13. Oktober 2026 · Dienstag
Auf den Punkt.
Kurzauslegung zur Tageslesung und zum Tagesevangelium mit Diakon Peter Scheuchel aus der Wallfahrtskirche Mariabrunn.
Erste Lesung – Gal 5,1-6
Noch einmal stellt Paulus die Galater vor die Alternative: Freiheit durch Christus oder Sklavendienst unter dem Gesetz, wobei er rät, sich nicht beschneiden zu lassen und so die jüdische Tora-Identität zu übernehmen, auch wenn die „Konkurrenten“ die Galater dazu überreden wollen. Er erinnert daran, dass Christus uns aus der unterdrückenden Macht der Sünde und der Welt sowie vor allem vom Gesetz befreit hat. Wer sich beschneiden lässt, so Paulus, dem nützt Christus nichts mehr, der Zugang zu Gott, der durch die Teilhabe am Kreuzestod Christi eröffnet ist, wäre für sie hinfällig. Mit der Beschneidung nimmt man auf sich, die ganze Tora – mit all ihren Geboten – einzuhalten, was kein Mensch schafft. Die Beschneidung verlangt, das ganze Gesetz zu halten, womit man in Folge auch zeigen möchte, dass man nicht auf Gottes Gnade angewiesen ist, sondern sich selbst befreien kann. Aber die Gerechtmachung geschieht nicht durch ein Leben nach dem Gesetz, sondern nur durch Gottes Gnade. Die Galater laufen Gefahr, diese Gnade aufzugeben. Die Rechtfertigung geschieht durch den Glauben und aus Gnade. Das darf aber nicht passiv machen und darum ist das sittliche Tun des Menschen nicht gleichgültig. Unsere Rechtfertigung ist ein Geschenk, aber auch eine Berufung, eine Berufung zur Nächstenliebe, in der sich Gottes Liebe auswirkt. Der Glaube ist der Schlüssel dazu, ohne diesen wird das Tor zum Heil verschlossen bleiben.
Evangelium – Lk 11,37-41
Jesus verurteilt die Pharisäer. Doch sei die Frage gestattet, ob wir besser sind als diese. Ich kenne viele, die in der Gesinnung dieser Pharisäer handeln: Respekt um jeden Preis – auch unter Missachtung der Menschlichkeit; Kritik kommt nicht in Frage und Ehrenplätze, wo immer es geht. Blickt man in die Seele solcher Menschen, spürt man Einsamkeit, Verlassenheit, Unsicherheit und das Gefühl der Minderwertigkeit. Es sind arme Seelen. Wir sollten für diese Seelen beten. Aber wir sollten uns davor hüten, sie zu verurteilen. Viele von uns sind nach außen hin Christen, haben Taufe und Firmung erhalten, innen ist jedoch bei vielen/manchen nicht viel vom wahren Christsein zu sehen. Ihr Herz ist verschlossen, sie sind Gefangene des Geldes oder der Sucht nach Macht. Menschlichkeit ist für viele ein Fremdwort; aber sie nennen sich Christen. Wahre Christen sind gleichberechtigte Brüder und Schwestern. Bei jenen, die sich zwar Christen nennen, ihr Herz aber vom Christentum abgewendet haben, erblühen das Standesdenken und die Missachtung menschlicher Werte. Darum, um nicht in die Falle der schleichenden Besitzergreifung durch den Widersacher zu geraten, bleib regelmäßig über das Gebet mit dem Herrn verbunden. Und ein kleines, tägliches Kreuzzeichen mit geweihtem Wasser auf die Stirne kann nicht schaden. Hast du geweihtes Wasser zu Hause?