Bibel in einem Jahr · Tag 211 von 365

Ps 105–107

Aus der Allioli-Arndt-Bibel (Vulgata-Übersetzung, 1914).

Altes Testament

Die Psalmen 105

1Alleluja! Lobsinget dem Herrn, denn er ist gütig, denn seine Gnade währt ewig! 2Wer kann die Großtaten des Herrn aussprechen, all seinen Ruhm verkünden? 3Glückselig sind, die das Recht beobachten und Gerechtigkeit üben zu aller Zeit! 4Gedenke unser, o Herr! durch deines Volkes Begnadigung; suche uns heim mit deinem Heile, 5dass ich das Glück deiner Auserwählten schaue, mich freue an der Freude deines Volkes, dass du gepriesen werdest mit deinem Erbe. 6Wir haben gesündigt gleich unsern Vätern, Unrecht getan, Böses verübt. 7Unsere Väter in Ägypten merkten nicht auf deine Wunder, waren nicht der Fülle deiner Erbarmung eingedenk und reizten dich zum Zorne, da sie am Meere hinaufzogen, am Roten Meere. 8Er aber half ihnen um seines Namens willen, um seine Macht kundzutun. 9Er bedräute das Rote Meer, da ward es trocken, und er führte sie durch die Meerestiefen wie auf Sandboden. 10Er rettete sie aus der Gewalt derer, die sie hassten, und erlöste sie aus der Gewalt des Feindes. 11Das Wasser bedeckte ihre Dränger, nicht einer von ihnen blieb übrig. 12Da glaubten sie seinen Worten und sangen sein Lob. 13Doch schnell vergaßen sie seine Taten und hörten nicht auf seinen Ratschluß. 14Sie entbrannten in Lüsternheit in der Wüste und versuchten Gott an wasserloser Stätte. 15Da erfüllte er ihnen ihr Begehren und sandte ihnen bis zur Übersättigung ihrer Seele. 16Sie reizten Moses im Lager, Aaron, den Heiligen des Herrn. 17Es tat sich die Erde auf und verschlang Dathan und schloss sich über die Rotte Abirons. 18Feuer loderte auf gegen ihre Rotte, die Flamme verzehrte die Sünder. 19Sie machten ein Kalb am Horeb und beteten ein Gußbild an. 20Sie vertauschten ihre Herrlichkeit mit dem Abbilde eines Kalbes, das Gras frißt. 21Sie vergaßen Gott, der sie errettet, der in Ägypten Großes getan, 22Wunderbares im Lande Chams, Furchtbares am Roten Meere. 23Da gedachte er sie zu vertilgen, wenn nicht Moses, sein Auserwählter, in den Riss vor ihn hingetreten wäre, um seinen Grimm abzuwenden, dass er sie nicht vertilgte. 24Sie verschmähten das herrliche Land und glaubten seinem Worte nicht 25und murrten in ihren Zelten und hörten nicht auf die Stimme des Herrn. 26Da hob er seine Hand über sie auf, sie in der Wüste hinzustrecken 27und ihre Nachkommen unter die Völker zu werfen und sie zu zerstreuen in die Länder. 28Und sie weihten sich dem Beelphegor und aßen von den Opfern der Toten 29und erzürnten ihn durch ihre Taten, da brach ein großes Verderben über sie herein. 30Aber Phinees stand auf und schaffte Sühne und die Plage hörte auf. 31Und es ward ihm zur Gerechtigkeit gerechnet, von Geschlecht zu Geschlecht bis in Ewigkeit. 32Sodann erzürnten sie ihm beim Wasser des Widerspruchs und Moses ward um ihretwillen heimgesucht, 33denn sie erbitterten sein Gemüt, dass er sich verfehlte mit seinen Lippen. 34Sie vertilgten die Völker nicht, wie ihnen der Herr gesagt hatte. 35Sie vermischten sich mit den Völkern und lernten ihre Werke, 36sie dienten deren Götzenbildern, und dies ward ihnen zum Fallstrick. 37Sie opferten ihre Söhne und ihre Töchter den bösen Geistern 38und vergossen unschuldiges Blut, das Blut ihrer Söhne und ihrer Töchter, die sie den Götzen Kanaans opferten. So ward das Land mit Blut befleckt 39und verunreinigt durch ihre Werke und sie verübten Buhlerei mit ihren Taten. 40Da entbrannte der Zorn des Herrn gegen sein Volk und er verabscheute sein Erbe. 41Und er gab sie in die Hände der Völker, und die sie hassten, herrschten über sie. 42Und ihre Feinde bedrückten sie und sie wurden unter ihre Gewalt gebeugt. 43Oftmals errettete er sie, sie aber reizten ihn zum Zorn durch ihr Vorhaben und sie wurden erniedrigt durch ihre Verschuldungen. 44Doch er sah ihre Not an und hörte auf ihr Gebet. 45Er gedachte seines Bundes und hatte Mitleid nach der Fülle seiner Erbarmungen. 46Und er ließ sie Erbarmen finden bei allen, die sie gefangen hielten. 47Hilf uns, o Herr, unser Gott! und sammle uns aus den Völkern, dass wir deinen heiligen Namen preisen und uns deines Lobpreises rühmen. 48Gepriesen sei der Herr, der Gott Israels, von Ewigkeit zu Ewigkeit; und alles Volk spreche: Amen, Amen!

