Bibel in einem Jahr · Tag 241 von 365

Koh 12; Hld 1–2 · Eph 4

Aus der Allioli-Arndt-Bibel (Vulgata-Übersetzung, 1914).

Altes Testament

Das Buch Kohelet 12

1Sei deines Schöpfers eingedenk in den Tagen deiner Jugend, bevor die Zeit der Trübsal kommt und die Jahre herannahen, von denen du sagen musst; Sie gefallen mir nicht! 2bevor die Sonne und das Licht und Mond und Sterne sich verdunkeln und die Wolken nach dem Regen wiederkehren; 3wenn die Hüter des Hauses zittern und die stärksten Männer wanken werden, wenn die Mahlenden feiern, weil ihre Zahl klein geworden, und Dunkel die umhüllt, welche durch die Fenster schauen; 4wenn man die Pforten nach der Straße schließt, wenn das Geräusch der Mühle nur schwach ertönt, und man bei dem Gesange eines Vogels erwacht und alle Töchter des Gesanges taub werden; 5wenn sie sich auch vor den Höhen fürchten und auf dem Wege erschrecken, wenn der Mandelbaum blüht, die Heuschrecke fett wird und die Kapper verblüht; weil der Mensch in sein Haus geht, wo er ewig bleiben soll, und auf der Straße die Wehklagenden umherstreifen; 6bevor die silberne Schnur zerreißt und die goldene Binde aufgeht, ehe der Krug an der Quelle zertrümmert wird und das Schöpfrad an der Zisterne zerbricht 7und der Staub zu seiner Erde wiederkehrt, von der er genommen, und der Geist wieder zu Gott zurückkehrt, der ihn gegeben hat. 8O Eitelkeit über Eitelkeit! Sprach der Prediger, alles ist Eitelkeit! 9Und weil der Prediger weise war, lehrte er das Volk und ließ es hören, was er getan hatte, und forschte und stellte viele Denksprüche auf. 10Er sucht nach nützlichen Worten und schrieb Sprüche auf, richtig und voll Wahrheit. 11Die Worte der Weisen sind wie Stacheln, und wie tief eingeschlagene Nägel, die durch den Rat der Lehrer von einem Hirten gegeben sind. 12Mehr als dieses, mein Sohn! Verlange nicht. Des vielen Büchermachens ist kein Ende und häufiges Sinnen ist für den Leib Pein! 13Lasset uns allzumal das Endergebnis alles Gesagten vernehmen: Fürchte Gott und halte seine Gebote; denn darin besteht jedes Menschen Aufgabe; 14und alles, was man tut, es sei gut oder böse, wird Gott vor Gericht ziehen, das über jede Verirrung gehalten wird.

Das Hohelied 1

1Er küsse mich mit dem Kusse seines Mundes; denn lieblicher als Wein sind deine Brüste, 2sie duften nach lieblichen Salben. Dein Name ist wie ausgegossenes Öl, darum lieben dich die Jungfrauen. 3Ziehe mich! wir wollen dir nacheilen, dem Dufte deiner Salben nach. Der König führte mich in sein Gemach; wir wollen frohlocken und uns in dir erfreuen, deiner Brüste mehr gedenken als des Weines. Aufrichtige lieben dich! 4Schwarz bin ich, doch schön, ihr Töchter Jerusalems! wie die Gezelte Kedars, wie die Decken Salomons. 5Sehet mich nicht an, dass ich so braun bin, denn die Sonne hat mich verfärbt; die Söhne meiner Mutter haben wider mich gestritten, sie bestellten mich zur Hüterin in den Weinbergen; meinen Weinberg habe ich nicht gehütet. 6Tue mir kund, du, den meine Seele liebt, wo du weidest, wo du ruhest am Mittage, dass ich nicht herumirren muss hinter den Herden deiner Genossen. 7Wenn du, o schönste unter den Frauen, dies nicht weißt, so gehe heraus und folge den Spuren der Herden und weide deine Böcklein neben den Hütten der Hirten. 8Mit meinem Gespann an Pharaos Wagen vergleiche ich dich, meine Freundin! 9Schön sind deine Wangen, gleich der Turteltaube, und dein Hals wie ein Halsgeschmeide. 10Halskettlein von Gold wollen wir dir machen, mit Silber bunt besetzt. 11Während der König an seiner Tafel weilte, gab meine Narde ihren Duft. 12Ein Myrrhenbündel ist mir mein Geliebter, das an meinem Busen verwahrt bleibt. 13Eine Cyprustraube in den Weinbergen Engaddis ist mir mein Geliebter. 14O siehe, wie schön bist du, meine Freundin! Wie schön bist du, deine Augen sind gleich Taubenaugen. 15O siehe, wie schön bist du, mein Geliebter! Und holdselig; voll Blumen ist unser Lager. 16Die Balken unserer Häuser sind von Zedernholz, unser Getäfel von Zypressen.

