Bibel in einem Jahr · Tag 163 von 365

Ijob 6–8 · Apg 27

Aus der Allioli-Arndt-Bibel (Vulgata-Übersetzung, 1914).

Altes Testament

Das Buch Ijob 6

1Job antwortete und sprach: 2O! würden doch meine Sünden, mit denen ich den Zorn verdient habe, und das Elend, das ich dulde, auf der Waage gewogen. 3Gleich dem Sande des Meeres würde es schwerer erscheinen, darum sind auch meine Worte voll des Schmerzes. 4Denn die Pfeile des Herrn haften in mir, ihr Grimm zehrt meinen Geist auf und die Schrecknisse des Herrn kämpfen wider mich. 5Schreit wohl der wilde Esel, wenn er grüne Weide hat? Oder brüllt der Ochse, wenn er vor voller Krippe steht? 6Oder kann man Fades essen, wenn es nicht mit Salz gewürzt ist? Oder mag jemand kosten, was durch deinen Genuss den Tod bringt? 7Was meine Seele vordem nicht anrühren mochte, das ist nun vor Trübsal meine Speise. 8Wer möchte mir geben, dass meine Bitte erfüllt werde und dass mir Gott gewährt, was ich erwarte? 9Wie er begonnen, so möge er mich zermalmen, er strecke seine Hand aus und haue mich um! 10Und das sei mein Trost, dass, obschon er mich mit Schrecken ohne Verschonen peinigt, ich dennoch nicht den Worten des Heiligen widerspreche. 11Aber was ist meine Kraft, dass ich aushalten, oder was mein Ende, dass ich geduldig bleiben soll? 12meine Kraft ist nicht Felsenkraft, mein Fleisch nicht von Erz. 13Siehe, ich habe keine Hilfe in mir selbst und auch meine Freunde haben sich von mir zurückgezogen. 14Wer seinem Freunde das Erbarmen entzieht, verlässt die Furcht des Herrn. 15Meine Brüder sind an mir vorübergegangen wie ein Bergstrom, der reißend durch die Täler dahinschießt. 16Sie starren von Reif und Schnee wird auf sie fallen. 17Wenn sie sich weiter ausbreiten, werden sie versiegen und, wenn es heiß geworden, verschwinden von ihrer Stätte. 18Ihres Laufes Pfade sind verschlungen, sie verrinnen in das Leere und gehen zugrunde. 19Schauet hin auf die Pfade Themas, auf die Wanderungen Sabas und wartet ein wenig! 20Sie wurden zuschanden, weil ich gehofft; sie kamen auch bis zu mir und sind mit Scham bedeckt worden. 21Jetzt seid ihr gekommen, und da ihr nun meine Plage sehet, scheut ihr zurück. 22Habe ich etwa gesagt: Bringet mir her und beschenket mich von eurem Vermögen? 23Oder: Befreiet mich aus der Hand des Feindes und aus der Gewalt der Starken rettet mich? 24Belehret mich, so will ich schweigen; und ist etwas, worin ich gefehlt habe, so unterweiset mich! 25Warum verkümmert ihr die Worte der Wahrheit, da doch keiner unter euch ist, der mich überweisen kann? 26Ihr sinnet nur auf Worte, um Verweise zu geben, und redet Worte in den Wind. 27Ihr fallet über einen Verwaisten her und suchet euern Freund zu stürzen. 28Doch endet, was ihr begonnen; schenket mir Gehör und sehet, ob ich lüge! 29Antwortet, ich bitte, ohne Zank, redet und urteilet, was Recht ist; 30so werdet ihr auf meiner Zunge kein Unrecht finden, noch wird aus meinem Munde Torheit tönen.

