Bibel in einem Jahr · Tag 168 von 365

Ijob 20–22 · Röm 3

Aus der Allioli-Arndt-Bibel (Vulgata-Übersetzung, 1914).

Altes Testament

Das Buch Ijob 20

1Sophar, der Naamathiter, antwortete und sprach: 2Darum folgen einander in mir wechselnd die Gedanken und hierhin und dorthin wird mein Geist getragen. 3Ich will die Lehre hören, mit der du mich zurechtweisest, und der Geist meiner Einsicht wird mir Antwort eingeben. 4Das weiß ich von Anfang her, seitdem der Mensch auf die Erde gesetzt ward, 5dass der Ruhm der Gottlosen kurz ist und die Freude des Heuchlers wie ein Augenblick. 6Wenn auch sein Hochmut sich bis zum Himmel erhebt, und sein Haupt die Wolken berührt, 7so wird er zuletzt wie ein Misthaufen verkommen, und die ihn zuvor gesehen, werden sagen: Wo ist er? 8Wie ein Traum versiegt, wird er nicht gefunden werden, wird entschwinden wie ein Nachtgesicht. 9Das Auge, das ihn sah, wird ihn nicht mehr erblicken noch ihn weiter seine Stätte schauen. 10Seine Söhne werden von Armut aufgerieben und seine Hände werden ihm seinen Schmerz einbringen. 11Sein Gebein wird von den Lastern seiner Jugend erfüllt sein und sie werden mit ihm im Staube schlafen. 12Denn weil das Böse seinem Munde süß ist, verbirgt er es unter seiner Zunge. 13Er spart es und lässt es nicht fahren und verbirgt es in seiner Kehle. 14Seine Speise wandelt sich in seinem Innern in Natterngalle. 15Die Reichtümer, welche er verschlungen, muss er ausspeien und aus seinem Leibe treibt Gott sie heraus. 16Er saugt an Natternköpfen und der Otter Zunge tötet ihn. 17(Nicht schaue er Wasserbäche, Ströme von Honig und Butter.) 18Alles, was er getan, muss er büßen und gleichwohl wird er nicht vertilgt; soviel er ersonnen, soviel muss er leiden. 19Denn er zertrat und entblößte die Armen; riss Häuser an sich, die er nicht gebaut. 20Und sein Bauch ward nicht satt, und wenn er hat, wonach ihn gelüstete, vermag er es doch nicht zu behalten. 21Von seiner Speise blieb nichts übrig und darum hat nichts Dauer von seinen Gütern. 22Bei seinem Überflusse wird ihm eng und heiß und jeder Schmerz bricht über ihn herein. 23Möchte doch sein Bauch voll werden, dass er seinen grimmigen Zorn über ihn sende und seinen Krieg auf ihn regnen lasse. 24Flieht er vor den eisernen Waffen, so wird er in den ehernen Bogen rennen. 25Er ist herausgezogen und geht aus seiner Umhüllung hervor und blitzt in seiner Erbitterung, es schreiten heran und kommen über ihn die Schrecken. 26Alle Finsternis ist verborgen in seinen Heimlichkeiten; ein Feuer verzehrt ihn, das nicht angezündet wird; wer übrigbleibt in seinem Zelte, dem wird es übel ergehen. 27Die Himmel werden seine Missetat aufdecken und die Erde wird sich wider ihn erheben. 28Der Sprosse seines Hauses wird ungeschützt sein, wird niedergebeugt werden am Tage des Zornes Gottes. 29Das ist der Anteil eines gottlosen Menschen von Seiten Gottes und das von dem Herrn für seine Taten zugewiesene Erbe.

