Bibel in einem Jahr · Tag 164 von 365

Ijob 9–11 · Apg 28

Aus der Allioli-Arndt-Bibel (Vulgata-Übersetzung, 1914).

Altes Testament

Das Buch Ijob 9

1Job antwortete und sprach: 2Wahrlich! Ich weiß, dass es so ist und dass der Mensch, mit Gott verglichen, nicht gerecht ist. 3Wenn er auch mit ihm rechten wollte, könnte er ihm nicht eines auf tausend antworten. 4Weisen Sinnes ist er und gewaltig an Kraft, wer widersetzte sich ihm und hätte Frieden? 5Er versetzt Berge, und die er umstürzt in seinem Grimme, merken es nicht. 6Er bewegt die Erde von ihrer Stätte und ihre Säulen erbeben. 7Er gebietet der Sonne und sie geht nicht auf, und er legt die Sterne wie unter Siegel. 8Er breitet den Himmel allein aus und schreitet über die Wellen des Meeres dahin. 9Er schafft den Bären, den Orion, das Siebengestirn und die verborgenen Sterne des Südens. 10Er tut Großes und Unbegreifliches und Wunderbares ohne Zahl. 11Wenn er zu mir kommt, so sehe ich ihn nicht; geht er weg, so merke ich es nicht. 12Stellt er jählings zur Rede, wer antwortet ihm? Oder wer darf sagen: Warum tust du also? 13Er ist Gott, seinem Zorne kann niemand widerstehen, und unter ihm beugen sich, die den Erdkreis tragen. 14Wer bin ich aber, dass ich ihm entgegnen sollte und mit meinen Worten mit ihm reden? 15Hätte ich auch irgend ein Recht, ich würde nicht Gegenrede wagen, sondern meinen Richter um Gnade anflehen. 16Doch, wenn ich ihn anriefe und er mich hörte, glaube ich nicht, dass er auf meine Stimme hört. 17Denn er zerschmettert mich im Sturme und mehrt meine Wunden auch ohne Ursache, 18er lässt mich nicht zu Atem kommen und sättigt mich mit Bitterkeiten. 19Gilt es Stärke: er ist der Stärkste; gilt es Recht im Gericht, so wagt niemand für mich Zeugnis zu geben. 20Wollte ich mich rechtfertigen, so verdammt mich mein eigener Mund; wollte ich zeigen, dass ich unschuldig bin, so überweist er mich als schuldig. 21Wäre ich auch lauter, so weiß eben dies meine Seele nicht und überdrüssig werde ich meines Lebens. 22Eines ist, was ich sage: Er vernichtet sowohl den Unschuldigen als den Gottlosen. 23Wenn er geißelt, töte er auf einmal und lache nicht der Qualen der Unschuldigen! 24Die Erde ist in die Hände der Gottlosen gegeben, er verhüllt das Antlitz ihrer Richter. Ist er es nicht, wer ist es dann? 25Meine Tage eilten schneller dahin als ein Läufer; sie flohen dahin, ohne etwas Gutes zu sehen. 26Sie fuhren hin wie Schiffe, die Äpfel tragen, wie ein Adler, der auf den Fraß herabstürzt. 27Wenn ich sagen würde: Ich will nicht mehr so reden, so änderte ich wohl meine Miene und würde doch von Schmerz gepeinigt. 28Ich fürchtete alle meine Werke, wohl wissend, dass du des Sünders nicht schonest. 29Wenn ich nun aber auch so noch gottlos bin, wozu habe ich mich da umsonst bemüht? 30Wenn ich mich mit Schneewasser wüsche und meine Hände glänzten überrein, 31so tauchtest du mich dennoch in Schmutz, dass meine Kleider vor mir Abscheu hätten. 32Denn nicht einem Menschen, der meinesgleichen ist, würde ich antworten noch einem, der im Gerichte gleichmäßig mit mir verhört werden könnte. 33Niemand ist, der beide zurechtweisen und seine Hand auf beide legen dürfte. 34Er nehme seine Rute von mir weg und sein Schrecken quäle mich nicht, 35dann will ich reden, ohne zu fürchten; denn solange ich in Furcht bin, kann ich nicht Rede stehen.

