Bibel in einem Jahr · Tag 171 von 365

Ijob 29–31 · Röm 5

Aus der Allioli-Arndt-Bibel (Vulgata-Übersetzung, 1914).

Altes Testament

Das Buch Ijob 29

1Und Job fuhr fort, seine Gleichnisrede wieder aufnehmend, und sprach: 2Wer möchte mir geben, das ich wie in den früheren Monden sei, wie in den Tagen, da Gott mich behütete, 3da seine Leuchte über meinem Haupte strahlte und ich bei seinem Lichte durch die Finsternis wandelte, 4so wie es in den Tagen meiner Jugend war, da Gott geheimnisvoll in meinem Zelte wohnte; 5als der Allmächtige mit mir war und um mich her meine Kinder, 6als ich meine Füße in Butter wusch und der Fels mir Ölbäche zuströmte, 7als ich zum Tore der Stadt ging und sie mir den Sitz in der Ratsversammlung bereiteten? 8Es sahen mich die Jünglinge und verbargen sich, die Greise erhoben sich und blieben stehen, 9die Vornehmen hielten im Reden inne und legten den Finger auf ihren Mund, 10die Führer hielten ihre Stimme an und ihre Zunge klebte an ihrem Gaumen. 11Das Ohr, das mich hörte, pries mich selig und das Auge, das mich sah, gab mir Zeugnis; 12weil ich den Armen rettete, der laut rief, und die Waise, die keinen Helfer hatte. 13Der Segen des Gefährdeten kam auf mich und ich tröstete das Herz der Witwe. 14Gerechtigkeit war mein Kleid und wie mit einem Mantel und einer Krone bekleidete ich mich mit meinem Rechte. 15Auge war ich den Blinden und Fuß dem Lahmen. 16Vater war ich den Armen und den Rechtsstreit, den ich nicht kannte, erforschte ich auf das sorgfältigste. 17Ich zerschmetterte die Kinnlade des Gottlosen und entriss seinen Zähnen den Raub. 18Und ich sprach: In meinem Nestchen werde ich sterben und wie die Palme meiner Tage mehren. 19Meine Wurzel sprosst empor am Wasser und Tau wird über meiner Saat weilen. 20Meine Herrlichkeit wird immer neu werden und mein Bogen in meiner Hand wird erstarken. 21Die mich hörten, harrten des Ausspruches und lauschten schweigend auf meinen Rat. 22Meinen Worten wagten sie nichts beizufügen und meine Rede träufelte auf sie herab. 23Sie harrten meiner wie des Regens und taten ihren Mund auf wie bei dem Spätregen. 24Wenn ich sie etwa anlächelte, glaubten sie es nicht, und das Licht meines Angesichts fiel nicht auf die Erde. 25Wenn ich zu ihnen gehen wollte, so saß ich zuoberst; und thronte ich auch wie ein König, von der Menge umgeben, so war ich dennoch ein Tröster der Betrübten.

Das Buch Ijob 30

1Nun aber spotten meiner solche, die jünger sind an Jahren, deren Väter ich nicht für würdig hielt, sie den Hunden meiner Herde beizugesellen; 2deren Hände Kraft mir für nichts galt und die sogar des Lebens nicht wert geachtet wurden, 3die, vor Hunger und Armut kraftlos, dürres Land benagten, starrend von Jammer und Elend, 4und Kräuter und Baumrinden kauten und deren Speise die Wacholderwurzel war. 5Aus den Tälern rafften sie solches auf, und wenn sie eines gefunden, liefen sie mit Geschrei hinzu. 6In öden Schluchten wohnten sie und in Erdhöhlen oder in Felsenritzen. 7Sie erfreuten sich noch an solchen Dingen und hielten es für eine Lust, unter Dornen zu sein, 8die Kinder von Toren und Ehrlosen, die nimmermehr sich im Lande sehen lassen durften. 9Nun bin ich für sie zum Spotte geworden und bin ihnen zum Sprichworte gemacht. 10Sie verabscheuen mich und fliehen fern von mir und scheuen sich nicht, mir in das Angesicht zu speien; 11denn er hat seinen Köcher geöffnet und mir Leid angetan und einen Zaum in meinen Mund gelegt. 12Als mein Leid begann, erhoben sich plötzlich zur Rechten meine Unglücksfälle, brachten meine Füße zu Falle und kamen über mich auf ihren Wegen wie Meeresfluten. 13Sie unterwühlten meine Pfade, legten mir Hinterhalt und überwältigten mich und es war niemand, der Hilfe brachte. 14Wie durch einen Mauerriss und ein offenes Tor brachen sie über mich herein und drangen heran zu meinem vielfältigen Elende. 15Ich bin zu nichts geworden, du hast wie der Sturm mein Verlangen hinweggerafft und wie eine Wolke ist mein Glück dahingeschwunden. 16Und jetzt zehrt sich meine Seele in mir ab und die Tage der Trübsal nehmen von mir Besitz. 17Nachts durchbohrten Schmerzen mein Gebein; und die an mir nagen, schlummern nicht. 18Durch ihre Menge ist mein Gewand verzehrt und wie die Halsöffnung des Unterkleides schnüren sie mich ein. 19Ich bin dem Kote gleich geworden und ähnlich dem Staub und der Asche. 20Ich rufe zu dir und du erhörst mich nicht, ich stehe da und du siehst mich nicht an. 21Du hast dich für mich in einen Grausamen verwandelt und mit harter Hand befeindest du mich. 22Du hobst mich empor und setztest mich wie auf den Wind und zerschmettertest mich mit Gewalt. 23Ich weiß, du wirst mich dem Tode überliefern, dorthin, wo allem, was da lebt, das Haus bestellt ist. 24Doch streckst du deine Hand nicht zu ihrer Vernichtung aus, und wenn sie hinsinken, so wirst du sie retten! 25Einst weinte ich über den, der betrübt war, und meine Seele trug Mitleiden mit dem Armen. 26Ich harrte des Glückes und es kam mir Unglück, ich harrte auf Licht und Finsternis brach herein. 27Mein Inneres kochte ohne alle Ruhe, Tage der Trübsal haben mich ereilt. 28Ich ging trauernd einher ohne Grimm, in der Versammlung trat ich auf und schrie. 29Ich ward ein Bruder den Drachen und ein Genosse den Straußen. 30Meine Haut ist schwarz geworden an mir und meine Gebeine sind verdorrt vor Glut. 31Meine Zither ist zur Klage geworden und meine Schalmei zu Jammertönen.

