Bibel in einem Jahr · Tag 170 von 365

Ijob 26–28 · Röm 4

Aus der Allioli-Arndt-Bibel (Vulgata-Übersetzung, 1914).

Altes Testament

Das Buch Ijob 26

1Job antwortete und sprach: 2Wessen Helfer bist du? Etwa des Schwachen? Und stützest du den Arm dessen, der nicht stark ist? 3Wem hast du Rat gegeben? Etwa dem, der keine Weisheit hat, und hast du ihm deine übergroße Klugheit kundgegeben? 4Wen wolltest du belehren? Nicht den, der den Odem gemacht hat? 5Siehe, die Riesen ächzen unter den Wassern und die, welche bei ihnen wohnen. 6Bloß liegt das Totenreich vor ihm da und das Verderben verhüllt keine Decke. 7Er spannt den Norden aus über die Leere und hängt die Erde über dem Nichts auf. 8Er bindet die Wasser in seine Wolken, dass sie nicht zugleich niederstürzen. 9Er hält das Antlitz seines Thrones und breitet darüber sein Gewölk aus, 10setzt Schranken rings um die Wasser, solange bis Licht und Finsternis aufhören. 11Die Säulen des Himmels erzittern und erbeben bei seinem Dräuen. 12Durch seine Kraft sammeln sich plötzlich die Meere und seine Weisheit schlägt das stolze. 13Sein Geist schmückt die Himmel aus, seine hebende Hand brachte die Ringelschlange hervor. 14Siehe, das ist von einem Teile seiner Wege gesprochen; und da wir kaum ein Flüstern seiner Rede vernommen haben, wer kann den Donner seiner Größe fassen?

Das Buch Ijob 27

1Darauf fuhr Job fort, seine Gleichnisrede wieder aufnehmend, und sprach: 2So wahr Gott lebt, der mir mein Recht hinhält, und der Allmächtige, der meine Seele in Bitterkeit versenkt hat, 3solange noch ein Atem in mir ist und Gottes Hauch in meiner Nase, 4werden meine Lippen nicht unrecht reden und meine Zunge nicht auf Lüge sinnen! 5Fern sei es von mir zu urteilen, dass ihr Recht habt; bis ich verscheide, will ich nicht lassen von meiner Unschuld. 6Meine Rechtfertigung, die zu behaupten ich begonnen, lasse ich nicht; denn mein Herz tadelt mich nicht über mein ganzes Leben. 7Als ein Gottloser stehe mein Feind da und mein Widersacher als ein Ungerechter! 8Denn was ist die Hoffnung des Heuchlers, wenn er gierig zusammenrafft, aber Gott seine Seele nicht rettet? 9Wird Gott etwa sein Schreien hören, wenn Bedrängnis über ihn kommt? 10Oder kann er an dem Allmächtigen seine Wonne haben und Gott anrufen zu aller Zeit? 11Ich will euch durch die Hand Gottes belehren, was der Allmächtige zu eigen hat, und will es nicht verhehlen. 12Sehet, ihr alle wißt es und warum redet ihr ohne Ursache Eitles? 13Das ist der Anteil eines gottlosen Menschen bei Gott und das Erbe der Gewalttätigen, das sie von dem Allmächtigen empfangen. 14Wenn seine Söhne zahlreich geworden sind, verfallen sie dem Schwert und seine Enkel werden sich nicht sättigen an Brot. 15Die von ihm zurückbleiben, werden im Verderben begraben und seine Witwen werden nicht weinen. 16Wenn er Silber sammelt wie Erde und Kleider ausspeichert wie Lehm, 17so schafft er wohl, aber der Gerechte kleidet sich damit und das Silber wird der Unschuldige teilen. 18Wie die Motte hat er sein Haus gebaut und wie ein Wächter eine Hütte aufgerichtet. 19Wenn der Reiche zur Ruhe eingeht, wird er nichts mit sich nehmen; er wird seine Augen auftun und nichts finden. 20Armut wird ihn ereilen wie eine Wasserflut, nachts wird ein Ungewitter ihn überfallen. 21Glutwind wird ihn erfassen und wegraffen und wie im Wirbel ihn wegreißen von seiner Stätte. 22Er wird auf ihn ohne Schonung seine Geschosse entsenden, vor seiner Hand wird er eilends dahinfliehen. 23Er wird über ihn in die Hände klatschen und über ihn zischen, wenn er auf seine Stätte schaut.

