Bibel in einem Jahr · Tag 167 von 365

Ijob 17–19 · Röm 2

Aus der Allioli-Arndt-Bibel (Vulgata-Übersetzung, 1914).

Altes Testament

Das Buch Ijob 17

1Mein Geist wird kraftlos, meine Tage gehen zu Ende und einzig das Grab ist mir übrig. 2Ich habe nicht gesündigt, doch auf Bitterkeiten weilt mein Auge. 3Befreie mich, Herr! und stelle mich neben dich, dann mag wider mich eines jeden Hand streiten. 4Ihr Herz hast du der Einsicht verschlossen, darum werden sie nicht obsiegen. 5Er verheißt seinen Genossen Beute, aber die Augen seiner Kinder werden dahinschmachten. 6Man hat mich zu einem Gespötte des Volkes hingestellt und ein Beispiel bin ich vor ihnen. 7Mein Auge ist dunkel geworden vor Gram und meine Glieder sind wie vernichtet. 8Darüber werden die Gerechten staunen und der Unschuldige sich wider den Heuchler erheben. 9Und der Gerechte wird seinen Weg einhalten und reine Hände werden neue Kraft gewinnen. 10Darum wendet euch immer wieder her, ihr alle, und kommet; doch einen Weisen werde ich unter euch nicht finden. 11Meine Tage sind vorübergegangen, meine Pläne sind vereitelt und martern mein Herz. 12Sie haben die Nacht zum Tag gewandelt und ich soll nach der Finsternis wieder Licht hoffen. 13Wenn ich auch ausharre, ist doch die Unterwelt mein Haus und in der Finsternis habe ich mein Lager aufgeschlagen. 14Zur Fäulnis sprach ich: Mein Vater bist du! Mutter und Schwester seid ihr mir! Zu den Würmern. 15Wo ist denn also nun mein Harren und wer achtet auf meine Geduld? 16In der Unterwelt tiefste Tiefen wird all das Meine hinunterfahren, werde ich wohl da wenigstens Ruhe haben?

Das Buch Ijob 18

1Baldad, der Suhiter, antworte und sprach: 2Bis wie lange noch werdet ihr solche Worte ausstoßen? Werdet zuerst einsichtig, und dann wollen wir reden! 3Warum werden wir gleich dem Vieh geachtet und sind vor euch verächtlich? 4Der du dich in deinem Grimme aufreibst, soll deinethalben die Erde öde sein und die Felsen von ihrer Stelle gerückt werden? 5Wird nicht das Licht des Gottlosen ausgelöscht und die Flamme seines Feuers nicht mehr leuchten? 6Das Licht wird in seinem Zelte der Dunkelheit weichen und die Leuchte über ihm wird erlöschen. 7Es werden die Schritte seiner Kraft eingeengt und sein eigener Anschlag wird ihn zu Falle bringen, 8denn er hat seine Füße in das Netz verwickelt und wandelt in dessen Schlingen. 9Es fasst seine Ferse der Fallstrick und Durst entbrennt wider ihn. 10Verborgen ist auf der Erde die Fußfessel für ihn und die Falle für ihn auf dem Pfade. 11Rings ängstigen ihn Schrecknisse und umstricken seine Füße. 12Geschwächt werde durch Hunger seine Kraft und Abzehrung überfalle seine Rippen. 13Des Todes Erstgeborener möge die Schönheit seiner Hand verschlingen und seine Arme fressen. 14Es werde aus seinem Zelte sein Vertrauen losgerissen und das Verderben trete auf ihn wie ein König. 15In seinem Zelte mögen, wenn er nicht mehr ist, seine Genossen wohnen, auf seine Wohnstätte werde Schwefel gestreut. 16Unten mögen seine Wurzeln verdorren, oben aber seine Ernte zertreten werden. 17Sein Gedächtnis möge verschwinden von der Erde und sein Name nicht gerühmt werden auf den Versammlungsplätzen. 18Er wird ihn aus dem Lichte in die Finsternis verstoßen und ihn aus der Welt hinwegraffen. 19Nicht wird ihm Nachwuchs bleiben noch Nachkommenschaft in seinem Volke oder irgend ein Überlebender in seinem Bereiche. 20Ob seines Gerichtstages werden die Späteren sich entsetzen und Schrecken wird die Früheren überfallen. 21Das fürwahr sind die Wohnungen der Gottlosen und das ist die Stätte desjenigen, der Gott nicht kennen will.

