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30. Oktober 2026 · Freitag

Auf den Punkt.

Kurzauslegung zur Tageslesung und zum Tagesevangelium mit Diakon Peter Scheuchel aus der Wallfahrtskirche Mariabrunn.

Lesung · Phil 1,1-11Evangelium · Lk 14,1-6

Erste Lesung – Phil 1,1-11

Die Gemeinde in Philippi ist die erste christliche Gemeinde, die Paulus um 49 n.Chr. auf europäischem Boden gegründet hat, als er hier mit Timotheus und Silas auf seiner zweiten Missionsreise mit der nichtjüdischen Frau Lydia zusammentraf (Apg 16,11-40). Paulus blieb mit dieser Gemeinde weiter in Kontakt, er besuchte sie noch ein- oder zweimal und war auch durch schriftlichen Austausch mit ihr verbunden. Den gegenständlichen Brief schrieb er während seiner Inhaftierung – er wurde beschuldigt, die öffentliche Ordnung dadurch zu stören, dass er unter Nichtjuden eine Religion verkündet, die sich gegen den römischen Kaiserkult und gegen die römische Ordnung richtet und er verkünde einen anderen König als den römischen Kaiser. Paulus beginnt seinen Brief mit dem üblichen Friedensgruß um anschließend einen Dank auszusprechen, gerichtet an Gott, für die harmonisch, geschlossen denkende und handelnde Gemeinde. Paulus trägt diese Gemeinde im Herzen und bittet daher den Herrn, dass sich die Gemeinde im „Überfließen“ der Liebe weiterentwickeln möge. Denn die Liebe ist jene Kraft, die alles trägt und erträgt, bis hin zur täglichen Lebenshingabe an den Herrn und zur Selbstaufopferung in Erfüllung der Liebe. Im ersten Brief an die Korinther schreibt Paulus im Hohelied der Liebe dazu(1 Kor 13): „… die Liebe erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, hält allem stand … und hätte ich die Liebe nicht, nützte es mir nicht.“

Evangelium – Lk 14,1-6

Die Pharisäer beobachteten Jesus genau, er war ihnen ungeheuerlich. Sie fragten sich: Hält er sich an die Gebote Gottes? Oft schien er das nicht zu tun. Warum? Jesus kannte alle Gebote, er kannte das Gesetz. Aber was ist das Gesetz? Einmal niedergeschrieben in der Tora, ordnete es die verschiedenen Gebiete des öffentlichen und privaten Lebens sowie das Verhältnis zu Gott. Alles wurde bis ins kleinste Detail niedergeschrieben und musste eingehalten werden. Doch wurde das Gesetz im Laufe der Zeit von den Menschen zu einem Werkzeug des Unheils gemacht: Nach außen, strikte Einhaltung mit Verfolgung bei Nichteinhaltung, das heißt: nach Innen oft Unmenschlichkeit, fehlende Nächstenliebe und fehlende Barmherzigkeit. Da hat sich Jesus widersetzt, er sagt dazu: Die Gebote wurden für die Menschen gemacht, nicht der Mensch für die Gebote. Vergessen wir nie die Menschlichkeit, lassen wir uns nicht zur Steinigung verführen, lassen wir uns stattdessen zum Heil unseres Nächsten verführen. Die Schriftgelehrten klammerten sich bei der Auslegung der Schrift an jeden Buchstaben, so entstand daraus eine einengende, starre, oft widervernünftige Botschaft. Jesus hingegen lehrte mit Vollmacht. Bei ihm kommt es nicht auf den einzelnen Buchstaben an, sondern auf das, was dem Menschen in der jeweiligen Situation hilft, das Böse in und mit Liebe zu überwinden. Doch hüten wir uns vor Infragestellungen von Regeln, Vorschriften oder Gesetzen, wenn wir dem Einfluss von dämonischer Verblendung ausgesetzt sind. Es gibt nämlich dieses geistig böse Milieu, welches uns immer wieder von seiner selbst formulierten Richtigkeit überzeugen und vom Sinnvollen abhalten möchte.