Das Buch Ijob 21

1Job antwortete und sprach: 2Höret doch meine Reden und tuet Buße! 3Ertraget mich, und ich will reden, und wenn es euch gut scheint, spottet nach meinen Worten. 4Ist denn mein Rechten wider einen Menschen gerichtet, dass ich nicht billig betrübt sein sollte? 5Merket auf mich und entsetzet euch und leget den Finger auf euern Mund! 6Auch ich, wenn ich daran denke, schaudere und Zittern erfasst mein Fleisch. 7Warum bleiben denn die Gottlosen am Leben und kommen empor und erstarken durch Reichtum? 8Ihre Nachkommen bleiben vor ihnen, der Verwandten und Enkel Schar vor ihren Augen. 9Ihre Häuser sind ungefährdet und in Frieden und die Rute Gottes kommt nicht über sie. 10Ihr Rind empfängt und verwirft nicht, die Kuh kalbt und verliert ihre Frucht nicht. 11Ihre Kleinen ziehen aus wie eine Herde und ihre Kinder hüpfen in frohem Spiele. 12Sie halten Pauken und Zithern und freuen sich beim Klange der Schalmeien. 13Sie bringen ihre Tage im Wohlleben zu und fahren zur Unterwelt in einem Augenblick. 14Und das sind jene, die zu Gott sprachen: Weiche von uns, und die Kenntnis deiner Wege wollen wir nicht! 15Wer ist der Allmächtige, dass wir ihm dienen sollen, und was nützt es uns, wenn wir zu ihm beten? 16Doch weil ihr Glück nicht in ihren Händen ist, so sei der Gottlosen Gesinnung fern von mir! 17Wie oft wird die Leuchte der Gottlosen erlöschen und wird über sie eine Wasserflut hereinbrechen! Und wie oft wird Gott die Schmerzen seines Grimmes ihnen zuteilen! 18Sie werden wie Spreu vor dem Winde sein und wie Asche, die der Sturmwind zerstreut. 19Gott spart des Vaters Schmerzen für seine Kinder auf; und wenn er ihm vergolten, wird er es inne werden. 20Seine Augen werden seinen Untergang schauen und er wird vom Grimme des Allmächtigen trinken. 21Denn was kümmert ihn sein Haus nach seinem Tode, und dass die Zahl seiner Monde abgekürzt ist? 22Wird etwa jemand Gott Weisheit lehren, ihn, der die Höchsten richtet? 23Dieser stirbt stark und gesund, reich und glücklich, 24seine Eingeweide sind voll des Fettes und seine Gebeine sind getränkt mit Mark. 25Ein anderer aber stirbt in der Bitterkeit der Seele, von allem Reichtum entblößt, 26Und doch werden sie gleicherweise im Staube ruhen und die Würmer werden beide bedecken. 27Wahrlich, ich kenne eure Gedanken und die ungerechten Urteile wider mich! 28Denn ihr sagt: Wo ist das Haus des Fürsten? und wo sind die Gezelte der Gottlosen? 29Fraget jeden Wanderer, so werdet ihr erfahren, dass er das nämliche einsieht, 30dass der Böse auf den Tag des Verderbens aufbehalten und dem Tage des Grimmes entgegengeführt wird. 31Wer wird ihm seinen Wandel ins Angesicht rügen? Und wer wird ihm vergelten, was er getan? 32Er wird zu Grabe geführt und wacht unter der Schar der Toten. 33Süß war er den Kieseln des Kocytus, er zieht alle Menschen nach sich und Unzählbare sind, die vor ihm waren. 34Wie mögt ihr mich also so eitel trösten, da sich eure Antwort als der Wahrheit widerstrebend erwiesen hat?

Das Buch Ijob 22

1Eliphaz, der Themaniter, antwortete und sprach: 2Kann etwa der Mensch mit Gott sich vergleichen, auch wenn er vollkommene Wissenschaft besitzt? 3Was nützt es Gott, wenn du gerecht bist? Oder was verschaffst du ihm, wenn dein Wandel unbefleckt ist? 4Wird er etwa aus Furcht mit dir rechten und ins Gericht mit dir kommen 5und nicht um deiner vielen Bosheit und um deiner grenzenlosen Missetaten willen? 6Denn du nahmst das Pfand deiner Brüder ohne Ursache weg und zogst den Halbnackten die Kleider aus, 7du gabst dem Müden nicht Wasser und verweigertest dem Hungrigen das Brot 8durch die Stärke deines Armes nahmst du das Land in Besitz und behieltest es als der Mächtigste, 9die Witwen ließest du leer fortgehen und zerbrachest die Stützen der Waisen. 10Darum bist du mit Schlingen umgeben und plötzlicher Schrecken überfällt dich, 11und du meintest, du würdest die Finsternis nicht sehen und von der Gewalt der überströmenden Fluten nicht überwältigt werden? 12Bedenkst du nicht, dass Gott höher ist als der Himmel und erhaben über den Gipfel der Sterne? 13Und du sprichst: Was weiß denn Gott? und wie durch Wolkendunkel hält er Gericht. 14Wolken sind seine Hülle und er achtet nicht, was uns angeht, und durchwandert den Umkreis des Himmels! 15Willst du den Pfad der Vorwelt schreiten, den die Männer des Frevels gewandelt sind? 16Sie wurden hinweggerafft vor ihrer Zeit, denn ein Strom unterwühlte ihren Grund. 17sie sprachen zu Gott: Weiche von uns! Und als ob der Allmächtige nichts tun könnte, achteten sie ihn, 18während er doch ihre Häuser mit Gütern gefüllt hatte; ja deren Gesinnung sei ferne von mir! 19Die Gerechten werden es sehen und sich freuen und der Unschuldige wird ihrer spotten. 20Ward nicht ihre Hoffart gefällt, fraß nicht das Feuer, was von ihnen übrig war? 21So füge dich ihm denn und ergib dich darin in Ruhe, und das wird dir die besten Früchte bringen! 22Nimm aus seinem Munde Belehrung an und nimm seine Aussprüche in dein Herz auf. 23Wenn du umkehrst zu dem Allmächtigen, wirst du aufgebaut werden und wirst das Unrecht von deinem Zelte fernhalten. 24Er wird statt Erde Kiesel geben und statt der Kiesel Gold wie in Bächen. 25Und der Allmächtige wird wider deine Feinde stehen und das Silber wird sich dir häufen. 26Alsdann wirst du am Allmächtigen deine Wonne finden und dein Angesicht zu Gott erheben. 27Du wirst zu ihm beten und er wird dich erhören und du wirst deine Gelübde erfüllen. 28Beschließest du eine Sache, so wird sie dir gelingen und Licht wird auf deinen Wegen leuchten. 29Denn wer sich demütigt, wird in Herrlichkeit sein; und wer die Augen niederschlägt, dem wird Rettung werden. 30Der Unschuldige wird gerettet werden, aber gerettet durch die Reinheit seiner Hände.

