12. August 2026 · Mittwoch
Auf den Punkt.
Kurzauslegung zur Tageslesung und zum Tagesevangelium mit Diakon Peter Scheuchel aus der Wallfahrtskirche Mariabrunn.
Erste Lesung – Ez 9,1-8a;10,18-22
Ezechiel berichtet vom Vollzug des angekündigten Gerichts gegen Jerusalem. Noch stehen der Tempel und die Stadt, aber das Unheil naht unwiderruflich. Und das Gericht beginnt im Heiligtum, das zum Ort des Götzendienstes geworden ist. Ezechiel sieht eine Gruppe von sechs Männern, die mit dem Werk der Vernichtung beginnen und alle Einwohner erschlagen. Ein siebter, ein Priester, holt indes Glühkohlen vom Räucheraltar und beginnt damit die Stadt zu verbrennen. Verschont werden lediglich die Unschuldigen, die nicht an den Gräueltaten beteiligt waren. Sie erhalten vom Priester ein Taw auf die Stirn gezeichnet, ein Zeichen, das sie retten soll. Dieses Taw ist der letzte Buchstabe des hebräischen Alphabets, der erste des Wortes Tora und hat in der alten phönikischen Schrift die Form des Kreuzes. Auch wir haben als Christen bei unserer Taufe und Firmung das Kreuzzeichen auf die Stirn erhalten. Es ist unser „Ausweis“ als Christen und bezeichnet unsere Zugehörigkeit zu Jesus Christus. Mit dieser Zugehörigkeit ist uns unsere Rettung gewiss, insofern wir uns im Leben dieses Kreuzes als gerecht erweisen, es stolz tragen und in ihm ein Zeichen der Aufforderung zur Nachfolge sehen. Wie ernst ist es für uns mit der Nachfolge? Welchen Wert hat für uns unser Nächster und erkennen andere an uns den Weg des Christen?
Evangelium – Mt 18,15-20
Die heutige Perikope klärt die Frage, wie auf sündhaftes Verhalten zwischen Gemeindemitgliedern reagiert werden soll. Jesus zitiert als Antwort eine damals gängige Regel zur Schonung von Sündern in Gemeinschaften: Eine gefühlvolle bzw. rücksichtsvolle Vorgangsweise wird durch einen gestreckten Instanzenzug erreicht, wie auch dadurch, dass die Sache nicht von vornherein vor der gesamten Gruppe verhandelt werden soll. Doch darf eine liebvolle Rücksichtnahme auf Einzelne nicht dazu führen, dass deren Unbelehrbarkeit und Starrsinn die Gemeinschaft quälen. Jesus kennt demnach durchaus Grenzen der liebevollen Rücksichtnahme, er ist nicht gegen einen Ausschluss aus der Gemeinde. Von da her ist Jesu Wort: „… dann sei er für dich wie ein Heide oder ein Zöllner“ (Mt 18,17b) zu verstehen. Das anschließende Wort vom Binden und Lösen findet nicht nur Anwendung auf das Zusammenleben in der Gemeinschaft, sondern kann auch jeden einzelnen von uns, in Bezug auf die Wahl zwischen dem Weg der Weltlichkeit und dem des Seelenheils, betreffen. Alles, was du auf dieser Welt festmachst, woran du dich festmachst, was du von der Weltlichkeit in dir aufnimmst, wird deine Seele auch in das nächste Leben mitnehmen. Das kann nur hinderlich sein und wird zu einer notwendigen Reinigung deiner Seele führen, denn nur für eine reine Seele öffnet sich das Tor zum ewigen Leben. Deshalb gibt uns Jesus den Rat, uns von allen weltlichen Wertvorstellungen zu lösen, unsere Seelen nicht mit nutzlosem Ballast zu schwächen und zu beschmutzen.