nicht zurück, wenn es zu retten gilt; und verbirg deine Weisheit nicht, wenn es ihre Ehre gilt. 29Denn durch die Rede wird die Weisheit erkennt, und durch die Worte des Verständigen zeigt sich Einsicht, Wissenschaft und Zucht und Festigkeit durch die Werke der Gerechtigkeit. 30Auf keine Weise widersprich dem Worte der Wahrheit und schäme dich, wenn du aus Mangel an Zucht gelogen hast. 31Schäme dich nicht, deine Sünde zu bekennen und gib keinem Menschen nach, um Böses zu tun. 32Widersetze dich einem Mächtigen nicht und kämpfe nicht wider den Strom an. 33Kämpfe mit allen Kräften für die Gerechtigkeit um deiner Seele willen und streite bis zum Tode für die Gerechtigkeit, so wird Gott deine Feinde für dich unterwerfen. 34Sei nicht vorschnell mit deiner Zunge und träge und lässig in deinen Handlungen. 35Sei nicht in deinem Hause wie ein Löwe, zum Verderben deiner Hausgenossen und zur Unterdrückung deiner Untergebenen. 36Lass deine Hand nicht ausgestreckt sein zum Nehmen und geschlossen zum Geben.

Das Buch Jesus Sirach 5

1Verlass dich nicht auf ungerechte Güter und sage nicht: Ich habe genug für mein Leben, denn zur Zeit der Rache und Trübsal wird es dir nichts nützen. 2Folge nicht der Begierde deines Herzens, wenn du es auch könntest, 3und sprich nicht: Wie mächtig bin ich! Oder: Wer vermag etwas über mich wegen meiner taten? Denn Gott wird es gewiss nicht ungerächt lassen. 4Sage nicht: Ich habe gesündigt, aber was ist mir Leides widerfahren? Denn der Höchste ist ein langmütiger Vergelter. 5Wegen der nachgelassenen Sünde sei nicht ohne Furcht und häufe nicht Sünde auf Sünde. 6Sage auch nicht: Die Barmherzigkeit des Herrn ist groß, er wird gegen die Menge meiner Sünden barmherzig sein. 7Denn sein Erbarmen und sein Zorn kommen schnell daher und sein Zorn blickt auf die Sünder. 8Säume nicht, dich zum Herrn zu bekehren und verschiebe es nicht von einem Tage zum andern, 9denn plötzlich wird sein Zorn kommen und zur Zeit der Rache dich vernichten. 10Sei nicht ängstlich um ungerechtes Gut besorgt, denn zur Zeit der Heimsuchung und Züchtigung wird es dir nichts nützen. 11Lass dich nicht von jedem Winde umhertreiben und wandle nicht auf jeglichem Wege, denn so wird jeder Sünder an der Doppelzüngigkeit erprobt. 12Sei standhaft auf dem Wege des Herrn in der Wahrhaftigkeit deiner Gesinnung und in der Überzeugung und es geleite dich das Wort des Friedens und der Gerechtigkeit. 13Sei bereitwillig, Rede anzuhören, dass du Einsicht erlangest, und gib mit Weisheit eine rechte Antwort. 14Hast du Einsicht, so gib deinem Nächsten Bescheid; wo nicht, so lege die Hand auf deinen Mund, damit du nicht in eine unbescheidene Rede verstrickt und beschämt werdest. 15Ehre und Ruhm bringt die Rede des Weisen, aber des Unklugen Zunge ist sein eigenes Verderben. 16Lass dich nicht Ohrenbläser nennen und lass dich nicht durch deine Zunge verstricken und zuschanden machen. 17Denn über den Dieb kommt viel Beschämung und Furcht vor Strafe, über den Doppelzüngigen böser Tadel; über den Ohrenbläser aber Hass, Feindschaft und Schmach. 18Verschaffe dem Kleinen Recht gleichwie dem Großen.