Neues Testament

Römerbrief 3

1Was also hat der Jude voraus? Oder welches ist der Nutzen der Beschneidung? 2Viel, in jeder Hinsicht! Erstens nämlich, dass ihnen die Aussprüche Gottes anvertraut wurden. 3Denn wie? Wenn einige von ihnen nicht geglaubt haben, wird etwa ihr Unglaube die Treue Gottes aufheben? Das sei ferne! 4Vielmehr ist Gott wahrhaftig, jeder Mensch dagegen ein Lügner, wie geschrieben steht: Auf dass du gerecht befunden werdest in deinen Worten und obsiegest, wenn mit dir gerechtet wird. 5Wenn aber unsere Ungerechtigkeit Gottes Gerechtigkeit in´s Licht stellt, was werden wir sagen? Ist etwa Gott ungerecht, wenn er Strafe verhängt? 6(Ich rede nach Menschenweise.) Das sei ferne! Denn wie wird sonst Gott diese Welt richten? 7Denn wenn die Wahrheit Gottes durch meine Lüge größer erscheint zu seiner Verherrlichung, was werde ich noch als Sünder gerichtet? 8Und sollten wir nicht (wie wir verleumdet werden, und wie einige behaupten, dass wir sagen) das Böse tun, damit das Gute eintrete? Die Verdammung solcher ist gerecht! 9Wie also? Haben wir einen Vorzug vor ihnen? Keineswegs! Denn wir haben erwiesen, dass sowohl Juden wie Griechen, alle unter der Sünde sind, 10wie geschrieben steht: Keiner ist gerecht, 11keiner ist, der Einsicht hat, keiner, der Gott sucht. 12Alle sind abgewichen, allzumal sind sie unnütz geworden, keiner ist, der Gutes tue, auch nicht einer. 13Ein offenes Grab ist ihre Kehle, mit ihren Zungen übten sie Tücke; Natterngift ist unter ihren Lippen; 14ihr Mund ist voll von Fluch und Bitterkeit; 15schnell sind ihre Füße zum Blutvergießen; 16Zerstörung und Elend ist auf ihren Wegen, 17und den Weg des Friedens kennen sie nicht. 18Die Furcht Gottes ist nicht vor ihren Augen. 19Wir wissen aber, dass das Gesetz alles, was es redet, zu denen sagt, die unter dem Gesetze stehen, damit jeder Mund verstumme und die ganze Welt Gott unterworfen sei, 20da ja aus den Werken des Gesetzes kein Mensch vor ihm gerechtfertigt werden wird; durch das Gesetz nämlich kommt Erkenntnis der Sünde. 21Jetzt aber ist ohne das Gesetz Gottes Gerechtigkeit offenbar geworden, von welcher das Gesetz und die Propheten Zeugnis geben, 22und zwar die Gerechtigkeit Gottes durch den Glauben an Jesus Christus bei allen und über alle, welche an ihn glauben; denn er ist kein Unterschied. 23Denn alle haben gesündigt und ermangeln der Herrlichkeit Gottes, 24indem sie gerechtfertigt werden ohne Verdienst durch seine Gnade, durch die Erlösung, welche in Christus Jesus ist, 25welchen Gott dargestellt hat als Sühne durch den Glauben in seinem Blute, zur Offenbarung seiner Gerechtigkeit wegen der Vergebung der vorher geschehenen Sünden. 26bei der Langmut Gottes, zur Offenbarung seiner Gerechtigkeit in der jetzigen Zeit; damit er gerecht sei und denjenigen rechtfertige, der aus dem Glauben an Jesus Christus ist. 27Wo ist nun dein Rühmen? Es ist ausgeschlossen. Durch welches Gesetz? Durch das Gesetz der Werke? Nein, sondern durch das Gesetz des Glaubens. 28Denn wir halten dafür, dass der Mensch durch den Glauben gerechtfertigt werde ohne die Werke des Gesetzes. 29Oder ist Gott nur der Juden Gott? Nicht auch der Heiden? Ja, auch der Heiden. 30Denn es ist nur ein Gott, der die Beschnittenen aus dem Glauben, und die Unbeschnittenen durch den Glauben rechtfertigt. 31So heben wir also das Gesetz durch den Glauben auf? Das sei ferne! Vielmehr bestätigen wir das Gesetz.