20. September 2026 · Sonntag
Auf den Punkt.
Kurzauslegung zur Tageslesung und zum Tagesevangelium mit Diakon Peter Scheuchel aus der Wallfahrtskirche Mariabrunn.
Erste Lesung – Jes 55,6-9
Der Prophet Jesaja wendet sich im Kapitel 55 seiner Schrift an das Volk, das sich zum Teil nach Verschleppung und jahrzehntelangem Aufenthalt in der babylonischen Fremde zur Rückkehr in die Heimat aufmacht. Jesaja ist der Überzeugung, dass die Ursache des erfahrenen Elends im Abfall Israels von Gott zu finden ist. Doch Gott lässt sich erneut finden, wenn man ihn tatsächlich sucht, denn eine Zuwendung zu Gott ist gleichzusetzen mit einer Zuwendung zum Leben. Man muss sich nur erneut auf Gott ausrichten , d.h., umkehren, indem man den eigenen Lebensweg radikalisiert, auch wenn dies schmerzhaft unter Ablegung von liebgewonnen aber zum Unheil führenden Gewohnheiten erfolgen muss. Wer zögert soll wissen: Gott ist groß im Erbarmen! Gottes Erbarmen ist etwas, was wir Menschen kaum begreifen können. Seine Gedanken werden uns teilweise rätselhaft bleiben, weil sie uns naturgemäß zu hoch sind. Was uns bleibt, sind Gottes Worte: „So hoch der Himmel über der Erde ist, so hoch erhaben sind meine Wege über eure Wege und meine Gedanken über eure Gedanken“ (V.9). In diesen Worten finden wir die Wurzel von Gottes Barmherzigkeit – sie ist Gottes Liebe. In dieser Liebe hat er auch seinen Sohn geschickt, der uns mit seinen Worten: „Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um und glaubt an das Evangelium“ (Mk 1,15) zur Umkehr mahnt.
Evangelium – Mt 20,1-16
Im heutigen Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg ist der Gutsbesitzer Gott, der Weinberg die Welt, der Arbeitstag das Leben und der Denar der Himmel. Am Ende des Arbeitstages werden alle, die gut gearbeitet haben, egal zu welcher Tageszeit sie zu arbeiten begonnen haben, den gleichen Lohn erhalten: das Himmelreich. Darum: Wenn du in deinem Leben Gott erkannt hast, und bereit bist, dich für ihn einzusetzen, erledige alle deine Aufgaben gewissenhaft, in Liebe und ohne zu zögern. Lass dein Ego dabei hintanstehen; dieses Ego, welches dich immer im Vordergrund sehen möchte, in erster Reihe vor den Menschen. Bist du deinem Ego hörig, kann es leicht sein, dass du dich vor anderen blamierst, deine Schwächen öffentlich kundtust und zum Gerede für andere wirst. Du kennst wahrscheinlich deine Schwächen, arbeite an ihnen, mit Gottes Kraft wird es dir gelingen, deine Schwächen immer schwächer werden zu lassen. Sei stark in der Überwindung deines Egos. Gott behandelt alle Menschen, die sich zu ihm bekennen, gleich. Dabei ist es ihm egal, ab welchem Zeitpunkt sie sich in ihrem Leben zum Glauben bekannt haben. Hauptsache für Gott ist, dass sie zum Glauben gefunden haben, auch wenn es in ihrer letzten Stunde ist, wie beim Schächer am Kreuz.