Das Buch Ijob 10

1Meine Seele ist meines Lebens überdrüssig, ich will meiner Rede wider mich freien Lauf lassen, will reden in der Bitterkeit meiner Seele. 2Ich will zu Gott sprechen: Verdamme mich nicht! tue mir kund, warum du so mit mir ins Gericht gehst? 3Scheint es dir etwa gut, wenn du mich quälst und das Werk deiner Hände bedrückst und dem Anschlage der Gottlosen hilfst? 4Hast du denn fleischliche Augen oder siehst auch du, wie der Mensch sieht? 5Sind deine Tage wie die Tage eines Menschen und deine Jahre wie eines Menschen Lebenszeit, 6dass du nach meiner Missetat suchest und meiner Sünde nachforschest, 7und dass du erfahren musst, dass ich nichts Böses getan, obwohl niemand ist, der deiner Hand entreißen kann? 8Deine Hände haben mich gemacht und mich ganz um und um gebildet, und so jählings stürzest du mich? 9Gedenke doch, dass du mich wie Ton formtest und mich wieder zu Staub wandeln wirst! 10Hast du mich nicht wie Milch hingegossen und wie Käse gerinnen lassen? 11Mit Haut und Fleisch hast du mich bekleidet, mit Knochen und Sehnen mich zusammengefügt, 12Leben und Barmherzigkeit teiltest du mir zu und deine Fürsorge bewahrte meinen Odem. 13Zwar verbirgst du dies in deinem Herzen, doch weiß ich, dass du aller Dinge gedenkst. 14Habe ich gesündigt und schontest du meiner eine Zeitlang, warum lässest du mich nicht von meiner Missetat rein werden? 15Bin ich gottlos, dann wehe mir; bin ich gerecht, so darf ich doch mein Haupt nicht erheben, gesättigt mit Trübsal und Elend, 16und um des Hochmuts willen wirst du mich fangen wie eine Löwin und aufs neue mich mit wunderbaren Qualen peinigen. 17Neue Zeugen stellst du wider mich auf und mehrest deinen Zorn wider mich und Plagen kämpfen wider mich. 18Warum hast du mich aus dem Mutterleibe hervorgehen lassen? Ach! Wäre ich umgekommen und hätte mich nie ein Auge gesehen! 19So würde ich sein, als wäre ich nie gewesen, vom Mutterleibe weg zum Grabe getragen! 20Wird meiner Tage geringe Zahl bald zu Ende sein? So lass denn ab von mir, dass ich meinen Schmerz ein wenig beklage, 21bevor ich hingehe, ohne wiederzukehren, in das finstere, mit Todesschatten bedeckte Land, 22das Land des Jammers und der Finsternis, wo Todesschatten und keine Ordnung ist, sondern ewiger Schrecken wohnt.

Das Buch Ijob 11

1Da antwortete Sophar, der Naamathiter, und sprach: 2Soll nicht, wer viel redet, auch hören, oder soll der wortreiche Mann Recht behalten? 3Sollen die Leute vor dir allein schweigen? Und sollst du, während du der übrigen spottest, von keinem widerlegt werden? 4Denn du hast gesagt: Meine Rede ist lauter und ich bin rein vor deinen Augen! 5O möchte doch Gott mit dir reden und er seine Lippen gegen dich auftun, 6das er dir die Geheimnisse seiner Weisheit zeigte und dass sein Gesetz vielfach ist, und du erkennen möchtest, dass er weit weniger von dir fordert, als deine Schuld verdient. 7Wirst du etwa die Spuren Gottes fassen und bis auf den tiefen Grund den Allmächtigen erforschen? 8Er ist erhabener als der Himmel, was willst du tun? Tiefer als die Unterwelt, woher willst du ihn erkennen? 9Sein Maß ist weiter als die Erde und breiter als das Meer. 10Wenn er alles umstürzte oder in einen Klumpen zusammenpresste, wer könnte ihm widersprechen? 11Denn er kennt die Eitelkeit der Menschen, und wenn er die Bosheit sieht, achtet er etwa nicht darauf? 12Der eitle Mann erhebt sich in Hochmut und dünkt sich freigeboren wie das Füllen des wilden Esels. 13Du aber hast dein Herz gefestigt und deine Hände zu ihm ausgebreitet. 14Wenn du den Frevel, der in deiner Hand ist, von dir entfernst und kein Unrecht in deinem Zelte bleibt, 15Dann magst du dein Angesicht erheben, frei von Makel, und unerschütterlich dastehen und darfst dich nicht fürchten. 16Dann wirst du auch des Elends vergessen und desselben gedenken, wie der Wasser, die vorübergeflossen sind. 17Und wie Mittagsglanz wird es dir am Abend aufgehen und wenn du meinst, es sei aus mit dir, wirst du aufsteigen wie ein Morgenstern 18und du wirst Zuversicht hegen; denn dir ist Hoffnung gegeben und wie von einem Walle geschützt, wirst du sicher ruhen. 19Du wirst Ruhe genießen und niemand wird dich aufscheuchen und gar viele werden dein Angesicht anflehen. 20Aber der Gottlosen Augen werden verschmachten und die Zuflucht ihnen schwinden und ihre Hoffnung ist das, was die Seele sonst verabscheut.

