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Die Bibel in einem Jahr · Tag 231 von 365

Jesaja 57–60

Aus der Allioli-Arndt-Bibel (Vulgata-Übersetzung, 1914).

Jesaja 57

1Der Gerechte kommt um und niemand ist, der es im Herzen bedächte, und Männer der Barmherzigkeit werden dahingerafft, weil niemand Einsicht hat; denn angesichts des Verderbens wird der Gerechte dahingerafft. 2Es komme Friede, es ruhe auf seinem Lager, wer in Rechtschaffenheit gewandelt! 3Ihr aber tretet hierher, ihr Söhne der Zauberin, Same des Ehebrechers und der Buhlerin! 4Über wen spottet ihr? Gegen wen sperrt ihr den Mund auf und streckt die Zunge heraus? Seid ihr nicht Frevelskinder, eine Lügenbrut? 5Die ihr euch ergötzt an den Götzen unter jedem laubigen Baume und Kinder schlachtet in den Talgründen unter hochragenden Felsen! 6An des Tales Anteilen ist dein Teil, das ist dein Erbe; ihnen gießest du Trankopfer aus, bringst du Opfer dar! Soll ich mich darüber nicht ereifern? 7Auf hohen und weithin ragenden Bergen schlugst du dein Lager auf, dorthin stiegst du hinauf, um Schlachtopfer darzubringen. 8Und hinter der Tür und hinter der Schwelle stelltest du dein Denkzeichen auf; denn neben mir entblößest du dich und nahmst den Ehebrecher auf, breit machtest du dein Lager und gingst einen Bund mit ihnen ein, du liebtest ihr Beilager mit offener Hand. 9Und du schmücktest dich mit Salbe, dem Könige zu Gefallen und mehrtest deine Schminkereien, weithin sandtest du deine Boten und erniedrigtest dich bis zur Unterwelt. 10Du hast dich abgemüdet auf deinen vielen Wegen und doch nicht gesprochen: Ich will aufhören. Belebung für deine Kraft fandest du, deshalb wendetest du dich nicht an mich. 11Von wem bist du in banger Furcht gewesen, weil du lügnerisch wurdest und meiner nicht gedachtest und es nicht zu Herzen nahmst? Weil ich schwieg und tat, als sähe ich es nicht, hast du meiner vergessen. 12Ich werde deine Gerechtigkeit kundmachen und deine Werke werden dir nichts! 13Wenn du schreist, mögen dich deine Scharen retten! Alle diese wird der Wind dahinraffen, ein Hauch hinwegnehmen. Wer aber auf mich vertraut, wird das Land erben und meinen heiligen Berg in Besitz nehmen. 14Dann werde ich sagen: Bereitet den Weg, bahnet die Straße, fort aus dem Wege, räumet die Hindernisse hinweg aus dem Wege meines Volkes! 15Denn so spricht der Hohe und Erhabene, der die Ewigkeit bewohnt, dessen Name heilig ist, der in der Höhe wohnt und im Heiligtume und bei den Zerknirschten und im Geiste Niedergebeugten, um den Geist der Niedergebeugten zu beleben, um das Herz der Zerknirschten zu beleben. 16Denn nicht auf ewig hadere ich und nicht auf immerdar zürne ich, weil der Lebensgeist von meinem Angesicht ausgeht und ich den Lebensatem schaffe. 17Wegen des Frevels seiner Habgier zürnte ich und schlug es, verbarg mein Antlitz vor dir und zürnte und es ging in der Irre auf dem Wege seines eigenen Herzens. 18Ich habe seine Wege gesehen und heile es und führe es zurück und spende ihm und den trauernden Seinigen Tröstungen. 19Ich schaffe der Lippen Frucht, Frieden dem Fernen und dem Nahen, spricht der Herr, und heile ihn. 20Aber die Gottlosen sind gleich dem tobenden Meere, das nicht ruhen kann, dessen Fluten als Zerstörung und Schlamm sich ergießen. 21Es gibt keinen Frieden für die Gottlosen, spricht der Herr, Gott.

