21. August 2026 · Freitag
Auf den Punkt.
Kurzauslegung zur Tageslesung und zum Tagesevangelium mit Diakon Peter Scheuchel aus der Wallfahrtskirche Mariabrunn.
Erste Lesung – Ez 37,1-14
Die Passage der Verse 1-14 aus dem 37. Kapitel des Buches Ezechiel ist einer der bedeutendsten Texte aus diesem Buch. Er ist ein wichtiger Zeuge für die Auferstehung der Toten. Im Visionsbericht sieht der Prophet die Verlebendigung der vertrockneten Gebeine der Leichname. In der anschließenden Streitrede wird betont, dass nicht von der Auferstehung Einzelner gesprochen wird, sondern von der Wiederbelebung des gesamten Volkes. Entstanden ist der Text, nachdem Israel von der Großmacht Babylon vereinnahmt worden ist und Teile der Bevölkerung in das Land am Euphrat und Tigris verschleppt wurden. Ezechiel möchte nun vermitteln, dass die Menschen in ihrer Bedrängnis, nicht die Hoffnung auf ein Leben in Freiheit aufgeben dürfen, denn Gott schenkt Leben zurück, selbst mitten in Zerstörung und Tod. Der christliche Glaube an die Auferstehung hat seine Wurzeln vielleicht gerade in diesem Text des Propheten Ezechiel. Wir Christen glauben, dass Gott unsere Gräber öffnen und uns aus den Fesseln des Todes befreien wird – und das nicht nur in weiter Zukunft, sondern auch schon im Hier und Jetzt als Ergebnis eines intensiven und aktiven Glaubenslebens. Darüber hinaus glauben wir an einen Gott, der sich freie Menschen wünscht, die sich an ihrem Leben erfreuen und andere nicht ausbeuten. Und wir glauben an den Gott, den Jesus mit seinem Leben bezeugt hat. Wir glauben an einen Gott, der uns täglich in unserer Not beisteht, uns nicht allein lässt und Trost spendet, im Hinblick auf das ewige Leben.
Evangelium – Mt 22,34-40
Im Abschnitt des heutigen Evangeliums möchte ein Gesetzeslehrer Jesus versuchen und fragt ihn, welches das wichtigste Gebot sei, also das Hauptgebot des göttlichen Gesetzes. Es ist dies eine sehr listige Frage, da im mosaischen Gesetz über 600 Vorschriften angeführt werden. Wie soll man da eine Reihenfolge erstellen oder das wichtigste Gebot erkennen? Jesu Antwort ist einfach: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit deinem ganzen Denken“ (Mt 22,37). Und er fügt hinzu: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“ (Mt 22,39). Jesus weicht damit geschickt, indem er zwei grundlegende Gebote aufnimmt und sie miteinander verbindet, der Falle aus, die ihm gestellt wurde. Abschließend bemerkt er noch: „An diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten“ (Mt 22,40). Jesus stellt damit klar, dass es ohne Liebe zu Gott und zum Nächsten keine wahre Treue zum Bund mit dem Herrn geben kann, denn: „Wenn du die Liebe nicht hast …“ (1 Kor 13), hilft dir auch die Einhaltung der Gebote nicht zum Heil. Nur die Liebe gibt dem Leben und dem Weg des Glaubens Elan und Fruchtbarkeit. Ohne Liebe sind und bleiben sowohl das Leben als auch der Glaube unfruchtbar. Wir wurden geschaffen, um zu lieben und geliebt zu werden. Gott hat uns geschaffen, um uns an seinem Leben teilhaben zu lassen, um von ihm geliebt zu werden und ihn zu lieben und um mit ihm alle anderen Menschen zu lieben. Das ist Gottes Traum für die Menschheit.