Das Buch Ijob 7

1Ein Kampf ist des Menschen Leben auf Erden und den Tagen des Tagelöhners gleichen seine Tage! 2Wie der Knecht sich nach dem Schatten sehnt und wie ein Tagelöhner nach dem Ende seiner Arbeit verlangt, 3so habe auch ich ruhelose Monde gehabt und kummervolle Nächte mir abgezählt. 4Wenn ich mich niederlege, sage ich: Wann werde ich aufstehen? Und ich warte wieder auf den Abend und bin mit Schmerzen erfüllt, bis die Finsternis wiederkehrt. 5Mein Fleisch kleidet sich in Fäulnis und Moder des Staubes, meine Haut verdorrt und schrumpft. 6Meine Tage sind schneller dahingegangen, als der Weber den Faden bricht und sind hoffnungslos dahingeschwunden. 7Gedenke, dass mein Leben nur ein Hauch ist und mein Auge nie wieder das Glück schauen wird. 8Keines Menschen Auge wird mich mehr erblicken; blickst du nach mir, so bin ich nicht mehr. 9Wie die Wolke verschwindet und dahinfährt, so kehrt nicht wieder empor, wer in die Unterwelt hinabsteigt. 10Nie kehrt er wieder in sein Haus zurück noch kennt ihn ferner seine Stätte. 11Darum will auch ich meinem Munde nicht wehren, will reden in der Drangsal meines Geistes, will klagen in der Bitterkeit meiner Seele. 12Bin ich denn ein Meer oder ein Meerungeheuer, dass du mich ringsum wie in einen Kerker einschließest? 13Wenn ich denke: Mein Bett soll mir Trost gewähren, ich will mich erholen, mit mir auf meinem Lager redend, 14so schreckst du mich durch Träume und jagst mir Grauen ein durch Gesichte. 15Deshalb ist meiner Seele lieber, wenn ich erwürgt und meinen Gebeinen der Tod zuteil wird. 16Ich habe die Hoffnung aufgegeben, nicht will ich fernerhin mehr leben; schone meiner, denn meine Tage sind ein Nichts! 17Was ist der Mensch, dass du ihn so hoch achtest? oder warum hast du acht auf ihn? 18Du suchst ihn am frühen Morgen heim und prüfst ihn jeden Augenblick. 19Wie lange noch wirst du gegen mich schonungslos sein und lässest mich nicht einmal in Ruhe meinen Speichel verschlucken? 20Habe ich gesündigt, was kann ich dir antun, du Menschenhüter? Warum hast du mich dir zum Gegner gesetzt, so dass ich mir selbst zur Last geworden bin? 21Warum nimmst du nicht meine Sünde hinweg und warum tilgst du meine Missetat nicht? Siehe, nun werde ich im Staube schlafen, und wenn du mich am Morgen suchst, bin ich nicht mehr!

Das Buch Ijob 8

1Da antwortete der Suhiter Baldad und sprach: 2Wie lange wirst du solches reden und werden die Reden deines Mundes wie ein heftiger Wind sein? 3Beugt etwa Gott das Recht oder stößt der Allmächtige um, was Recht ist? 4Wenn auch deine Kinder sich gegen ihn versündigt haben und er sie der Gewalt ihrer Missetat überlassen hat, 5wenn du indes dich früh zu Gott aufmachst und zu dem Allmächtigen flehst, 6wenn du lauter und recht wandelst, so wird er alsbald über dich wachen und der Wohnung deiner Gerechtigkeit Frieden verleihen; 7so wird, wenn auch dein Anfang klein gewesen, dein Nachmaliges überaus groß werden. 8Denn befrage nur das frühere Geschlecht und forsche fleißig im Andenken der Väter. 9(Wir sind ja von gestern und wissen nichts, weil unsere Tage auf Erden wie ein Schatten sind.) 10Sie werden dich lehren und zu dir reden und Sinnsprüche aus ihrem Herzen bringen. 11Kann denn die Binse grünen ohne Feuchtigkeit oder das Riedgras wachsen ohne Wasser? 12Wenn es noch in Blüte steht und noch nicht von einer Hand gebrochen ist, verdorrt es vor allen Gräsern; 13so sind die Wege aller, die Gottes vergessen, und die Hoffnung des Heuchlers geht zugrunde. 14Nicht frommt ihm seine törichte Hoffnung und einem Spinnengewebe ist sein Vertrauen gleich. 15Er baut auf sein Haus und es hält nicht stand, er stützt es und es will nicht aufrecht bleiben. 16Er scheint saftig, ehe die Sonne kommt, und wenn sie aufgegangen ist, breiten sich seine Zweige aus; 17über den Felsen hin verflechten sich seine Wurzeln und zwischen steinigem Grunde weilt er. 18Aber reißt er ihn von seiner Stätte, so verleugnet diese ihn und spricht: Ich kenne dich nicht! 19Denn dies ist die Freude seines Weges, dass aus der Erde wieder andere sprossen. 20Gott verwirft nicht den Aufrichtigen und reicht den Bösen nicht die Hand, 21bis dein Mund mit Lachen erfüllt wird und deine Lippen mit Jubel. 22Die dich hassen, werden mit Schande bedeckt werden und der Gottlosen Zelt wird verschwinden.