Die Psalmen 106

1Alleluja! Lobsinget dem Herrn, denn er ist gütig, denn seine Gnade währt in Ewigkeit! 2So sollen sie von dem Herrn Erlösten sprechen, die er aus der Hand des Feindes erlöst und aus den Ländern gesammelt hat, 3vom Aufgang und vom Niedergang der Sonne, von Mitternacht her und vom Meer. 4Sie gingen irre in wasserloser Öde, den Weg zu einer bewohnbaren Stadt fanden sie nicht. 5Sie litten Hunger und Durst und ihre Seele verschmachtete in ihnen. 6Da riefen sie zum Herrn in ihrer Not und er rettete sie aus ihren Ängsten 7und führte sie auf rechtem Wege, dass sie zu einer Stadt gelangten, wo sie wohnen konnten. 8Sie mögen den Herrn preisen für seine Erbarmungen und für seine Wunder an den Menschenkindern, 9dass er die lechzende Seele gesättigt, die hungernde Seele mit Gütern erfüllt hat. 10Sie saßen in Finsternis und Todesschatten, in Elend und Eisen gefangen, 11weil sie Gottes Worten widerstrebt und den Ratschluss des Allerhöchsten verworfen hatten. 12Und ihr Herz ward gebeugt durch Mühsal, sie wurden kraftlos und niemand half. 13Da riefen sie zu dem Herrn in ihrer Not und er rettete sie aus ihren Ängsten. 14Er führte sie heraus aus Finsternis und Todesschatten und brach ihre Fesseln. 15Sie mögen den Herrn preisen für seine Erbarmungen und für seine Wunder an den Menschenkindern, 16denn er zerbrach die ehernen Tore und zerschlug die eisernen Riegel. 17er nahm sie auf vom Wege ihrer Sünde, denn um ihrer Missetaten willen waren sie gedemütigt. 18Jegliche Speise verabscheute ihre Seele und sie waren schon nahe den Pforten des Todes. 19Da riefen sie zum Herrn in ihrer Not und er rettete sie aus ihren Ängsten. 20Er entsandte sein Wort und heilte sie und entriss sie ihrem Untergange. 21Sie mögen den Herrn preisen für seine Erbarmungen und für seine Wunder an den Menschenkindern 22und mögen Lobopfer darbringen und seine Werke mit Frohlocken verkünden. 23Die auf Schiffen das Meer befuhren, auf großen Wassern Handel trieben, 24sie schauten die Werke des Herrn und seine Wunder in der Tiefe. 25Er gebot und ein Sturmwind erhob sich und seine Fluten türmten sich auf. 26Sie stiegen bis zum Himmel empor und sanken hinab bis in den Abgrund, ihre Seele verzagte im Unglück. 27Sie taumelten und wankten gleich Trunkenen und all ihre Weisheit war verschlungen. 28Da riefen sie zu dem Herrn in ihrer Not und er half ihnen aus ihren Ängsten. 29Er wandelte den Sturmwind in sanftes Säuseln und seine Wellen wurden still. 30Da freuten sie sich, dass jene sich legten, und er führte sie zum Hafen ihrer Sehnsucht. 31Sie mögen den Herrn preisen für seine Erbarmungen und für seine Wunder an den Menschenkindern 32und ihn hocherheben in der Versammlung des Volkes und im Rate der Ältesten ihn loben! 33Er wandelte Ströme zu Wüsten und Wasserquellen in durstiges Land, 34fruchtbares Land zur salzigen Steppe und der Bosheit der Bewohner willen. 35Er machte die Wüste zu Wasserseen und dürres Land zu Quellorten. 36Und er ließ dort die Hungrigen wohnen und sie gründeten sich eine Stadt zum Wohnsitze. 37Sie besäten Felder und pflanzten Weinberge und gewannen die Frucht des Ertrages. 38Und er segnete sie, dass sie sich überaus vermehrten, und er gab ihnen Vieh in nicht geringer Menge. 39Sie wurden wenige und durch Drangsal des Unglücks und Schmerz heimgesucht. 40Verachtung ward über die Fürsten ausgegossen und er ließ sie in unwegsamer Öde ohne Pfad dahinirren. 41Doch er half dem Armen aus dem Elende und machte die Geschlechter Schafherden gleich. 42Es sehen dies die Redlichen und freuen sich und alle Bosheit verschließt ihren Mund. 43Wer ist weise und beachtet dies und versteht die Erbarmungen des Herrn?

Die Psalmen 107

1Ein Psalmlied Davids. 2Bereit ist mein Herz, o Gott! bereit ist mein Herz; ich will singen und spielen in meiner Ehre. 3Auf, meine Ehre, auf, Harfe und Zither: Ich will mich erheben am frühen Morgen! 4Ich will dich preisen unter den Völkern! O Herr! dir lobsingen unter den Nationen, 5Denn groß über die Himmel hinaus ist dein Erbarmen und bis an die Wolken reicht deine Treue. 6Erhebe dich über die Himmel, o Gott! und über die ganze Erde zeige sich deine Herrlichkeit, 7dass errettet werden deine Geliebten. So hilf nun mit deiner Rechten und erhöre mich! 8Gott sprach in seinem Heiligtume: Ich will frohlocken, ich will Sichem teilen und das Tal der Zelte vermessen. 9Mein ist Galaad und mein ist Manasses und Ephraim ist meines Hauptes Schutzwehr, Juda mein König, 10Moab ist mein erwünschtes Becken. Über Edom strecke ich meinen Schuh, die Fremdlinge wurden meine Freunde. 11Wer wird mich in die feste Stadt führen? Wer mich bis nach Edom geleiten? 12Nicht du, o Gott! der du uns verstoßen hast? Wirst du nicht, o Gott! mit unsern Heeren ausziehen? 13Schaffe uns Rettung aus der Drangsal, denn nichtig ist der Menschen Hilfe. 14In Gott werden wir Großes vollbringen und er wird unsere Feinde zunichte machen.