Bibel in einem Jahr · Tag 229 von 365

Spr 8–10 · Gal 1

Aus der Allioli-Arndt-Bibel (Vulgata-Übersetzung, 1914).

Altes Testament

Das Buch der Sprichwörter 8

1Ruft nicht die Weisheit und lässt nicht die Klugheit ihre Stimme vernehmen? 2Auf den Höhen, auf den höchsten Gipfeln, am Wege, mitten auf den Pfaden steht sie, 3an den Toren der Stadt, am Eingange selbst redet sie und spricht: 4An euch, ihr Männer! Richte ich meinen Ruf und meine Stimme an die Menschenkinder. 5Lernet Klugheit, ihr Unerfahrenen, und ihr Unweisen, merket auf! 6Höret! denn ich will von erhabenen Dingen reden und meine Lippen sollen sich öffnen zu verkündigen, was recht ist. 7Wahrheit redet mein Mund und meine Lippen verabscheuen Gottlosigkeit. 8Alle meine Reden sind gerecht, es ist darin nichts Falsches noch Verkehrtes. 9Sie sind recht für die Einsichtigen und gerade für die, welche Erkenntnis erlangten. 10Nehmet meine Zucht an und nicht Geld, wählet vielmehr Belehrung als Gold! 11Denn besser ist Weisheit als alle Kostbarkeiten und nichts, was man nur wünschen mag, kann mit ihr verglichen werden. 12Ich, die Weisheit, wohne bei dem guten Rate und bin unter umsichtigen Gedanken. 13Die Furcht des Herrn hasst das Böse; Übermut, Stolz, böser Wandel und ein zweizüngiger Mund sind mir ein Greuel. 14Mein ist Rat und Billigkeit, mein ist Klugheit, mein ist Stärke. 15Durch mich herrschen Könige und verordnen Gesetzgeber, was recht ist. 16Durch mich herrschen Fürsten und entscheiden Gewalthaber Gerechtigkeit. 17Ich liebe, die mich lieben; und die mich früh suchen, werden mich finden. 18Bei mir ist Reichtum und Ehre, herrliche Güter und Gerechtigkeit, 19denn meine Frucht ist besser als Gold und Edelgestein und mein Ertrag besser als auserlesenes Silber. 20Auf den Wegen der Gerechtigkeit wandle ich, inmitten der Pfade des Rechts, 21damit ich denen, die mich lieben, Reichtum verleihe und ihre Schatzkammern fülle. 22Der Herr besaß mich am Anfange seiner Wege, ehe er etwas schuf von Anbeginn her. 23Von Ewigkeit her bin ich eingesetzt, von alters her, bevor die Erde geworden. 24Noch waren die Tiefen nicht, doch ich war schon empfangen, noch waren die Wasserquellen nicht hervorgebrochen, 25noch standen die Berge nicht fest in gewaltiger Wucht; vor den Hügeln ward ich geboren, 26ehe er noch die Erde geschaffen und die Flüsse und die Angeln des Erdkreises. 27Als er die Himmel bereitete, war ich dabei; als er nach genauem Gesetze Schranken zog um die Tiefen, 28als er die Luftschichten oben festigte und die Wasserquellen abwog, 29als er dem Meere ringsum seine Grenzen setzte und den Wassern das Gebot gab, ihre Grenzen nicht zu überschreiten, als er die Grundfesten der Erde feststellte, 30da war ich bei ihm, alles ordnend, und war in Entzücken Tag um Tag, spielend vor ihm allezeit, 31spielend auf dem Erdkreis, und meine Wonne ist es, bei den Menschenkindern zu sein. 32Nun denn, ihr Söhne! Höret auf mich. Glückselig sind, die meine Wege innehalten! 33Merket auf Zucht und werdet weise und verschmähet sie nicht! 34Glückselig der Mensch, der auf mich hört und der an meinen Türen wacht Tag für Tag und acht hat an den Pfosten meines Tores! 35Wer mich findet, findet Leben und erlangt Heil von dem Herrn. 36Wer sich aber gegen mich verfehlt, schadet seiner eigenen Seele. Alle, die mich hassen, lieben den Tod.

