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27. September 2026 · Sonntag

Auf den Punkt.

Kurzauslegung zur Tageslesung und zum Tagesevangelium mit Diakon Peter Scheuchel aus der Wallfahrtskirche Mariabrunn.

Lesung · Ez 18,25-28Evangelium · Mt 21,28-32

Erste Lesung – Ez 18,25-28

Der Prophet Ezechiel befindet sich im Exil und setzt sich dort mit der Frage der Gerechtigkeit bzw. Ungerechtigkeit Gottes auseinander. Im Raum steht die Frage: Bestraft Gott für Vergehen der vorigen Generation? Ezechiels Antwort darauf lautet: Jede Generation haftet für sich selber, jeder Einzelne trägt selbst die Verantwortung für seine Schuld. Jeder der sündigt, wird bestraft werden, doch durch Umkehr zu Gott wird die eigene Schuldverstrickung wieder gelöst. Umkehr rettet Leben, denn Gott ist an Umkehr und Leben interessiert. Im umgekehrten Fall, wenn sich der Gerechte von seinem bisherigen Leben abwendet und zum Sünder wird, wird er sein Leben verlieren, denn Gott richtet und begnadet den Menschen nur nach dem, was er ist, und nicht nach dem, was er früher war. Schuld und Schuldfolge werden hier noch im Lichte des Alten Testamentes gesehen, von Gottes Gnade und Vergebung ist noch nicht die Rede. Doch lesen wir im Vers 23: „Habe ich etwa Gefallen am Tod des Schuldigen – Spruch des Herrn – und nicht vielmehr daran, dass er umkehrt von seinen Wegen und am Leben bleibt?“ Darum: Kehr um, solange du noch Zeit dazu hast, denn es ist nie zu spät, sich für das Reich Gottes zu entscheiden. Bis hin zu deinem letzten Tag kannst du umkehren, Reue zeigen und dein Herz für den Herrn öffnen. Selbst dem Schächer am Kreuz hat Jesus nach seiner Bitte um Rettung, noch zugesprochen: „Wahrlich, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein“ (Lk 23,43)

Evangelium – Mt 21,28-32

So tun, als ob – ist das nicht eine geläufige Praxis? Wo bleibt da das redliche Herz, die Aufrichtigkeit vor unserem Nächsten und Gott? Die große Kluft in unserem Leben besteht meist zwischen unseren Worten und dem, was wir tatsächlich tun. Im heutigen Gleichnis bittet ein Vater seine beiden Söhne, im Weinberg zu arbeiten. Der eine sagt, dass er nicht will. Ihn reut aber schnell sein Nein und geht doch arbeiten. Der andere sagt sofort Ja zu seinem Vater, geht aber dann doch nicht. Wer von den beiden hat den Willen des Vaters erfüllt? Nicht der Ja-Sager, sondern der, der die Arbeit getan hat. Wenn wir beten: Dein Wille geschehe…, erkennen wir Gottes Willen an und stellen uns unter seine Führung. Die Frage ist nur: Wie erkennen wir seinen Willen an? Aus Zwang oder aus Liebe? Fällt es uns immer leicht, seine Vorschriften einzuhalten oder übertreten wir sie auch gerne? Es ist sicherlich leichter, das Leben nach eigenen Entwürfen zu gestalten; doch führt uns das dann meist weg von Gott. Lassen wir aber Gott mit seinem Willen in unser Herz eintreten, wird uns vielleicht unser eigener Wille zweitrangig, weil wir spüren: Unser Wille stammt nicht von Gott, sondern er hat eine ganz andere Quelle. Lassen wir diese andere Quelle in uns versiegen, kämpfen wir mit uns, sodass unser Ja zu Gott nicht aus Zwang erfolgt, sondern aus aufrichtiger Liebe zu ihm. Aus unserem „Soll“ muss ein „Ich will“ werden.