Aus der Allioli-Arndt-Bibel (Vulgata-Übersetzung, 1914).
Jesaja 61
1Der Geist des Herrn ist über mir, weil der Herr mich gesalbt hat; um Botschaft den Sanftmütigen zu bringen, sandte er mich, um zu heilen, die zerknirschten Herzens sind, um den Gefangenen Nachlass, den Eingeschlossenen Befreiung zu verkünden; 2anzukünden ein dem Herrn genehmes Jahr und den Tag der Rache für unsern Gott und zu trösten alle Trauernden; 3um zu geben den Trauernden Sions und ihnen darzureichen eine Krone statt der Asche, Freudenöl statt der Trauer, ein Festgewand statt der Trübsal des Geistes; und sie werden daselbst heißen Starke in der Gerechtigkeit, eine Pflanzung des Herrn zur Verherrlichung. 4Und sie werden das, was von alters her wüste gelegen, aufbauen und aufrichten, was vor Zeiten in Trümmer zerfallen; und die verlassenen Städte wiederherstellen, die von Geschlecht zu Geschlecht wüste gelegen. 5Fremde werden dastehen und eure Herden weiden und die Söhne der Fremden werden eure Ackerleute und Winzer sein. 6Ihr aber werdet Priester des Herrn heißen, und man wird euch Diener unseres Gottes nennen; den Reichtum der Heiden werdet ihr genießen und in ihrer Herrlichkeit prangen. 7Für eure zweifache Schande und Schmach preisen sie ihren Anteil. Daher sollen sie in ihrem Lande Doppeltes besitzen und ewige Freude soll ihr Teil werden. 8Denn ich, der Herr, liebe das recht, und hasse den Raub am Brandopfer und ich gründe ihr Werk in der Wahrheit und schließe einen ewigen Bund mit ihnen. 9Man wird unter den Völkern ihr Geschlecht erkennen und ihre Sprossen in der Mitte der Nationen; alle, die sie sehen, werden sie kennen, denn sie sind das Geschlecht, das der Herr gesegnet hat. 10Ich freue mich und bin fröhlich in dem Herrn und meine Seele frohlockt in meinem Gott, denn er hat mich mit den Gewändern des Heiles bekleidet und mich angetan mit dem Gewande der Gerechtigkeit, wie einen Bräutigam mit der Krone geziert, wie eine Braut mit Geschmeide geschmückt. 11Denn wie die Erde ihre Keime hervorbringt und der Garten seinen Samen aufgehen lässt, so wird Gott, der Herr, Gerechtigkeit und Lobpreisung vor allen Völkern hervorsprossen lassen.
Jesaja 62
1Um Sions willen will ich nicht schweigen und um Jerusalems willen nicht rasten, bis wie Sonnenglanz sein Gerechter aufgeht, und sein Heiland wie eine Fackel leuchtet. 2Dann werden die Völker deinen Gerechten sehen und alle Könige deinen Herrlichen und man wird dich mit einem neuen Namen nennen, welchen des Herrn Mund aussprechen wird. 3Und du wirst eine Ehrenkrone in der Hand des Herrn sein und ein Diadem des Königtums in der Hand deines Gottes. 4Und fernerhin wirst du nicht mehr Verlassene heißen und dein Land nicht mehr Verwüstetes, sondern man wird dich nennen: „Meine Wonne an ihr“ und dein Land: „Das bewohnte“, denn der Herr hat sein Wohlgefallen an dir und dein Land wird bewohnt sein. 5Denn wie der Jüngling mit der Jungfrau wohnt, so werden deine Kinder in dir wohnen; und wie sich der Bräutigam freut über die Braut, so wird sich dein Gott über dich freuen. 6Über deine Mauern, Jerusalem! habe ich Wächter bestellt; den ganzen Tag, die ganze Nacht, nimmer werden sie schweigen! Die ihr des Herrn gedenket, schweiget nicht 7und lasset ihm keine Ruhe, bis er Jerusalem festgründe und zum Lobpreise mache auf Erden! 8Der Herr hat geschworen bei seiner Rechten und bei dem Arme seiner Macht: Nicht will ich fernerhin deinen Weizen deinen Feinden zur Speise geben und nicht sollen Fremdlinge den Wein trinken, um den du gearbeitet hast. 9Denn die ihn einernten, sollen ihn auch essen und den Herrn loben; und die den Wein einlesen, sollen ihn auch in meinen heiligen Vorhöfen trinken. 10Ziehet fort, ziehet fort durch die Tore, bereitet dem Volke den Weg, machet den Pfad eben, entfernet die Steine und richtet ein Panier auf den Völkern zu! 11Sehet, der Herr lässt es kund werden an den Grenzen der Erde. Saget der Tochter Sion: Siehe, dein Heiland kommt; siehe, sein Lohn ist mit ihm und sein Werk vor ihm! 12Und man wird sie heiliges Volk, Erlöste des Herrn nennen; du aber wirst die gesuchte Stadt und die Nichtverlassene heißen.
