10. September 2026 · Donnerstag
Auf den Punkt.
Kurzauslegung zur Tageslesung und zum Tagesevangelium mit Diakon Peter Scheuchel aus der Wallfahrtskirche Mariabrunn.
Erste Lesung – 1 Kor 8,1b-7.11-13
In Korinth gibt es konkurrierende christliche Gemeindegruppen. Eine davon veranlasst Paulus aufgrund ihres Verhaltens, Götzenopferfleisch zu essen, zu einer ausführlichen Stellungnahme. Die Frage, die sich stellte, lautete: Durfte man als Messiasgläubiger oder als Jude dieses Fleisch, das doch anderen Gottheiten geweiht war, essen oder verstieß das gegen den Glauben an den einen Gott, weil man sich mit dem Essen des geweihten Fleisches der Macht der anderen Gottheiten unterwarf. Paulus stellt in seiner Antwort den Glauben an Gott der Liebe gegenüber. Eine fundierte Glaubenserkenntnis schenkt die Gewissheit, dass die anderen Gottheiten keine Macht haben, denn es gibt nur einen Gott. Es hindert also nichts daran, dieses Fleisch zu essen. Doch haben sich Gläubige dem Einfluss der heidnischen Umwelt emotional noch nicht völlig entzogen, so könnte für sie der Genuss dieses Fleisches eine religiöse Bedeutung erlangen und so zum „Stolperstein“ werden. Darüber hinaus macht Paulus das provokante und damit lieblose Verhalten der gefestigten Gemeindemitglieder dafür verantwortlich, wenn die im Gewissen schwachen Brüder und Schwestern aus ihrer Bindung zu Christus herausfallen. Stattdessen plädiert Paulus für einen verantwortlichen Umgang mit der christlichen Freiheit und für Rücksichtnahme auf den Nächsten. Diese Rücksichtnahme kennen wir bereits aus dem Doppelgebot der Liebe: Du sollst Gott lieben und deinen Nächsten. Darauf gründet ein gelingendes Zusammenleben in Frieden.
Evangelium – Lk 6,27-32
Jesus verkündet: „Liebt eure Feinde!“ und er meint damit tatsächlich jene, die uns verachten, verleumden, Böses tun und schlecht über uns reden. Wie das in der Realität funktionieren kann, zeigt er uns an dem Weg, den er selbst geht, wenn er jene liebt, die ihn verraten, verurteilen und hinrichten. Wie schwer ist es doch, diesen Weg zu beschreiten! Viel leichter ist es, nicht mehr an jene Personen zu denken, die einem Schaden zugefügt haben, oder ihnen im Leben auszuweichen, damit man nicht mehr mit ihnen reden muss. Der Auftrag Jesu zielt jedoch auf aktives Wohlwollen, indem er uns noch bittet: „Segnet die, die euch verfluchen; betet für die, die euch beschimpfen!“ (Lk 6,28). D.h. unser Reden über unsere Feinde soll ein „Gutes-Sagen“ sein. Wir sollen sie nicht beschimpfen, keine Vergeltung an ihnen üben, sondern mit ihnen eine neue Beziehung aufbauen, die zum dauerhaften Frieden führt, denn Christsein verträgt sich nicht mit einem Vergeltungsprinzip! Wir sollen stets Samen der Freude, der Hoffnung, des Friedens, der Versöhnung und der Liebe sein. Trägt doch jeder Fehler in sich, keiner von uns ist frei von Mängeln. In diesem Sinne sind wir Brüder und Schwestern sowie Kinder des einen Vaters und alle gleich vor ihm. Begraben wir unsere Feindbilder und schaffen wir dafür Bilder der Liebe. Der Herr wird es uns danken. Und denk daran: Feindbilder kannst du nicht ins Jenseits mitnehmen. Bist du mit ihnen verwachsen, kann sich die Himmelstür nicht öffnen und du bleibst ausgeschlossen.