Bibel in einem Jahr · Tag 228 von 365

Spr 5–7

Aus der Allioli-Arndt-Bibel (Vulgata-Übersetzung, 1914).

Altes Testament

Das Buch der Sprichwörter 5

1Mein Sohn! Habe acht auf meine Weisheit und neige meiner Klugheit dein Ohr, 2dass du die Überlegung behaltest und deine Lippen Zucht bewahren. Merke nicht auf die Arglist des Weibes; 3denn wie träufelnder Honigseim sind die Lippen der Buhlerin und glätter als Öl ist ihr Gaumen, 4aber zuletzt ist sie bitter wie Wermut und scharf wie ein zweischneidiges Schwert. 5Ihre Füße gehen hinab zum Tode und zur Unterwelt dringen ihre Schritte. 6Auf dem Wege des Lebens wandeln sie nicht, ihre Schritte sind unstet und spurlos. 7Nun denn, mein Sohn! höre auf mich und weiche nicht ab von den Worten meines Mundes. 8Halte deinen Weg fern von ihr und nahe nicht der Türe ihres Hauses. 9Opfere den Fremden deine Ehre nicht hin und deine Jahre nicht einem Grausamen, 10damit Fremde nicht etwa sich von deinem Vermögen sättigen und dein sauer Erworbenes in eines Fremden Haus komme 11und du zuletzt, wenn du dein Fleisch und deinen Leib aufgezehrt hast, seufzen und sprechen müssest: 12Warum habe ich die Zucht gehasst und hat mein Herz die Zurechtweisung nicht angenommen 13und habe ich nicht auf die Stimme derer, die mich lehrten, gehört und habe denen, die mich unterwiesen, nicht mein Ohr geneigt? 14Wie wenig fehlte, dass ich in alles Unglück gestürzt wäre inmitten der Gemeinde und der Versammlung! 15Trinke Wasser aus deiner Zisterne und was aus deinem eigenen Brunnen hervorquillt! 16Lass deine Quellens sich nach außen ergießen und teile deine Wasser auf die Straßen hin! 17Dir allein mögen sie gehören und Fremde mögen nicht mit dir teilhaben. 18Es sei dein Quell gesegnet und du freue dich mit dem Weibe deiner Jugend! 19Sie ist wie eine Hirschkuh voll Liebreiz, anmutig wie ein Reh, ihre Brüste mögen dich zu jeder Zeit berauschen und an ihrer Liebe mögest du immerdar Freude finden. 20Warum, mein Sohn! Solltest du dich von einer Fremden verführen lassen und an dem Busen einer andern ruhen? 21Der Herr sieht auf die Wege des Menschen und gibt acht auf alle seine Schritte. 22Den Gottlosen fangen seine Missetaten und durch die Stricke seiner Sünden wird er festgehalten. 23Er wird sterben, weil er keine Zucht annahm, und wegen der Größe seiner Torheit wird er sich täuschen.

Das Buch der Sprichwörter 6

1Mein Sohn! Hast du dich für deinen Freund verbürgt, hast du einem Fremden deinen Handschlag gegeben, 2so bist du durch die Worte deines eigenen Mundes gebunden und gehalten durch dein eigenes Versprechen. 3Tue denn das, was ich dir sage, mein Sohn! Und mache dich frei; denn du bist in die Gewalt deines Nächsten geraten. Lauf, eile, wecke deinen Freund auf! 4Gönne deinen Augen keinen Schlaf noch lass deine Augenlider schlummern! 5Reiß dich los wie eine Gazelle aus der Gewalt und wie ein Vogel aus der Hand des Vogelstellers. 6Gehe zur Anreise hin, Fauler! Und siehe ihre Wege an und lerne Weisheit. 7Obwohl sie keinen Führer noch Lehrmeister noch Gebieter hat, 8schafft sie sich doch im Sommer ihre Speise und sammelt in der Ernte ihre Nahrung ein. 9Wielange, Fauler! Willst du schlafen? Wann wirst du aufstehen von deinem Schlafe? 10Schlafe noch ein wenig, schlummere noch ein wenig, lege noch ein wenig die Hände zusammen, um zu ruhen, 11so wird die Armut über dich kommen wie ein rüstig Schreitender und der Mangel wie ein bewaffneter Mann. Bist du aber unverdrossen, so wird deine Ernte wie ein Quell sein, und der Mangel weit von dir fliehen. 12Ein abtrünniger Mensch, ein heilloser Mann ist, wer wandelt mit trügerischem Munde; 13wer mit den Augen blinzelt, mit dem Fuße tritt, mit dem Finger redet, 14mit boshaftem Herzen auf Böses sinnt und alle Zeit Händel stiftet. 15Plötzlich wird das Verderben über ihn hereinbrechen und unversehens wird er zerschmettert werden und es wird kein Heilmittel mehr für ihn geben. 16Sechs Dinge sind es, welche der Herr hasst, und das siebente verabscheut seine Seele: 17Stolze Augen, lügenhafte Zungen, Hände, welche unschuldiges Blut vergießen, 18ein Herz, welches Gedanken des Unheils ersinnt, Füße, welche behende zum Bösen eilen, 19einen falschen Zeugen, der Lügen vorbringt, und den, der zwischen Brüdern Zwietracht sät. 20Bewahre, mein Sohn! die Gebote deines Vaters und weiche nicht ab von den Weisungen deiner Mutter. 21Binde sie immer auf dein Herz und lege sie dir um den Hals! 22Wenn du gehst, mögen sie mit dir gehen; wenn du schläfst, dich bewachen, und wenn du erwachst, rede mit ihnen. 23Denn das Gebot ist eine Leuchte und die Weisung ein Licht und die Rüge der Zucht der Weg zum Leben, 24damit sie dich vor einem bösen Weibe bewahren und vor der schmeichlerischen Zunge einer Fremden. 25Lass dich nicht nach ihrer Schönheit in deinem Herzen gelüsten noch dich durch ihre Winke fangen, 26denn eine Buhlerin ist kaum einen Laib Brotes wert, ein Eheweib aber erjagt des Mannes kostbare Seele. 27Kann wohl jemand Feuer in seinem Busen bergen, ohne dass seine Kleider brennen? 28Oder auf glühenden Kohlen gehen, ohne dass seine Fußsohlen verbrannt werden? 29So bleibt der, welcher zu seines Nächsten Weib geht, nicht rein, wenn er sie berührt. 30Es ist die Schuld so groß nicht, wenn jemand stiehlt; er stiehlt ja, sein Begehren zu stillen, da er hungert, 31und doch muss er siebenfach ersetzen, wenn er ertappt wird, und die ganze Habe seines Hauses hergeben. 32Wer aber ein Ehebrecher ist, bringt sich selbst durch die Torheit seines Herzens ins Verderben. 33Er sammelt sich Unehre und Schande und seine Schmach ist unauslöschlich, 34denn die Eifersucht und der Grimm des Mannes schont nicht am Tage der Rache, 35noch lässt er sich von jemand erbitten und nimmt keine Gaben als Lösegeld, wenn sie auch noch so reichlich sind.

