28. Oktober 2026 · Mittwoch
Auf den Punkt.
Kurzauslegung zur Tageslesung und zum Tagesevangelium mit Diakon Peter Scheuchel aus der Wallfahrtskirche Mariabrunn.
Erste Lesung – Eph 2,19-22
Der Brief an die Epheser wurde nicht vom Apostel Paulus verfasst, sondern geht auf einen uns unbekannten judenchristlichen Autor zurück. Seine Worte richten sich an die Heidenchristen, die lange Zeit vom Bund der Verheißung ausgeschlossen waren, aber durch Jesus Christus und sein Blut ebenso den Zugang zum Heil erhalten haben. Lange Zeit waren die Juden von den Griechen – den Heiden – durch ethnische, religiöse, kulturelle und gesellschaftliche Schranken getrennt. Die Juden allein waren das auserwählte Volk, Nichtjuden hingegen von Gott weit entfernt. Erst das Blut Jesu Christi schuf Gleichberechtigung in der Gottesbeziehung von Juden und Heiden. Allein der Glaube an Jesus Christus macht alle zu einem Volk, dessen Fundament die Apostel und Propheten sind, und zu dem Haus, das das christusgläubige Volk bildet, in dem der Herr den Schlussstein bildet, der alles zusammenhält. Der Epheserbrief kann uns daran erinnern, dass wir alle, egal welche Staatsangehörigkeit wir haben oder welcher Religion wir angehören, Kinder des einen Gottes, wohnend in demselben Haus, inmitten dieses unendlich großen Universums sind. Doch trotzdem schlagen wir uns noch immer gegenseitig die Schädel ein, erheben uns über unsere Geschwister, streben nach Macht und versuchen, andere auszubooten. Hat uns das Jesus gelehrt? Besinnen wir uns wieder auf das Wesentliche im Leben: Brüderlichkeit, Nächstenliebe und Gottesliebe!
Evangelium – Lk 6,12-19
In seinem öffentlichen Wirken greift Jesus beständig auf die Kraft des Gebetes zurück. Die Evangelien bezeugen, dass Jesus nie sein inniges Gespräch mit dem Vater vernachlässigte. Je mehr er in die Nähe der Menschen eintauchte, desto stärker verspürte er die Notwendigkeit, in die Gemeinschaft mit dem Vater einzutreten. Er taucht damit in die Vertrautheit mit dem Vater ein, also in die Liebe, nach der jede Seele dürstet. Sein Gebet ist das Steuerruder, das für ihn die Route vorgibt. Wenn Jesus betet, lehrt er uns auch das Beten: So soll jeder Tag mit dem Gebet beginnen, denn dann werden die täglichen Probleme nicht zu Hindernissen, sondern zu einer Aufforderung Gottes, in den Prüfungen des Lebens, im Glauben und in der Liebe zu wachsen. Das Gebet verleiht darüber hinaus Macht, Negatives in Annehmbares zu verwandeln, in etwas, was man mit Gottes Hilfe zu ertragen lernt, als Kreuz am Kreuzweg. Jedes Gebet sollte zu einem Höhepunkt im Ablauf deines grauen Alltags werden. Auf diese Gebete solltest du dich freuen, weil sie eine Verbindung zu Gott, deinem Vater, darstellen. Und wenn es finster um dich ist, geh hin und bete; so wie Jesus seine ganze dunkle Nacht hindurch gebetet hat. Wenn du das tust, wird Licht deine Finsternis erhellen, graues wird farbenprächtig und du wirst deinen Weg wieder gut erkennen. Im Finstern wirst du stolpern und leicht deinen Weg verfehlen. Im Licht hingegen wirst du selbst zum Licht. Das Gebet ist das Atemholen der Seele.