15. September 2026 · Gedächtnis der Schmerzen Marias
Auf den Punkt.
Kurzauslegung zur Tageslesung und zum Tagesevangelium mit Diakon Peter Scheuchel aus der Wallfahrtskirche Mariabrunn.
Erste Lesung – Hebr 5,7-9
Der Brief an die Hebräer wurde noch vor der Zerstörung des Tempels geschrieben, also vor 70 n.Chr. Der Verfasser ist unbekannt, auch wenn er vielfach Paulus zugeschrieben wurde. Heute wird dies als unwahrscheinlich betrachtet. Nun, adressiert ist der Brief an eine Gruppe von Judenchristen mit beachtlichen intellektuellen Fähigkeiten. Inhaltlich geht es um die große Frage: Wie kann ein Mensch Gott nahekommen. Dabei vergleicht der Verfasser die Person und das Wirken Christi mit den Priestern und Opfern des Alten Testamentes. Jesus wird nun als Hohepriester betrachtet und für sein hohepriesterliches Wirken werden zwei Voraussetzungen genannt: die Solidarität mit den Menschen, welche ihm hilft, die Schwachheit der Menschen mitzufühlen und seine Berufung durch Gott. Und im Gegensatz zu den früheren Hohepriestern wird nun Jesu Hohepriestertum als neues und ewiges Priestertum qualifiziert. Ja, der Verfasser des Briefes geht sogar so weit, in Jesus einen Hohenpriester zu sehen, der alle Bedingungen für dieses Amt erfüllt, ja sogar noch mehr, weil er es nicht nötig hat, seine eigenen Sünden zu sühnen. Er ist der vollkommene Hohepriester, den Gott für alle Zeiten als Vermittler eingesetzt hat. Einzigartig in diesem Brief ist weiters für das Neue Testament die Bezeichnung für Jesus als „Lernender“, der sich in seiner tiefsten Not Gott betend anvertraut und angesichts des Todes „den Gehorsam gelernt hat“. Aber erst damit hat er den Vater geehrt und seine Sendung erfüllt.
Evangelium – Joh 19,25-27
Jesus wird nach seiner Verhaftung verhört, verurteilt, gefoltert und ans Kreuz genagelt. Beim Kreuz standen seine Mutter und die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Klopas, Maria von Magdalena und der Jünger, den Jesus liebte. In seiner Todesstunde sagt Jesus zu seiner Mutter: „Frau, sieh dort deinen Sohn!“ Er weist sie mit diesen Worten weg von sich, hin zu Johannes. Hart für eine Mutter, oder? Ja, Maria hat viel mitgemacht in ihrem Leben. Sie war immer bei Jesus; alles, was ihren Sohn betraf, hat sie mitgelebt. Sein Leben war das ihre. Ihm hat sie alles gegeben. Aber hat sie immer alles verstanden, insbesondere dieses Geheimnis des lebendigen Gottes? Wie hätte sie es verstehen sollen? Aber: Sie hat geglaubt. Und das zu einer Zeit, als sonst noch keiner glaubte oder glauben konnte. Sie ist in diesem Glauben gewachsen, oft war dies eine ziemliche Herausforderung für sie. Nun, Glauben zu leben, ist eine harte Herausforderung, mit vielen Anfechtungen, Rückschlägen und vielleicht auch ein Kampf gegen eigene Zweifel. Doch wenn du in deinem Glaubensleben konsequent bleibst, stößt du zu ungeahnten Höhen und Erkenntnissen vor, die das Leben, die Gemeinschaft und die Zukunft jedes Einzelnen in einem anderen Licht erscheinen lassen. Wenn du hingegen nachlässt in deinem Glaubensleben, verlierst du einen unermesslichen Schatz und du wirst eines Tages armselig vor Gott stehen. Darum bleib nicht stehen! Glauben heißt weitergehen, bis zu der Stunde in deinem Leben, in welcher du das Licht selbst erblicken wirst.