Bibel in einem Jahr · Tag 256 von 365

Sir 17–19

Aus der Allioli-Arndt-Bibel (Vulgata-Übersetzung, 1914).

Altes Testament

Das Buch Jesus Sirach 17

1Gott schuf den Menschen aus Erde und machte ihn nach seinem Bilde. 2Er ließ ihn wieder zu ihr zurückkehren und rüstete ihn nach seinem Vorbilde mit Kraft aus. 3Er bestimmte Zahl und Zeit seiner Tage und gab ihm Gewalt über alles, was auf Erden ist. 4Die Furcht vor ihm legte er auf alle lebenden Wesen und machte ihn zum Herrscher über Tiere und Vögel. 5Aus ihm selbst schuf er eine Gehilfin, die ihm ähnlich war. Er verlieh ihnen Vernunft, Sprache, Gesicht und Gehör und ein Herz, um zu denken, und erfüllte sie mit weiser Einsicht. 6Er teilte ihnen die Wissenschaft des Geistes mit, erfüllte ihr Herz mit Empfindung und zeigte ihnen, was böse und was gut ist. 7Er richtete sein Auge auf ihre Herzen, um sie die Herrlichkeit seiner Werke schauen zu lassen, 8damit sie seinen heiligen Namen priesen, seine Wundertaten rühmten und seine großen Werke verkündeten. 9Dazu verlieh er ihnen Einsicht und gab ihnen das Gesetz des Lebens zum Erbe. 10Einen ewigen Bund errichtete er mit ihnen und tat ihnen Recht und Gerechtigkeit kund. 11Ihre Augen sahen seine große Herrlichkeit und ihre Ohren hörten seine majestätische Stimme und er sprach zu ihnen: Hütet euch vor allem Unrecht! 12Und er gab ihnen Vorschriften, wie ein jeder sich gegen seinen Nächsten verhalten solle. 13Ihr Wandel ist immer vor ihm, nicht ist er verborgen vor seinen Augen. 14Über jedes Volk hat er ein Oberhaupt gesetzt, 15aber Israel ist offenbar Gottes Anteil. 16Alle ihre Werke sind vor Gott so offenkundig wie die Sonne und seine Augen sind ohne Unterlass auf ihre Wege gerichtet. 17Nicht ward der Bund durch ihre Missetaten aufgehoben, aber ihre bösen Taten sind vor Gottes Angesichte. 18Die Wohltätigkeit eines Menschen ist wie ein Siegelring bei ihm und die Milde eines Menschen bewährt er gleich seinem Augapfel. 19Nochmals aber wird er sich erheben und ihnen vergelten, einem jeden auf sein Haupt, und wird sie in das Innerste der Erde hinabstürzen. 20Jedoch den Bußfertigen verstattet er die Rückkehr zur Gerechtigkeit und die Kraftlosen stärkt er, dass sie ausharren, und bestimmt ihnen die Wahrheit zum Erbteil. 21Bekehre dich zu dem Herrn und lass ab von deinen Sünden. 22Bete an vor dem Angesichte des Herrn und mindere die Ärgernisse. 23Kehre um zu dem Herrn, wende dich vom Unrecht ab und hasse ernstlich, was verabscheuungswürdig ist. 24Lerne Gottes Gerechtigkeit und Gerichte kennen und stehe fest in dem vorgesteckten Berufe und im Gebete zu Gott, dem Allerhöchsten. 25Gehe hin zu dem Anteile der Heiligen in der Welt, zu denen, welche leben und Gott preisen. 26Beharre nicht im Irrtume der Gottlosen, preise Gott vor dem Tode. Für einen Toten, der dem Nichts gleich ist, ist das Lob zu Ende. 27Preise, da du noch lebst, lebend und gesund preise und lobe Gott und rühme dich seiner Erbarmungen. 28Wie groß ist die Barmherzigkeit des Herrn und seine Versöhnlichkeit gegen die, welche sich zu ihm wenden! 29Freilich vermag der Mensch nicht alles, denn des Menschen Sohn ist nicht unsterblich und sie haben Wohlgefallen an eitler Bosheit. 30Was ist heller als die Sonne? Und doch verfinstert auch sie sich. Oder was ist ärger als was Fleisch und Blut erdacht haben? Auch dies wird gestraft werden. 31Die Heere des hohen Himmels überschaut sie, aber die Menschen alle sind nur Erde und Staub.