Neues Testament

Kolosserbrief 1

1Paulus, Apostel Jesu Christi durch den Willen Gottes, und Timotheus, der Bruder, 2den Heiligen und gläubigen Brüdern in Christus Jesus zu Kolossä. 3Gnade sei euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus. Wir danken Gott und dem Vater unsers Jesus Christus immerdar, für euch betend, 4da wir von eurem Glauben an Christus Jesus, und von der Liebe, die ihr zu allen Heiligen hegt, gehört haben, 5um der Hoffnung willen, die euch im Himmel aufbehalten ist, von welcher ihr gehört habt und das Wort der Wahrheit des Evangeliums, 6welches zu euch gekommen ist, wie es auch in der ganzen Welt ist. Und es bringt Frucht und nimmt zu, ebenso wie unter euch, von dem Tage an, da ihr gehört und die Gnade Gottes in Wahrheit erkannt habt, 7so wie ihr sie ja von Epaphras gelernt habt, unserm geliebten Mitdiener, welcher ein treuer Diener Christi Jesu für euch ist, 8der uns auch eure Liebe im Geiste kundgetan hat. 9Deshalb hören auch wir von dem Tage an, da wir es vernommen haben, nicht auf, für euch zu beten und zu bitten, dass ihr erfüllt werden möget mit der Erkenntnis seines Willens in aller geistigen Weisheit und Einsicht, 10dass ihr Gottes würdig wandelt, ihm in allem wohlgefällig, indem ihr an jeglichem guten Werke Frucht bringt und wachset in der Erkenntnis Gottes; 11mit aller Kraft gestärkt, nach der Macht seiner Herrlichkeit, zu aller Standhaftigkeit und Langmut, mit Freuden, 12indem wir Gott, dem Vater, Dank sagen, der uns würdig gemacht hat, Teil zu nehmen am Erbe der Heiligen im Lichte; 13welcher uns aus der Gewalt der Finsternis befreit und in das Reich des Sohnes seiner Liebe versetzt hat, 14in welchem wir die Erlösung haben durch sein Blut, die Vergebung der Sünden; 15welcher das Ebenbild Gottes ist, des Unsichtbaren, der Erstgeborene vor aller Schöpfung; 16denn in ihm ist alles erschaffen, was im Himmel und was auf Erden ist, das Sichtbare und das Unsichtbare, seien es Throne oder Herrschaften, oder Fürstentümer oder Gewalten, alles ist durch ihn und für ihn geschaffen; 17und er ist vor allen, und alles hat seinen Bestand in ihm. 18Und er ist das Haupt des Leibes der Kirche, er, der da ist der Anfang, der Erstgeborne von den Toten, damit er in allem den Vorrang habe; 19denn in ihm gefiel es Gott, die ganze Fülle wohnen zu lassen, 20und durch ihn alles mit sich zu versöhnen, indem er Frieden stiftete durch das Blut seines Kreuzes, sowohl was auf der Erde, als was im Himmel ist. 21Auch euch, die ihr ehedem entfremdet und feindlich gesinnt waret in bösen Werken, 22hat er jetzt versöhnt in dem Leibe seines Fleisches durch den Tod, um euch heilig und unbefleckt und unsträflich darzustellen vor ihm; 23wenn ihr anders im Glauben beharret, festgegründet und beständig, und euch nicht wankend machen lasset in der Hoffnung des Evangeliums, welches ihr gehört habt, das verkündigt worden ist in der ganzen Schöpfung unter dem Himmel, dessen Diener ich, Paulus, geworden bin. 24Jetzt freue ich mich in den Leiden für euch, und ergänze das an meinem Fleische, was an den Leiden Christi noch mangelt für seinen Leib, welcher die Kirche ist, 25deren Diener ich geworden bin nach Gottes Veranstaltung, die mir für euch zuerteilt ward, das Wort Gottes voll zu machen, 26das Geheimnis, welches von Ewigkeit und Alters her verborgen war, jetzt aber seinen Heiligen offenbart worden ist, 27denen Gott kundtun wollte, welches der Reichtum der Herrlichkeit dieses Geheimnisses unter den Heiden sei, das ist Christus, der in euch die Hoffnung der Herrlichkeit ist, 28welchen wir verkündigen, indem wir jedermann ermahnen und jedermann belehren in aller Weisheit, damit wir jedermann vollkommen in Christus Jesus darstellen; 29wofür ich mich auch mühe, kämpfend vermöge seiner Wirksamkeit, die in mir in Kraft schafft.