Das Buch Ijob 28

1Des Silbers Adern haben ihren Ursprung und das Gold einen Ort, wo man es schmelzt. 2Das Eisen wird aus der Erde genommen und das Gestein wandelt sich, aufgelöst in der Hitze, zu Erz. 3Eine Zeit hat er der Finsternis gesetzt und aller Dinge Grenze erforscht er, auch das im Dunkel verborgene Gestein und des Todes Schatten. 4Ein Schacht trennt von dem wandernden Erdenvolke die, welche der Fuß des armseligen Menschen im Stich ließ, die wandeln, wo kein Weg ist. 5Die Erde, aus welcher Brot an seinem Orte wuchs, ward unterwühlt mit Feuer. 6Des Saphirs Lager sind ihre Steine und ihre Schollen Gold, 7den Weg kennt kein Vogel und nicht erspäht ihn das Auge des Geiers. 8Die Söhne der Kaufleute betreten ihn nicht und die Löwin durchstreift ihn nicht. 9nach dem Felsgestein streckt er seine Hand aus, unterwühlt vom Grunde aus die Berge, 10durch Felsen bricht er Rinnen und alle Schätze erschaut sein Auge, 11auch die Tiefe der Flüsse erforscht er und bringt das Verborgene ans Licht. 12Aber die Weisheit, wo ist sie zu finden? Und wo ist die Stätte der Einsicht? 13Der Mensch kennt ihren Wert nicht noch findet man sie im Lande derer, die gemächlich dahinleben. 14Der Abgrund sagt: In mir ist sie nicht! Und das Meer spricht: Bei mir ist sie nicht! 15Man kann das beste Gold nicht für sie geben noch Silber darwägen, sie einzutauschen; 16sie ist nicht zu vergleichen mit Indiens mannigfaltigem Farbenschmucke noch mit dem kostbaren Steine Sardonyx, oder mit dem Saphir. 17Nicht kommt ihr Gold gleich oder Glas noch wird sie eingetauscht für goldene Geräte; 18was hoch und erhaben, ist im Vergleich zu ihr nicht der Erwähnung wert, dann aus dem Verborgenen wird die Weisheit gezogen. 19Nicht kommt ihr der Topas gleich aus Äthiopien noch wird ihr der reinste Purpur gleichgeschätzt. 20Woher kommt die Weisheit also? Und welches ist die Stätte der Einsicht? 21Verborgen ist sie vor den Augen aller Lebenden, auch den Vögeln des Himmels verhüllt. 22Abgrund und Tod sprachen: Unsere Ohren haben ihren Ruf vernommen! 23Gott kennt den Weg zu ihr und er weiß ihre Stätte, 24denn er überschaut die Grenzen der Welt und sieht alles, was unter dem Himmel ist; 25er, der den Winden Gewicht gab und die Wasser nach dem Maße abwog. 26Als er dem Regen das Gesetz gab und den Weg den tobenden Wettern wies, 27da sah er sie und machte sie kund und setzte sie ein und durchforschte sie. 28Und zu den Menschen sprach er: Siehe, die Furcht des Herrn, das ist Weisheit, und das Böse meiden, ist Einsicht.