Jesaja 58

1Rufe, lasse nicht ab, wie eine Posaune erhebe deine Stimme und verkündige meinem Volke ihre Frevel und dem Hause Jakobs ihre Sünden! 2Denn Tag für Tag fragen sie mich und wollen meine Wege wissen, wie ein Volk, das Gerechtigkeit geübt und das Recht seines Gottes nicht verlassen hat; sie fordern von mir Gerichte der Gerechtigkeit, sie wollen Gott nahen. 3Warum haben wir gefastet, und du hast nicht darauf gesehen, warum haben wir unsere Seelen gebeugt und du hast uns verschmäht? Sehet, am Tage eures Fastens findet sich euer eigener Wille, und alle eure Schuldner drängt ihr. 4Sehet, bei Streitigkeiten und Zänkereien fastet ihr und schlagt zu mit gottloser Faust! Fastet nicht wie bisher, damit euer Rufen in der Höhe gehört werde! 5Ist dies ein solches Fasten, wie ich es erwählt habe, wenn der Mensch sich zeitweise kasteit, etwa dass er wie im Wirbel seinen Kopf niedersenkt und sich in Sack und Asche hinstreckt? Wirst du das etwa Fasten nennen und einen Tag des Herrn wohlgefällig? 6Ist nicht vielmehr dies das Fasten, das ich erwählt habe: Löse die Knäuel der Bosheit auf, löse die Fesseln der Bedrückung, gib die Unterdrückten frei, brich jedes Joch! 7Brich dem Hungrigen dein Brot, führe Arme und Herberglose in dein Haus; wenn du einen Nackten siehst, bekleide ihn und verachte dein Fleisch nicht! 8Dann wird gleich dem Morgen dein Licht hervorbrechen und dein Genesen gar eilends aufblühen, deine Gerechtigkeit wird vor dir hergehen und die Herrlichkeit des Herrn wird dich sammeln. 9Dann wirst du rufen und der Herr wird erhören, du wirst flehen und er wir antworten: Siehe, hier bin ich! Wenn du aus deiner Mitte die Fesseln entfernst und aufhörst den Finger auszustrecken und zu reden, was nichts nützt. 10Wenn du dem Hungernden dein Mitleid erschließest und die Seele des Bekümmerten sättigst, wird in der Finsternis dein Licht erglänzen und dein Dunkel zum hellen Mittage werden. 11Und der Herr wird dir Ruhe geben immerdar und mit Lichtglanz deine Seele erfüllen und deine Gebeine kräftigen und du wirst sein wie ein bewässerter Garten, wie eine Wasserquelle, deren Wasser nicht versiegt. 12Und aufgebaut wird in dir werden, was von alters her wüste gelegen, und die Grundfesten für Geschlecht und Geschlecht wirst du legen; du wirst ein Erbauer der Umgehungen genannt werden, ein Wegebahner zum Frieden. 13Wenn du vom Sabbate deinen Fuß zurückhältst, dass du an meinem heiligen Tage nicht tust, was dir gefällt, und wenn du den Sabbat Wonne nennst und ihn, der dem Herrn geheiligt ist, glorreich und ihn in Ehren hältst, indem du nicht deine Wege vollbringst und deinem Eigenwillen nicht frönst, dass du eitles Geschwätz führst, 14dann wirst du Freude haben am Herrn und ich will dich über die Höhen der Erde erheben und dich nähren mit dem Erbe Jakobs, deines Vaters. Denn der Mund des Herrn hat gesprochen.

