5. November 2026 · Donnerstag
Auf den Punkt.
Kurzauslegung zur Tageslesung und zum Tagesevangelium mit Diakon Peter Scheuchel aus der Wallfahrtskirche Mariabrunn.
Erste Lesung – Phil 3,3-8a
Schroff und überraschend beginnt Paulus die Auseinandersetzung mit christlichen Missionaren, die durch falsche Lehre der Gemeinde gefährlich zu werden drohen. Im Vers 2, der nicht Gegenstand der heutigen Lesung ist, nennt er sie sogar „Hunde“, ein Schimpfwort, das von Juden für Nichtjuden verwendet wurde. Vermutlich handelt es sich bei den Angesprochenen um ehemals nichtjüdische Christusanhänger, die sich nachträglich beschneiden ließen – gegen die paulinische Überzeugung und gegen die Entscheidung der Jerusalemer Versammlung – und sich nun rühmen, Juden zu sein. Im Gegensatz dazu kann sich Paulus rühmen, Jude zu sein: Seine Familie ist aus einem Stamm der Söhne Israels hervorgegangen, er wurde am achten Tag beschnitten, spricht aramäisch sowie hebräisch und ordnet sich den Pharisäern zu. Er hat nach dem Gesetz gelebt und sogar Christen verfolgt. Doch all dessen will er sich nun nicht mehr rühmen. Was früher für ihn Gewinn war, ist durch die Offenbarung Jesu Christi zum Verlust geworden. Denn nicht die Erfüllung des Gesetzes führt in die Gemeinschaft mit Gott, sondern die Gerechtigkeit, die von Gott kommt und die er dem schenkt, der ihm im Glauben an Christus die leeren Hände öffnet. Wer Christus nachfolgt, erfüllt die Gesetze, weil sie in sein Herz geschrieben sind und durch das Band der Liebe zusammengehalten und im Leben konkretisiert werden, ohne sinnlose Einhaltung von Gesetzen um der Gesetze willen.
Evangelium – Lk 15,1-10
Alle Zöllner und Sünder kamen zu Jesus, um ihn zu hören. Die Pharisäer und Schriftgelehrten empörten sich darüber und kritisierten, dass Jesus sogar mit ihnen aß. Es ist nahezu unglaublich, dass damals „alle“, die vom rechten Weg abgewichen waren, zu Jesus kamen. Wie haben sich doch die Zeiten geändert. Heute stehen wir in nahezu leeren Kirchen, nur mehr wenige wollen das Wort Gottes hören oder sich in der Eucharistie mit dem Herrn verbinden. Die Sünder kommen heute größtenteils nicht mehr zu Jesus, sie meiden ihn und meinen, ohne den Herrn auskommen zu können. Doch eines Tages werden sie vor dem Herrn stehen, ob sie nun wollen oder nicht. Wie werden sie sich dabei fühlen? Ein Irrglaube besteht darin, zu meinen, sündenfrei zu sein. Sollten wir dieser Ansicht sein, dann haben wir die Worte Gottes noch nicht verstanden. Denn schuldig gemacht haben wir uns bereits alle in Gedanken, Worten und Werken! Wer sich davon ausnimmt, begeht abermals eine Sünde. Sollen wir darüber verzweifeln? Jesus zeigt uns anhand seines Verhaltens, dass er sich auch mit Sündern abgibt. Wozu hätte er sonst am Kreuz gelitten, wenn nicht für uns Sünder? Vor Gott werden wir immer Sünder bleiben, solange wir hier auf Erden leben. Aber er hat uns schon vergeben mit der Begleichung unserer Schuld durch Jesus Christus. Jesus steht für dich ein – das Einzige, das er dafür verlangt, ist dein Glaube an ihn und deine Erkenntnis, ein Sünder zu sein. Wenn du das vor ihm bekennst und um Vergebung bittest, wird er für dich die Türe zum Himmel öffnen.