10. Oktober 2026 · Samstag
Auf den Punkt.
Kurzauslegung zur Tageslesung und zum Tagesevangelium mit Diakon Peter Scheuchel aus der Wallfahrtskirche Mariabrunn.
Erste Lesung – Gal 3,22-29
Paulus möchte in seinem Brief an die Galater das Gesetz nicht schlechtreden, denn es hatte auch eine besondere Aufgabe zu erfüllen. Vor Christus besaß die Tora die Funktion eines Behüters und Erziehers. Sie hatte einen pädagogischen Auftrag als Einflussnehmer auf das soziale Verhalten. Doch mit der Offenbarung des „Glaubens“, mit dem Kommen von Jesus Christus, endete diese Funktion. Das Gesetz hat seine Aufgabe erfüllt und muss deswegen in christlicher Perspektive neu ausgelegt werden. Alle werden nun Kinder Gottes durch ihre Haltung des Glaubens und alle dürfen und können glauben, weil sie in der Sphäre des Messias, in einer Beziehung zu ihm leben. Diese wird vermittelt durch die Taufe, in welcher Christus „angezogen“ wird und somit die Identität des Gläubigen nun von Jesus her bestimmt ist. Das hat natürlich soziale Folgen. Die Identität eines Menschen ist nicht mehr durch Ethnizität, Status und Gender definiert. Juden und Griechen leben zusammen, ohne dass Heiden Juden werden müssen, was dem Anliegen des Galaterbriefes entspricht. Der Statusunterschied zwischen Sklaven und Freien spielt keine Rolle mehr für den Umgang in der Gemeinde, was einen Verzicht auf die Praxis unterschiedlicher Rollenmuster im konkreten Zusammenleben bedeutet. Als Christusgläubige sind wir nicht mehr Sklaven des Gesetzes, wir sind befreit zur Freiheit. Wir leben alle in Einheit miteinander und damit gleichrangig, gleichwertig und gleichberechtigt als Kinder Gottes. Und das muss im Leben sichtbar werden.
Evangelium – Lk 11,27-28
Eine Frau aus der Menge erhebt sich und preist Maria, die Mutter Jesu, selig, da es ihr geschenkt wurde, Jesus, der so viel Gutes getan hat, Dämonen austreibt und weise spricht, zur Welt gebracht zu haben. Jesus nimmt in seiner Antwort dieses „selig“ nicht zurück, verdeutlicht aber, worauf es wesentlich ankommt: „Selig sind vielmehr die, die das Wort Gottes hören und es befolgen“. Weißt du, welches das wertvollste Geschenk für dich ist? Es ist wertvoller als alles, was du dir vom Leben erwarten kannst und obwohl es so wertvoll ist, hat es keinen materiellen Wert. Worum handelt es sich? Es ist das Wort Gottes, festgehalten in der Heiligen Schrift. Warum ist es so wertvoll? Es ist so unvorstellbar kostbar, weil in ihm unser Leben gründet, und wenn wir es auf- und annehmen und umsetzen, es uns die Türe zum ewigen Leben öffnet. Jetzt könntest du skeptisch sein und fragen: „Was ist etwas schon wert, wenn es nichts kostet?“ Der Wert des Wortes ist unermesslich hoch, denn es ist ein Gewinn für dich, es engt dich nicht ein, es befreit, es nimmt dir die Angst, es richtet dich auf, es zeigt dir deine Zukunft. In ihm liegt der Weg zum ewigen Leben, zum Glück auf dieser Welt und zu einem Miteinander in Liebe. Viele Menschen haben schon von ihm und nach ihm gelebt, doch leider nicht alle. Hätten alle ihr Leben nach Gottes Wort ausgerichtet und nicht nach den Interessen der Weltlichkeit, würden bereits paradiesische Zustände auf dieser Welt herrschen.