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4. September 2026 · Freitag

Auf den Punkt.

Kurzauslegung zur Tageslesung und zum Tagesevangelium mit Diakon Peter Scheuchel aus der Wallfahrtskirche Mariabrunn.

Lesung · 1 Kor 4,1-5Evangelium · Lk 5,33-39

Erste Lesung – 1 Kor 4,1-5

Abermals geht es Paulus um den Dienst der Verkündigung. Seinen Worten scheint gemäß dem ersten Korintherbrief 1,12 ein Konkurrenzkampf, ja, ein Parteienstreit entbrannt zu sein, in dem es darum ging, welcher von den drei genannten – Paulus, Apollos und Kephas –sich in der Verkündigung als zuverlässig und vertrauenswürdig erwies? Diesem Streit entgegnend betont Paulus die Unabhängigkeit der Verkünder von menschlichen Urteilen, denn als Verkünder geben sie nur weiter, was sie selbst empfangen haben, nämlich Gottes Wahrheit und Gottes Liebe. Paulus beteuert auch, dass er nach bestem Wissen und Gewissen arbeite, doch ob es letztlich vor Gott Bestand hat, darüber steht auch ihm selbst kein Urteil zu. Er ist sich seiner Verantwortlichkeit gegenüber seinem Auftraggeber und dessen Auftrag bewusst, und wartet daher voll Gelassenheit und mit Zuversicht auf den Herrn als den zuständigen, endzeitlichen Richter, vor dem sich nichts verheimlichen lässt und er rät auch der Gemeinde zu dieser Haltung. Erst im Gericht wird offenbar, wer seinen christlichen Dienst im Leben mit lauterer Absicht vollzogen hat. Darum müssen wir uns die Frage stellen: Bin ich dem Evangelium gerecht geworden oder kreise ich nur um mich selbst? Urteile ich über andere, obwohl ich die Hintergründe nicht kenne, warum ein anderer so handelt wie er es gerade tut?

Evangelium – Lk 5,33-39

Die Jünger Jesu wurden kritisiert, weil sie nicht so wie die Jünger des Johannes fasteten. Jesu erklärte daraufhin: „Niemand näht ein Stück Stoff auf ein altes Gewand; denn der neue Stoff reißt vom alten Gewand ab und es entsteht ein noch größerer Riss … Auch füllt niemand jungen Wein in alte Schläuche. Sonst zerreißt der Wein die Schläuche … Jungen Wein muss man in neue Schläuche füllen“ (Lk 5,36f). Jesus trifft hier eine radikale Aussage, weil damit jede Vermischung von Alt und Neu abgelehnt wird. Er bezieht sich dabei auf die Neuheit seines Wortes und somit auch auf die Änderung im Zugang auf das Reich Gottes. Denn was mit ihm kommt, schafft in Israel eine neue Situation, die ein neues Verhalten verlangt. Man kann sich nicht mehr an den gewohnten und lange Zeit praktizierten Ritualen festhalten, umdenken ist gefordert. Was Gott möchte, ist ein sich Loslösen von starren, unflexiblen und zum Teil unmenschlichen Traditionen, hin zur Barmherzigkeit und reiner Nächstenliebe. Doch Jesus stellt damit die Tora mit ihren Gesetzen nicht in Frage, er möchte sie nicht abschaffen, sondern sie auf ihre Mitte hin konzentrieren, mit den Worten: „Barmherzigkeit will ich und keine Opfer“ (Mt 5,13). Es ist die Barmherzigkeit, die erst die Tür deines Herzens öffnet. Sie ist der Grundpfeiler des Glaubens und die konkrete Form, mit der wir der Auferstehung Jesu Sichtbarkeit verleihen.