Jesaja 59

1Sehet, die Hand des Herrn ist nicht verkürzt, dass er nicht zu retten vermöchte, und nicht taub sein Ohr, dass er nicht hörte; 2aber eure Missetaten sind zur Scheidewand geworden zwischen euch und eurem Gott und eure Sünden haben sein Antlitz vor euch verhüllt, dass er nicht erhört. 3Denn eure Hände sind mit Blut befleckt und eure Finger mit Missetat, eure Lippen reden Lügen und eure Zunge spricht Frevel aus. 4Da ist keiner, der für Gerechtigkeit spräche, keiner, der nach Wahrheit urteilte; sondern sie vertrauen auf Nichtigkeit und reden Täuschungen, sie gehen schwanger mit Unheil und bringen Missetat zur Welt. 5Schlangeneier brüten sie aus und Spinnengewebe weben sie. Wer von ihren Eiern isst, wird sterben; und was ausgebrütet wird, bricht als Basilisk hervor. 6Ihr Gewebe taugt nicht zur Kleidung noch kann man sich mit dem, was sie gewoben bedecken; ihre Arbeiten sind unnütz und die Arbeit des Frevels ist in ihren Händen. 7Ihre Füße laufen zum Bösen und eilen, unschuldiges Blut zu vergießen; ihre Gedanken sind heillose Gedanken, Verwüstung und Zerstörung ist auf ihren Wegen. 8Den Weg des Friedens kennen sie nicht, es ist kein Recht auf ihren Schritten, ihre Pfade sind krumm; jeder, der sie betritt, ist fern vom Frieden. 9Deswegen ist von uns das recht fern und die Gerechtigkeit erreicht uns nicht, wir haben auf Licht geharrt und siehe da Finsternis, auf Glanz und wir wandeln im Dunkeln. 10Wir tappen wie Blinde an der Wand und wie solche, die keine Augen haben, tasten wir umher; wir straucheln am Mittage wie in der Finsternis und sind an düsteren Orten wie Tote. 11Wie brüllen wie Bären alle und stöhnen hinbrütend gleich Tauben, wir warten auf Recht und es erscheint nicht, auf Heil und es bleibt fern von uns. 12Denn vielfach sind unsere Missetaten vor dir und unsere Sünden zeugen wider uns, denn unsere Frevel sind vor uns und unsere Missetaten kennen wir. 13Oft sündigten wir und logen wider den Herrn und wandten uns ab, um nicht unserem Gott zu folgen, sondern Unterdrückung und Übertretung zu reden; wir hegten im Herzen Worte der Lüge und redeten sie. 14Und das Recht wurde zurückgedrängt und die Gerechtigkeit stand fern, denn zusammengestürzt ist auf der Straße die Wahrheit und die Billigkeit konnte nicht einherschreiten. 15Und die Wahrheit geriet in Vergessenheit und wer das Böse mied, stand dem Raube offen. Und der Herr sah es und es war missfällig in seinen Augen, dass kein recht sei. 16Und er sah, dass niemand da sei, und war unwillig, dass niemand entgegenträte; und sein Arm leistete ihm Hilfe und seine Gerechtigkeit selbst half ihm. 17Er ist mit Gerechtigkeit bekleidet wie mit einem Panzer und der Helm des Heiles ist auf seinem Haupte, er ist angetan mit den Gewändern der Rache und eingehüllt in Eifer wie in einen Mantel, 18wie zur Rache, wie zur Zornesvergeltung an seinen Feinden und zur Rückerstattung an seine Widersacher; den Inseln wird er vergelten. 19Dann werden die vom Niedergange den Namen des Herrn fürchten und die vom Aufgange der Sonne seine Herrlichkeit, wenn er kommt wie ein reißender Strom, den der Hauch des Herrn daherjagt. 20Und er kommt für Sion als Erlöser und für die, welche umkehren von ihrer Bosheit in Jakob, spricht der Herr. 21Dies ist mein Bund mit ihnen, spricht der Herr: Mein Geist, der in dir ist, und meine Worte, die ich in deinen Mund gelegt habe, werden nicht weichen aus deinem Munde und aus dem Munde deiner Nachkommen und aus dem Munde der Nachkommen, spricht der Herr, von nun an bis in Ewigkeit.