Das Buch der Sprichwörter 9

1Die Weisheit hat sich ein Haus gebaut, sich sieben Säulen ausgehauen. 2Sie hat ihre Opfertiere geschlachtet, den Wein gemischt und ihren Tisch zugerichtet. 3Sie sendet ihre Dienerinnen aus, dass sie rufen bei der Burg und bei den Mauern der Stadt: 4„Ist jemand klein, er komme zu mir!“ Und den Unweisen ließ sie sagen: 5„Kommet, esset mein Brot und trinket den Wein, den ich für euch gemischt habe! 6Lasset von der Einfalt und lebet und wandelt auf den Wegen der Klugheit!“ 7Wer einen Spötter zurechtweist, zieht sich selber Unbilden zu; und wer einen Gottlosen tadelt, bereitet sich selbst eine Unzier. 8Weise den Spötter nicht zurecht, dass er dich nicht hasse; weise den Weisen zurecht, und er wird dich lieben. 9Gib dem Weisen Gelegenheit, so wird er in der Weisheit zunehmen; belehre den Gerechten, so wird er es schnell annehmen. 10Die Furcht des Herrn ist der Weisheit Anfang und den Heiligen erkennen ist Einsicht. 11Denn durch mich werden deiner Tage viele werden und die Jahre des Lebens sich dir mehren. 12Wenn du weise bist, bist du für dich selbst weise; und bist du ein Spötter, so wirst du das Unheil allein tragen. 13Eine Frau, töricht, geschwätzig, voll der Lockungen und gänzlich unverständig, 14setzt sich an der Türe ihres Hauses auf einen Sessel, auf erhöhtem Platze der Stadt, 15um denen, welche des Weges vorüberkommen, und den Dahinwandelnden zuzurufen: 16"Wer einfältig ist, wende sich zu mir!“ Und zu dem Unverständigen sagt sie: 17„Gestohlene Wasser schmecken süßer, und heimlich zugestecktes Brot ist schmackhafter.“ 18Und er weiß nicht, dass dort Ungeheuer sind und in den Abgründen der Unterwelt ihre Gäste.

Das Buch der Sprichwörter 10

1Ein weiser Sohn macht seinem Vater Freude, aber ein törichter Sohn ist der Kummer seiner Mutter. 2Durch Unrecht erworbene Schätze bringen keinen Nutzen, Gerechtigkeit aber befreit vom Tode. 3Der Herr lässt die Seele des Gerechten nicht von Hunger heimsuchen und die Nachstellungen der Gottlosen vereitelt er. 4Eine lässige Hand schafft Armut, aber die Hand der Starken erwirbt Reichtümer. Wer sich auf Lügen verlässt, weidet Winde und er selbst läuft fliegenden Vögeln nach. 5Wer in der Ernte sammelt, ist ein weiser Sohn; wer aber im Sommer schläft, ist ein Sohn der Schande. 6Der Segen des Herrn kommt auf das Haupt des Gerechten, der Mund der Bösen aber birgt Unrecht. 7Das Andenken des Gerechten bleibt ruhmvoll, aber der Name der Gottlosen verwest. 8Wer weisen Herzens ist, nimmt Belehrungen an, ein törichter Schwätzer schlägt sich selbst. 9Wer in Unschuld wandelt, wandelt sicher; wer aber verkehrte Wege einschlägt wird offenbar. 10Wer mit den Augen blinzelt, verursacht Schmerzen, und der törichte Schwätzer schlägt sich selbst. 11Ein Quell des Lebens ist der Mund des Gerechten, aber der Mund des Gottlosen birgt Unrecht. 12Hass erregt Zänkereien, aber Liebe deckt alle Verfehlungen zu. 13Auf den Lippen des Weisen findet sich Weisheit; aber die Rute ist für den Rücken besser, dem es an Verstand fehlt. 14Die Weisen verbergen die Erkenntnis, aber der Mund des Toren ist der Beschämung nahe. 15Die Habe des Reichen ist seine feste Stadt, der Schrecken der Armen ist ihre Dürftigkeit. 16Das Wirken des Gerechten gereicht zum Leben, aber der Erwerb des Bösen zur Sünde. 17Den Weg des Lebens geht, wer Zucht bewahrt; wer aber Zurechtweisung hintansetzt, geht irre. 18Lügenhafte Lippen verbergen den Hass; wer Schmähworte ausspricht, ist ein Tor. 19Geschwätzigkeit geht nicht ohne Sünde ab; wer aber seine Lippen zügelt, ist weise. 20Auserlesenes Silber ist die Zunge des Gerechten, aber das Herz der Gottlosen ist nichtig. 21Die Lippen des Gerechten belehren viele; die aber, welche ungelehrig sind, sterben in der Verarmung des Geistes dahin. 22Der Segen des Herrn macht die Menschen reich und keine Trübsal wird solche treffen. 23Wie zum Scherze begeht der Tor eine Schandtat, aber der weise Mann ist bedächtig. 24Was der Böse fürchtet, das kommt über ihn; den Gerechten wird zuteil, was sie begehren. 25Wie ein Ungewitter dahinfährt, so wird der Gottlose nicht mehr sein, der Gerechte aber ist wie ein fester Bau für die Ewigkeit. 26Was Essig für die Zähne und Rauch für die Augen, das ist der Faule für die, welche ihn absenden. 27Die Furcht des Herrn mehrt die Lebenstage und die Jahre der Gottlosen werden verkürzt. 28Die Erwartung des Gerechten ist Freude, aber die Hoffnung der Gottlosen wird zunichte. 29Der Weg des Herrn ist die Stärke des Unschuldigen, aber Schrecken für die, welche Böses tun. 30Der Gerechte wird nimmer wanken, die Gottlosen aber werden nicht im Lande wohnen bleiben. 31Der Mund des Gerechten bringt Weisheit hervor, die Zunge der Verkehrten geht zugrunde. 32Die Lippen des Gerechten merken auf das, was wohlgefällig ist, und der Mund des Gottlosen auf das, was verkehrt ist.