Das Buch der Sprichwörter 7

1Mein Sohn! Bewahre meine Aussprüche und berge meine Gebote bei dir. Sohn, 2halte meine Gebote, so wirst du leben, und meine Weisung wie deinen Augapfel. 3Binde sie an deine Finger, schreibe sie auf die Tafel deines Herzens! 4Sprich zu der Weisheit: Du bist meine Schwester, und nenne die Klugheit deine Freundin, 5dass sie dich bewahre vor dem Weibe eines anderen und vor der Fremden, die süße Worte spricht. 6Denn ich schaute durch das Fenster meines Hauses, durch das Gitter, 7und sah junge Leute und ward eines törichten Jünglings gewahr, 8der auf der Straße nahe einer Ecke vorüberging und nahe am Wege ihres Hauses 9in der Dämmerung dahinschritt, da der Tag sich geneigt hatte, in finsterer, dunkler Nacht. 10Siehe, da tritt ihm das Weib im Anzuge einer Buhlerin entgegen, bereit, Seelen zu fangen, geschwätzig und flatterhaft, 11der Ruhe ungewohnt und nicht imstande, ihre Füße im Hause in Ruhe zu wahren, 12ist sie bald vor der Tür, bald auf den Straßen, bald steht sie an den Ecken lauernd. 13Nun fasst sie den Jüngling und küsst ihn und schmeichelt ihn mit frecher Miene und spricht: 14Ich habe Heilsopfer gelobt und habe heute meine Gelübde erfüllt, 15darum bin ich ausgegangen, dir entgegen, dich zu sehen, verlangend, und nun habe ich dich gefunden. 16Ich habe mein Bett mit Schnüren geziert, mit bunten Teppichen aus Ägypten belegt. 17Ich habe mein Lager mit Myrrhe, Aloe und Zimmet besprengt. 18Komm, wir wollen uns in Liebe berauschen, wollen der ersehnten Umarmungen genießen, bis der Tag anbricht. 19Denn der Mann ist nicht daheim, ist fortgezogen auf eine sehr weite Reise. 20Er hat den Geldbeutel mit sich genommen und wird erst am Tage des Vollmonds wieder nach Hause kommen. 21So umgarnt sie ihn mit vielem Zureden und reißt ihn fort durch die Schmeicheleien ihrer Lippen. 22Alsbald folgt er wie ein Stier, der zur Schlachtbank geführt wird, und wie ein mutwilliges Lamm, und der Tor ahnt nicht, dass er in Fesseln geworfen wird, 23bis ihm ein Pfeil die Leber durchbohrt; er ist wie ein Vogel, der der Schlinge zueilt, und er weiß nicht, dass es um sein Leben geht. 24Nun also, mein Sohn! Höre auf mich und habe acht auf die Worte meines Mundes. 25Lass dein Herz nicht abziehen auf ihre Wege und lass dich nicht irreführen auf ihre Pfade. 26Denn viele hat sie verwundet und niedergestreckt und auch die Stärksten sind von ihr getötet worden. 27Wege zur Unterwelt ist ihr Haus, die hinabgehen zu den Kammern des Todes.