Das Hohelied 2

1Ich bin eine Blume des Feldes und eine Lilie der Täler. 2Wie eine Lilie unter den Dornen, so ist meine Freundin unter den Töchtern. 3Gleichwie der Apfelbaum unter den Bäumen des Waldes, so ist mein Geliebter unter den Söhnen. Unter dem Schatten dessen, nach dem ich verlangte, sitze ich und seine Frucht ist meinem Gaumen süß. 4Er führte mich in den Weinkeller und teilte mir die rechte Liebe mit. 5Erquicket mich mit Blumen, gebet mir Äpfel zur Stärkung; denn ich bin krank vor Liebe! 6Seine Linke unterstützt mein Haupt und seine Rechte hält mich umfasst. 7Ich beschwöre euch, ihr Töchter Jerusalems! Bei den Rehen und Hirschen der Fluren, wecket nicht auf, erwecket nicht die Geliebte, bis sie selbst will. 8Die Stimme meines Geliebten! Siehe, da kommt er, springt einher über die Berge, hüpft in Eile über die Hügel. 9Mein Geliebter gleicht einer Gazelle und einem jungen Hirsche; siehe, schon steht er hinter unserer Wand, sieht durch die Fenster und schaut durch die Gitter. 10Siehe, mein Geliebter spricht zu mir: Mache dich auf, eile meine Freundin, meine Taube, meine Schöne, und komm! 11Denn schon ist der Winter vorüber, der Regen hat aufgehört und ist vergangen; 12schon erscheinen die Blumen in unserem Lande, die Zeit ist gekommen, den Weinstock zu beschneiden, die Stimme der Turteltaube lässt sich in unserem Lande hören; 13der Feigenbaum setzt seine Knoten an, die Weinberge blühen und hauchen ihren Duft. Mache dich auf, meine Freundin, meine Schöne, und komm! 14Meine Taube in den Felsenklüften, in der Höhlung des Gesteins, lass mich dein Angesicht schauen, lass deine Stimme in meine Ohren tönen! denn deine Stimme ist süß und dein Angesicht hold. 15Fanget uns die kleinen Füchse, welche die Weinberge verwüsten; denn unser Weinberg steht in der Blüte. 16Mein Geliebter ist mein und ich bin sein; der unter den Lilien weidet, 17bis der Tag sich kühlt und die Schatten sich neigen. Kehre um, mein Geliebter! Sei gleich dem Reh und dem jungen Hirschen auf den Bergen Bethers.

