16. September 2026 · Mittwoch
Auf den Punkt.
Kurzauslegung zur Tageslesung und zum Tagesevangelium mit Diakon Peter Scheuchel aus der Wallfahrtskirche Mariabrunn.
Erste Lesung – 1 Kor 12,31-13,13
Der gegenständliche Abschnitt aus dem ersten Brief an die Korinther ist auch unter der Bezeichnung „Das Hohelied der Liebe“ des Neuen Testamentes bekannt. Paulus geht es in diesem Text um die Grundlage von allem: die Liebe. Gemeint ist damit die tätige Zuwendung zu anderen Menschen bzw. zu Gott – und auch umgekehrt: Gottes Zuwendung zu uns Menschen. Für Paulus ist die Liebe jedoch keine Gabe neben anderen, sondern das entscheidende göttliche Vorzeichen, das über Wert und Unwert aller anderen Begabungen und auch der Tugenden entscheidet. Alles erlangt nur dann Bedeutung, wenn ihm die Liebe zur Seite steht. Die Liebe soll alles Denken und Handeln der Glaubenden, ja, ihre gesamte Existenz prägen und das Miteinander bestimmen. Wer sich in seinem Handeln von der Liebe bestimmen lässt, kreist nicht mehr um sich selbst, sondern orientiert sich vielmehr am gemeinschaftlichen Wohl. Wer die Liebe zum Lebensmaßstab macht, weiß auch, dass alles eigene Erkennen und Tun vorläufig und bruchstückhaft bleibt. Dieses Wissen führt zu einer durch Demut geprägten Lebenshaltung. Nehmen wir die Liebe aus unserem Leben, stimmt nichts mehr. Alles Tun und alle Tugenden verkehren sich ins Gegenteil und jedes gelingende Zusammenleben ist zum Scheitern verurteilt. Ohne Liebe zerfällt das Leben, zerfallen Menschen und Gottes Plan für uns. Ohne Liebe geraten wir in die Dunkelheit; es wird dunkel um und in uns.
Evangelium – Lk 7,31-35
Jesus zieht im heutigen Abschnitt des Lukasevangeliums Bilanz. Er weist darum auf Johannes hin, dem viele gefolgt sind und sich auch von ihm taufen ließen. Als Bußprediger wies er den notwendigen Abschied vom alten und ausschweifenden Leben hin, denn nur damit wäre eine Begegnung mit Gott möglich. Auf der anderen Seite erleben wir Jesus Christus. Er lädt uns zum gemeinsamen Essen und Trinken sowie zur Freude am Leben ein. Doch dies stört die Menschen. Sie nennen ihn einen Fresser und Säufer sowie einen Freund der Zöllner und Sünder. Jesus benimmt sich menschlich und gibt sich auch mit jenen ab, die seine Hilfe benötigen, und in seinem Tun als das fleischgewordene Wort Gottes steckt göttliche Weisheit. Viele wollten das damals nicht erkennen und auch heute ist es noch so. Seine Auferstehung müsste doch allen Menschen die Augen geöffnet haben. Aber viele verschließen sich vor der göttlichen Weisheit: Nichts hören, nichts sehen! Recht bekommt Jesus hingegen durch alle, die hören und sehen, denn sie gehen als Zeugen durch diese Welt, als Zeugen der Nächstenliebe und der Liebe zu Gott. Bist du ein Zeuge Jesu? Wie sieht es tief in deinem Herzen aus? Was glaubst du? Kannst du glauben, ohne dich mit der Schrift, dem Wort Gottes, und all seinen Glaubenszeugen, den Heiligen, schon beschäftigt zu haben?