7. Oktober 2026 · Mittwoch
Auf den Punkt.
Kurzauslegung zur Tageslesung und zum Tagesevangelium mit Diakon Peter Scheuchel aus der Wallfahrtskirche Mariabrunn.
Erste Lesung – Apg 1,12-14
Nach der Himmelfahrt des Herrn kehren die Apostel vom Ölberg nach Jerusalem zurück und begeben sich in das Obergemach des Hauses, wo sie sich aufzuhalten pflegten. Anzunehmen ist, dass es der Raum war, in dem sie mit Jesus das Paschamahl gehalten hatten. Anwesend sind die Apostel mit Ausnahme des Judas Iskariot, einige Frauen sowie die Mutter Jesu und seine Brüder, wobei es nicht geklärt ist, ob mit diesen „Brüdern“ leibliche Brüder gemeint sind. Jedenfalls sind sie zusammengekommen, um einmütig zu beten, wartend auf die Verheißung Jesu, auf den Heiligen Geist. „Einmütig“ betont hier die Einheit der Gemeinschaft zum gemeinsamen Gebet, das ein Grundvollzug der christlichen Gemeinschaft ist. Einmütig gemeinsam beten ist auch das, was uns als Christen auszeichnen sollte. Aber nicht nur das einmütige Beten, auch die Einmütigkeit in der Gemeinschaft sollte ein grundlegender Wesenszug unserer, in der Nachfolge Jesu stehenden Gemeinde sein. Doch wie oft erleben wir in unseren Gemeinden Streit, Verleumdungen, Tratsch, Egoismus und ein Gegeneinander anstelle eines „einmütigen“ Miteinanders? Nehmen wir uns doch die betende Urgemeinde zum Vorbild. Fehlt uns diese Einmütigkeit, so beten wir gemeinsam darum. Beten wir auch um Demut sowie um die Erkenntnis der Wahrheit und respektieren wir unseren Nächsten als von Gott geliebt und versehen mit einer Aufgabe, vielleicht auch in einer Hierarchie, die uns oft so schwer fällt zu akzeptieren.
Evangelium – Lk 1,26-38
Mit dem Eintritt des Engels in Marias Leben und seinem Gruß beginnt die Fülle der Zeit. D.h. das verheißene Zeichen, die Jungfrau, die in einmaliger Weise und als einzige unter dem Menschengeschlecht die besondere Nähe Gottes erfahren darf, wird uns geschenkt und begleitet uns, sogar noch nach 2 000 Jahren, durch die Höhen und Tiefen des Zeitgeschehens. Und darum dürfen auch wir, so wie der Engel damals, Maria täglich als Begnadete begrüßen. Das Ave-Maria lädt uns dazu ein, denn so wie Maria hat keine andere Frau das Wohlwollen Gottes erfahren dürfen. Sie erfährt ihr Begnadetsein im Blick auf Jesus, den sie in sich zur Welt bringen und großziehen durfte. Dieser Jesus wird dann selbst zum Zeichen für die allesumfassende Gnade und der Quell der Gnade für uns alle, indem Gott uns sein Antlitz in Menschengestalt zuwendet und uns somit sein Wohlwollen und seine Liebe zu uns zum erkennbaren Ausdruck bringt. Darüber hinaus erweist sich Gottes Gnade in seinem Mitleid mit uns darin, dass er sich in seiner Größe zu uns Schwachen und Armen niederbeugt. Und wenn schon Gott gnädig mit uns ist, dürfen wir uns die Frage stellen, wie gnädig sind wir zu unserem Nächsten? Beuge ich mich zu ihm hinab, oder genieße ich es, wenn er zu mir aufblicken und anschließend sein Haupt vor mir beugen muss? Ist dem so, so sind wir tot für die Gnade, für den Willen Gottes, und nicht mehr fähig für das Gnadengeschenk des ewigen Lebens.