22. August 2026 · Samstag
Auf den Punkt.
Kurzauslegung zur Tageslesung und zum Tagesevangelium mit Diakon Peter Scheuchel aus der Wallfahrtskirche Mariabrunn.
Erste Lesung – Ez 43,1-7a
Der zweite Teil der zweiten Tempelvision des Ezechiel berichtet von der Rückkehr Gottes in den neuen Tempel, denn was wäre dieses Heiligtum ohne den „Heiligen“ in ihm? In Richtung Osten hatte er den Tempel einst verlassen (Ez 11,23), von dort kommend zieht er auch wieder ein. Dieser Einzug erfolgt visionär in Herrlichkeit, begleitet von akustischen und visuellen Phänomenen. Das Rauschen zeigt die Mächtigkeit und Bewegung der Herrlichkeit an, das Leuchten gehört zur Erscheinung Gottes als Sonne – als Licht. Ezechiel fällt betroffen nieder, wird aber vom Geist wieder aufgerichtet und in den Innenhof entrückt. Dort ergreift Gott Besitz vom Tempel, er wird wieder zu seinem Thronsitz. Dort will Gott für immer wohnen bleiben. Doch sein wirkliches Heiligtum ist nicht der Tempel aus Stein, sein Heiligtum ist das Volk Israel selbst und in Folge, über Generationen und viele Seiten der Geschichte hinweg, auch wir. Gott ist und bleibt unser Hüter. Er hofft alles und er gibt alles für uns, selbst seinen Sohn. Er liebt uns in ewiger Treue, wir sind seine Schöpfung, auch wenn wir uns zumal oder auch oft von ihm abwenden. Er lässt uns nicht im Stich, auch wenn es in so manch schweren Prüfungen des Lebens den Anschein danach haben will. Gott ist und bleibt ein treuer Gott.
Evangelium – Mt 23,1-12
Die letzten Tage des Lebens Jesu in Jerusalem sind voller Erwartungen und Spannungen. Jesus kritisiert in dieser Zeit die Schriftgelehrten und Pharisäer hart. Er sagt zwar: „Tut und befolgt alles, was sie euch sagen, aber richtet euch nicht nach dem, was sie tun; denn sie reden nur, tun selbst aber nicht, was sie sagen.“ Jesus stellt mit seinen Worten die heuchlerische und falsche Autorität von Lehrern und Meistern bloß: Leute, die andere belehren, selbst aber das Gegenteil tun. Sie wollen sich nur wichtigmachen und geehrt werden. Sie sind im Grunde keine echten Meister. Autorität kann eine Hilfe sein, doch wenn sie schlecht ausgeübt wird, wird sie zur Unterdrückung. Woran aber erkennt man den wahren Meister? Als Jünger Jesu dürfen wir nicht nach Ehrentiteln oder Vorherrschaft trachten. Unter uns soll eine brüderliche Haltung herrschen. Wir alle sind Geschwister und dürfen auf keine Weise die anderen unterdrücken und sie von oben herab ansehen. Wenn wir vom himmlischen Vater besondere Talente empfangen haben, dann müssen wir sie in den Dienst der Geschwister stellen und dürfen von ihnen nicht für unser persönliches Interesse profitieren. Wir müssen jene Haltung einnehmen, die Jesus klar benennt: „Der Größte von euch soll euer Diener sein.“ Die Bescheidenheit ist wesentlich für ein Leben, das der Lehre Jesu entsprechen möchte, der sanftmütigen und demütigen Herzens ist und nicht gekommen ist, damit man ihm dient, sondern um zu dienen.