Neues Testament

Apostelgeschichte 27

1Nachdem es nun beschlossen war, dass Paulus nach Italien absegeln, und mit anderen Gefangenen einem Hauptmanne von der kaiserlichen Cohorte, namens Julius. Übergeben werden sollte, 2bestiegen wir ein Schiff von Adrumet, lichteten die Anker, und schickten uns an, die Seeplätze Asiens anzulaufen. Mit uns war Aristarchus, ein Mazedonier, aus Thessalonich. 3Am folgenden Tage liefen wir in Sidon ein. Da nun Julius den Paulus menschenfreundlich behandelte, erlaubte er ihm, zu seinen Freunden zu gehen, und ihre Pflege zu genießen. 4Als wir von da wieder abfuhren, segelten wir unterhalb Cypern hin, weil uns die Winde nicht günstig waren. 5Und wir durchfuhren das Meer längs Cilicien und Pamphylien, und kamen nach Lystra in Lycien. 6Dort traf der Hauptmann ein Schiff von Alexandria, das nach Italien fuhr, und brachte uns auf dasselbe. 7Als wir nun viele Tage langsam gesegelt waren, und mit Mühe die Höhe von Gnidus erreicht hatten, schifften wir, weil uns der Wind entgegen war, an Kreta hin, nahe bei Salmone. 8Und indem wir mühsam der Küste entlang fuhren, kamen wir an einen Ort, welcher Guthafen heißt, in dessen Nähe die Stadt Thalassa war. 9Da aber geraume Zeit verflossen, und die Fahrt bereits gefährlich geworden war, denn es war auch schon die Fastenzeit vorüber, ermahnte sie Paulus, 10und sprach zu ihnen: Männer! ich sehe, dass die Fahrt anfängt, mit Ungemach und großem Schaden verbunden zu sein, nicht nur für die Ladung, sondern auch für unser Leben. 11Der Hauptmann aber glaubte dem Steuermann und dem Schiffsherrn mehr als dem, was Paulus sagte. 12Und weil auch der Hafen zum Überwintern nicht bequem war, rieten die meisten von da abzufahren, um, wo möglich, nach Phönice, einem Hafen von Kreta, der gegen Süd- und Nordwest liegt, zu kommen und dort zu überwintern. 13Da nun ein leichter Südwind wehte, glaubten sie ihr Vorhaben erreichen zu können, segelten von Asson ab, und fuhren an der Küste von Kreta hin. 14Nach kurzer Zeit aber warf sie ein Wirbelwind gegen die Insel herab, Nord-Oststurm genannt. 15Dieser riss das Schiff fort, und da es dem Winde nicht widerstehen konnte, überließen wir das Schiff den Winden, und wurden fortgetrieben. 16Wir liefen aber gegen eine kleine Insel, namens Kauda, und konnten kaum des Bootes habhaft werden. 17Nachdem sie dieses heraufgezogen hatten, wendeten sie Schutzmittel an, indem sie das Schiff unterbanden; und da sie fürchteten, in die Syrte zu geraten, zogen sie die Segel ein, und ließen sich treiben. 18Da wir nun vom Sturme gewaltig hin und her getrieben wurden, warfen sie am folgenden Tag einen Teil der Ladung über Bord, 19und am dritten Tage warfen sie mit eigenen Händen das Schiffsgerät hinaus. 20Da aber mehrere Tage hindurch weder die Sonne schien, noch Sterne zu sehen waren, und der Sturm mit nicht geringer Gewalt anhielt, war uns forthin alle Hoffnung zu unserer Rettung benommen. 21Und da sie lange nichts mehr gegessen hatten, trat Paulus mitten unter sie, und sprach: Ihr Männer! man hätte zwar auf mich hören, und nicht von Kreta abfahren, und sich dieses Ungemach und den Schaden ersparen sollen. 