Das Buch Ijob 31

1Ich habe einen Bund mit meinen Augen geschlossen, nicht einmal einen Gedanken auf eine Jungfrau zu richten. 2Denn welches Los bereitete mir Gott dann von oben und welches Erbe der Allmächtige aus der Höhe? 3Gebührt nicht Verderben dem Bösen und Verstoßung denen, die Ungerechtigkeit tun? 4Gibt er nicht acht auf meine Wege und zählt er nicht alle meine Schritte? 5Wenn ich in Falschheit gewandelt bin und mein Fuß zum Betrug geeilt ist, 6so wäge er mich auf gerechter Waage und Gott erkenne meine Unschuld. 7Wenn mein Schritt von dem Wege abwich, wenn mein Herz meinen Augen nachfolgte, und wenn ein Makel an meinen Händen haftete, 8so esse ein anderer, was ich säe, und mein Geschlecht werde entwurzelt! 9Wenn mein Herz betört ward wegen eines Weibes und ich heimlich an der Tür meines Freundes gelauert habe, 10so möge mein Weib die Buhlerin eines andern sein und andere mögen sich auf sie hinbeugen; 11denn eine Schandtat ist das und der ärgste Frevel, 12ein Feuer ist es, das bis zur Vernichtung verzehrt und alle Gewächse entwurzelt. 13Fürwahr, ich habe es nicht verschmäht, mich dem Gerichte zu unterziehen mit meinem Knechte und meiner Magd, wenn sie Klage wider mich führten! 14Was sollte ich denn tun, wenn sich Gott zum Gerichte erhebt? Und wenn er fragt, was sollte ich ihm antworten? 15Hat nicht, der mich im Mutterleibe bildete, auch ihn erschaffen und der eine mich im Mutterschoße gestaltet? 16Wahrlich, ich habe den Armen nicht versagt, was sie begehrten, und ließ die Augen der Witwe nicht schmachten; 17ich habe meinen Bissen nicht allein gegessen, dass die Waise nicht davon mitgenoß. 18(Von meiner Kindheit an wuchs ja das Erbarmen mit mir auf, aus meiner Mutter Leib kam es mit mir.) 19Fürwahr, ich habe den nicht verachtet, der umkam, weil er kein Gewand hatte, und den Armen, weil er ohne Bedeckung war; 20wahrlich, seine Hüften segneten mich und er ward erwärmt von den Fellen meiner Schafe; 21gegen eine Waise erhob ich nicht meine Hand, auch da, als ich mich in der Torhalle überlegen sah: 22sonst möge meine Schulter aus ihrem Gelenke fallen und mein Arm werde gebrochen mit seinen Knochen. 23Denn wie Fluten, die über mir anschwellen, so fürchtete ich immer Gott und seine Last vermochte ich nicht zu ertragen. 24Wahrlich, auf Gold setzte ich nicht meine Kraft und zu dem funkelnden Metalle sprach ich nicht: Du bist meine Zuversicht! 25An der Menge meiner Reichtümer habe ich mich nicht ergötzt, und dass meine Hand soviel erworben. 26Ich habe nicht zur Sonne emporgeschaut, wie sie strahlte, noch zum Monde, da er so klar einherschritt, 27und nicht freute sich dann im stillen mein Herz noch führte ich dann meine Hand zum Kusse an meinen Mund. 28Das wäre ein übergroßer Frevel und eine Verleugnung Gottes, des Allerhöchsten. 29Ich habe mich nicht gefreut bei dem Untergang dessen, der mich hasste, und frohlockte nicht, dass ihn Unglück traf; 30denn ich gestattete meinem Munde nicht zu sündigen, dass ich ihm fluchend den Tod gewünscht hätte. 31Wahrlich, die Männer meines Zeltes sprachen: Wer möchte uns von seinem Fleische geben, dass wir satt werden? 32Nie durfte ein Fremdling draußen bleiben, meine Tür stand dem Wanderer offen. 33Nicht verhehlte ich nach Menschenart meine Sünde oder verbarg in meinem Busen meine Missetat. 34Ich erschrak nicht vor der großen Menge und die Schmähung meiner Nächsten schreckte mich nicht, ich schwieg vielmehr und ging zur Tür hinaus. 35Wer gibt mir jemanden, der mich verhört, dass der Allmächtige mein Verlangen höre und er selber, der richtet, die Klageschrift schreibe. 36Ich wollte sie auf meiner Schulter tragen und wie eine Krone auf mich legen! 37Über alle meine Schritte will ich sie verkünden und wie einem Fürsten sie ihm vorlegen! 38Wenn mein Land wider mich schreit und seine Furchen mit ihm weinen, 39wenn ich seinen Ertrag gegessen habe ohne Zahlung und die Seele seiner Bebauer betrübt habe: 40so sollen mir Disteln statt Korn wachsen und Dornengestrüpp statt Gerste. Ende der Worte Jobs.

