11. Oktober 2026 · Sonntag
Auf den Punkt.
Kurzauslegung zur Tageslesung und zum Tagesevangelium mit Diakon Peter Scheuchel aus der Wallfahrtskirche Mariabrunn.
Erste Lesung – Jes 25,6-10a
Die Kapitel 24-27 des Jesajabuches werden zu den sogenannten apokalyptischen Texten gerechnet und bieten einen Blick auf die Endzeit, wenn alle Völker zum Zion kommen, wenn alle Völker Gott als Herrn anerkennen und dort alle Gott feiern werden. Verfasst wurden diese Worte des Propheten in dunklen, ja nahezu aussichtslosen Zeiten für das Volk. Jesaja möchte mit seiner Vision das Volk ermutigen, damit es aus dem Glauben an Gottes Zusage wieder „leben“ kann. Beschrieben wird zur Endzeit ein Festmahl Gottes auf dem Zion, mit den feinsten Speisen und mit erlesenen Weinen, es wird keinen Schmerz mehr und keine Tränen mehr geben. Gott selbst wird auf dem Zion seinen Thron besteigen und seine Herrschaft antreten. Jubel und Freude werden herrschen, und Gottes Sieg wird durch die Überwindung des Todes, als den letzten Feind, vollendet. Hier ist eine der seltenen Stellen, wo im Alten Testament die Gewissheit der Todesüberwindung aufleuchtet. Doch ist hier nicht von Auferstehung die Rede, sondern der Sieg über die Todesmacht, d.h. über alles, was das Leben mindert und bedroht. Dazu heißt es: „Gott verschlingt die Hülle, die alle Nationen verhüllt, und die Decke, die alle Völker bedeckt“ (V.7). Er nimmt das Trennende und Verbergende weg, das, was die Völker voneinander und letztlich von Gott trennt: Sünde und Tod. Die Spuren des Unfriedens, der Trennung von ihm, wischt er weg. Können wir den Verheißungen aus alter Zeit heute Glauben schenken?
Evangelium – Mt 22,1-14
Jesus erzählt uns heute das Gleichnis vom königlichen Hochzeitsmahl. Der König lädt viele Menschen ein, doch keiner will kommen. So lädt der König einfache Leute von der Straße ein und sie kommen in Scharen, festlich gekleidet, wie es sich für eine Hochzeit gehört. Nur einer hat es nicht für nötig gehalten, sich ordentlich anzuziehen. Ihn lässt der König hinauswerfen. Was möchte uns dieses Gleichnis mitteilen? Es möchte uns sagen, dass uns Gott zum Hochzeitsmahl seines Sohnes einlädt, doch nicht alle Menschen kommen. Sie sagen: „Dein Sohn ist uns egal, wir haben Wichtigeres zu tun, als auf dein Fest zu kommen.“ Doch Gott wartet auf uns alle. Er möchte sein Reich mit uns teilen, wir sind bereits jetzt als Erben eingesetzt. Warum schätzen so viele dieses Geschenk nicht? Warum zählt für viele der Materialismus mehr? Viele lehnen Gottes Einladung ab und wenden sich sogar von ihrem Vater ab, der alles geschaffen hat und bereit ist, zu verzeihen. Wir werden alle eines Tages vor den Toren des himmlischen Jerusalems staunend unsere Blicke erheben und uns fragen: Warum habe ich nicht schon früher daran geglaubt? Viele Boten mit der freudigen Botschaft hat uns der Herr schon geschickt, zuletzt seinen Sohn. Aber warum wollen so viele Menschen nicht auf deren Stimme hören? Weil sie sich selbst als König und Herrscher über alles Sein glorifizieren und niemand dulden wollen, der höher wäre als sie.