Das Buch Ijob 19

1Job antwortete und sprach: 2Wie lange wollt ihr meine Seele betrüben und mich zermalmen mit Reden? 3Sehet, zehnmal schon habt ihr mich gehöhnt und schämt euch nicht, mich zu erdrücken. 4Und wenn ich auch geirrt habe, so bleibt mir mein Irrtum. 5Allein ihr erhebt euch wider mich und schuldigt mich an mit meiner Schmach. 6Erkennet doch wenigstens nun, dass Gott nicht nach verdientem Urteile mich mit Leiden heimgesucht und mit seinen Geißeln mich umstrickt hat. 7Sehet, ich rufe, da ich Gewalt erleide, aber niemand hört mich; ich schreie laut, aber keiner ist, der Recht schafft. 8Er hat meinen Pfad umzäumt und ich kann nicht hinüber, und er hat Finsternis auf meinen Steig gebreitet. 9Er hat mich meiner Herrlichkeit beraubt und mir die Krone vom Haupte genommen. 10Er hat mich um und um vernichtet und ich gehe zugrunde, und wie einem ausgerissenen Baume hat er mir die Hoffnung genommen. 11Sein Grimm entbrannte wider mich und er hielt mich seinem Feinde gleich. 12Allzumal rückten seine Scharen an und bahnten sich den Weg zu mir und lagerten sich rings um mein Zelt. 13Meine Brüder hat er von mir entfernt und meine Bekannten haben sich von mir zurückgezogen wie Fremde. 14Meine Verwandten haben mich verlassen, und die mich kannten, haben meiner vergessen. 15Meine Hausgenossen und meine Mägde haben mich wie einen Unbekannten gehalten und ich bin in ihren Augen ein Fremdling geworden. 16Ich rief meinen Knecht und er antwortete nicht, mit eigenem Mund flehte ich ihn an. 17Vor meinem Atem hatte mein Weib Abscheu und an die Kinder meiner Mutter richtete ich mein Flehen. 18Selbst Toren verachteten mich, und als ich mich von ihnen zurückzog, verhöhnten sie mich. 19Die einst meine Vertrauten waren, verabscheuten mich, und den ich am meisten liebte, der wandte sich von mir ab. 20An meiner Haut hängt mein Gebein, denn das Fleisch ist verzehrt, und nur die Lippen und meine Zähne sind übriggeblieben. 21Erbarmet euch meiner, erbarmet euch meiner, wenigstens ihr, meine Freunde! denn die Hand des Herrn hat mich getroffen. 22Warum verfolgt ihr mich, wie Gott, und ersättigt euch an meinem Fleische? 23Wer gewährte mir, dass meine Worte aufgeschrieben werden? Wer gewährte mir, dass sie in ein Buch verzeichnet werden 24mit eisernem Griffel und auf Tafeln von Blei, oder mit dem Meißel in den Felsen eingehauen werden? 25Denn ich weiß, dass mein Erlöser lebt und ich am jüngsten Tage von der Erde auferstehen werde, 26und ich werde wieder umgeben werden von meiner Haut und werde in meinem Fleische meinen Gott schauen. 27Ich selbst werde ihn schauen und meine Augen werden ihn sehen und kein anderer, dieses mein Hoffen ruht in meinem Busen. 28Warum also sagt ihr nun: Lasset uns ihn verfolgen und einen Grund zur Anklage wider ihn finden? 29Darum fliehet vor dem Schwerte, denn ein Rächer der Missetat ist das Schwert, und wisset, dass es ein Gericht gibt.

