9. November 2026 · Weihetag der Lateransbasilika
Auf den Punkt.
Kurzauslegung zur Tageslesung und zum Tagesevangelium mit Diakon Peter Scheuchel aus der Wallfahrtskirche Mariabrunn.
Erste Lesung – Ez 47,1-2.8-9.12
In der heutigen Erzählung von Ezechiel tritt der himmlische Führer zum letzten Mal auf, um dem Propheten etwas zu zeigen: den neuen Tempel Jerusalems als den Sitz Gottes. Dieser Tempel ist das Zentrum der Stadt, des Volkes, der ganzen Welt. Beherrschendes Element des Bildes vom Tempel ist das Wasser als Symbol des Lebens. Ohne dieses Wasser gibt es kein Leben! Spender dieses Wasser, d.h. Spender allen Lebens, ist Gott. Und das Besondere daran ist: dieses Wasser ist gratis. Es fließt vom Tempel weg, es wird nicht im Heiligtum gesammelt, es verströmt sich. Überall auf seinem Weg ermöglicht dieses Wasser Leben in ungeahnter Fülle und macht gesund, was krank war. Schon die Kirchenväter haben das Wasser aus der Tempelschwelle auf das Wasser der Herzenswunde Jesu gedeutet. Dieses Wasser müssen wir in unser Leben fließen lassen, um gereinigt und geheilt zu werden. So wie uns irdisches Wasser körperlich reinigt, säubert das Wasser Jesu unsere Seelen und ermöglicht so ein „unverschmutztes“ Zusammenleben. Bei vielen Andachtsstätten, Kapellen oder Kirchen finden wir Quellen, aus welchen für viele Gläubige heilendes Wasser sprudelt. In ihm sind sicherlich keine magischen Kräfte verborgen, aber wir erkennen in ihm, dass alles Leben vom Herrn kommt. Beachten wir dieses Wasser oder setzen wir lediglich auf unsere eigene Kraft?
Evangelium – Joh 2,13-22
Heute hören wir die Episode, in der Jesus die vielen Verkäufer aus dem Tempel treibt. Er tat dies, indem er eine Geißel aus Stricken machte, die Tische umstieß und rief: „Macht das Haus meines Vaters nicht zu einer Markthalle!“ (Joh 2,16). Haben die Händler im Tempel erwartet, Jesus würde ihr Verhalten gutheißen? Und durften sie sich, indem sie das Haus des Vaters verunehrten, Jesu Gunst erwarten? Das führt uns zur Frage: Was dürfen wir uns erwarten, angesichts unseres schuldhaften Verhaltens als Sünder – sind wir doch alle Sünder. Viele sagen: Der Tod, und denken dabei nicht an das verheißene ewige Leben. Angesichts dieser wunderbaren Perspektive lohnt es sich aber schon jetzt auf dieser Welt, für die nächste, die besser Welt, zu leben. Bleiben wir nicht in diesem vergänglichen Irdischen verhaftet. Blicken wir über den Tellerrand hinaus in Richtung des wahren Lebens in der Ewigkeit. Das Leben auf dieser Welt ist nur kurz, mit Leid verbunden, eine Prüfung unseres Glaubens und eine Vorbereitungszeit auf das, was danach kommen wird. Nutze daher die kurze Zeit auf dieser Welt, um dich auf das Bessere vorzubereiten. Lass diese Zeit nicht unnütz verstreichen, denn was du auf dieser Welt an Gutem verabsäumst, wirst du in der Ewigkeit nicht mehr nachholen können. Lass nicht nach in deinem Eifer für die Ausbreitung der Wahrheit, auch dann nicht, wenn du zu scheitern drohst, wenn niemand auf deine Stimme hören möchte und sich alles und alle gegen dich verschworen haben. Lass nicht nach im Guten, auch wenn du in deinem Inneren Stimmen hörst, die dich zum Eigennutz verleiten wollen. Bleib auf dem Weg Gottes, selbst dann, wenn er für dich sehr beschwerlich wird.