Bibel in einem Jahr · Tag 166 von 365

Ijob 15–16

Aus der Allioli-Arndt-Bibel (Vulgata-Übersetzung, 1914).

Altes Testament

Das Buch Ijob 15

1Da antwortete Eliphaz, der Themaniter, und sprach: 2Antwortet etwa ein Weiser, als redete er in den Wind, und erfüllt er sein Inneres mit Gluthitze? 3Du tadelst den mit Worten, der nicht deinesgleichen ist, und redest, was dir nicht frommt. 4Soviel an dir liegt, hat du die Gottesfurcht vernichtet und das Gebet vor Gott aufgehoben. 5Denn deine Bosheit hat deinen Mund gelehrt und du ahmst die Zunge der Lästerer nach. 6Dein eigener Mund wird dich verdammen und nicht ich, und deine Lippen werden wider dich zeugen. 7Bist du als der erste unter den Menschen geboren und vor den Hügeln geschaffen? 8Hast du den Ratschluss Gottes gehört und wird seine Weisheit nicht geringer sein als die deine? 9Was weißt du, was wir nicht wüssten? Was siehst du ein, das uns unbekannt wäre? 10Auch unter uns sind Greise und Alte, viel älter als deine Väter. 11Ist es denn etwas Großes für Gott, dass er dich tröste? Doch deine bösen Worte hindern dies. 12Was erhebt sich dein Herz und was sind deine Augen starr, als sännest du große Dinge? 13Was bläht sich dein Geist wider Gott auf, dass du solche Reden aus deinem Munde vorbringst? 14Was ist der Mensch, dass er rein sei und dass der vom Weibe Geborene gerecht erscheine? 15Siehe, unter seinen Heiligen ist niemand unwandelbar und die Himmel sind nicht rein in seinen Augen. 16Wieviel weniger der verabscheuungswerte und nichtsnütze Mensch, der die Sünde wie Wasser hineintrinkt? 17Ich will es dir kundgeben, höre mich; was ich gesehen, will ich dir erzählen. 18Die Weisen bekennen es und verleugnen ihre Väter nicht. 19Ihnen allein war das Land gegeben und in ihrer Mitte wandelte kein Fremder. 20Sein ganzes Leben lang ist der Gottlose übermütig und die Zahl der Jahre seiner Gewalttätigkeit ist ungewiss. 21Des Schreckens Dröhnen ist immer in seinen Ohren, und wenn gleich Friede ist, argwöhnt er immer Nachstellungen. 22Nicht glaubt er, aus der Finsternis in das Licht zurückkehren zu können, nach allen Seiten schaut er sich nach dem Schwerte um. 23Macht er sich auf, um Brot zu suchen, so weiß er, dass der Tag der Finsternis ihm nahe ist. 24Trübsal wird ihn schrecken und Angst ihn wie mit einem Walle umgeben, wie einen König, der sich zum Kampfe rüstet. 25Denn wider Gott streckte er seine Hand aus und zeigte seine Kraft wider den Allmächtigen. 26Er stürmte wider ihn an mit vorgerecktem Halse und waffnete sich mit feistem Nacken. 27Sein Antlitz bedeckte Fett und Speck hängt herab von seinen Seiten. 28Er wohnte in zerstörten Städten und in verödeten Häusern, die in Schutthaufen verwandelt sind. 29Nicht wird er reich werden und sein Wohlstand wird nicht dauern noch wird er in die Erde seine Wurzel tief einsenken. 30Er wird der Finsternis nicht entkommen, die Flamme wird seine Zweige verdorren und er wird hinweggerafft werden von dem Hauche seines Mundes. 31In eitlem Irrtume befangen, wird er nicht glauben, dass er um irgend einen Preis erlöst werden könne. 32Ehe seine Tage voll sind, wird er umkommen und seine Hände werden verdorren. 33Wie ein Weinberg, der in der ersten Blüte verletzt worden, wird seine Traube sein und wie ein Ölbaum, der seine Blüten abwirft. 34Denn die Genossenschaft des Heuchlers ist unfruchtbar und Feuer frisst die Gezelte derer, die gern Geschenke nehmen. 35Er hat Unheil empfangen und Freveltat geboren und sein Schoß bereitet Trug.

Das Buch Ijob 16

1Job antwortete und sprach: 2Solches habe ich oftmals gehört, lästige Tröster seid ihr insgesamt. 3Werden die aufgeblasenen Worte ein Ende nehmen? Oder ist dir etwas lästig, dass du so redest? 4Auch ich könnte ähnliches reden wie ihr; und o wäre doch eure Seele an der Stelle meiner Seele! 5so wollte auch ich euch mit Gerede trösten und mein Haupt über euch schütteln 6und euch mit meinem Munde stärken und meine Lippen bewegen, als hätte ich Mitleid mit euch. 7Doch was soll ich tun? Wenn ich rede, setzt mein Schmerz nicht aus; schweige ich, so weicht er nicht von mir. 8Jetzt aber hat mich mein Schmerz ganz niedergedrückt, alle meine Glieder sind zu nichts geworden. 9Meine Runzeln geben Zeugnis wider mich und der Lügenredner steht auf und widerspricht mir ins Angesicht. 10Er hat seinen Ingrimm wider mich gesammelt und mir drohend, knirscht er gegen mich mit seinen Zähnen, als mein Feind hat er seinen Blick mit schrecklichen Augen auf mich gerichtet. 11Sie rissen wider mich ihre Mäuler auf und schlugen mich höhnend auf die Wange und sättigten sich an meinen Peinen. 12Gott hat mich dem Ungerechten übergeben, den Händen der Gottlosen mich überlassen. 13Ich, einst so reich, bin plötzlich zermalmt worden; er fasste mich bei dem Nacken, zerschmetterte mich und stellte mich zur Zielscheibe für sich aus. 14Er umgab mich mit seinen Speeren, verwundete schonungslos meine Lenden und schüttete meine Eingeweide auf die Erde aus. 15Er schlug mir Wunde über Wunde und stürmte gegen mich an wie ein Riese. 16Ich nähte ein Trauerkleid um meine Haut und bedeckte meinen Leib mit Asche. 17Mein Angesicht ist angeschwollen vom Weinen und meine Augenlider sind verdunkelt. 18Das habe ich gelitten, obwohl keine Ungerechtigkeit in meiner Hand und mein Gebet zu Gott rein war. 19O Erde! bedecke mein Blut nicht und mein Geschrei finde auf dir keine Stätte, sich zu verbergen! 20Denn siehe, im Himmel ist mein Zeuge und der mich kennt, in der Höhe. 21Meine Freunde sind reich an spottenden Worten, zu Gott blickt mein Auge tränend empor. 22O möchte der Mensch mit Gott so ins Gericht treten können, wie ein Menschenkind ins Gericht tritt mit seinesgleichen! 23Denn siehe, die kurzen Jahre gehen vorüber und ich wandle den Pfad dahin, auf dem ich nicht zurückkommen werde.