Bibel in einem Jahr · Tag 240 von 365

Koh 9–11 · Eph 3

Aus der Allioli-Arndt-Bibel (Vulgata-Übersetzung, 1914).

Altes Testament

Das Buch Kohelet 9

1Dies alles habe ich in meinem Herzen erwogen, um es genau zu verstehen. Es gibt Gerechte und Weise und ihre Werke sind in der Hand Gottes und doch weiß der Mensch nicht, ob er der Liebe oder des Hasses würdig ist, 2sondern alles wird als ungewiss für die Zukunft aufbewahrt; denn gleichmäßig widerfährt dem Gerechten und dem Ungerechten alles, dem Guten und dem Bösen, dem Reinen und dem Unreinen, dem, der Opfer versäumt; wie dem Guten, so geht es dem Sünder; wie dem Meineidigen, so auch dem, welcher die Wahrheit beschwört. 3Das ist das Schlimmste von allem, was unter der Sonne geschieht, dass alle dasselbe Geschick trifft; darum ist auch das Herz der Menschenkinder voll der Bosheit und des Verdrusses in ihrem Leben und hiernach werden sie zur Unterwelt hinweggeführt. 4Niemand lebt immer und kann dies hoffen. Besser ist ein lebender Hund als ein toter Löwe. 5Die Lebenden wissen doch, dass sie sterben müssen, aber die Toten wissen nichts mehr und haben weiter keinen Lohn, denn ihr Andenken ist der Vergessenheit überliefert. 6Auch ihr Lieben und Hassen ist zumal dahingegangen und sie haben keinen Anteil mehr an dieser Welt und an allem, was unter der Sonne geschieht. 7So gehe denn hin und iss dein Brot mit frohem Sinn und trinke deinen Wein mit Freuden, denn dein Tun gefällt Gott wohl. 8Deine Kleider seien allezeit glänzend weiß und deinem Haupte ermangle nie das Öl. 9Genieße das Leben mit der Frau, die du liebst, alle Tage deines unbeständigen Lebens, die dir unter der Sonne gegeben sind, die ganze Zeit deines eitlen Seins; denn dies ist das, was du davon hast im Leben und bei deiner Mühsal, mit der du dich abmühest unter der Sonne. 10Was immer deine Hand tun kann, tue eifrig; denn in der Unterwelt, der du zueilst, ist weder Wirken noch Sinnen noch Weisheit noch Wissenschaft. 11Ich wendete mich etwas anderem zu und sah unter der Sonne, dass nicht dem Schnellen der Lauf gehört, nicht dem Helden der Kampf, nicht dem Weisen das Brot, nicht dem klug Berechnenden der Reichtum, nicht dem Kunstverständigen Gunst, sondern dass alles von Zeit und Zufall abhängt. 12Der Mensch kennt sein Ende nicht, sondern wie die Fische mit der Angel gefangen werden und wie man die Vögel mit der Schlinge fängt, so werden die Menschen zur Zeit des Unglücks gefangen, wenn es plötzlich über sie hereinbricht. 13Auch das habe ich als Weisheit unter der Sonne erkannt und sie erschien mir sehr groß: 14Es war eine kleine Stadt, in der nur wenig Menschen waren. Gegen diese kam ein großer König herangezogen und warf einen Wall um sie auf und baute Bollwerke ringsum und sie ward völlig umlagert. 15Da fand sich darin ein armer, aber weiser Mann, dieser rettete die Stadt durch seine Weisheit; aber niemand gedachte darnach eines armen Menschen. 16Und ich sprach: Besser ist Weisheit als Stärke, wie konnte man also die Weisheit des Armen verachten und seinen Worten nicht Gehör schenken? 17Die Worte der Weisen in der Stille finden mehr Gehör als das Geschrei des Fürsten unter den Toren. 18Besser ist Weisheit als Kriegswaffen und wer sich in einem Stücke verfehlt, richtet viel Gutes zugrunde.

Das Buch Kohelet 10

1Tote Fliegen verderben die Annehmlichkeit der Salbe. Teurer als Weisheit und Ehre kommt eine geringe und zeitweilige Torheit zu stehen. 2Das Herz der Weisen ist auf seiner Rechten und das Herz des Toren auf seiner Linken. 3Auch wenn der Tor auf seinem Wege wandelt, hält er, da er selbst ein Tor ist, alle für Toren. 4Wenn der Geist eines Gewaltigen gegen dich aufwallt, so weiche nicht von deiner Seite; denn die Sanftmut verhindert die größten Vergehungen. 5Es gibt ein Unglück, das ich unter der Sonne sah, wie ein Versehen, das vom Machthaber ausgeht: 6den Toren zu Würden emporgehoben, während die Würdigen unten sitzen müssen. 7Ich sah Knechte hoch zu Ross und Fürsten auf der Erde zu Fuß einhergehen, gleich Knechten. 8Wer eine Grube gräbt, fällt selbst hinein; und wer einen Zaun niederreißt, den wird eine Schlange beißen. 9Wer Steine versetzt, wird sich dabei wehe tun; und wer Holz spaltet, wird davon verletzt werden. 10Wenn das Eisen stumpf geworden und nicht wie zuvor ist, sondern keine Schärfe mehr hat, muss es mit großer Mühe geschärft werden; ebenso folgt auch auf Fleiß Weisheit. 11Wer heimlich verleumdet, unterscheidet sich in nichts von einer Schlange, die heimlich beißt. 12Die Worte, die aus dem Munde des Weisen kommen, sind Anmut, aber die Lippen des Toren sind dessen Untergang. 13Seine Worte beginnen mit Torheit und das Ende seiner Reden ist der ärgste Irrwahn. 14Der Tor macht viele Worte. Der Mensch weiß nicht, was vor ihm gewesen ist, und wer kann ihm Kunde geben, was nach ihm sein wird? 15Die Bemühung der Toren wird denen zur Plage, die den Weg in die Stadt nicht kennen. 16Wehe dir, o Land! Dessen König ein Knabe ist und dessen Fürsten von frühe an schnaufen! 17Glückselig das Land, dessen König ein Edler ist und dessen Fürsten zur rechten Zeit essen, um sich zu stärken, und nicht zur Üppigkeit! 18Bei Trägheit senkt sich das Gebälk und bei Fahrlässigkeit der Hände lässt das Haus den Regen eindringen. 19Mit Lachen tischen sie Brot und Wein auf, um lustig zu leben, und dem Gelde gehorcht alles. 20Schmähe den König nicht in deinen Gedanken und fluche dem Reichen nicht in geheimer Kammer. denn die Vögel des Himmels könnten deine Worte forttragen und der Geflügelte das Gesprochene verraten.

