Bibel in einem Jahr · Tag 165 von 365

Ijob 12–14 · Röm 1

Aus der Allioli-Arndt-Bibel (Vulgata-Übersetzung, 1914).

Altes Testament

Das Buch Ijob 12

1Job antwortete und sprach: 2Seid ihr denn allein Menschen und wird mit euch die Weisheit aussterben? 3Auch ich habe Einsicht, so gut wie ihr und stehe nicht zurück gegen euch; wer wüsste denn das nicht, was ihr wisst? 4Wer von seinem Freunde verspottet wird wie ich, ruft Gott an und dieser wird ihn erhören; denn des Gerechten Redlichkeit wird verlacht. 5Sie ist eine Leuchte, verachtet in der Meinung der Reichen, aber aufbewahrt für die bestimmte Zeit. 6Die Zelte der Räuber haben Überfluss und keck fordern sie Gott heraus, der doch selbst alles in ihre Hände gegeben hat. 7Frage doch die Tiere und sie werden es dich lehren, und die Vögel des Himmels und sie werden es dir kundtun. 8Rede zu der Erde und sie wird dir antworten, und die Fische des Meeres werden es erzählen. 9Wer weiß nicht, dass die Hand des Herrn alles dies gemacht hat? 10In seiner Hand ist die Seele alles Lebenden und der Geist jedes Menschenleibes. 11Unterscheidet nicht das Ohr die Worte und des Essenden Gaumen den Geschmack? 12Bei den Alten ist Weisheit und bei langer Lebenszeit Klugheit. 13Bei ihm ist Weisheit und Stärke, er besitzt Rat und Einsicht. 14Wenn er zerstört, so baut niemand auf; wenn er jemanden einkerkert, ist niemand, der auftut. 15Wenn er die Wasser hemmt, dorrt alles aus; und wenn er sie loslässt, so verwüsten sie das Land. 16Bei ihm ist Stärke und Weisheit, er kennt den Betrüger wie den Betrogenen. 17Er führt die Ratsherren zu törichtem Ende und die Richter zu Ratlosigkeit. 18Er löst den Gürtel der Könige und schlingt Fesseln um ihre Lenden. 19Er führt die Priester bar der Ehre hinweg und stürzt die Mächtigen. 20Er wandelt die Lippen der Wahrhaftigen um und nimmt Greisen die Lehrweisheit. 21Er gießt Verachtung auf die Fürsten aus und hebt die empor, die unterdrückt waren. 22Er enthüllt das Tiefverborgene aus der Finsternis heraus und führt den Schatten des Todes ans Licht. 23Er macht die Völker groß und vernichtet sie, und die Gestürzten setzt er wieder in den vorigen Stand ein. 24Er nimmt den Fürsten des Volkes die Einsicht und führt sie irre, dass sie ratlos in unwegsamer Öde dahingehen; 25sie tappen wie in der Finsternis und fern vom Lichte und er lässt sie irre gehen wie Trunkene.

Das Buch Ijob 13

1Sehet, dies alles hat mein Auge gesehen und mein Ohr gehört und jegliches habe ich verstanden. 2Was ihr wisset, weiß auch ich und ich stehe nicht hinter euch zurück. 3Doch ich möchte zu dem Allmächtigen reden und wünsche mit Gott zu rechten, 4indem ich euch vorher als Lügenschmiede erweise und als Verehrer verkehrter Lehren. 5Hättet ihr doch geschwiegen, dass ihr für weise gelten könntet! 6Höret denn meine Zurechtweisung und habet acht auf das Urteil meiner Lippen! 7Bedarf Gott wohl eurer Lüge, dass ihr für den Trug redet? 8Wollt ihr für ihn Partei nehmen und bemüht ihr euch, zu Gunsten Gottes zu richten? 9Oder wird er es billigen, vor dem sich nichts verbergen kann? Oder wird er wie ein Mensch durch euer Trugspiel getäuscht werden? 10Er wird euch strafen, weil ihr insgeheim für ihn Partei nehmt. 11Sobald er sich erhebt, wird er euch in Verwirrung setzen und sein Schrecken wird auf euch fallen. 12Euer Andenken wird der Asche gleich werden, und eure Nacken werden in den Staub gebeugt werden. 13Schweiget ein wenig, dass ich rede, was immer das Herz mir eingibt. 14Warum zerreiße ich mein Fleisch mit meinen Zähnen und trage meine Seele in meinen Händen? 15Auch wenn er mich tötet, werde ich auf ihn hoffen; jedoch meinen Wandel werde ich vor seinem Angesichte dartun. 16Und er selbst wird mein Retter sein, denn kein Heuchler kommt vor sein Angesicht. 17So höret meine Rede und vernehmet das Rätselhafte mit euren Ohren! 18Werde ich gerichtet, so weiß ich, dass ich gerecht erfunden werde. 19Wer ist´s, der mit mir zu Gericht gehen will? Er komme! Warum sollte ich schweigend zugrunde gehen? 20Nur zweierlei tue mir nicht an, alsdann werde ich mich nicht vor deinem Antlitze verbergen: 21Ziehe deine Hand weit von mir zurück und dein Schrecken ängstige mich nicht. 22Rufe mich, und ich werde dir Antwort geben, oder ich werde reden, und du erwidere mir. 23Wieviel sind meiner Missetaten und Sünden? Meine Frevel und Vergehen zeige mir! 24Warum verbirgst du dein Antlitz und erachtest mich als deinen Feind? 25An einem Blatte, das vom Winde verweht wird, zeigst du deine Macht und einen dürren Halm verfolgst du; 26denn du schreibst wider mich Bitterkeiten als Urteil und willst mich wegen der Sünden meiner Jugend verderben. 27Du hast meinen Fuß in den Block gelegt und alle meine Wege beobachtet und auf die Schritte meiner Füße geschaut, 28der ich wie Moder vergehen soll und wie ein Kleid, das von den Motten zerfressen wird.

