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12. Oktober 2026 · Montag

Auf den Punkt.

Kurzauslegung zur Tageslesung und zum Tagesevangelium mit Diakon Peter Scheuchel aus der Wallfahrtskirche Mariabrunn.

Lesung · Gal 4,22-24.26-27.31-5,1Evangelium · Lk 11,29-32

Erste Lesung – Gal 4,22-24.26-27.31-5,1

Paulus begibt sich heute mit seinem Vergleich von zwei Gestalten des Alten Testamentes, im Kontext von Sklaverei und Freiheit, dem sichtbaren und himmlischen Jerusalem, auf sehr dünnen Boden. Er greift dazu auf die Berichte von der Geburt Ismaels durch die Sklavin Hagar und Isaaks durch Sara – die Freie – zurück und er sagt: Ismael wurde „nach dem Fleisch“, d.h. auf natürliche Weise und aufgrund menschlicher Überlegung gezeugt; Isaak verdankt sein Leben hingegen dem Wunder göttlicher Verheißung. Hagar, die Sklavin, steht so für Paulus für die knechtende Herrschaft des Gesetzes, unter der das Judentum lebt. Sara entspricht hingegen dem neuen Bund, dem himmlischen Jerusalem. Paulus will damit seine These begründen, dass die beiden Heilswege Gesetzesgerechtigkeit und Glaubensgerechtigkeit sich strikt ausschließen. Dass Paulus mit dieser Auslegung den historischen Sinn der Texte in Genesis auf den Kopf stellt, ist oft bemerkt worden. Zudem muss Paulus eine ganze Reihe bekannter inhaltlicher Aspekte aus der Abrahamsgeschichte auslassen, weil sie seiner Argumentation zuwiderlaufen. Doch was Paulus hier sachlich sagen will ist, dass die Galater vor der Wahl zwischen dem irdischen Jerusalem, dem Gesetz, der Unfreiheit und dem himmlischen Jerusalem, das die „freie Mutter“ von freien Kinder ist, stehen. Diese Frage stellt sich auch uns Christen heute – wofür entscheide ich mich: für die Einhaltung von Gesetz und Nächstenliebe, weil es so gewollt ist, oder handle ich aus dem Bedürfnis meines Herzens heraus?

Evangelium – Lk 11,29-32

Jesus begann seine Rede vor der Menge mit den Worten: „Diese Generation ist eine böse Generation.“ – Frage: Wann gab es schon gute Generationen? Doch wo finden wir den Ursprung dieses dauerhaft Bösen? Er liegt in uns selbst, im Glaubenszweifel, oft auch in der Verzweiflung, in der Ungeduld und Reizbarkeit, im Hochmut, in der Eitelkeit, dem Stolz, der Habgier und anderen weltlichen Begierden. Hinter allem lauert dabei die Angst zu versagen, eine Verantwortung nicht tragen zu können und schließlich verurteilt zu werden, weil man selbst gewohnt ist, zu verurteilen. Aus diesen Gründen regieren noch immer Mord, Totschlag, Macht und Geld diese Welt. Aber was können wir daran ändern? Jedes Große hat einmal klein begonnen. So können auch wir als kleine Christen dazu beitragen, diese zerbrechliche Welt zu ändern. Schritt für Schritt. Zeigen wir, was es bedeutet, anstelle des Egoismus, Liebe zu leben. Zeigen wir, was werden könnte, wenn wir miteinander leben und nicht gegeneinander. Oft trauen wir uns nicht, gegen den Strom zu schwimmen. Doch der Strom der letzten Jahrhunderte hat meist in den Abgrund geführt. Kaum eine Generation, die nicht einen Krieg oder Leid durch machthungrige Despoten erlebt hat. Und diejenigen, die sich dagegen gewehrt haben, sind untergegangen. Doch eines haben sie erreicht: Ein gutes Gewissen und das ewige Heil. Darum sei mutig und versuche, das aufkeimende Böse so früh wie möglich zu ersticken, bevor es alles andere verschlingt.