14. Oktober 2026 · Mittwoch
Auf den Punkt.
Kurzauslegung zur Tageslesung und zum Tagesevangelium mit Diakon Peter Scheuchel aus der Wallfahrtskirche Mariabrunn.
Erste Lesung – Gal 5,18-25
Im Anschluss an die gestrige Lesung widmet sich Paulus dem Thema: den Glauben, „der durch die Liebe wirkt“ (V.5,6) in Freiheit zu leben. Möglich wird das durch den Heiligen Geist, der den Galatern und auch uns bereits in der Taufe verliehen worden ist. Durch diesen Geist ist der Mensch eine neue Schöpfung geworden, er hat das „Fleisch“ und somit die Leidenschaften und Begierden gekreuzigt. Die Absicht des Fleisches besteht darin, die Menschen nicht das Gute tun zu lassen, das sie eigentlich wollen. Dem gegenüber stehen die Tugenden, als Wirkungen des Geistes. Paulus veranschaulicht ein Leben nach dem Fleisch mit einem umfangreichen Lasterkatalog. Wer sich zu diesen Lastern verführen lässt, wird die Königsherrschaft Gottes nicht erben. Dem Lasterkatalog stellt in Folge Paulus einen Tugendkatalog gegenüber. Diese Tugenden stehen für ein Verhalten, das nicht nur am eigenen Wohl, sondern an dem des anderen orientiert ist, das Rücksicht nimmt auf die anderen, sich für sie engagiert, ihnen entgegenkommt und auch auf den eigenen Vorteil verzichtet. Ziel dabei sind die Einheit und der Zusammenhalt untereinander. Doch leider ist das „Fleisch“, der alte, unerlöste Mensch, noch immer da. Die Zustände auf der Welt zeigen und bestätigen dies. Wo ist der Geist der Liebe, an dem alle Getauften bereits Anteil erhalten haben? Obwohl wir bereits eine neue Schöpfung geworden sind, hängen wir als Menschheit und auch als einzelne noch immer den alten Menschen nach. Lasst uns daher dem Geist Gottes folgen, der alle unsere Schuld, vorausgesetzt wir sind im Besitz des Glaubens, schon gekreuzigt hat.
Evangelium – Lk 11,42-46
Jesus kritisierte die Schriftgelehrten und die Pharisäer. Sie predigten zwar die Wahrheit, konnten aber die Probleme der Menschen nicht verstehen und ihre Herzen nicht erreichen. Sie lehrten, was sie selbst in der rabbinischen Schule gelernt hatten. Es war zwar die Wahrheit, doch sie lehrten fast ausschließlich vom Lehrstuhl aus und nicht ins Leben hinein, da sie meist nur an sich selbst und nicht an den Menschen interessiert waren. Jesus war hingegen den Menschen nahe, die Schriftgelehrten und Pharisäer standen ihnen fern und teilweise auch willentlich über ihnen. Und da sie den Menschen in ihrer Not nicht nahe waren, waren sie auch Gott nicht nahe. Aus diesem Grund hörten ihnen die Menschen zwar zu, aber ihre Gedanken schweiften rasch zu anderen Themen ab, da die übermittelte Lehre nicht aus den Herzen der Prediger kam und daher auch nicht in den Herzen der Zuhörer aufgenommen werden konnte. Im Gegensatz dazu rief die Lehre Jesu Staunen hervor, denn er predigte von Herzen und tat selbst, was er sagte. Seine Lehre ging vollständig in seinem Leben auf. Aus diesem Grund folgten ihm viele. Sie gingen ihm nach, da sie verstanden, was er sagte und bewunderten, wie er an ihnen handelte. Nun, gibt es bei uns immer Kohärenz zwischen der Lehre, die wir aufnehmen, und unserem Leben? Ist es nicht so, dass zwischen dem, was unser Ohr aufnimmt und dem, was wir tun, oft eine weit klaffende Lücke besteht? Der Herr möge uns die Gnade schenken, mit Hilfe seines Geistes, sein Wort wahrhaft zu verstehen und es im Leben umzusetzen.