Neues Testament

Römerbrief 5

1Da wir nun durch den Glauben gerechtfertigt worden sind, so lasset uns Frieden haben, mit Gott durch unsern Herrn Jesus Christus, 2durch den wir auch mittelst des Glaubens Zutritt zu dieser Gnade haben, in welcher wir stehen und uns rühmen ob der Hoffnung auf die Herrlichkeit der Kinder Gottes. 3Aber nicht allein dies, sondern wir rühmen uns auch der Trübsale, weil wir wissen, dass Trübsal Ausdauer wirket, 4die Ausdauer aber Bewährung, die Bewährung aber Hoffnung, 5die Hoffnung aber macht nicht zu Schanden; weil die Liebe Gottes in unseren Herzen ausgegossen ist durch den heiligen Geist, der uns gegeben ist. 6Denn warum ist Christus, da wir noch schwach waren, zur rechten Zeit für Sünder gestorben? 7Denn kaum stirbt jemand für einen Gerechten; für einen Guten mag ja vielleicht jemand es über sich gewinnen, zu sterben. 8Gott aber erweist seine Liebe zu uns, weil, als wir noch Sünder waren, zur rechten Zeit 9Christus für uns gestorben ist. Um wie viel mehr also werden wir, da wir jetzt in seinem Blute gerechtfertigt sind, durch ihn von dem Zorne gerettet werden. 10Denn wenn wir, als wir noch Feinde waren, mit Gott durch den Tod seines Sohnes versöhnt worden sind, wie viel mehr werden wir als Versöhnte bei seinem Leben gerettet werden. 11Nicht allein aber dies, sondern wir rühmen uns auch in Gott durch unsern Herrn Jesus Christus, durch welchen wir jetzt die Versöhnung erlangt haben. 12Deshalb, gleichwie durch einen Menschen die Sünde in die Welt gekommen ist, und durch die Sünde der Tod, und so auf alle Menschen der Tod übergegangen ist, weil alle in ihm gesündigt haben. 13Denn bis zum Gesetze war die Sünde in der Welt; nur wurde die Sünde nicht zugerechnet, da das Gesetz noch nicht da war. 14Dennoch herrschte der Tod von Adam bis auf Moses auch über die, welche nicht durch eine ähnliche Übertretung wie Adam sündigten, der ein Vorbild des zukünftigen ist. 15Allein nicht wie die Sünde, so ist auch die Gnadengabe; denn wenn durch die Sünde des einen die vielen gestorben sind, so ist um so viel mehr die Gnade Gottes und die Gabe in der Gnade des einen Menschen, Jesus Christus, auf die vielen überreich geströmt. 16Und nicht wie die Sünde durch einen, so auch die Gabe; das Urteil nämlich kam zwar au seiner Sünde zur Verdammung, die Gnadengabe aber rettet von vielen Sünden zur Rechtfertigung. 17Denn wenn durch des einen Sünde der Tod herrschte durch den einen, so werden um so mehr die, welche die Fülle der Gnade, und der Gabe und der Gerechtigkeit erhalten, im Leben herrschen durch den einen Jesus Christus. 18Wie also durch des einen Sünde über alle Menschen das Verdammungsurteil gekommen ist, so kommt auch durch die Gerechtigkeit eines über alle Menschen die Rechtfertigung des Lebens. 19Denn wie durch den Ungehorsam des einen Menschen die vielen zu Sündern geworden sind, so werden auch durch den Gehorsam des einen die vielen zu Gerechten gemacht werden. 20Das Gesetz aber ist dazwischen gekommen, damit die Sünde überhandnehme; als aber die Sünde sich häufte, ward die Gnade überreichlich, 21damit, so wie die Sünde zum Tode herrschte, so auch die Gnade durch die Gerechtigkeit zum ewigen Leben herrsche, durch Jesus Christus, unsern Herrn.