22Und nun ermahne ich euch, guten Mutes zu sein; denn keiner von euch wird verloren gehen, sondern nur das Schiff. 23In dieser Nacht nämlich trat zu mir ein Engel Gottes, dem ich angehöre, und dem ich diene, 24und sprach: Fürchte dich nicht, Paulus! Du musst vor dem Kaiser stehen; und siehe, Gott hat dir alle geschenkt, die mit dir im Schiffe sind. 25Darum also seid guten Mutes, Männer! denn ich habe auf Gott das Vertrauen, dass es so geschehen wird, wie mir gesagt worden ist. 26Wir müssen aber auf eine Insel gelangen. 27Als nun die vierzehnte Nacht kam, und wir im adriatischen Meere fuhren, vermuteten die Schiffer um Mitternacht, dass ihnen Land in Sicht komme. 28Sie warfen also das Senkblei, und fanden zwanzig Faden Tiefe, und ein wenig weiter davon fanden sie fünfzehn Faden. 29Da sie nun fürchteten, wir möchten auf Klippen stoßen, warfen sie vom Hinterteile des Schiffes vier Anker aus, und erwarteten mit Sehnsucht den Tag. 30Als aber die Schiffsleute von dem Schiffe zu fliehen suchten, und schon das Boot in´s Meer gelassen hatten, unter dem Vorwande, sie wollten auch vom Vorderteile Anker auswerfen, 31sprach Paulus zu dem Hauptmanne und den Soldaten: Wenn diese nicht im Schiffe bleiben, könnet ihr nicht gerettet werden. 32Da hieben die Soldaten die Taue des Bootes ab, und ließen es fahren. 33Als es nun anfing Tag zu werden, ermahnte Paulus alle, Speise zu nehmen, und sprach: Vierzehn Tage sind es heute, dass ihr wartet und nüchtern bleibet, ohne etwas zu euch zu nehmen. 34Darum bitte ich euch, Speise zu eurer Erhaltung zu nehmen; denn keinem von euch wird ein Haar vom Haupte verloren gehen. 35Da er dies gesagt hatte, nahm er Brot, dankte Gott vor aller Augen, brach es, und begann zu essen. 36Da wurden alle ermutigt, und nahmen gleichfalls Speise zu sich. 37Es waren aber unser im ganzen im Schiffe zweihundertsechsundsiebzig Seelen. 38Da sie sich nun mit Speise gesättigt hatten, erleichterten sie das Schiff, indem sie das Getreide in´s Meer warfen. 39Als es aber Tag geworden war, erkannten sie nicht, was für ein Land es sei, doch gewahrten sie einen Meerbusen, der einen Strand hatte; dahin gedachten sie, wenn möglich, das Schiff zu treiben. 40Sie lösten also die Anker ab, und überließen sich dem Meere, indem sie zugleich die Bande der Steuerruder lösten; und nachdem sie das Vordersegel nach dem Winde gerichtet hatten, steuerten sie dem Ufer zu. 41Und da wir auf einen Ort gerieten, wo zwei Meeresarme zusammenstießen, ließen wir das Schiff auflaufen, und das Vorderteil blieb, nachdem es sich festgesetzt, unbeweglich, das Hinterteil aber fing durch die Gewalt des Meeres an auseinanderzugehen. 42Da waren die Soldaten willens, die Gefangenen zu töten, damit keiner fortschwimme und entkäme. 43Der Hauptmann aber, welcher den Paulus retten wollte, ließ es nicht geschehen, sondern befahl, dass die, welche schwimmen könnten, sich zuerst ins Meer werfen sollten, um sich zu retten, und an´s Land zu kommen. 44Die übrigen brachten sie, einige auf Bretter, andere auf Schiffstrümmer; und so geschah es, dass sich alle an das Land retteten.