Das Buch Jesus Sirach 18

1Der ewig Lebende hat alles zumal erschaffen. Gott allein wird gerecht erfunden und bleibt unüberwindlicher König in Ewigkeit. 2Wer vermag alle seine Werke zu verkünden? 3Wer vermag seine großen Taten zu ergründen? 4Wer kann das Maß seiner Größe aussprechen? Oder wer vermag seine vielfältigen Gnadenerweise zu erzählen? 5Man kann die Großtaten Gottes weder vermindern noch vermehren noch ergründen. 6Ist der Mensch am Ende, so fängt er erst an, und hört er auf, so fühlt er erst sein Unvermögen. 7Was ist der Mensch? wozu taugt er? was kann er Gutes oder Böses tun? 8Die Zahl der menschlichen Lebenstage beträgt, wenn es viel ist, hundert Jahre. Wie ein Wassertropfen im Meere sind sie zu rechnen, wie ein Sandkörnchen, so gering sind seine Jahre gegen einen Tag der Ewigkeit. 9Darum ist Gott langmütig gegen sie und gießt über sie sein Erbarmen aus. 10Er sieht, wie vermessen und böse ihr Herz ist, er weiß, wie boshaft ihre Verkehrtheit ist. 11Darum gewährt er ihnen reichlich Verzeihung und zeigt ihnen den rechten Weg. 12Des Menschen Erbarmen erstreckt sich auf seinen Nächsten, Gottes Barmherzigkeit aber über alle Geschöpfe. 13Wer Barmherzigkeit kennt, lehrt und unterweist wie ein Hirt seine Herde. 14Wer die Zucht der Erbarmung annimmt und wer eifrig ist in seinen Geboten, dessen erbarmt er sich. 15Mein Sohn! Wenn du Gutes tust, mache keinen Vorwurf und gestatte dir bei keiner Gabe kränkende Worte. 16Mildert nicht der Tau die Hitze? So ist auch ein Wort besser als eine Gabe. 17Ist nicht ein Wort mehr als eine Gabe? Aber beides findet sich bei einem gerechten Manne. 18Ein Tor macht harte Vorwürfe und die Gabe eines ruchlosen Menschen ruft Tränen hervor. 19Erwirb dir Gerechtigkeit, ehe du vor Gericht kommst, und lerne, bevor du redest. 20Ehe du krank wirst, brauche Heilmittel und erforsche dich selbst vor dem Gerichte, so wirst du vor den Augen Gottes Gnade finden. 21Bevor du krank wirst, demütige dich und zur Zeit der Krankheit zeige deinen Wandel. 22Lass dich nicht abhalten, allezeit zu beten und scheue dich nicht, bis zum Tode dich der Gerechtigkeit zu befleißigen; denn Gottes Belohnung währt ewig. 23Ehe du betest, bereite deine Seele vor und sei nicht wie ein Mensch, der Gott versucht. 24Denke an den Zorn am Tage der Vollendung und an die Zeit der Vergeltung, wenn er sein Angesicht von dir abwendet. 25Denke an die Entbehrung zur Zeit des Überflusses und an Armut und Mangel in den Tagen des Reichtums. 26Vom Morgen bis zum Abend ändert sich die Zeit und alles ändert sich schnell vor Gottes Augen. 27Ein weiser Mensch ist in allem vorsichtig und hütet sich, wenn er gefehlt hat, vor Trägheit. 28Jeder Verständige weiß die Weisheit zu schätzen und spendet dem Lob, der sie gefunden. 29Wer verständig ist im Reden, handelt auch weise, erkennt Wahrheit und Gerechtigkeit und lässt weise Sprüche und Grundsätze ausströmen. 30Gehe deinen Begierden nicht nach und wende dich von deinem eigenen Willen ab. 31Wenn du deiner Seele ihre Begierden gestattest, so wird sie dich zum Gespött deiner Feinde machen. 32Ergötze dich nicht weder in großen noch in kleinen Zusammenkünften, denn stets sündigt man dabei. 33Werde nicht mittellos, indem du auf Wucher borgst, so dass du nichts im Beutel hast; denn du wirst es Lebens überdrüssig werden.