Das Buch Ijob 14

1Der Mensch, vom Weibe geboren, lebt kurze Zeit und wird mit vielem Elende erfüllt. 2Wie eine Blume geht er auf und wird zertreten und flieht wie ein Schatten und bleibt nimmer in einem Stande. 3Und du hältst es für würdig, über einen solchen deine Augen offen zu halten und ihn ins Gericht mit dir zu ziehen? 4Wer kann den rein machen, der aus unreinem Samen empfangen ist? Nicht du, der Alleinige? 5Kurz bemessen sind des Menschen Tage, die Zahl seiner Monde steht bei dir; du hast ihm ein Ziel gesetzt, welches nicht überschritten werden kann. 6So weiche ein wenig von ihm, dass er ruhe, bis der gewünschte Tag kommt, wie bei einem Tagelöhner. 7Der Baum hat Hoffnung; ist er abgehauen, so grünt er wieder auf und seine Zweige treiben nach. 8Altert gleich in der Erde seine Wurzel und ist in dem Staube sein Stamm abgestorben, 9so schlägt er doch bei dem Dufte des Wassers wieder aus und treibt Blätter, so wie damals, als er gepflanzt ward. 10Ist aber der Mensch tot und des Lebens beraubt und vermodert, wo ist er dann? 11Wie wenn die Wasser aus dem Meere zurücktreten und ein Fluß versiegt und austrocknet, 12so steht der Mensch, wenn er entschlafen ist, nicht wieder auf; bis der Himmel vergeht, wacht er nicht auf noch erhebt er sich von seinem Schlafe. 13Wer möchte mir geben, dass du mich im Totenreiche schirmest und mich verbergest, die dein Zorn vorübergegangen, und du mir eine Zeit bestimmtest, wo du meiner gedächtest? 14Wird der Mensch, wenn er gestorben, wiederum leben? Alle Tage, welche ich nun kämpfe, wollte ich dann harren, bis meine Umwandlung kommt! 15Du wirst mich rufen und ich werde dir antworten, dem Werke deiner Hände wirst du die Rechte darreichen. 16Jetzt aber hast du meine Schritte gezählt, schone doch meiner Sünden! 17Du hast wie in einen Beutel meine Vergehungen versiegelt, aber hast deine Aufmerksamkeit meiner Schuld zugewendet. 18Ein Berg stürzt und wird der Ebene gleich, und ein Felsen wird von seiner Stelle verrückt. 19Steine höhlt das Wasser aus und nimmt anflutend allmählich die Erde weg, in gleicher Weise vernichtest du auch den Menschen. 20Du gabst ihm Kraft auf kurze Zeit, dass er dann hingehe auf immer; du entstellst sein Angesicht und lässest ihn dahinfahren. 21Mögen seine Kinder in Ehren oder unbekannt sein, er weiß es nicht. 22Doch sein Leib fühlt Schmerz, solange er lebt, und über ihn trauert seine Seele.

