9. September 2026 · Mittwoch
Auf den Punkt.
Kurzauslegung zur Tageslesung und zum Tagesevangelium mit Diakon Peter Scheuchel aus der Wallfahrtskirche Mariabrunn.
Erste Lesung – 1 Kor 7,25-31
Paulus widmet sich heute den Themen Ehe und Ehelosigkeit, wobei er aber zugesteht, darüber kein Jesuswort zu haben. Er rät daher aus seiner eigenen Lebenserfahrung, wobei für ihn der Lebensstand als solcher für das Heil belanglos ist. Er selbst bevorzugt das ehelose Leben, denn angesichts der Erwartung des unmittelbar bevorstehenden Endes dieser Welt – nach damaligen apokalyptischen Vorstellungen hatte die Endzeit mit ihren Nöten, Bedrängnissen und Katastrophen bereits begonnen – gilt es, sich eine innere Distanz gegenüber allen irdischen Bindungen zu bewahren. Denn so ist diese schwierige Zeit nach Paulus‘ Überzeugung leichter zu bewältigen, als wenn die Sorge um Familie noch dazukommen würde. Im Falle der Eheleute würde dies nämlich eine innere Zerrissenheit bedeuten, weil die Aufmerksamkeit zwischen dem kommenden Herrn und dem Ehepartner geteilt werden müsste. Aber trotz seines Rates zugunsten der Ehefreiheit überlässt Paulus die Entscheidung darüber, zu heiraten oder nicht, den Einzelnen. Die Frage, die sich bei jeder Ehe stellt ist, wie sie gelebt wird. Ein gutes partnerschaftliches Zusammenleben fordert, auf den anderen wirklich einzugehen und Entscheidungen gemeinsam zu treffen. Das „Gemeinsame“ sollte stets im Vordergrund stehen. Darüber hinaus sollten die Wertschätzung, die Offenheit, ein guter Umgang miteinander sowie kleine Zeichen der Liebe nicht vernachlässigt werden.
Evangelium – Lk 6,20-26
Jesus unterbreitet uns heute die Seligpreisungen. Diese sind gleichsam der Personalausweis des Christen. Um ein guter Christ zu werden, ist es notwendig, dass jeder auf seine Weise versucht, das zu tun, was Jesus in den Seligpreisungen sagt, denn in ihnen zeichnet sich das Antlitz des Meisters ab. Die Seligpreisungen in der Version des Lukas beinhalten vier Preisungen und vier Warnungen. Jesus erklärt die Armen, die Hungrigen, die Betrübten und die Verfolgten für selig; und er ermahnt jene, die reich, satt und lachend sind und denen die Leute Beifall klatschen. Der Grund für diese paradoxe Glückseligkeit liegt in der Tatsache, dass Gott denjenigen nahesteht, die leiden. Das wahre Glück auf dieser Welt liegt nämlich darin, uns auf die Seite Gottes und seines Reiches zu stellen, auf die Seite dessen, was nicht vergänglich ist, sondern für das ewige Leben bleibt. Wir sind glücklich, wenn wir uns vor Gott als bedürftig bekennen und sagen: „Herr, ich brauche dich“. Wir müssen aber in unserer Bedürftigkeit auch den Armen, den Betrübten und den Hungrigen nahestehen. Als Selige zu leben und dem Weg Jesu zu folgen, bedeutet jedoch nicht, immer fröhlich zu sein. Wer betrübt ist, wer unter Ungerechtigkeit leidet, wer sich als Friedensstifter einsetzt, weiß, was Leiden bedeutet. Aber der Herr ist treu und lässt die Seinen nicht im Stich. Die Seligpreisungen zu leben ist nicht leicht. Sie fordern zwar nicht Übermenschliches zu leisten, sondern Jesus im alltäglichen Leben nachzufolgen. Sie laden dazu ein, das Herz sauber zu halten und barmherzig zu sein und sich den Herausforderungen und Prüfungen des Lebens zu stellen.