Neues Testament

Epheserbrief 4

1Ich ermahne euch also, ich, der Gefesselte im Herrn, wandelt würdig des Berufes, zu dem ihr berufen seid, 2mit aller Demut und Sanftmut, mit Geduld, einander in Liebe ertragend, 3eifrig bemüht, die Einheit des Geistes zu bewahren durch das Band des Friedens! 4Ein Leib und ein Geist, wie ihr ja auch berufen seid zu einer Hoffnung eures Berufes. 5Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, 6ein Gott und Vater aller, der da ist über allen, und durch alles und in uns allen. 7Einem jeden einzelnen aber von uns ist die Gnade nach dem Maße verliehen, wie Christus sie gegeben. 8Daher heißt es: “Auffahrend zur Höhe führte er die Gefangenschaft gefangen, teilte er den Menschen Gaben aus.” 9Das Wort aber: “er ist aufgefahren,” was bedeutet es anders, als dass er auch hinabgestiegen ist in die Teile der Erde unten? 10Der hinabgestiegen, eben der ist es auch, welcher aufgefahren ist weit über alle Himmel, damit er alles erfülle. 11Und eben er hat die einen als Apostel eingesetzt, die anderen als Propheten, die anderen als Evangelisten, die anderen aber als Hirten und Lehrer, 12für die Vollendung der Heiligen zur Ausübung des Dienstes, zur Erbauung des Leibes Christi; 13bis wir alle hingelangen zur Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes, zur vollen Mannesreife, zum Altersmaße der Fülle Christi; 14auf dass wir nicht mehr unmündige Kinder seien, hin- und herschwankend und umhergetrieben von jedem Winde der Lehre, durch die Bosheit der Menschen, durch die Arglist, welche durch Ränke der Irrlehre zu verführen weiß, 15vielmehr die Wahrheit üben in Liebe, und wachsen in allen Stücken in ihm, der das Haupt ist, Christus, 16von dem aus der ganze Leib zusammengefügt und verbunden, und mittels aller Bande der Hilfeleistung, nach der einem jeden Gliede zugemessenen Wirksamkeit, das Wachstum des Leibes bewirkt zu seiner Auferbauung in Liebe. 17Dies also sage ich, und beschwöre euch im Herrn, dass ihr nicht mehr wandeln möget, wie die Heiden wandeln in der Eitelkeit ihres Sinnes, 18sie, deren Verstand verfinstert ist, die entfremdet sind dem Leben aus Gott um der Unwissenheit willen, die in ihnen ist, wegen der Verstockung ihres Herzens, 19da sie, ohne Hoffnung sich der Unzucht ergeben haben, zur Ausübung jedweder Unlauterkeit in Gewinnsucht. 20Ihr aber habt Christus nicht also kennen gelernt, 21wenn anders ihr ihn gehört habt und in ihm unterrichtet worden seid, wie die Wahrheit in Jesus ist; 22dass ihr den alten Menschen nach dem früheren Wandel ablegen sollt, welcher verderbt wird infolge der Lüste des Truges. 23Erneuert euch aber im Geiste eures Sinnes, 24und ziehet den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist, in Gerechtigkeit und Heiligkeit der Wahrheit. 25Darum leget die Lüge ab und redet die Wahrheit, ein jeder mit seinem Nächsten; denn wir sind untereinander Glieder. 26Zürnet ihr, so sündiget nicht; die Sonne gehe nicht unter über eurem Zorne! 27Gebet nicht dem Teufel Raum! 28Wer ein Dieb war, stehle nicht mehr, sondern arbeite vielmehr, mit seinen Händen Gutes wirkend, damit er etwas habe, dem, der Mangel leidet, mitzuteilen. 29Keine böse Rede gehe aus eurem Munde, sondern solche, die tauglich ist zur Erbauung im Glauben, dass sie den Hörern Gnade bringe. 30Und betrübet nicht den Heiligen Geist Gottes, mit welchem ihr besiegelt seid auf den Tag der Erlösung. 31Alle Bitterkeit, Groll, Zorn, Geschrei und Lästerung werde entfernt von euch, zusammt aller Bosheit! 32Seid vielmehr gegeneinander gütig, barmherzig, einander vergebend, wie auch Gott in Christus euch vergeben hat.