Jesaja 60

1Stehe auf, werde licht, Jerusalem, denn es kommt dein Licht und die Herrlichkeit des Herrn geht über dir auf. 2Denn siehe, Finsternis bedeckt die Erde und Dunkel die Völker, über dir aber geht der Herr auf und seine Herrlichkeit erscheint in dir. 3Und es wandeln Völker in deinem Lichte und Könige im Glanze, der dir aufgegangen. 4Erhebe ringsum deine Augen und siehe: alle diese scharen sich zusammen, sie kommen zu dir, deine Söhne kommen von fern und deine Töchter erstehen von den Enden der Erde. 5Du wirst dann sehen und überfließen, dein Herz wird staunen und sich erweitern, wenn die Fülle des Meeres sich zu dir hinwendet und die Stärke der Nationen zu dir kommt. 6Eine Flut von Kamelen wird dich bedecken, Dromedare von Madian und Epha; allzusammen kommen sie aus Saba, Gold und Weihrauch bringend und das Lob der Herrn verkündend. 7Alle Herden Kedars sammeln sich zu dir, die Widder von Nabajoth dienen dir; sie werden dargebracht auf meinem Sühnaltare und ich werde das Haus meiner Herrlichkeit verherrlichen. 8Wer sind diese, welche wie Wolken herbeifliegen und wie Tauben zu ihren Taubenschlägen? 9Denn auf mich harren die Inseln, und die Meeresschiffe sind in erster Reihe, damit ich deine Söhne von der ferne herbeiführe; ihr Gold und ihr Silber mit ihnen für den Namen des Herrn, deines Gottes, und den Heiligen Israels, weil er dich verherrlicht hat. 10Und die Söhne der Fremden werden deine Mauern erbauen und ihre Könige dir dienen; denn da ich zürnte, habe ich dich geschlagen, und da ich versöhnt ward, mich deiner erbarmt. 11Und deine Tore werden immerdar offen stehen, Tag und Nacht werden sie nicht geschlossen werden, dass man die Stärke der Nationen zu dir bringe und ihre Könige dir zuführe. 12Denn das Volk und Das Reich, das dir nicht dient, wird zugrunde gehen und die Nationen werden in Verödung umkommen. 13Die Herrlichkeit des Libanon wird zu dir kommen, Tannen und Buxbäume und Fichten zumal, um den Ort meines Heiligtums zu zieren, und die Stätte meiner Füße will ich verherrlichen. 14Und die Söhne deiner Bedränger werden gebeugt zu dir kommen und die Spuren deiner Füße alle küssen, die dich verhöhnten, und werden dich die Stadt des Herrn, Sion des Heiligen Israels nennen. 15Dafür dass du verlassen warst und verhasst und niemand bei dir weilte, will ich dich zum Stolze der Jahrhunderte machen, zur Freude von Geschlecht zu Geschlecht. 16Du wirst die Milch der Völker saugen und an den Brüsten der Könige genährt werden und du wirst erfahren, dass ich der Herr, dein Heiland, bin und dein Erlöser, der Starke Jakobs. 17Statt des Erzes bringe ich Gold und statt des Eisens Silber, statt des Holzes Erz und statt der Steine Eisen und mache Frieden zu deiner Wache und Gerechtigkeit zu deinen Vorstehern. 18Nicht hört man ferner in deinem Lande von Frevel, von Verwüstung und Zertretung in deinen Grenzen, sondern Heil wohnt auf deinen Mauern und Jubel an deinen Toren. 19Nicht wird dir fernerhin die Sonne zum Lichte bei Tag sein noch der Glanz des Mondes dir scheinen, sondern der Herr wird dein ewiges Licht sein und dein Gott deine Herrlichkeit. 20Nicht wird ferner deine Sonne untergehen noch dein Mond abnehmen, denn der Herr wird dein ewiges Licht sein und die Tage deiner Trauer haben ein Ende. 21Dein Volk aber, sie alle sind Gerechte, auf ewig erben sie das Land, als ein Spross meiner Pflanzung, das Werk meiner Hand, zur Verherrlichung. 22Der Kleinste wird zu tausend und der Geringste zum mächtigsten Volke werden; ich, der Herr, vollbringe dies zu seiner Zeit schnell.

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