Neues Testament

Römerbrief 1

1Paulus, Diener Jesu Christi, berufener Apostel, auserwählt für das Evangelium Gottes, 2welches er voraus verheißen hatte durch seine Propheten in den heiligen Schriften, 3über seinen Sohn, welcher ihm aus dem Geschlechte Davids dem Fleische nach geworden ist, 4der vorherbestimmt ist als Gottes Sohn in Macht nach dem Geiste der Heiligung aus der Auferstehung der Toten, über Jesus Christus, unsern Herrn, 5durch welchen wir Gnade und Apostelamt empfangen haben, um alle Völker dem Glauben gehorsam zu machen, um seines Namens willen, 6unter welchen auch ihr seid, Berufene Jesu Christi, 7allen, die zu Rom sind, den Geliebten Gottes, den berufenen Heiligen. Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesus Christus! 8Zuerst danke ich meinem Gott durch Jesus Christus um euer aller willen, weil euer Glaube in der ganzen Welt gerühmt wird. 9Denn Gott, dem ich meinem Geiste durch das Evangelium seines Sohnes diene, ist mein Zeuge, dass ich ohne Unterlass euer eingedenk bin 10allzeit in meinen Gebeten, indem ich bitte, ob es mir wohl endlich einmal nach Gottes Willen gelingen möge, zu euch zu kommen. 11Denn ich sehne mich, euch zu sehen, damit ich euch etwas mitteile von geistiger Gnadengabe, um euch zu stärken, 12das heißt, um miteinander getröstet zu werden durch den gegenseitigen Glauben, den eurigen und auch den meinigen. 13Ich will euch aber, Brüder, nicht in Unkenntnis lassen, dass ich mir oft vorgenommen habe, zu euch zu kommen (und ich ward bis jetzt verhindert), um so, wie unter den übrigen Völkern, auch unter euch irgendeine Frucht zu gewinnen. 14Griechen und Nichtgriechen, Weisen und Ungelehrten bin ich Schuldner. 15So bin ich (so viel an mir liegt) bereit, auch euch, die ihr zu Rom seid, das Evangelium zu verkünden. 16Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht; denn es ist eine Gotteskraft zum Heile für einen jeden, der glaubt, für die Juden zuerst, und auch für die Heiden. 17Denn die Gerechtigkeit Gottes offenbart sich in ihm aus dem Glauben an den Glauben, wie geschrieben steht: Der Gerechte aber lebt aus dem Glauben. 18Denn es offenbart sich der Zorn Gottes vom Himmel über alle Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit jener Menschen, welche die Wahrheit Gottes in Ungerechtigkeit niederhalten; 19weil das, was von Gott bekannt ist, in ihnen offenbar ist, denn Gott hat es ihnen kundgegeben. 20Denn was an ihm unsichtbar ist, wird am Schöpfungswerke der Welt in den erschaffenen Dingen geistig wahrgenommen: seine ewige Macht und Gottheit, so dass sie unentschuldbar sind, 21weil sie, nachdem sie Gott erkannt hatten, ihn nicht als Gott verherrlichten, noch ihm Dank sagten; sondern sie wurden eitel in ihren Gedanken, und ihr unverständiges Herz war verfinstert. 22Indem sie nämlich behaupteten Weise zu sein, sind sie Toren geworden. 23Und sie vertauschten die Herrlichkeit des unvergänglichen Gottes in der Ähnlichkeit eines Bildes von einem vergänglichen Menschen, und von Vögeln, und vierfüßigen und kriechenden Tieren. 24Darum gab sie Gott den Begierden ihres Herzens preis, der Unreinheit, dass sie ihre Leiber an sich selbst schänden, 25sie, welche die Wahrheit Gottes mit der Lüge vertauschten und eher dem Geschöpfe Verehrung und Anbetung erwiesen, als dem Schöpfer, welcher hochgelobt ist in Ewigkeit! Amen. 26Darum gab sie Gott schmachvollen Leidenschaften preis. Denn ihre Weiber vertauschten den naturgemäßen Gebrauch in den Gebrauch, der wider die Natur ist; 27gleicherweise aber verließen auch die Männer den naturgemäßen Gebrauch des Weibes und entbrannten in ihren Gelüsten gegeneinander, indem sie, Männer an Männern, Schändung trieben und so den Lohn, der ihrer Verirrung gebührte, an sich selbst empfingen. 28Und wie sie es nicht wert erachteten, die Erkenntnis Gottes festzuhalten, überließ sie Gott der verworfenen Gesinnung, dass sie tun, was sich nicht geziemt; 29voll jeglicher Ungerechtigkeit, Bosheit, Unzucht, Habsucht, Schlechtigkeit, voll Neid, Mord, Zanksucht, Arglist, Tücke; Ohrenbläser, 30Verleumder, Gott verhasst, schmähsüchtig, hoffärtig, prahlerisch, erfinderisch in Schlechtigkeiten, ungehorsam gegen die Eltern, 31Toren, unverträglich, lieblos, treulos, erbarmungslos. 32Obgleich sie nämlich die Gerechtigkeit Gottes kannten, sahen sie doch nicht ein, dass die, welche solches tun, des Todes würdig sind; und nicht allein, die solches tun, sondern auch, die denen zustimmen, welche es tun.