8. Oktober 2026 · Donnerstag
Auf den Punkt.
Kurzauslegung zur Tageslesung und zum Tagesevangelium mit Diakon Peter Scheuchel aus der Wallfahrtskirche Mariabrunn.
Erste Lesung – Gal 3,1-5
Paulus stellt in diesem Abschnitt des Briefes an die seiner Ansicht nach „abtrünnigen“ Galater eine Reihe von Fragen, deren Kernbedeutung lautet: Wird der Mensch durch die Erfüllung des mosaischen Gesetzes gerettet oder durch den Glauben an Jesus Christus? Paulus kann es nicht verstehen, warum die Galater wieder zum mosaischen Glauben zurückkehren wollen, nachdem sie das Evangelium von Jesus Christus gehört und bereits in der Taufe den Geist empfangen haben. Auf rational nicht nachvollziehbare Weise wenden sie sich von ihrer Berufung ab, wobei ihnen doch Jesus als gekreuzigter Messias drastisch vor Augen geführt wurde. Am Gekreuzigten, der für sie gestorben ist, müssten sie sehen, wie Gott sich ihnen zuwendet und eine neue Existenz in und durch Jesus Christus schenkt. Paulus sieht es als Unvernunft, wenn die Galater sich anstelle der Botschaft des Vertrauens – der Verkündigung – wieder den Werken des Gesetzes – den jüdischen Identitätsmerkmalen – zuwenden. Wollen sie wirklich nach der Geist-Erfahrung sich wieder dem „Fleisch“ zuwenden? Was zählt für uns Christen mehr: Vollzug der Nächstenliebe als Akt des Formalismus – zum Eigennutz – oder Vollzug der Nächstenliebe aus dem tiefsten Herzen heraus? Gute Taten vollbracht um des „Gesehen-werdens“ beinhalten in sich bereits ihren Lohn, einen irdischen. Doch jede gute Tat, die aus dem Herzen kommt, wird in diesem festgeschrieben und am Tag des Gerichts offenkundig werden. Der Lohn dafür wird dann ein himmlischer sein.
Evangelium – Lk 11,5-13
Im Gleichnis Lk 11,5-13 bittet jemand seinen Freund mitten in der Nacht um drei Brote. Sein Freund wird ihm aufgrund seiner Zudringlichkeit sicherlich diese Bitte erfüllen. Der Bittende weiß, dass er einen Freund hat, auf den er sich verlassen kann. Frage nun: Ist Gott für dich auch dein Freund, dem du alle deine misslichen Situationen anvertraust? Und noch etwas fällt in diesem Gleichnis auf: Der Mann bittet nicht um etwas für sich, sondern für den unerwarteten Besuch, den er erhalten hat. Wenn du Jesus um etwas bittest, wie oft geht es dabei um eine Leistung für dich selbst und wie oft geht es um eine Bitte für jemand anderen? Wenn du Bitten für jemanden, der sich in einer Notlage befindet, immer wieder vor Gott trägst, investierst du Zeit deiner eigenen Lebensspanne und auch etwas in deine eigene Zukunft. Jede Fürbitte ist ein Dienst am Nächsten. Lass bei solchen Bitten nicht locker und erinnere Jesus an sein Wort: „Bittet und es wird euch gegeben“ (Mt 7,7). Doch Gott gibt uns nicht all dies automatisch, worum wir uns selbst bemühen könnten und müssten. Soweit wir für das zu Erbittende selbst etwas beitragen können, sind wir als Christen gefordert und verpflichtet, selbst etwas zu tun. Wenn wir für einen anderen etwas von Gott erbitten, etwas, was außerhalb unserer Macht liegt, so dürfen und sollen wir, so lehrt es uns Jesus im Vaterunser, nachdrücklich, ausdauernd und aufdringlich bitten.