Neues Testament

Apostelgeschichte 28

1Als wir nun gerettet waren, erfuhren wir, dass die Insel Malta heiße. Die Eingeborenen aber erzeigten uns nicht geringe Menschenfreundlichkeit, 2indem sie nämlich ein Feuer anzündeten, und erquickten uns alle wegen des eintretenden Regens und der Kälte. 3Da nun Paulus einen Haufen Reiser zusammengefasst und auf das Feuer gelegt hatte, kam wegen der Hitze eine Natter hervor, und hing sich an seine Hand. 4Als die Einwohner das Tier an seiner Hand herabhängen sahen, sprachen sie zueinander: Gewiss ist dieser Mensch ein Mörder, denn, nachdem er dem Meere entkommen ist, die Vergeltung nicht leben lässt. 5Er aber schüttelte das Tier ab in´s Feuer und es geschah ihm kein Leid. 6Jene dagegen erwarteten, er werde aufschwellen, und plötzlich tot niederfallen. Als sie nun nach langem Warten sahen, dass ihm kein Leid widerfuhr, kamen sie auf andere Gedanken, und sagten, er sei ein Gott. 7In jener Gegend aber gehörten die Ländereien dem Vornehmsten der Insel, mit Namen Publius. Dieser nahm uns auf, und bewirtete uns drei Tage lang freundlich. 8Es traf sich aber, dass der Vater des Publius am Fieber und an der Ruhr schwer darnieder lag. Zu diesem trat Paulus ein, betete, legte ihm die Hände auf, und machte ihn gesund. 9Da dies geschehen war, kamen alle Kranken, die auf der Insel waren, herbei und wurden geheilt. 10Sie erzeigten uns auch viele Ehren, und bei unserer Abfahrt brachten sie, was wir nötig hatten, auf das Schiff. 11Nach drei Monaten aber fuhren wir ab auf einem Schiffe von Alexandria, das auf der Insel überwintert hatte, und als Zeichen die Dioskuren führte. 12Wir kamen nach Syrakus, und blieben daselbst drei Tage. 13Von dort fuhren wir längs der Küste herum, und kamen nach Rhegium; und als des Tags darauf ein Südwind blies, kamen wir am zweiten Tage nach Puteoli. 14Da wir dort Brüder fanden, wurden wir gebeten, sieben Tage lang bei ihnen zu bleiben. Und so kamen wir nach Rom. 15Da es nun die Brüder gehört hatten, kamen sie uns von dort entgegen bis Forum Appii und Tres Tabernä. Als Paulus diese sah, dankte er Gott, und fasste Mut. 16Als wir nun nach Rom gekommen waren, wurde dem Paulus erlaubt, für sich zu bleiben mit dem Soldaten, der ihn bewachte. 17Nach drei Tagen rief Paulus die Vornehmsten der Juden zusammen. Als sie zusammengekommen waren, sprach er zu ihnen: Brüder! Obwohl ich nichts getan habe wider das Volk, oder die väterlichen Gebräuche, bin ich doch gefesselt aus Jerusalem in die Hände der Römer überliefert worden. 18Als diese mich verhört hatten, wollten sie mich in Freiheit setzen, weil keine Todesschuld an mir sei. 19Da aber die Juden widersprachen, war ich gezwungen, an den Kaiser zu appellieren; nicht als ob ich wider mein Volk eine Anklage hätte. 20Aus diesem Grunde nun lud ich euch ein, um euch zu sehen, und mit euch zu reden, denn um der Hoffnung Israels willen bin ich mit dieser Fessel umschlossen. 21Sie aber sprachen zu ihm: Wir haben weder Briefe über dich aus Judäa empfangen, noch ist einer der Brüder gekommen, und hat etwas Böses von dir berichtet oder geredet. 22Wir wünschten aber von dir zu hören, welcher Meinung du bist; denn von dieser Sekte ist uns bekannt, dass ihr allenthalben widersprochen wird. 23Da sie ihm nun einen Tag bestimmt hatten, kamen sehr viele zu ihm in die Herberge. Diesen erklärte er, Zeugnis gebend, das Reich Gottes, und suchte sie von Jesus zu überzeugen aus dem Gesetze Moses und den Propheten vom Morgen bis zum Abend. 24Und die einen glaubten dem, was gesagt wurde, die anderen aber glaubten nicht. 25Da sie nun untereinander nicht einig waren, gingen sie auseinander, nachdem Paulus ein Wort gesprochen: Treffend hat der Heilige Geist durch den Propheten Isaias zu unsern Vätern gesprochen, 26da er sagte: Gehe hin zu diesem Volke, und sprich zu ihnen: Mit Ohren werdet ihr hören, und nicht verstehen; mit Augen sehen, und nicht erkennen; 27denn das Herz dieses Volkes ist verstockt; mit den Ohren hörten sie schwer, und ihre Augen haben sie zugedrückt, damit sie nicht etwa mit den Augen sehen, und mit den Ohren hören, und mit dem Herzen verstehen, und sich bekehren, und ich sie heile. 28So sei euch denn kundgetan, dass den Heiden dieses Heil Gottes gesandt ist; und diese werden hören! 29Als er dies gesagt hatte, gingen die Juden von ihm hinaus, indem sie vielen Streit unter sich hatten. 30Er blieb aber zwei volle Jahre in seiner Mietwohnung, und nahm alle auf, die zu ihm kamen, 31indem er das Reich Gottes predigte, und von dem Herrn Jesus Christus mit aller Zuversicht, ungehindert lehrte.