8. November 2026 · Sonntag
Auf den Punkt.
Kurzauslegung zur Tageslesung und zum Tagesevangelium mit Diakon Peter Scheuchel aus der Wallfahrtskirche Mariabrunn.
Erste Lesung – Weish 6,12-16
Das Buch der Weisheit ist das jüngste Buch des Alten Testamentes, es entstand in der Zeit zwischen 80 und 30 v.Chr. In einer Mahnrede ruft uns die heutige Schriftstelle dazu auf, die Weisheit zu suchen und die Gerechtigkeit zu lieben. Beide Aufforderungen gehören zusammen. Nun, als Christen sind wir „verpflichtet“, nach ihnen zu streben. Und die Weisheit lässt sich finden, wenn wir es wollen und sie kommt denen entgegen, die an sie denken. Worin besteht die Weisheit? Sie ist kein Mittelwesen zwischen Gott und Schöpfung, sondern sie stellt eine „Personifikation“ für das Wirken Gottes selbst dar. Sie hat die Aufgabe, Einheit zwischen Himmel und Erde zu stiften und zu erhalten. Jeder kann sie kennenlernen und sich mit ihr austauschen. Und selbst das Suchen nach Weisheit ist bereits Weisheit. Ihr Ursprung liegt bei Gott, das heißt, wenn wir Weisheit suchen, suchen wir Gott. Dem liebenden Herzen wird sie sich öffnen und dann können alle Tage des Lebens, die guten wie auch die schlechten, einfach und wunderbar leicht werden. Mit ihr kostet man etwas von der Schönheit, der Liebe und der Freiheit Gottes. Würden doch alle Menschen nach der Weisheit Gottes suchen, wie schön, friedlich und erfüllend könnte dann das Zusammenleben der Menschen hier auf Erden werden.
Evangelium – Mt 25,1-13
Jesus erzählt uns im heutigen Evangelium das Gleichnis von den klugen und den törichten Jungfrauen. Die Klugen waren ausreichend vorbereitet auf das Kommen des Herrn, hatten genügend Öl in ihren Lampen und konnten so in dunkler Nacht ihrem Herrn entgegeneilen. Die Törichten hatten hingegen zu wenig Öl, mussten beim Nahen des Herrn erst welches besorgen und kamen dann zu spät zur Hochzeitsgesellschaft. Aus diesem Gleichnis lässt sich für uns die Frage ableiten: Was soll das Öl sein, das wir in unserem Leben bereithalten sollen? Das Öl ist die Liebe. Töricht ist daher jeder, der nicht in der Liebe lebt, wer sein Leben nur in den Augenblick hineinlebt und es dort versickern und versinken lässt. Töricht ist, wer über den Augenblick hinaus, nicht vorsorgt, er wird eines Tages vielleicht allein im Leben stehen und an sich selbst zugrunde gehen. Törichte mögen in vielen Augenblicken des Lebens gefeiert werden, doch auf lange Sicht stetig an ihrem eigenen Untergang arbeiten. Wer hingegen die Liebe lebt und stets darauf achtet, dass er sie nicht verliert, bringt das wahre Leben in die Welt. Die Liebe ist die Triebkraft, die unsere Hoffnung voranbringt. Daher soll sich jeder von uns fragen: „Liebe ich? Habe ich gelernt zu lieben? Lerne ich jeden Tag, mehr zu lieben?“ Wer in der Liebe lebt, hilfsbereit ist und dient, lebt so, wie Gott es will und er rettet sich selbst und die anderen.