Neues Testament

Galaterbrief 1

1Paulus, Apostel, nicht von Menschen, noch durch einen Menschen, sondern durch Jesus Christus und Gott, den Vater, der ihn von den Toten auferweckt hat, 2und alle Brüder, die bei mir sind, an die Gemeinden von Galatien. 3Gnade euch und Friede von Gott, dem Vater, und unserm Herrn Jesus Christus, 4welcher sich selbst dahingegeben hat für unsere Sünden, um uns von der gegenwärtigen bösen Welt zu erretten, nach dem Willen Gottes, unseres Vaters, 5dem die Ehre ist von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. 6Ich bin erstaunt, dass ihr euch so bald abwenden lasset von dem, der euch zur Gnade Christi berufen hat, zu einem anderen Evangelium, 7da es doch kein anderes gibt; nur dass sich etliche finden, die euch verwirren und die das Evangelium Christi verkehren wollen. 8Allein wenn auch wir, oder ein Engel vom Himmel euch ein anderes Evangelium verkündete, als wir euch verkündet haben, der sei ausgestoßen! 9Wie wir eben gesagt haben, so sage ich euch jetzt abermals: Wenn jemand euch ein anderes Evangelium verkündet als das, welches ihr empfangen habt, der sei ausgestoßen! 10Suche ich denn nun Menschengunst zu gewinnen, oder ist es mir um Gottes Beifall zu tun? Oder trachte ich, Menschen zu gefallen? Wenn ich noch Menschen gefallen wollte, so wäre ich nicht Christi Diener. 11Denn ich tue euch kund, Brüder! das Evangelium, welches ich verkündet habe, ist nicht Menschenlehre; 12denn auch ich habe es nicht von einem Menschen empfangen, noch gelernt, sondern durch eine Offenbarung Jesu Christi. 13Denn ihr habt ja von meinem ehemaligen Wandel im Judentume gehört, dass ich die Kirche Gottes über die Maßen verfolgte, und sie zu zerstören suchte, 14und wie ich es im Judentume vielen meiner Altersgenossen in meinem Volke zuvorgetan, da ich heftiger eiferte für die Satzungen meiner Väter. 15Als es aber dem, der mich von meiner Mutter Schoße an ausgesondert und durch seine Gnade berufen hat, gefiel, 16seinen Sohn in mir zu offenbaren, damit ich ihn unter den Heiden verkündete, habe ich mich keinen Augenblick an Fleisch und Blut gewandt, 17noch bin ich nach Jerusalem zu denen gegangen, die vor mir Apostel waren, sondern ich zog nach Arabien, und kehrte dann wieder zurück nach Damaskus. 18Hierauf, drei Jahre später, kam ich nach Jerusalem, um Petrus zu sehen, und blieb bei ihm fünfzehn Tage; 19einen andern aber von den Aposteln habe ich nicht gesehen, als Jakobus, den Bruder des Herrn. 20Was ich euch aber schreibe, sehet, bei Gott, ich lüge nicht! 21Dann kam ich in die Gegenden von Syrien und Cilicien. 22Ich war aber den Gemeinden von Judäa, die in Christus sind, von Angesicht unbekannt. 23Nur durch Hörensagen erfuhren sie: Der uns ehedem verfolgte, verkündet nun den Glauben, welchen er ehemals anfocht; 24und sie priesen Gott meinetwegen.