Jesaja 63
1Wer ist dieser, der von Edom kommt, in geröteten Kleidern von Bosra? Dieser, prangend in seinem Gewande, einherschreitend in der Fülle seiner Kraft? Ich bin es, der ich Gerechtigkeit rede und Vorkämpfer bin zum Heile. 2Warum aber ist dein Gewand rot und sind deine Kleider wie die der Keltertreter? 3Die Kelter habe ich allein getreten und von den Völkern war niemand bei mir. Ich trat sie in meinem Grimm und zerstampfte sie in meinem Zorne und ihr Blut spritzte über meine Kleider und ich befleckte alle meine Gewänder. 4Denn ein Tag der Rache ist von mir beschlossen und das Jahr der Erlösung durch mich ist gekommen. 5Ich blickte umher und da war kein Helfer; ich suchte und da war niemand, der mir beistand; da brachte mein Arm mir Heil zuwege und meine Eifersglut, diese ward mir Stütze. 6Und ich zertrat die Völker in meinem Grimme und machte sie trunken in meiner Eifersglut und warf ihre Kraft zu Boden. 7Der Erbarmungen des Herrn will ich gedenken, den Herrn preisen wegen alles dessen, was der Herr uns gespendet, und wegen der Fülle der Güter für das Haus Israel, die er ihnen verliehen hat seiner Herablassung und der Menge seiner Erbarmungen gemäß. 8Und er sprach: Sie sind ja mein Volk, Kinder, die nicht treulos sein werden; und er ward ihr Heiland. 9Bei all ihren Bedrängnissen wurde er nicht müde und der Engel seines Antlitzes rettete sie, in seiner Liebe und seiner Erbarmung erlöste er sie und trug sie und erhöhte sie alle Tage der Vorzeit. 10Sie aber reizten den Geist seines Heiligen zum Zorne und betrübten ihn und er ward ihnen zum Feind und kämpfte selbst wider sie. 11Und man gedachte der tage der Vorzeit, des Moses und seines Volkes. Wo ist der, der sie herausführte aus dem Meere mit dem Hirten seiner Herde? Wo ist, der in ihrer Mitte seinen heiligen Geist gab? 12Der Moses bei der rechten mit dem Arme seiner Herrlichkeit herausführte, der die Gewässer vor ihnen zerteilte, um sich einen ewigen Namen zu machen? 13Der sie hindurchführte durch Abgründe wie ein Ross in der Wüste, das nicht strauchelt? 14Wie ein Tier, das im Felde einhergeht, leitete sie der Geist des Herrn. So hast du dein Volk geleitet, um dir einen herrlichen Namen zu machen. 15Blicke herab vom Himmel und schau hernieder von der Wohnung deiner Heiligkeit und deiner Herrlichkeit! Wo ist dein Eifer und deine Kraft? die Menge deiner Barmherzigkeit und deiner Erbarmungen? Sie haben sich gegen mich verschlossen. 16Du bist ja unser Vater und Abraham kannte uns nicht und Israel wusste nichts um uns, du, Herr! bist unser Vater, unser Erlöser ist von alters her dein Name. 17Warum, o Herr! hast du uns abirren lassen von deinen Wegen, hast unser Herz sich verhärten lassen, dass wir dich nicht fürchteten? Wende dich uns zu um deiner Knechte willen, der Stämme deines Erbes! 18Wie ein Nichts nahmen sie dein heiliges Volk in Besitz, unsere Feinde zertraten dein Heiligtum. 19Wir sind geworden wie im Anfange, da du nicht unser Herr warst noch dein Name über uns angerufen ward.
Jesaja 64
1O dass du die Himmel zerrissest und herabstiegest! Vor deinem Antlitze würden die Berge zergehen, 2wie vom Feuer verzehrt schwänden sie dahin, wie Wasser wallten auf in der Glut, damit dein Name deinen Feinden kund würde, vor deinem Antlitze erbebten die Völker! 3Wenn du Wunderbares wirkst, ertragen wir es nicht; du bist herabgestiegen und vor deinem Antlitze zerflossen die Berge! 4Von alters her hörte man nicht und vernahm nicht mit den Ohren; das Auge sah es nicht, o Gott! Außer dir, was du denen bereitest, die auf dich harren. 5Du kamst dem, der freudig Gerechtigkeit übt, entgegen, auf deinen Wegen gedenken sie deiner. Siehe, du zürntest, weil wir gesündigt haben, und darin verharren wir seit langem; werden wir wohl gerettet werden? 6Wie alle sind gleich dem Unreinen geworden und wie das Blut eines Blutflüssigen ist all unsere Gerechtigkeit; wir fielen dem Laube gleich allesamt und unsere Vergehungen rafften uns dahin wie ein Sturm. 7Niemand ist, der deinen Namen anriefe, der aufstünde und an dir festhielte; du hast dein Angesicht vor uns verborgen und uns zermalmt durch die Wucht unseres Frevels. 8Und nun, Herr! bist du unser Vater, wir aber sind Ton; du bist unser Bildner und Werke deiner Hände sind wir alle. 9Zürne, o Herr! nicht so sehr und gedenke nicht ferner mehr unserer Missetat; siehe, blicke her, dein Volk sind wir alle. 10Die Stadt deines Heiligtums ist verödet, Sion ist verödet, Jerusalem verwüstet. 11Das Haus unserer Heiligung und unserer Verherrlichung, in dem dir unsere Väter lobsangen, ist mit Feuer verbrannt und alles, was unsere Lust war, liegt in Trümmern. 12Wirst du bei solchem dich zurückhalten, Herr! wirst du ruhig bleiben und uns gewaltig niederdrücken?