Das Buch Kohelet 11

1Lege dein Brot auf das vorbeifließende Wasser, so wirst du es nach langer Zeit wieder finden. 2Teile aus unter sieben, wohl auch unter acht; denn du weißt nicht, was für Unglück auf die Erde kommen wird. 3Wenn die Wolken voll sind, so gießen sie Regen auf die Erde nieder. Wenn der Baum fällt, nach Süden oder nach Norden, so bleibt er an dem Orte, wohin er gefallen ist, liegen. 4Wer auf den Wind achtet, sät nicht; und wer nach den Wolken schaut, wird niemals ernten. 5So wenig du weißt, auf welchem Wege die Seele kommt und wie die Gebeine sich im Mutterleibe zusammenfügen, ebenso wenig kennst du auch die Werke Gottes, welcher alles vollbringt. 6Frühe bestelle deine Aussaat und am Abende raffe deine Hand nicht; denn du weißt nicht, was besser aufgeht, dies oder jenes; und wenn beides zugleich aufgeht, wird es noch besser sein. 7Süß ist das Licht und angenehm ist es den Augen, die Sonne zu sehen. 8Wenn auch der Mensch noch so viele Jahre lebt und sich in ihnen allen freut, so gedenke er doch der Tage der Finsternis, deren viele sein werden; denn wenn diese kommen, werden sie das Vergangene der Eitelkeit zeigen. 9Freue dich also, Jüngling! In deiner Jugend und lass dein Herz guter Dinge sein in den Tagen deiner Jugend und folge den Neigungen deines Herzens und dem, was deine Augen schauen; aber wisse, dass dich Gott über alles dies vor Gericht ziehen wird. 10Verbanne den Zorn aus deinem Herzen und halte das Böse von deinem Leibe fern, denn Jugend und Wollust sind eitel.

Neues Testament

Epheserbrief 3

1Um deswillen ich Paulus, der Gefangene Jesu für euch Heiden, 2wenn anders ihr von der Mitteilung der Gnade Gottes gehört habt, die mir für euch zu Teil geworden ist; 3dass mir durch Offenbarung das Geheimnis kund getan ward, wie ich es oben in Kürze beschrieben habe; 4woraus ihr, wenn ihr es leset, meine Einsicht in das Geheimnis Christi erkennen könnt, 5welches in andern Zeiten den Menschenkindern nicht kund geworden, wie es jetzt seinen heiligen Aposteln und Propheten durch den Geist geoffenbart worden ist, 6dass die Heiden Miterben sind und Miteinverleibte und Mitteilnehmer an seiner Verheißung in Christus Jesus durch das Evangelium, 7dessen Diener ich geworden bin infolge der Gabe der Gnade Gottes, welche mir nach der Wirksamkeit seiner Macht verliehen ward. 8Mir, dem geringsten unter allen Heiligen, ward diese Gnade verliehen, unter den Heiden den unergründlichen Reichtum Christi zu verkünden, 9und alle zu erleuchten, welches die Veranstaltung des Geheimnisses sei, das von Ewigkeit her in Gott verborgen war, der alles erschaffen hat, 10damit den Herrschaften und Gewalten im Himmel durch die Kirche die mannigfaltige Weisheit Gottes kund werde, 11nach dem von Ewigkeit gefassten Ratschlusse, den er in Christus Jesus, unserm Herrn, vollzogen hat, 12in welchem wir Vertrauen und Zutritt in Zuversicht haben durch den Glauben an ihn. 13Darum bitte ich, werdet nicht mutlos bei den Drangsalen, die ich für euch leide, welche euer Ruhm sind. 14Deshalb beuge ich meine Kniee vor dem Vater unsers Herrn Jesu Christi, 15von dem alle Vaterschaft im Himmel und auf Erden ihren Namen hat, 16dass er euch nach dem Reichtume seiner Herrlichkeit verleihen wolle, mit Kraft gestärkt zu werden durch seinen Geist am inneren Menschen, 17auf das Christus durch den Glauben in euren Herzen wohne, und ihr, in der Liebe festgewurzelt und gegründet, 18damit ihr vermöget mit allen Heiligen inne zu werden, welches die Breite und Länge und Höhe und Tiefe sei, 19und auch die Liebe Christi zu erkennen, welche alles Erkennen übersteigt, damit ihr bis zur ganzen Fülle Gottes erfüllt werdet. 20Dem aber, welcher über alles hinaus zu tun vermag, über die Maßen mehr als was wir bitten oder verstehen, nach der in uns wirksamen Kraft, 21ihm sei die Ehre in der Kirche und in Christus Jesus durch alle Geschlechter von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.