Neues Testament

Römerbrief 2

1Darum bist du unentschuldbar, o Mensch! ein jeder, der du richtest; denn während du den andern richtest, verurteilst du dich selbst, da du dasselbe tust, was du richtest. 2Denn wir wissen, dass das Gericht Gottes der Wahrheit gemäß ist über die, welche solches tun. 3Meinst du aber das, o Mensch! der du die richtest, welche solches tun, und selbst das nämliche tust, dass du dem Gerichte Gottes entrinnen werdest? 4Oder verachtest du den Reichtum seiner Güte und Geduld und Langmut? Weißt du nicht, dass die Güte Gottes dich zur Buße leitet? 5Aber nach deiner Verstocktheit und deinem unbußfertigen Herzen häufest du dir Zorn auf den Tag des Zorns und der Offenbarung des Gerichtes Gottes, 6der einem jeden vergelten wird nach seinen Werken: 7denen nämlich, welche durch standhafte Übung guter Werke nach Herrlichkeit, Ehre und Unvergänglichkeit streben, mit dem ewigen Leben; 8denen dagegen, welche streitsüchtig sind und sich der Wahrheit nicht unterwerfen, sondern der Ungerechtigkeit sich hingeben, steht Zorn und Grimm bevor. 9Trübsal und Angst über die Seele eines jeden Menschen, der Böses tut, des Juden zuerst, und auch des Heiden; 10Herrlichkeit aber, und Ehre und Friede jedem, der Gutes tut, dem Juden zuerst, und auch den Heiden. 11Denn bei Gott gilt kein Ansehen der Person. 12Denn alle, welche ohne das Gesetz gesündigt haben, werden ohne das Gesetz verloren gehen; und alle, welche unter dem Gesetze gesündigt haben, werden durch das Gesetz gerichtet werden. 13Denn nicht die Hörer des Gesetzes sind gerecht vor Gott, sondern die Vollbringer des Gesetzes werden gerechtfertigt werden. 14Denn wenn Heiden, welche das Gesetz nicht haben, von Natur aus das tun, was zum Gesetze gehört, so sind sie, die das Gesetz nicht haben, sich selbst Gesetz; 15zeigen sie ja, dass das Werk des Gesetzes in ihren Herzen geschrieben ist, indem ihnen ihr Gewissen Zeugnis gibt und die Gedanken sich untereinander anklagen oder auch verteidigen, 16an dem Tage, da Gott das Verborgene der Menschen richten wird nach meinem Evangelium durch Jesus Christus. 17Wenn du aber ein Jude heißest, dich auf das Gesetz verläßest, und dich Gottes rühmest, 18und seinen Willen kennst, und vom Gesetze belehrt das Bessere anerkennst, 19und die Zuversicht hast, dass du ein Führer der Blinden seiest, ein Licht derer, die in Finsternis sind, 20ein Erzieher der Unverständigen, ein Lehrer der Unmündigen, der den Inbegriff der Erkenntnis und der Wahrheit im Gesetze besitze: 21der du also einen andern lehrest, lehrest dich selbst nicht; der du predigest, nicht zu stehlen, stiehlst; 22der du sagst, man solle nicht ehebrechen, brichst die Ehe; der du die Götzenbilder verabscheuest, begehst Tempelraub; 23der du dich des Gesetzes rühmest, verunehrst Gott durch Übertretung des Gesetzes! 24(Denn der Name Gottes wird eurethalben unter den Heiden gelästert, wie geschrieben steht.) 25Die Beschneidung nützt allerdings, wenn du das Gesetz beobachtest; wenn du aber ein Übertreter des Gesetzes bist, so ist deine Beschneidung zur Vorhaut geworden. 26Wenn also der Unbeschnittene die Forderungen des Gesetzes erfüllt, wird ihm seine Vorhaut nicht als Beschneidung gerechnet werden? 27Und wird nicht der von Natur Unbeschnittene, der das Gesetz erfüllt, dich richten, der du bei Schrift und Beschneidung ein Übertreter des Gesetzes bist? 28Denn nicht, wer es äußerlich ist, ist ein wahrer Jude, noch ist die äußere Beschneidung, die am Leibe geschieht, die rechte. 29sondern wer es im Verborgenen ist, ist ein Jude, und die Beschneidung des Herzens, im Geiste, nicht dem Buchstaben nach, ist die rechte. Eines solchen Lob kommt nicht von Menschen, sondern von Gott.