Das Buch Jesus Sirach 19

1Ein Arbeiter, der dem Trunke ergeben ist, wird nicht reich; und wer weniges gering achtet, geht nach und nach zugrunde. 2Wein und Weiber machen Weise abwendig und machen Verständige strafbar. 3Wer sich an Dirnen hängt, wird ein Nichtswürdiger; Fäulnis und Würmer werden ihn ererben; er wird zu großer Warnung hingestellt und seine Seele wird aus der Zahl der Lebenden weggerafft werden. 4Wer schnell traut, ist leichtsinnig und wird es büßen, und wer wider sich selbst sündigt, wird streng beurteilt werden. 5Wer sich über Böses freut, wird Tadel erfahren. Wer Zurechtweisung hasst, verkürzt sich das Leben. Wer Geschwätzigkeit hasst, löscht Bosheit aus. 6Wer wider sich selbst sündigt, wird es bereuen, und wer seine Lust am Bösen sucht, verliert seine Ehre. 7Wiederhole ein boshaftes und hartes Wort nicht, so wirst du nicht Schaden leiden. 8Sage weder Freund noch Feind, was du im Sinne hast, und wenn es eine Sünde ist, so offenbare es nicht; 9denn man hört dir zu, aber hütet sich vor dir; man wird jene Sünde entschuldigen, aber wird dich hassen und so immer gegen dich sein. 10Hast du etwas wider deinen Nächsten gehört, so lass es bei dir sterben; sei versichert, du wirst nicht davon bersten. 11Wegen eines Wortes fühlt der Tor Wehen gleich den Schmerzen bei der Geburt eines Kindes. 12Wie ein Pfeil, der in der Hüfte steckt, so ist ein Wort in dem Herzen des Toren. 13Stelle deinen Freund zur Rede, damit er nicht in Unkenntnis sei und sage: Ich habe es nicht getan; hat er es aber getan, dass er es nicht wieder tue. 14Stelle deinen Nächsten zur Rede, vielleicht hat er es nicht gesagt; hat er es aber gesagt, dass er es nicht wieder sage. 15Stelle deinen Nächsten zur Rede, denn man vergeht sich oft, 16und glaube nicht jedem Gerede. Mancher verfehlt sich mit der Zunge, aber nicht aus Vorsatz. 17Denn wer hätte mit seiner Zunge noch nicht gesündigt? Stelle deinen Nächsten zur Rede, bevor du ihm drohst. 18Lass die Furcht des Allerhöchsten walten, denn alle Weisheit besteht in der Furcht Gottes und in ihr liegt die Furcht vor Gott und in der Fülle der Weisheit die Übung des Gesetzes. 19Aber nicht ist Weisheit Kenntnis der Schlechtigkeit und Anschläge der Sünde sind keine Klugheit. 20Es ist Bosheit und eine solche ist ein Greuel und ein Tor ist, wer keine Weisheit hat. 21Besser ist ein Mensch, der von Weisheit entblößt ist und dem es an Einsicht mangelt, der aber Gott fürchtet, als der, welcher überreich ist an Klugheit und dabei das Gesetz des Allerhöchsten übertritt. 22Es gibt eine gründliche Geschicklichkeit, die doch Ungerechtigkeit ist. 23Mancher spricht ein festes Wort und redet die Wahrheit, ein anderer demütigt sich arglistig und sein Inneres ist voll Trug. 24Mancher ist allen unterwürfig mit übermäßiger Demut und mancher senkt sein Angesicht und stellt sich, als ob er nicht sehe, was unbekannt bleiben soll. 25Hindert ihn auch sein Unvermögen zu sündigen, so tut er dennoch Böses, sobald er Gelegenheit dazu findet. 26An dem Aussehen erkennt man den Mann und an der Miene erkennt man den Einsichtsvollen. 27Die Kleidung des Körpers, das Lachen der Zähne und der Gang des Menschen verraten, was in ihm ist. 28Trügerisch ist die Zurechtweisung, wenn jemand im Zorne schmäht. Es gibt Urteile, die man nicht gutheißen kann; mancher aber schweigt und das ist der Kluge.