10. November 2026 · Heiliger Leo der Große
Auf den Punkt.
Kurzauslegung zur Tageslesung und zum Tagesevangelium mit Diakon Peter Scheuchel aus der Wallfahrtskirche Mariabrunn.
Erste Lesung – Sir 39,6-10
Es gibt viele Wege, auf denen Weisheit gesucht und gefunden wird; und es gibt Wege, auf denen man sie ganz sicher nicht findet. Die Weisheit Gottes und der Menschen erkennt man jedoch nur durch beharrliches und ehrfürchtiges Studium und dadurch, dass man sich Gott bzw. der Gottesfurcht ganz hingibt. Der schriftgelehrte Weise lebt z.B. ganz aus seiner Gottesbeziehung, die sich besonders im Gebet konkretisiert. Aus ihr fließt alles andere, auch der ihm von Gott gegebene Geist der Einsicht, der ihn befähigt, nicht nur das Tradierte zu deuten, sondern auch Neues, Eigenständiges hervorzubringen. Natürlich nimmt auch das Gebetsleben bei einem „Weisen“ einen anderen Raum ein und hat einen anderen Stellenwert als bei Menschen, die in ihr alltägliches Berufs- und Erwerbsleben eingespannt sind – der Betende sucht stets die Geheimnisse des Herrn zu verstehen. Wenn jemand Weisheit erlangt hat, rühme er sich nicht dessen, denn die wahre Weisheit besteht nicht darin, große Begabungen zu haben oder mit Macht ausgestattet zu sein. Nicht wer sich stark zeigt, ist weise, und nicht wer Böses mit Bösem vergilt, ist stark und weise. Wer Weisheit im Herzen trägt, nennt die vom Glauben beseelte Liebe sein Eigen. Weisheit bedeutet daher, Zeugnis von der Liebe Jesu abzulegen, jeden Tag. Das Zeugnis ist der Weg, um die Weisheit – die Weisheit Gottes und somit auch die Weisheit Jesu – konkret zu leben. Nur so wird die Welt verändert, nicht durch Egoismus, Eigennutz und dem Streben nach Macht und weltlichem Gewinn.
Evangelium – Mt 16,13-19
Seid ihr schon einmal nahe der Grabstätte des großen Heiligen Petrus gestanden, in der Nekropole unter dem Petersdom? Dort kann einen dieses Unglaubliche, Unfassbare, dass dieser Mensch den Herrn mit eigenen Augen gesehen und mit eigenen Ohren gehört hat, mit ihm gegangen und dann sein Werk fortgesetzt hat, tiefgehend ergreifen. Vergessen wir dabei jedoch nicht, dass dieser Petrus auch nur ein Mensch war. Ein besonderer zwar, dessen Name niemals mehr aus den Geschichtsbüchern gestrichen wird, der aber auch seine Fehler hatte. Dreimal verleugnete er den Herrn. Er war nicht perfekt und so spendet er uns bis heute Trost, wenn wir meinen, perfekt sein zu müssen, dies aber nicht und nie zustande bringen. Im heutigen Evangelium zeigt Petrus mit seiner Antwort auf die o.a. Frage, dass er Jesus verstanden hat. Verstehen wir Jesu wahre Identität und seine Bedeutung für uns? In ihm redet der Himmel zur Erde, er ist der Mittler zwischen uns Menschen und dem Gott der Offenbarung. Nur durch den Mittler führt der Weg vom Menschen zu Gott und von Gott zu uns Menschen. Jesu Bedeutung zeigt sich für uns auch in seiner göttlichen Selbstlosigkeit; er lebt nicht für sich, sondern: Für dich, für uns! Darin ist auch unser Auftrag auf der zwischenmenschlichen Ebene begründet. Jeder der meint Jesus zu verstehen, muss sich daher aus seinem innersten Wesen heraus zu seinem Wort und Tun bekennen und sein Leben dementsprechend ändern.