Neues Testament

Römerbrief 4

1Was also werden wir sagen, dass Abraham, unser Vater dem Fleische nach, erlangt habe? 2Denn wenn Abraham aus Werken gerechtfertigt worden ist, so hat er wohl Ruhm, aber nicht vor Gott. 3Denn was sagt die Schrift? Abraham glaubte Gott, und es ward ihm zur Gerechtigkeit angerechnet. 4Dem aber, der Werke tut, wird der Lohn nicht nach Gnade, sondern nach Schuldigkeit angerechnet. 5Dem hingegen, der keine Werke tut, wohl aber an den glaubt, der den Gottlosen rechtfertigt, wird sein Glaube nach dem Ratschlusse der Gnade Gottes zur Gerechtigkeit gerechnet. 6Wie ja auch David den Menschen selig preist, dem Gott Gerechtigkeit ohne Werke zurechnet: 7Selig die, deren Missetaten vergeben und deren Sünden bedeckt sind! 8Selig der Mann, dem der Herr die Sünde nicht zurechnet! 9Gilt also diese Seligpreisung nur von den Beschnittenen, oder auch von den Unbeschnittenen? Denn wir sagen: Abraham ward der Glaube zur Gerechtigkeit angerechnet. 10Wie ward er ihm also angerechnet? Als er in der Beschneidung war, oder in der Vorhaut? Nicht in der Beschneidung, sondern in der Vorhaut. 11Und er empfing das Zeichen der Beschneidung als Siegel der Gerechtigkeit des Glaubens, den er als Unbeschnittener hatte; auf dass er der Vater aller unbeschnittenen Gläubigen sei, damit es auch ihnen zur Gerechtigkeit zugerechnet werde, 12und er der Vater der Beschnittenen sei, nicht nur derer, welche aus der Beschneidung sind, sondern auch derer, welche in den Fußstapfen des Glaubens wandeln, welchen unser Vater Abraham als Unbeschnittener hatte. 13Denn nicht mittelst des Gesetzes ist dem Abraham oder seiner Nachkommenschaft die Verheißung geworden, dass er der Erbe der Welt sein sollte, sondern durch die Gerechtigkeit aus dem Glauben. 14Denn wenn die aus dem Gesetze Erben sind, so ist der Glaube seiner Kraft beraubt und die Verheißung aufgehoben. 15Das Gesetz nämlich wirkt Zorn; denn wo kein Gesetz ist, da ist auch keine Übertretung. 16Darum ist es aus dem Glauben, damit die Verheißung aus Gnade für alle Nachkommen fest bestehe, nicht nur für die aus dem Gesetze allein, sondern auch für die aus dem Glauben Abrahams, der unser aller Vater ist, 17(wie geschrieben steht: ich habe dich zum Vater vieler Völker gesetzt), vor Gott, dem er geglaubt hat, der die Toten lebendig macht, und das Nichtseiende ruft, wie das Seiende. 18Er hat wider die Hoffnung auf Hoffnung geglaubt, dass er Vater vieler Völker werden würde, dem gemäß, was zu ihm gesagt worden ist: Also wird deine Nachkommenschaft sein! 19Und er wurde nicht schwach im Glauben, noch beachtete er seinen schon erstorbenen Leib, da er schon etwa hundert Jahre alt war, noch den erstorbenen Mutterschoß der Sara. 20An der Verheißung Gottes zweifelte er nicht im Unglauben, sondern erwies sich stark im Glauben, indem er Gott die Ehre gab, 21und vollkommen überzeugt war, dass, was er immer verheißen, er auch zu tun vermag. 22Darum ward es ihm auch zur Gerechtigkeit zugerechnet. 23Es ist aber nicht bloß seinetwegen geschrieben, dass es ihm zur Gerechtigkeit zugerechnet ward, 24sondern auch um unseretwillen, denen es zugerechnet werden soll, wenn wir an den glauben, der Jesus Christus, unsern Herrn, von den Toten auferweckt hat, 25ihn, der unsrer Sünden wegen dahingegeben ward und um unserer Rechtfertigung willen auferstanden ist.